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Sitzungsübersicht
Sitzung
Analyse und Reflexion von Grenzbearbeitungen in erziehungswissenschaftlichen Forschungsprozessen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 13
919 1201 4482, 794564
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Wissenschaftsforschung, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, Sektion 3, Kommission Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Analyse und Reflexion von Grenzbearbeitungen in erziehungswissenschaftlichen Forschungsprozessen

Chair(s): Dr. Thomas Geier (TU Dortmund, Deutschland), Dr. Christoph Haker (Universität Hamburg), Dr. Mandy Singer-Brodowski (FU Berlin)

Diskutant*innen: Dr. Helge Kminek (Goethe-Universität Frankfurt)

Im Symposium werden erziehungswissenschaftliche Forschungsarbeiten zu Nachhaltigkeit, Migration, Rechtspopulismus und muslimischen Lebenswelten auf Prozesse, Praktiken und Diskurse der wissenschaftlichen Grenzziehung, Ent- und Begrenzung sowie Grenzüberschreitung hin analysiert. Im Mittelpunkt steht eine Beobachtung zweiter Ordnung, in der nicht nur gegenstandsbezogene Grenzbearbeitungen analysiert werden, sondern auch die eigene Grenzbearbeitung von Wissenschaftler*innen reflektiert wird. Folgende Fragen sind leitend:

1) Wie werden welche Grenzen in den genannten erziehungswissenschaftlichen Forschungsfeldern konstituiert, überbrückt oder bearbeitet?

2) Wie reflektieren Forscher*innen die eigenen Grenzbearbeitungen in ihrer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Forschungsgegenständen und deren Herausforderungen. Wie sind sie zu dieser Reflexion gelangt?

3) Wie hängen die beiden Ebenen der Analyse und Reflexion miteinander zusammen und wie beeinflussen sie sich wechselseitig?

 

Beiträge des Panels

 

Grenzbearbeitungen der Bezeichnungspraxis Migrationsgesellschaft

Dr. Thomas Geier
TU Dortmund

Der Begriff „Migrationsgesellschaft“ findet in vielen erziehungswissenschaftlichen Publikationen der jüngeren Zeit eine breite Verwendung. In den Versuchen, Gesellschaft als „Migrationsgesellschaft“ zu bestimmen, scheinen Dynamiken von Ent- und Begrenzungsprozessen und damit assoziierten Problematiken in verschiedenen Dimensionen auf: Zum einen auf einer gegenstandstheoretischen Ebene, da Migration zumeist als relevante und/oder bedeutsam gemachte (symbolische, territoriale etc.) Grenzenüberschreitende und/oder bearbeitende bzw. diese irritierende soziale Mobilität angesehen wird; z.B. Grenzen des Nationalstaats. Zum anderen auf einer analytischen Ebene, sobald es darum geht, „Migrationsgesellschaft“ selbst zu definieren, also die damit verbundene Bezeichnungspraxis in ihren Grenzenzu bestimmen; etwa dann, wenn mit dem Begriff Migrationsgesellschaft eine wünschenswerte Alternative zur Thematisierung von Migration als Zu- und/oder Einwanderung verbunden ist. Nicht zuletzt weisen darüber hinaus migrationsgesellschaftliche Diskurse Einsätze auf, die sich ebenfalls als fachdisziplinäre und gesellschaftspolitische Dynamiken von Ent- und Begrenzungen fassen lassen.

Der Beitrag unternimmt angesichts dieser Ent- und Begrenzungen selbst eine Grenzbearbeitung und lotet diese durch eine hegemonietheoretische Klärung der Bezeichnungspraxis „Migrationsgesellschaft“ aus, indem diese als diskursiver Einsatz und als Analyseperspektive gleichermaßen verstanden werden soll.

 

Grenzbearbeitungen wissenschaftlicher Interaktion am Science-Policy-Interface

Janne von Seggern
FU Berlin

Im nationalen Monitoring von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wird der Prozess zur Implementation von BNE durch verschiedene Akteur*innen mit verschiedenen Studien untersucht. Eine Studie zielt aktuell darauf ab, Reflexions- und Lernprozesse der BNE-Akteur*innen im Sinne transformativer Forschung zu katalysieren und zu analysieren. Begleitend führen die beteiligten Wissenschaftler*innen eine autoethnografische Analyse durch, welche durch zweierlei Faktoren eine wissenschaftliche Grenzbearbeitung an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft problematisiert: Zum einen soll durch eine verstärkte Selbstreflexion auf Herausforderungen transformativer Forschung reagiert werden. Diese beziehen sich insbesondere auf eine Vermischung evidenzbasierter Beratung und Gestaltung und wissenschaftlicher Analyse sowie die subjektive Involviertheit der Wissenschaftler*innen in politische Prozesse. Zum anderen werden genau diese subjektiven Eindrücke der Wissenschaftler*innen zum Forschungsgegenstand und sollen auf der empirischen Datengrundlage von Feldnotizen das zentrale Erkenntnisinteresse beantworten, wie sich das Agieren der transformativ Forschenden am Science-Policy-Interface verändert. In dem Beitrag wird die theoretische Verortung einer solchen selbstreflexiven Wendung (Reflexive Turn) auf die Perspektive der Wissenschaftler*innen selbst vorgestellt und das methodische Vorgehen sowie vorläufige Ergebnisse analytischer und kollaborativer Autoethnografie präsentiert.

 

Grenzbearbeitungen in erziehungswissenschaftlicher Lehr- und Forschungspraxis angesichts neurechter Inszenierungen

Dr. Lukas Otterspeer
TU Dortmund

Anhand vorgelegter Analysen zu Grenzbearbeitungen zwischen Erziehungswissenschaft und Bildungspraxis auf der einen Seite und Gesellschaft bzw. anderen Handlungsfeldern auf der anderen Seite beantwortet der Vortrag die mit dem Symposium aufgeworfenen Fragen. Die zugrunde gelegten Analysen fokussieren dabei rechtspopulistische bzw. neurechte Grenzbearbeitungen. Bezogen auf das Wie der beforschten Grenzbearbeitung rücken einerseits rechtspopulistische Verwendungen erziehungswissenschaftlichen Wissens und andererseits neurechte „Bildungs-“ und „Wissenschaftspraxis“ in den Fokus. Diese Verwendungen und Inszenierungen festigen bereits vorliegende neurechte Problematisierungsweisen und bearbeiten Grenzen von Wissenschaft und Bildung in spezifischer Weise. Mit der Frage nach dem Wieder Reflexion rücken Umgangsweisen mit solchen Verwendungen und Inszenierungen in den Mittelpunkt. Der Vortrag argumentiert hier dafür, Kontinuitäten zwischen akademischer Lehr- und Forschungspraxis einerseits und den herausgearbeiteten Verwendungen und Inszenierungen andererseits stärker in den Blick zu nehmen. Der Zusammenhang der Frage nach dem Wieder untersuchten Grenzbearbeitung und dem Wieder Reflexion rückt dabei in den Mittelpunkt. Eine Überschneidung dieser Fragen identifiziert der Vortrag in der Arbeit an Lehr- und Forschungspraxen, wenn es in diesen gelingt, Kontingenz zu öffnen und damit fundamentalistische Verwendungen und Praktiken zu erschweren.

 

Grenzbearbeitungen in der Ethnographie muslimischer Lebenswelten

Dr. Magnus Frank
TU Dortmund

Erziehungswissenschaftliche Ethnographien zu muslimischen Lebenswelten sehen sich mit wirkmächtigen, zumeist zugehörigkeitslogischen Diskursen konfrontiert, in denen ‚der‘ Islam als homogenisiertes Kollektivsubjekt hervorgebracht wird. Damit befinden sie sich in einem methodologischen und epistemischen Spannungsverhältnis zu solchen kulturhermeneutischen und ethnomethodologischen Ansätzen, in denen davon ausgegangen wird, ein Feld innerhalb seiner Grenzen ,abstecken‘ und ,begehen‘ zu können, um dort als Feldforscher*in via Teilnahme und Beobachtung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen. Denn in den die Bedeutung ,des‘ Islam konstituierenden Diskursen wird das Forschungsfeld entgrenzt, während in ethnographischen Forschungsprozessen zunehmend versucht wird, die Grenzen des Feldes abzustecken.

Der Beitrag fußt auf einer Langzeitethnographie zur Praxis muslimischer Bildungskreise im Kontext der sog. Gülen-Bewegung. Es wird gezeigt, dass die diskursive Situiertheit des Feldes kontinuierlich als Ort ethnographischer Wissensproduktion begriffen werden muss, um neue und irritationsoffene Ergebnisse produzieren zu können. Die Grenzen des Feldes zu bearbeiten, erhält dabei die Bedeutung, die Logiken und Dynamiken, entlang derer die forschenden und beforschten Subjekte in Diskursen positioniert sind, werden und sich positionieren, in die Konstitution des Gegenstandes auf allen Ebenen des Forschungsprozesses miteinzubeziehen, zu reflektieren und für Interventionen zu nutzen.



 
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