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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzungen von Prävention und Intervention im Kinderschutz
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 34
971 8572 7089, 707731
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Entgrenzungen von Prävention und Intervention im Kinderschutz

Chair(s): Dr. Stephan Dahmen (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft), Prof. Dr. Helga Kelle (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Fabian Kessl (Bergische Universität Wuppertal, Insttut für Erziehungswissenschaft), Prof. Dr. Helga Kelle (Universität Bielefeld, Fakultät für ErziehungswissenschaftDeutschland, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft)

Das Symposium fokussiert den Wandel der öffentlichen Thematisierung und der institutionellen Bearbeitungsformen im Kinderschutz und geht der Frage nach, ob und inwiefern Kinderschutz als zunehmend entgrenzter Komplex wohlfahrtstaatlicher Praktiken verstanden werden kann. Neue interprofessionelle Kooperationsgebote führen zu einer Neuverhandlung der Grenzen fachlicher Zuständigkeiten, neue rechtliche Bestimmungen implizieren eine Verlagerung der Grenzen zwischen Intervention und Prävention und die Einführung von Netzwerkinfrastrukturen im Kinderschutz macht neue Formen der Arbeit an (institutionellen) Grenzen notwendig. Auf der Grundlage empirischer und historischer Studien beleuchten die Beiträge des Symposiums Entgrenzungsdynamiken im Kontext professioneller Selbstverständnisse, fachlicher Zuständigkeiten und praktischer Handlungslogiken. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, auf welche Weise sich Entgrenzungen im Kinderschutz manifestieren und wie praktisch mit ihnen umgegangen wird.

 

Beiträge des Panels

 

Familien sozialpädagogisch begleiten: Eine Entgrenzung von Eingriffen in die Elternautonomie?

Dr. Simone Brauchli
Universität Zürich - Institut für Erziehungswissenschaft Lehrstuhl Ausserschulische Bildung und Erziehung

In der Schweiz kommen Sozialpädagogische Familienbegleitungen zum Einsatz, wenn von fachlicher Seite angenommen wird, Eltern gefährdeten das Wohl ihrer Kinder. Mit solchen Eingriffen wird die Selbstbestimmung von Eltern zur Disposition gestellt. Die Gefährdung des Wohls der Kinder stellt hier eine Grenze dar. In jüngerer Zeit wurde in der Kinderschutzforschung eine Tendenz zu einer stärkeren Kontrollorientierung und Risikominimierung konstatiert (Watzlawick 2011). Inwiefern stellen Sozialpädagogische Familienbegleitungen aber eine Entgrenzung von Eingriffen in die Elternautonomie dar? Anhand empirischer Ergebnisse aus einer abgeschlossenen Untersuchung ethnographischen Zuschnitts werden verschiedene Formen von Entgrenzung differenziert. Es wird exemplarisch aufgezeigt, wie sozialpädagogische Fachkräfte im Kontakt mit Eltern ihre Handlungsspielräume nutzen, um mitunter gegen den Willen der Eltern eine solche Maßnahme zu initiieren und zu verlängern – ohne dabei deren Mitwirkungsbereitschaft, die für den Erfolg der Intervention unabdingbar ist, zu verlieren.

Literatur:

Wazlawik, M. (2011). Adressatinnen der Kinderschutzdebatte. In K. Böllert (Hrsg.), Soziale Arbeit als Wohlfahrtsproduktion (S. 15-30). Wiesbaden: Springer VS

 

Netzwerkinfrastrukturen im Kinderschutz und die Entgrenzung interventiver und präventiver Handlungslogiken

Dr. Stephan Dahmen, Anna Hontschick
Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG1 - Allgemeine Erziehungswissenschaft

Kindeswohlbezogene Wohlfahrtspraktiken sind durch eine Vielzahl teils widersprüchlicher Rationalitäten und Handlungslogiken gekennzeichnet. Dies drückt sich auch in einer verstärkten Verschränkung präventiver, aushandlungsorientierter Logiken einerseits und ordnungsrechtlich orientierter Hilfe- und Kontrollverständnisse andererseits aus. Neue Formen der Vernetzung, Kooperation und Koordination tragen zudem zu einer Pluralisierung der beteiligten Akteur*innen sowie zur Ausweitung und Entgrenzung kinderschutzrelevanter Beobachtungsräume bei. In dem Beitrag werden lokale Ausprägungen des Verhältnisses von präventiven und interventiven Handlungslogiken in den Blick genommen, da sich trotz einheitlicher bundesgesetzlicher Regelungen eine hohe kommunale Variabilität bezüglich der Ausrichtung, der beteiligten Akteur*innen und der verfahrensförmigen Verknüpfung/Entkopplung von „unterstützenden“ und „kontrollierenden“ Elementen in den lokalen Netzwerkinfrastrukturen beobachten lässt. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den Fragen, auf welche Weise das Handeln unterschiedlicher Akteur*innen an den „Grenzen“ unterschiedlicher organisatorischer und institutioneller Kontexte koordiniert, die Vermittlung in unterschiedliche Hilfeformen organisiert und wie mit unterschiedlichen Handlungslogiken in situierten kindeswohlbezogenen Wohlfahrtspraktiken umgegangen wird.

 

Professionelle Ent-Grenzungen – eine Rekonstruktion von Selbstverständnissen im Kinderschutz zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Medizin

Dr. Stefan Heinitz
Bundesgeschäftsführer Die Kinderschutz-Zentren

Mit der Herausbildung eines modernen Kinderschutzsystems, insbesondere seit den 1960er Jahren in der BRD, übernahmen zunehmend Professionelle aus unterschiedlichen Berufsfeldern und mit verschiedenen disziplinären Hintergründen die Aufgabe, die offenen Konzepte von „Kindeswohl“ und „Kindeswohlgefährdung“ und ihre Grenzen fallbezogen auszudeuten, zu definieren und zu bearbeiten. Diese professionelle Arbeit im Kinderschutz gewinnt gegenwärtig und vor dem Hintergrund der fachöffentlich verhandelten Strukturprobleme des deutschen Kinderschutzes an Bedeutung. Insbesondere in der Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe und der Medizin entstehen dabei neue Formen, Verfahren und Verständnisse im Sinne eines professionellen „Boundary Work“. Am Fallbeispiel einer Ärztlichen Kinderschutz-Ambulanz in einer westdeutschen Großstadt – einer der ersten Kinderschutzspezialstellen in Deutschland – sollen anhand organisationaler Dokumente aus der Zeit von 1985 bis 2015 Entwicklung und Wandel grundlegender Selbstverständnisse und Handlungsprogramme in diesem Feld rekonstruiert werden (Heinitz 2020). In der Rückschau werden damit ausgewählte Be- und Entgrenzungen professioneller Selbstverständnisse im Kinderschutz sicht- und verstehbar.

Literatur:

Heinitz, Stefan (2020): Wie Kinderschutz gemacht wird. Eine Rekonstruktion professioneller Selbstverständnisse. Weinheim: Beltz Juventa



 
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