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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzungen von Unterricht
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 10

985 3744 2983, 819188
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Entgrenzungen von Unterricht

Chair(s): Dr. Thorsten Merl (Philipps-Universität Marburg, Deutschland), Prof. Dr. Matthias Proske (Universität zu Köln)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Till-Sebastian Idel (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

In der erziehungswissenschaftlichen Unterrichtsforschung gilt die Bestimmung von Unterricht als nicht abschließend geklärt, da dessen Grenzen Wandlungsprozessen unterliegen. Das Symposium widmet sich deshalb aktuellen Phänomenen in Unterricht (Gegenentwürfe zum Unterricht in der Entschulungsbewegung, Bedeutungskonstruktionen von Unterricht als Arbeit und Tablets als neue unterrichtliche Wissens- und Kooperationsmedien) und Unterrichtsforschung, die Fragen nach Grenzverschiebungen und Entgrenzungen von Unterricht in je unterschiedlichen Hinsichten neu aufwerfen. Geprüft wird, wie Grenzen bestimmt werden, welche Differenzkonzepte (z.B. System-Umwelt, Innen-Außen, Norm-Abweichung) dabei genutzt werden und welche Relationierungskonzepte notwendig sind, um den Wandel von Unterricht empirisch zu analysieren und theoretisch einzuordnen. Damit zielt das Symposium darauf, Gegenstandsbestimmungen von Unterricht in der Unterrichtsforschung neu auszuschärfen.

 

Beiträge des Panels

 

Zur Entgrenzung von Unterricht als Arbeit(-szeit)

Dr. Thorsten Merl
Philipps-Universität Marburg

Ausgangspunkt des Beitrags ist die beobachtete Omnipräsenz des Terminus Arbeit im Unterricht (z.B. Arbeitshefte, -blätter, -auftrag, -zeit, Einzel- & Gruppenarbeit etc.; vgl. auch Breidenstein et al. 2017), der einen zentralen Bezugspunkt in der Praxis darstellt, dessen Bedeutung in bisherigen Gegenstandsbestimmungen von Unterricht aber kaum Berücksichtigung findet. Der Beitrag fragt entsprechend nach der Bedeutung des Arbeitsbegriffs im Unterricht und inwiefern damit eine mögliche Entgrenzung einhergeht.

Auf Basis eigener Praxeographien von Unterricht wird dafür zunächst der Frage nachgegangen, welche autorisierende Funktion Arbeit für die unterrichtliche Praxis übernimmt. Mit der Perspektive der Autorisierung des Pädagogischen (Jergus & Thompson 2017, Reh 2014) lässt sich die unterrichtliche Herstellung von Zuständigkeit analysieren, indem gefragt wird, wodurch Lehrkräfte zu welchem unterrichtlichen Handeln autorisiert werden. So zeigen empirische Analysen, dass Lehrkräfte mittels des Arbeitsbegriffs eine permanente Verpflichtung von Schüler:innen auf verschiedenste Tätigkeiten gänzlich unabhängig pädagogisch-didaktischer Ansprüche zu etablieren in der Lage sind. Dies wird als mögliche Grenzverschiebung in Relation zu bestehenden Bestimmungen analysiert – bspw. von Unterricht als im Kern pädagogischen Ordnung (Reh et al. 2011).

 

Familiale Arbeitsbündnisse? Entgrenzte Vermittlungsentwürfe in der Entschulungsbewegung

Tim Böder
Universität Duisburg-Essen

Der Beitrag greift eine grundsätzliche Fragestellung in der Relationierung zwischen familialer und schulisch-unterrichtlicher Vermittlungspraxis auf. Dazu wird als theoretischer Bezugspunkt das Modell des pädagogischen Arbeitsbündnisses gewählt, dessen interaktive Herstellung für die unterrichtliche Vermittlungspraxis als konstitutiv angenommen wird (vgl. Oevermann 1996; Helsper/Hummrich 2008). Daran anknüpfend wird gefragt, ob die Verwirklichung absichtsvoller Vermittlungsbezüge in familial-pädagogischen Generationsbeziehungen – analog zur unterrichtlichen Lehrer-Schüler-Interaktion – die situative Herstellung eines pädagogischen Arbeitsbündnisses notwendig macht.

Hierzu vorgestellt werden Befunde einer Dissertationsschrift zu Bewährungsmythen in der Entschulungsbewegung, die sich auf die objektiv-hermeneutische Rekonstruktion von narrativen Interviews mit Eltern stützen, welche sich gegen eine Beschulung ihrer Kinder entschieden haben. Gezeigt wird, wie diese Eltern die Vermittlungsaufgabe sinnstiftend entwerfen, auf welche Gegenentwürfe zum schulischen Unterricht sie rekurrieren und wie sie zugleich durchaus spannungsreich Strukturmomente schulischen Unterrichtens adaptieren. Angesichts der Befunde wird abschließend systematisiert, welche Grenzverschiebungen diesen Vermittlungsentwürfen gegenüber der unterrichtlichen Vermittlungspraxis immanent sind und welche Grenzen der familialen Vermittlungsansprüche sich darin manifestieren.

 

Grenzverschiebungen im digitalisierten Unterricht. Tablets zwischen Privatheit und Öffentlichkeit

Prof. Dr. Matthias Herrle1, Dr. Markus Hoffmann2, Juliane Spiegler2
1Bergische Universität Wuppertal, 2Universität zu Köln

Präsenzunterricht konstituiert sich durch eine spezifische Form pädagogisierter Sozialität (Ricken 2018). Innerhalb dieser gelten die individuellen Mitschriften und Arbeitsnotizen von Schüler*innen zwar als integraler Bestandteil des Formats Unterricht, die persönlichen Arbeitshefte selbst jedoch nicht als klassenöffentliche, also allen zugängliche Artefakte. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie durch die Nutzung von Tablets in iPad-Klassen die Grenzen zwischen Privatheit und Klassenöffentlichkeit neu kalibriert werden. Ausgangspunkt hierfür ist die Beobachtung, dass Tablets als genutzte Arbeitswerkzeuge mit veränderten Möglichkeiten der klassenöffentlichen Sichtbarmachung schüler*innenseitiger Wissensprodukte oder Produktionsprozesse verbunden sind. Im Unterschied zu anderen soziomateriellen Artefakten (Rabenstein 2018) erlauben Tablets eine direkte Einbindung visueller Indizien persönlicher Aufgabenbearbeitung in klassenöffentliche Prozesse pädagogischer Kommunikation (Proske et al. 2021).

Welche Konsequenzen damit für Praktiken der Unterrichtsgestaltung und -partizipation verbunden sind und wie sich durch sie die Konstitution und Abgrenzung von Privatheit und Öffentlichkeit im Unterricht verändert, wird in diesem Beitrag anhand von Befunden einer videographischen Untersuchung zur sozialen Organisation des Lehr-Lerngeschehens in iPad-Klassen (TabU – Tablets im Unterricht) dargestellt.

 

Unterricht als interdependenter Zusammenhang. Methodologische Überlegungen zur Re-Formulierung des Unterrichtsbegriffs der Unterrichtsforschung

Prof. Dr. Matthias Proske1, Prof. Dr. Kerstin Rabenstein2
1Universität zu Köln, 2Georg-August-Universität Göttingen

In ihren gegenstandstheoretischen Modellierungen hat die qualitative Unterrichtsforschung (UF) Unterricht als ein „Innen“ untersucht, das gegenüber einem „Außen“ abgegrenzt wurde. Die Grenzziehung erfolgte in materiell-räumlicher, zeitlicher, sozialer und sachlicher Hinsicht. Mit der so ermöglichten Fokussierung auf Unterricht als Interaktionsgeschehen (vgl. Proske et al. 2021) hat sich die UF zwar aus in Schulforschung, Lehr-Lernforschung und Allgemeiner Didaktik herausgestellten Betonungen eines „Außen“ (z.B. Funktionen, Wirkungen und normative Ziele) gelöst, damit aber zugleich anders gefasste Innen-Außen-Relationen aus dem Blick verloren. Angesichts von Tendenzen zur Verantwortung von Unterricht in Teams oder der unterrichtlichen Bedeutung von – anderswo produzierten – digitalen Technologien rücken vermehrt weitere Aktanten – jenseits der Interaktionssituation - in den Blick, die an Unterricht mitwirken. Im Vortrag wird die die UF prägende Grenzziehung daraufhin befragt, ob sie theoretisch noch haltbar bzw. empirisch fruchtbar ist. Angesichts erster Vorschläge einer transsituativen Unterrichtsforschung (z.B. Lange & Wiesemann 2019) sucht der Beitrag nach sozialtheoretischen und methodologischen Ansatzpunkten, um Unterricht als einen interdependenten Zusammenhang besser zu verstehen.



 
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