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Sitzungsübersicht
Sitzung
Vergewisserungspraxen von Jugendlichen in entgrenzten Zeit-Räumen
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 17
974 8805 4588, 362588
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung

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Präsentationen

Vergewisserungspraxen von Jugendlichen in entgrenzten Zeit-Räumen

Chair(s): Prof. Dr. Sina-Mareen Köhler (RWTH Aachen University, Deutschland), Prof. Dr. Andreas Walther (Goethe Universität Frankfurt), Yağmur Mengilli (Goethe Universität Frankfurt)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Barbara Stauber (Universität Tübingen)

Nicht nur anlässlich der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie lassen sich zeittheoretische Fragen zu gesellschaftlicher Be- und Entschleunigung erneut aufrollen, sondern auch angesichts bestehender Herausforderungen für Jugendliche im Übergang. Gesellschaftliche, berufliche und persönliche Zukunftsvorstellungen sind zu präzisieren und umzusetzen, wobei deren Ungewissheit stets individuell und in kollektiv geteilten Vergewisserungen mündet. Das geplante Symposium widmet sich diesem Themenkomplex mit vier Beiträgen. Anforderungen an Jugendliche der Zeit- und Zukunftsgestaltung und den dazu nötigen gegenwärtigen Zeit-Räumen werden aus einer internationalen zeitsoziologischen Perspektive in einem ersten Vortrag theoretisch breit aufgefächert. Daran anknüpfend widmen sich drei empirische Vorträge der bislang weniger im Zentrum des Diskurses stehenden kollektiven Dimension der Vergewisserungspraxen von Jugendlichen als Bearbeitung von Zukunftsungewissheit.

 

Beiträge des Panels

 

Dealing with uncertainty. A journey into contemporary young people’s temporalities

Prof. Dr. Carmen Leccardi
University of Milano-Bicocca

Against a backdrop of increasing social acceleration and uncertainty, the ‘long duration’ – the time of social institutions – loses out in favour of immediacy as a criterion for action. This restructuring of social temporalities includes a deep transformation of the future as a timeframe for the construction of biographies and identities. However, even though insecurity and anxiety seem to make it less and less realistic to plan and shape the future, many young men and women appear to be engaged in reinventing a personal, positive relationship with the time to come; yet, often to the cost of reducing the scope of their temporal horizons. In this scenario, everyday life becomes most appropriate for innovation and expression of agency and subjectivity. On the one hand, micro routines and short term cyclicity help building a reassuring, protective order; on the other, in everyday life young people search for new relations between personal creation in the future, and the specific conditions of uncertainty they have to deal with. In other words, forms of personal resilience are often expressed through micro temporal practices of daily creativity and ‘singularization’ (Reckwitz 2020) largely decoupled from institutional rhythms and schedules. Some young people seem to be able “to use time against time”: by inventing new temporal practices they try to forge a positive relationship with the future, which also translates into new forms of social and political participation.

 

Doing Transitions Online – Übergangspraktiken (Post-)Adoleszenter fernab körperlicher Kopräsenz

Jana Heer
Goethe Universität Frankfurt

Durch gegenwärtige Kontaktbeschränkungen im Zuge der Pandemie bleibt auch die Art, wie Übergänge in der (Post-)Adoleszenz hergestellt und gestaltet werden, nicht unberührt. Rituale wie der Abiball, aber auch kopräsente peerkulturelle Praktiken, entfallen teilweise unwiederbringlich (Stauber 2021) und damit auch performative Momente (Wulf 2015), durch die eine Person von anderen als andere:r anerkannt werden kann (Friebertshäuser 2020). Durch kollektive Online-Praktiken scheint dieser Wegfall gegenwärtig in Sozialen Medien kompensiert zu werden, indem bspw. unter dem Motto „what I would have worn“ Outfits via Kurzvideos präsentiert werden, die zum 1. CSD oder dem Abiball getragen worden wären. Doch bleiben diese sog. Online-Trends nicht der imaginierten und nicht mehr eintreffenden Zukunft im Zuge der Pandemie vorbehalten. Gleichermaßen wird in reflexiver Selbstbezugnahme mit dem eigenen ‚Ich‘ der Vergangenheit in Dialog getreten (coming back from the future telling myself…), Zukunftsentwürfe antizipiert (wie ich aussehe, wenn ich nach der Schule nach Berlin ziehe) oder Gegenwartsentwürfe mit veränderten Vergangenheiten (ich heute, wenn ich mich vor 4 Jahren geoutet hätte) imaginiert. Jene Arten kollektiver Praktiken im translokalen Raum des Web 2.0 sollen im Beitrag aufgegriffen und die Frage diskutiert werden, wie (aufge(sc)hobene) Übergänge online gestaltet bzw. (stellvertretend) vollzogen werden, ohne (wie üblich) in körperlicher Kopräsenz bezeugt und validiert zu werden.

 

Chillen als jugendkulturelle Praxis zwischen Vergewisserung und Abgrenzung

Yağmur Mengilli
Goethe Universität Frankfurt

Chillende und rumhängende junge Menschen in ihren Peergruppen beschäftigen seit Jahrzehnten jene, die sich mit Jugend befassen. Von Zuschreibungen wie Apathie oder Politikverdrossenheit über widerständige Praktiken (Willis 1979) bis hin zur Kritik am Fehlen von Freiräumen (BMFSFJ 2017) wird auf informelle Praktiken wie das Chillen Bezug genommen. Was sagen informelle jugendkulturelle Praktiken jedoch über Jugend aus? Inwiefern werden beim Chillen gesellschaftliche Anforderungen bearbeitet oder ausgegrenzt? In der Dissertationsstudie wurden Praktiken des Chillens in Peergruppen rekonstruiert. Einerseits bewegt sich die Peergruppe innerhalb ihres Zusammenschlusses zwischen Vergewisserungs- und Gewissheitspraktiken, um sich zu zeigen, dass sie zusammengehören, um sich andererseits nach außen hin abzugrenzen. Diese Abgrenzungspraktiken sind Grenzziehungen zu Gleichaltrigen und Andersartigen, zu Generationen und zu gesellschaftlichen Rollenerwartungen. Mit dem Code des Chillens können Gleichaltrige über habitualisierte Vergewisserungs- und Gewissheitspraktiken einander verstehen und sich gleichzeitig von anderen abgrenzen. Junge Menschen positionieren sich mit dieser Grenzbearbeitung als Grenzbearbeiter:innen (Mangold 2015) mit ihren Peergruppen innerhalb der Gesellschaft. Daraus ergibt sich die Bearbeitung des Spannungsverhältnisses zwischen entfremdete Beanspruchung eine nicht planbare Zukunft planen zu müssen sowie dabei eine selbstbestimmte Gegenwart authentisch zu erleben.

 

Zukunftsvorstellungen und Vergewisserungen im Kreise der Peers

Prof. Dr. Sina-Mareen Köhler1, Dr. Maren Zschach2
1RWTH Aachen, 2Deutsches Jugendinstitut

Bildungsprozesse von Jugendlichen pädagogisch zu unterstützen, erfordert aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive die Schaffung von Möglichkeitsräumen der Reflexion und somit tatsächliche Vergewisserungspraxen des Bildungsgeschehens in seiner Prozesshaftigkeit. Dies umfasst sowohl die Betrachtung des Bildungsanstoßes, ob Krise oder Aktionismus (vgl. Koller 2009), das Ausmaß der Transformation, die veränderten lebensweltlichen Gegenstands- und Personenbezüge sowie die Selbstvergewisserung als Biografisierung des eigenen Lebensverlaufes in der Zeit (vgl. Marotzki 1990). Der geplante Vortrag greift dieses Themenfeld auf, indem die biografische Bedeutung der Peerbeziehungen für die Entwicklung von Zukunftsvorstellungen im Längsschnitt beim Übergang ins junge Erwachsenenalter betrachtet wird. Um dabei vor allem die kollektive Dimension des Verhältnisses von Selbstvergewisserung und Zukunftsvorstellungen näher zu beleuchten, werden die biografischen Erzählungen von befreundeten Schulabsolventinnen fokussiert, die beide den erweiterten Realschulabschluss an einer Hauptschule erlangten, aber unterschiedliche Übergänge in den Beruf realisierten. Im Zentrum des Vortrages stehen zwei Fragen, wie die Freundinnen sich jeweils im Zeitverlauf gegenseitig thematisieren und wie ihre Zukunftsvorstellungen mit spezifischen Autonomie- und Partizipationspotentialen verwoben sind.



 
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