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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenztes Wissen? Pädagogische Ratgeber im Fokus der Erziehungswissenschaft
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 15
926 3007 8513, 173066
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 9. Erwachsenenbildung, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 2, Kommission Wissenschaftsforschung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen
ID: 202
Symposium
Stichworte: Ratgeber, Wissen, Aneignung, Medien, Erziehungswissenschaft

Entgrenztes Wissen? Pädagogische Ratgeber im Fokus der Erziehungswissenschaft

Chair(s): Prof. Dr. Jens Oliver Krüger (Universität Koblenz-Landau, Deutschland), Sofia Konrad (Universität Koblenz-Landau)

Das Symposium widmet sich dem Wissen pädagogischer Ratgeber und reflektiert die Vielschichtigkeit der aktuellen erziehungswissenschaftlichen Zugänge zu entsprechenden Publikationen.

Für die Auseinandersetzung mit pädagogischen Ratgebern sind Grenzziehungen in mehrfacher Hinsicht bedeutsam:
- Epistemisch stellt sich die Frage nach der genauen Abgrenzbarkeit zwischen erziehungswissenschaftlichem und ratgeberischem Wissen.
- Handlungslogisch stellt sich die Frage nach der Abgrenzung zwischen Theorie und Praxis.
- Professionstheoretisch ist die Abgrenzung zwischen beratungsbedürftigen Laien und Expert*innen zu hinterfragen.
- Und schließlich lässt sich fragen, wie Grenzen der pädagogischen Handlungsfähigkeit in pädagogischen Ratgebern zum Thema gemacht werden.

In Bezug auf diese Fragehorizonte präsentiert das Symposium unterschiedliche empirische und theoretische Zugänge zur pädagogischen Ratgeberliteratur und bringt diese miteinander ins Gespräch.

 

Beiträge des Panels

 

Versuche, das Feld pädagogischer Ratgeber zu begrenzen und zu systematisieren

Dr. Jakob Kost
PH Bern, Schweiz

Mit der zunehmenden Konjunktur der Ratgeberforschung (Schmid et al. 2019) wird deutlich, dass die Gegenstandsbestimmung von „Ratgebern“, Forschende vor einige Herausforderungen stellt.

Bisherige Arbeiten haben sich an Themen, Perspektiven und medialen Vermittlungsformen (Zeitschriften, Buchratgeber, Elternbriefe etc.) unterschiedlicher Ratgebermedien orientiert (Oelkers 1995). Erziehungswissenschaftliche Arbeiten haben sich insbesondere auf Ratgeber in Buchform konzentriert (Schmid 2008) und argumentiert, Ratgeber würden ein eigenes Genre darstellen (Höffer-Mehlmer 2003). Daneben liegen Arbeiten vor, die sich bei der Analyse populärpädagogischen Wissens auf Magazine und Elternzeitschriften (Kingma 1996) oder Elternbriefe (Kost 2010) beziehen. Zunehmend wird auf die Absenz einer, den Ratgeber in Buchform überschreitende, Systematisierung des Feldes populärpädagogischen Wissens hingewiesen (Schmid 2016), welche den angedeuteten inhaltlichen Aspekten, strukturellen Dimensionen und medialen Vermittlungsformen Rechnung trägt.

Der Beitrag beleuchtet bisherige Systematisierungsversuche populärpädagogischer Ratgeber entlang ihrer thematisch-inhaltlichen Ausrichtung und rekonstruiert deren vielfältige Prämissen. Dabei werden Probleme vereindeutigender Gegenstandsbestimmungen ersichtlich und ein möglicher Ausweg aus textlinguistischer Perspektive skizziert. In der abschließenden Diskussion werden diese Herausforderungen kondensiert und Anregungen für die weitere Forschung formuliert.

 

Grenzen der Aneignung? Eine qualitative Explorationsstudie zur Inanspruchnahme von Ratgebermedien durch Eltern und frühpädagogische Fachkräfte

Prof. Dr. Ulf Sauerbrey, Liubov Andreeva
Hochschule Neubrandenburg

Nicht nur Laien, sondern auch pädagogische Fachkräfte nutzen Ratgebermedien (Cleppien et al. 2021). Der Beitrag referiert Ergebnisse einer laufenden Studie, finanziert durch eine hochschulinterne Forschungsförderung, zur Inanspruchnahme von Eltern und frühpädagogischen Fachkräften anhand von 20 Interviews. Wir erfassen die subjektiven Perspektiven von Eltern und Fachkräften durch offen angelegte, problemzentrierte Video- und Telefoninterviews (vgl. Keller 2008; Jahn 2012; Zeller 2018). Ausgewertet werden die Transkripte mittels qualitativer Inhaltsanalyse gemäß Kuckartz (2016) unter Verwendung der Software MAXQDA im konsensuellen Kodieransatz. Im Zentrum stehen Fragen nach Themen, medialen Formaten (gedruckten und digitalen) und Nutzungsmotiven. Erste Befunde hierzu deuten insbesondere im Vergleich zu genuin wissenschaftlicher Fachliteratur an, dass die Popularität einiger Ratgeberautor*innen, eine ihnen zugeschriebene Expertise, ein konkreter Problembezug und eine hohe Verständlichkeit/Anschaulichkeit bei der Wissensvermittlung eine Rolle bei der Ratgeberauswahl spielen. Der aneignende Zugriff auf Ratgebermedien scheint in beiden Gruppen jedoch meist fallspezifisch selektiv und reflexiv zu erfolgen. Die interviewten Fachkräfte nutzen Ratgeber im Vergleich zu den Eltern etwas differenzierter und betonen im Hinblick auf das rezipierte Ratgeberwissen den ‚eigenen Kopf‘. Geschildert werden aber auch Situationen, in denen sie bei der Ratgebernutzung ‚an ihre Grenzen gelangen‘.

 

„Bis hierher und (nicht) weiter“? Konfigurationen der (Ent-)Grenzung in kontrastierenden Sparten zeitgenössischer Ratgebermedien

Prof. Dr. Nicole Hoffmann
Universität Koblenz-Landau

„Erkenne deine Grenzen“, „Kinder brauchen Grenzen“, „Wie Sie durch Selbstoptimierung Ihre eigenen Grenzen sprengen“ – Formulierungen dieser Art gehören oftmals zum Leistungsversprechen eines Genres, das ‚Grenzfragen‘ menschlicher Entwicklung auf spezifische Weise aufgreift: die sog. Ratgeber-Medien. Dieser – erziehungswissenschaftlich seltener berücksichtigte – Bereich informeller Lernangebote ist geprägt von einer großen thematischen Breite, diversen konzeptionellen Anlagen sowie von heterogenen Sprechpositionen und Zielgruppen. ‚Grenzen‘ haben hier viele Gesichter; sie sind mal zu setzen, mal zu achten, mal zu überschreiten... Aus dem weiten Feld dieser Gattung greift der geplante Beitrag kontrastierende Sets zeitgenössischer Ratgeber aus den Sparten ‚Lebensführung‘, ‚Beruf‘ und ‚Erziehung‘ heraus, um – auf Basis einer argumentationsorientierten Dokumentenanalyse – die dort anzutreffenden Konfigurationen der (Ent-)Grenzung zu portraitieren und nach ihrer legitimatorischen Einbettung zu fragen.



 
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