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Sitzungsübersicht
Sitzung
Bildplattformen als Medien der Klassifikation. Interdisziplinäre Perspektiven auf postdigitale Grenzauflösungen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
937 1017 0020, 829544
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 12. Medienpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 2, Kommission Pädagogische Anthropologie, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Bildplattformen als Medien der Klassifikation. Interdisziplinäre Perspektiven auf postdigitale Grenzauflösungen

Chair(s): Prof. Dr. Juliane Engel (Goethe Universität Frankfurt, Deutschland), Prof. Dr. Olga Moskatova (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Patrick Bettinger (PH Zürich)

Ausgehend von der These postdigitaler Bildungsprozesse, in denen die Grenzziehung zwischen analogen und virtuellen Welten problematisiert wird, fragen wir im Symposium nach dem damit verbundenen erziehungswissenschaftlichen Erkenntnispotential sowie den Konsequenzen für neuere Forschungsmethoden. Postdigitale Bildung wird subjekt- und bildungstheoretisch nicht als Lernen mit Medien verstanden, vielmehr wird sie als Relationierungspraxis untersucht, bei der Subjektivierungs- und Lernprozesse medial konstituiert sind (Engel/Jörrisen 2019). Das Verwobensein von Analogem und Digitalem bringt Potentiale für Teilhabe an mediatisierten (Lern-)Prozessen mit sich und geht zugleich mit einer (Re-)Produktion von Ungleichheitsverhältnissen einher. Die postdigital aufgelösten Grenzen müssen damit zum einen auf ihre produktiven Machteffekte sowie auf benachteiligende Machtasymmetrien befragt werden. Zum anderen erfordern sie eine Methodenkritik sowie das interdisziplinäre Erproben neuer Methodologien.

 

Beiträge des Panels

 

Medien der Klassifikation. Ordnungsmechanismen und Subjektivierung auf Bildplattformen

Prof. Dr. Olga Moskatova
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Während die Diskurse der 1990er Jahre Internet als ein freies demokratisches Medium feierten und sich später in die Partizipations-Euphorie rund um Web 2.0 verlängerten, ist es heute klar, dass das offene Internet plattformisiert und in ökonomisch verwertbare Strukturen gegossen wurde. Statt neutrale Räume vernetzter postdigitaler Sozialität zu sein, lassen sich Bildplattformen auf Machtstrukturen und klassifikatorische Ordnungsmechanismen befragen, die Wissen um die partizipierenden Subjekte anhäufen. Denn der tendenziell chaotische Charakter des Internet und der Teilhabe provoziert zahlreiche Sortier-, Klassifikations- und Aufräumarbeiten auf der Ebene der Plattform-Ökologien: ästhetisch-formale Ordnungsverfahren (Listen, Raster-Formatierungen, Reihen, Schlagworte); Personalisierungs-, Empfehlungs- und Suchalgorithmen; sollen Relevanz und Übersichtlichkeit in ein Überangebot an Selbst- und Fremdbildern bringen. Dabei bringen diese Medien der Klassifikation legitime und illegitime Ausdrucksweisen hervor, sie machen bestimmte Subjektpositionen sichtbar (z. B. weiß, schlank, hübsch) und andere opak (z. B. disabled, farbig, übergewichtig) und reproduzieren häufig bestehende Diskriminierungen (z. B. hinsichtlich des Geschlechts und der Rasse). In dem Vortrag sollen exemplarisch die subjektivierenden klassifikatorischen Verfahren der Bildplattformen diskutiert werden, die sich in der interaktiven Relation zwischen Subjekten und Technologien einstellen.

 

Netzpraktiken und Bildakkumulation im Kontext postdigitaler Bildungsprozesse

Prof. Dr. Konstanze Schütze
Universität zu Köln

Digitale Bilder zirkulieren weltweit und über sie werden politische und gesellschaftliche Ereignisse kommuniziert und kommentiert. Besonders Krisenszenarien – von #covid19 bis #capitol – befeuern die Bildproduktion und lassen Memes zu politischen Akteur*innen werden. Entlang medien- und kulturtheoretischer sowie kunstpädagogischer Ansätze schlägt der Beitrag vor, Bilder und Videos als geschäftsführende Entitäten algorithmisch geprägter Kulturen neu zu vermessen und zu diskutieren. Auf der Grundlage empirischer Studien zum subjektivierenden Potential von Bildern und Videos werden Fragen danach aufgeworfen, inwiefern künstlerisch-ästhetische Netzpraktiken neue Formen von Bildungsprozessen anregen, und wie sich in ihnen Ungleichheitsverhältnisse artikulieren.

 

Qualitative Bildungsforschung zu post-digitalen Formen der Biographisierung

Prof. Dr. Juliane Engel, Lara Karpowitz
Goethe Universität Frankfurt

Der Vortrag geht den fluiden Übergängen zwischen analogen und virtuellen Welten biographietheoretisch nach und deutet sie als Hinweis darauf, dass möglicherweise auch biografische Zusammenhangsbildung weniger linear gedacht werden kann, als es in den Erhebungen biografischer Erzählungen zumeist angelegt ist. Denn inwiefern evozieren digitale Praktiken und Selbstkonstruktionen in digitalen Räumen Formen neuer raum-zeitlicher Biografisierungen und Biografizität? Auf der Grundlage von empirischen Studien zu Selbstpräsentationen auf Tik Tok, einer Plattform auf der sehr ausschnitthafte und situative Formen der Selbstpräsentation vorherrschen, lassen sich im Vergleich mit facebook, wo (auch) konventionelle Angaben zu eigenen Lebensverhältnissen getätigt werden (Geburtstag, Wohnort…), erkennen, wie digitale Orte und dort verortete Adressat*innen kulturelle Repräsentation von lebensgeschichtlichen Zusammenhängen (neu) hervorbringen. Anthropozentrische Erhebungsmethoden, wie bspw. das biographische Interview, scheinen daher für eine zukunftsträchtige Biographieforschung nur eine mögliche Analyseperspektive zu eröffnen. Aktuelle Studien zu jugendkulturellen Identitätsentwürfen, deuten darauf hin, dass biografisches Wissen eben nicht nur IM Menschen angesiedelt ist, sondern auch in den medial-ästhetischen Relationen virtueller Räume. Dieser Spur geht der Beitrag sowohl empirisch als auch biographietheoretisch nach.

 

Zur Bildsamkeit des Hybrid-Subjektes - Pädagogische Implikationen einer rekonstruktiven Social Media Forschung

Dr. Anna Carnap1, Viktoria Flasche2
1HU Berlin, 2Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Jugendliche sind heute mehr denn je gefragt, sich biografisch zu entwerfen. Social-Media-Plattformen bieten vielfältige Optionen des Selbst- und Weltbezugs und verstricken ihre Anwender*innen in algorithmisierte Angebots- und Nachfragelogiken. Um eine größere Klarheit über diese Praktiken des Entwerfens in einem plattformspezifischen Feld des Erscheinens zu erhalten, wurden im BMBF-Projekt “Postdigitale Jugendwelten” (2012-2019) u.a. transaktionale Interviews geführt (Jörissen/Schroeder/Carnap 2020; Nohl 2011; Engel/Jörissen 2019). Die transaktionale Forschungsmethodik eröffnet einen empirischen Zugriff auf das konstitutiv relationale Verhältnis von körperlichen, dinglichen und räumlichen Hybrid-Subjekten.

Ein zentraler Befund des Projektes ist, dass die Jugendlichen eher eine performative Haltung der Kritik gegenüber den diffusen Öffentlichkeiten der Plattformen einnehmen, als eine explizit reflexive. Vor dem Hintergrund der Reformulierung von Kritik im Sinne Kants (2008) durch Foucault (1992; Zahn 2020) wenden wir die empirische Spur, die Grenzbereiche des Sag- und Sichtbaren performativ auszuloten, pädagogisch (Ricken 2012): Was ist das Ziel erzieherischen Tätigseins, wenn es nicht das souveräne Subjekt ist? Wie kann das Einnehmen einer kritisch-performativen Haltung in pädagogischen Settings intentional vorangetrieben werden (wenn nicht durch Aufklärung)?



 
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