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Sitzungsübersicht
Sitzung
Erziehung und Belehrung der Bevölkerung als Entgrenzungsphänomen: Das Pädagogische der Politik in der Corona-Pandemie
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36

937 1842 1567, 351195
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 9. Erwachsenenbildung, Ohne Kommission, qualitativ, theoretisch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung

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Präsentationen

Erziehung und Belehrung der Bevölkerung als Entgrenzungsphänomen: Das Pädagogische der Politik in der Corona-Pandemie

Chair(s): Dr. Denise Klinge (Universität der Bundeswehr München, Deutschland), Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl (Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg), Burkhard Schäffer (Universität der Bundeswehr München)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Jörg Dinkelaker (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

In der Corona-Pandemie werden Entgrenzungsphänomene staatlichen Handelns sichtbar, da konforme Handlungsbereitschaft u.a. pädagogisch ‚hergestellt‘ wird: In einigen Ländern wird auf Persuasion und repressive Maßnahmen zurückgegriffen, während andere Länder unter Verzicht auf staatliche Eingriffe der Bevölkerung Corona-Regeln zumuten. In Deutschland kam es zu einer Mischung aus staatlichen Eingriffen und Pädagogisierung. Politiker*innen setzten Orientierungszumutungen, die begleitet wurden von der Vermittlung epidemiologischen Wissens. In dem Symposium wird einerseits untersucht, wie in verschiedenen Ländern (Deutschland, Schweden, Australien, Türkei) pandemieadäquates Verhalten der Bevölkerung per Erziehung und Lehre hergestellt wurde. Andererseits wird am Beispiel Deutschlands und der Türkei gezeigt, wie diese Grenzüberschreitungen zwischen dem Politischen und dem Pädagogischen von der Bevölkerung erfahren werden und ob es zu Orientierungsveränderungen und Aufbau von Wissen kommt.

 

Beiträge des Panels

 

Erziehung und Wissensvermittlung zur Coronabekämpfung im internationalen Vergleich: Pädagogische Modi in Politiker*innenreden

Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl1, Prof. Dr. Burkhard Schäffer2, Dr. Denise Klinge2
1Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg, 2Universität der Bundeswehr München

In der Corona-Pandemie werden national unterschiedliche Strategien der Coronabekämpfung deutlich. Sie werden unterfüttert von differenten Modi der Beeinflussung durch politische Verantwortungsträger*innen, die wir in dem Vortrag als ‚Erziehung der Bevölkerung‘ rekonstruieren möchten.

Dazu werden drei Länder verglichen: Schweden hat am Anfang der Pandemie weitgehend auf die Eigeninitiative der Bevölkerung gesetzt, während Australien mit repressiven Maßnahmen (rigorose Ausgangssperren) reagiert hat. In Deutschland kam es hingegen zu einer Mischung aus vergleichsweise leichter Repression und dem Appell an die Bevölkerung, sich pandemieangemessen zu verhalten. Diese drei idealtypisch unterscheidbaren Strategien waren zugleich von unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der ‚Massenerziehung‘, aber auch bei der Wissensvermittlung gegenüber der Bevölkerung begleitet. In Deutschland kam es etwa zu einer Mischung aus der Popularisierung naturwissenschaftlichen Wissens, Überzeugungsarbeit und Orientierungszumutungen, die wir als ‚Erziehung von Erwachsenen‘ begreifen.

In dem Beitrag soll die Frage gestellt werden, wie im Medium der politischen Rede von führenden Politiker*innen die Bevölkerungen der genannten Länder dazu gebracht werden, politische Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mitzutragen. Zur Beantwortung werden zentrale Corona-Ansprachen aus den Ländern im Sinne einer maximalen internationalen Kontrastierung mit der Dokumentarischen Methode rekonstruiert.

 

Pädagogische Orientierungszumutungen in der Coronakrise: Aneignungsmodi in der Bevölkerung

Nils Schrewe1, Nils Bernhardsson-Laros2
1Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg, 2Universität der Bundeswehr München

Um zu eruieren, wie die Grenzüberschreitungen zwischen dem Politischen und dem Pädagogischen von der Bevölkerung erfahren werden, betrachten wir die Coronakrisenkommunikation im Hinblick auf die Aneignungsverhältnisse (Kade 1993), die sie hervorbringt. Dabei stellen wir uns die Frage, wie Menschen in ihren alltäglichen Handlungskontexten auf die Orientierungszumutungen, die z.B. in Form von Hygieneregeln vorherrschen, reagieren. Wie steht es um die Eigensinnigkeit beim Umgang mit Corona? Und welche Rolle spielt die Reflexivität? In welchem Wechselverhältnis stehen Eigensinnigkeit, Reflexivität und Praktiken? Die Rekonstruktion dieser Topoi folgt dabei der Annahme, dass durch die Konfrontation mit den Corona-Verhaltenserwartungen auch kreative Lösungen (Joas 1996) initiiert worden sind. Dazu analysieren wir anhand von 15 narrativen Interviews und 5 Gruppendiskussionen, wie sich Menschen gegenüber den impliziten Erziehungs- und Belehrungsversuchen verhalten, und fragen danach, welche Orientierungen dabei entstehen. Beim Sample orientieren wir uns an einem maximalen Kontrast zwischen verschiedenen Altersgruppen, Genderzugehörigkeiten und regionaler Herkunft. Die Auswertung des empirischen Materials erfolgt mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 2014) und wird gestützt durch die Analysesoftware DokuMet QDA (Schäffer et al. 2020), um eine umfassende Typologie zum handlungspraktischen Umgang der Bevölkerung mit den diskursiv indizierten Corona-Verhaltenserwartungen zu entwickeln.

 

Entgrenzung von Wissen als Umgang mit edukatorischem Staatshandeln: Der Protest der ,Querdenker*innen‘

Anna Felicitas Scholz
Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg

Das „edukatorische Staatshandeln“ (Schumann 2014) in Zeiten der Corona-Pandemie ist Ausgangs- und Fokuspunkt des Protests der sogenannten ,Querdenker*innen‘. So konnten Nachtwey et al. (2020) in ihrer Studie zeigen, dass sich im Protest ein entfremdetes Verhältnis der Querdenker*innen zu staatlichen Institutionen, Medien und Wissenschaft dokumentiert (vgl. ebd., S. 56ff.) und „(alternativen) Informationsquellen“ (ebd., S. 60, H. i. O.) vertraut wird. Der Vortrag schließt an Erkenntnisse der Bewegungsforschung an und betrachtet aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive das biografisch gelagerte Verhältnis der Querdenker*innen zu staatlichen Institutionen (z. B. Schule) jenseits politischen Protests als auch ihre Wissensaneignung im Kontext des Protests. Zur Erforschung der Bewegung wurden auf Corona-Großdemonstrationen in Berlin 2020 teilnehmende Beobachtungen und biografisch-narrative Interviews (Schütze 1983) durchgeführt und ausgewertet. Die ersten Auswertungen weisen darauf hin, dass ein biografisch gelagerter Vertrauensverlust in Institutionen mit einer Wissensgenerierung und -orientierung an nicht-institutionell anerkanntem Wissen einhergeht und mit dieser Entgrenzung des Wissens die politische Erziehung des Staates während der Corona-Pandemie unterlaufen wird.

 

Understanding the social context of the state’s pedagogical actions: The case of Turkey during the pandemic

Dr. R. Nazlı Somel
Boğaziçi University, Istanbul

Any pedagogical practice is embedded in a social context, which is a combination of historical, cultural and practical factors. This context structures the educator‘s perception of action options (Bourdieu/Passeron 1990). This also holds true for the state when it takes measures against the pandemic.

In Turkey, the initial (and continuing) state measures involved bans and sanctions (curfews), in line with the state’s traditional role in society. These measures were considered successful by the majority of the people, possibly due to the social context. Simultaneously, the state undertook pedagogical actions aiming at behavioral changes (e.g. social distancing), but these yielded contradictory results in the face of daily experiences of different social groups. E.g., those dependent on public transport were unable to socially distance themselves. Further inconsistencies arose when the ruling party itself engaged in practices counter to its own guidelines, such as organising crowded party gatherings. This demonstrates how the political and pedagogical roles of the (capitalist) state can contradict one another and how political interests can prevail.

By comparatively analyzing government declarations, practices, and pedagogical actions, and the society’s responses as reflected in the reactions of NGOs (e.g. doctors’ association), news and opinion polls, the relation between various social contexts and the state’s oftentimes contradictory pedagogical actions will be examined.



 
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