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Sitzungsübersicht
Sitzung
Das Pädagogische sozialer Bewegungen. Fragen erziehungswissenschaftlicher Entgrenzungen von Blick und Gegen-Stand
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 28

934 2916 3800, 177967
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, historisch, Deutsch

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Präsentationen

Das Pädagogische sozialer Bewegungen. Fragen erziehungswissenschaftlicher Entgrenzungen von Blick und Gegen-Stand

Chair(s): Dr. Steffen Hamborg (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Dr. Benjamin Bunk (Justus-Liebig-Universität Gießen)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Susanne Maurer (Philipps-Universität Marburg)

Soziale Bewegungen bieten sich einer erziehungswissenschaftlichen Disziplin, die auf ihre Ent- und Begrenzungen bedacht ist, als eigensinnige und darin ‚lehrreiche‘ Gegen-Stände dar: Die Entgrenzung des erziehungswissenschaftlichen Blicks, der im Zuge seiner Zuwendung zu subjektseitigen Fragen von Bildung, Subjektivierung und Sozialisation nicht auf klassische Institutionen des Bildungs- und Erziehungswesens beschränkt bleibt, bringt soziale Bewegungen als Bildungsräume mit spezifischen Qualitäten in den Fokus. Die Diagnose einer Entgrenzung des Pädagogischen, die auf eine Durchdringung nahezu sämtlicher Lebensbereiche von pädagogischen Denk- und Handlungsformen aufmerksam macht, verweist wiederum auf Fragen, wie sich das Pädagogische in sozialen Bewegungen instituiert. Das Symposium versammelt Beiträge, die das Pädagogische sozialer Bewegungen im Horizont dieser doppelten Entgrenzung in historisch-systematischer, empirisch-rekonstruktiver und interdisziplinärer Hinsicht befragen.

 

Beiträge des Panels

 

Soziale Bewegungen im Spiegel erziehungswissenschaftlicher Entgrenzungen. Historisch-systematische Erkundungen am Beispiel von Ökodörfern

Dr. Steffen Hamborg
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Der Beitrag zielt auf eine historisch-systematische Erkundung der Fragen und Gegenstände, die in den Blick geraten, wenn wir die Zusammenhänge von Bildung, Erziehung und sozialen Bewegungen im Spiegel erziehungswissenschaftlicher Entgrenzungen betrachten. Am empirischen Beispiel von Ökodörfern und verwandten Initiativen, die antreten zu zeigen, dass und wie Gesellschaft auch anders gehen könnte, entfaltet der Beitrag hierzu, wie sich das Pädagogische sozialer Bewegungen in der Verbindung subjektseitiger Bildungsfragen mit Fragen der Institutionalisierung pädagogischer Denk-, Handlungs- und Subjektivierungsweisen formiert. Die systematische Differenzierung der mit dieser doppelten Entgrenzung in den Blick gebrachten Fragen und Gegenstände erfolgt entlang ihrer Relationierung zu sozialen Bewegungen – in, von und durch – sowie im Rückgriff auf Tenorths (2020) „Rede von Bildung“ und Pranges (2012) „Zeigestruktur der Erziehung“.

Gespannt wird so ein Bogen von der (etwa situativen oder biographischen) Einbindung Einzelner in soziale Bewegungen, über Fragen nach der Selbst-Bildung von sozialen Bewegungen als Kollektivsubjekte, die sich etwa als Zeigende über ein pädagogisches Verhältnis zur (lernenden) Gesellschaft konstituieren, hin zu zeitdiagnostischen Perspektiven, die mitunter in gegenwärtigen Formen der Pädagogisierung des Politischen eine spätmoderne Neuauflage aufklärungspädagogischer Hoffnungen auf eine ‚Höherbildung der Menschheit‘ durch soziale Bewegungen vermuten lassen.

 

„Ich war mal herzlinks, aber das war überhaupt nicht fundiert“. Zum emanzipatorischen (Bildungs-)Potential von Emotionen in Bewegungsbiographien

Dr. Jessica Lütgens
Goethe-Universität Frankfurt an Main

Die potentiell emanzipatorische Kraft von Emotionen im Bereich des Politischen wird in der öffentlichen Debatte als auch der Forschung oftmals vernachlässigt oder negiert. Emotionen sollen für die Politik keine Relevanz einnehmen oder werden verpönt, insbesondere wenn diese negativ konnotiert sind, wie etwa Wut oder Empörung. Ähnliches gilt für die als „vergessene Zusammenhänge“ (Huber/Krause 2018) problematisierten Verbindungen von Bildung und Emotion. Dieser Leerstelle eines erziehungswissenschaftlichen Blicks auf die Zusammenhänge von Bildung, Emanzipation, Emotionen und Politik geht der Beitrag nach, indem aus Fallauszügen einer biographischen Studie zu linker Politisierung in der Adoleszenz heraus rekonstruiert wird, wie ein affektiv-somatischer Impuls Jugendliche schon vor ihrer politischen Aktivwerdung dazu anregte, sich Ungerechtigkeiten oder Gewalt zu widersetzen. Die daraus entstehenden Interventionen und Widerstandshandlungen vollziehen sich affektiv, sind aber potentiell Ausgangspunkt eines transformatorischen Bildungsprozesses. Im Spiegel theoretischer Bezugnahmen auf den somatischen Impuls nach Adorno und das Prinzip der Nachträglichkeit aus der Psychoanalyse erlaubt diese Entgrenzung des analytischen Blicks an den Schnittlinien von Erziehungs- und Politikwissenschaft Schlussfolgerungen für weiterführende Auseinandersetzungen mit der potentiell emanzipatorischen Rolle von Emotionen in sozialen Bewegungen sowie der affektiven Dimension von Bildung im Allgemeinen.

 

„Die Bewegung antwortet ja…“. Zur Ambivalenz von Entgrenzung und Verletzlichkeit in Bewegungsräumen und deren biographische Bewältigung

Dr. Benjamin Bunk
Justus-Liebig-Universität Gießen

Mit dem Ausbau öffentlicher Erziehungsinstitutionen, werden auch – dem gegenüber, entgrenzende Bildungsräume institutionalisiert, zur neuen Norm jugendlichen Aufwachsens oder der ‚Blick‘ darauf pädagogisiert, etwa: Peers, außerschulische Bildung, offene Jugend- und Sozialarbeit, freiwillige Auslandsaufenthalte, oder eben soziale Bewegungen. Zumindest im Blick auf Bewegungen beruht eine Hoffnung auf Bildungsprozesse auf der individuellen Bewältigung der Ambivalenz von Entgrenzung (Bunk 2018). So können die Grenzen etablierter Ordnungen kollektiv irritiert und Zuschreibungen bearbeitet werden (Maurer 1996), gehen aber mit einem persönlichen Bezug zu ‚neuen‘ Ordnungen in der Bewegung einher – womit zunächst ‚nette‘ Prozesse der Anerkennung (Fuchs 1996, Leistner 2016), der Vergemeinschaftung (Ernst-Heydenreich 2019) oder der Plausibilisierung von Kritik (Pettenkofer 2020) verbunden sind. Vor diesem Hintergrund befasst sich der Beitrag mit der Frage, inwiefern mit der Chance auf Bildungsprozesse, nicht auch das Risiko der Verletzlichkeit einhergeht? Gegenstand sind zwei autobiographisch-narrative Interviews aus der brasilianischen Landlosenbewegung. Wobei Verletzlichkeit insbesondere dort empirisch greifbar wird, wo Konflikte thematisch werden. In beiden Fällen (einer vor 30 Jahren) geht es um die „Antwort“ der Bewegung auf den Vorwurf sexueller Übergriffe und deren biographische Bewältigung, wobei einmal die Anklagende, und einmal der Täter ausgeschlossen wurde.

 

Solidarische Beziehungsweisen als performative Praxis sozialer Bewegung

Inga Nüthen
Philipps-Universität Marburg

In meinem politiktheoretischen Beitrag reflektiere ich ausgehend von dem historischen Beispiel der Londoner Gruppe Lesbians and Gays Support the Miners (LGSM), inwiefern solidarische Beziehungsweisen (Adamczak 2017) im gemeinsamen Handeln sozialer Bewegungen erprobt, imaginiert und hervorgebracht werden (können). Das Engagement von LGSM galt der Unterstützung des britischen Bergbaustreiks 1984/85 und mündete in einem vermeintliche Gruppengrenzen überbrückenden Bündnis zwischen den streikenden Arbeiter*innen und der LGBTI*Q-Community. Die Geschichte dieses Bündnisses dient als Beispiel für Solidarität unter den Bedingungen von Differenz. Als „politische Solidarität“, gründet sie nicht auf gemeinsamer Identität, sondern auf einem Grenzen überbrückenden, gemeinsamen Ziel (hooks 1984/Mohanty 2003/Scholz 2008). Ich schlage vor, Solidarität in diesem Kontext als Utopie anderer, sorgender Beziehungs- und Subjektivierungsweisen zu denken, die im gemeinsamen Handeln performativ entworfen werden. Ausgehend vom Konzept politischer Solidarität kann die geteilte Utopie anderer Beziehungsweisen zugleich als Ermöglichungsbedingung für einen kollektiven Bildungsprozess gedacht werden, in dem Selbst-, Mit- und Weltverhältnisse transformiert werden. Im Anschluss an feministische Konzeptionen von Solidarität als gegenwärtiger Utopie (Kreisky 2000, Redecker 2020), entwickle ich daraus ein Verständnis von solidarischen Beziehungsweisen als performative, entgrenzende Praxis sozialer Bewegungen.



 
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