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Sitzungsübersicht
Sitzung
Verdeckung umstrittener Grenzziehungen – eine Re-Perspektivierung von Inklusionsbemühungen
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 09

982 4768 1881, 040174
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 2, Kommission Wissenschaftsforschung, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Verdeckung umstrittener Grenzziehungen – eine Re-Perspektivierung von Inklusionsbemühungen

Chair(s): Prof. Dr. Michaela Vogt (Universität Bielefeld, Deutschland), Prof. Dr. Saskia Bender (Universität Bielefeld)

Diskutant*innen: Daniel Tröhler (Universität Wien)

Ziel dieses Symposiums ist es, Praktiken der Verdeckung durch eine disziplinübergreifende Betrachtung der umstrittenen Grenzen im weiten Feld der Inklusion exemplarisch zu isolieren, hinsichtlich ihrer Wirkungsweisen und Mechanismen zu analysieren und auf dieser Grundlage erste Hypothesen zu einem Konzept von Verdeckung zu entwickeln. Durch diese interdisziplinäre Begriffs- und Theoriearbeit leistet das Symposium in mehrerlei Hinsicht einen wissenschaftlichen Mehrwert, da der zentrale Begriff der Inklusion als Ausdruck der Grenzbearbeitung weiterentwickelt und unter Gesichtspunkten der Verdeckung re-perspektiviert wird.

In den einzelnen Beiträgen werden die durch inklusive Bemühungen neu gezogenen Grenzen aus erziehungswissenschaftlichen, soziologischen (Vortrag 1), politikwissenschaftlichen (Vortrag 2) und philosophischen (Vortrag 3) Blickwinkeln begefragt.

 

Beiträge des Panels

 

Verdeckung als Notwendigkeit inklusiver Programmatiken – (Bildungs-)Soziologische Perspektiven

Marc Jacobsen, Till Neuhaus
Universität Bielefeld

Dieser Beitrag setzt es sich zum Ziel, die konzeptionelle Ausrichtung des Terminus ‚Inklusion‘ bildungssoziologisch zu betrachten. Im Rahmen der Analyse wird – aufgrund der definitorischen Vagheit des Begriffes (Dederich 2020) – die potenzielle Unmöglichkeit von Inklusion herausgearbeitet. Dabei erfassen wir Inklusion als eine empirische Kategorie, in dem wir sie als ein normatives Ziel, als Anspruch und Erwartung von sozialen Akteuren erfassen, deren vollumfängliche Realisierung aus zahlreichen Gründen strukturell unwahrscheinlich ist. Philosophisch gesprochen handelt es sich bei Inklusion um einen (höchsten) Wert. In der Folge treffen diese normativen Forderungen auf (schul-)strukturelle Hindernisse und müssen entsprechend angepasst werden; es entwickelt sich ein praktisch-technisches Inklusionsverständnis, das zwar umsetzbar ist, allerdings nie den höchsten Wert vollends widerspiegelt und ihn über die Zeit zunehmend vernachlässigt. Da Schule im 21. Jhd. sich primär nach außen verantworten muss (Ritter 2021), hat diese Nichtpassung von inklusiven Ansprüchen und technisch-praktischer Realisierung das Potenzial die Annäherung ans Ideal im Rahmen der umzusetzenden Programmatik zu unterminieren. Damit eine Fortführung inklusiver Programmatiken unter Rückbezug des politisch-öffentlichen Diskurses über Schule stattfinden kann, muss Verdeckung zwangsläufig mitgedacht werden, da alternativ Heucheleikosten (Greenhill 2016) entstehen, die auf die inklusive Programmatik zurückfallen.

 

Spannungsfeld von Inklusion und Exklusion

Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen
Universität Bielefeld

Die Kontestation von Exklusionsmechanismen setzt demokratietheoretisch die Kritik bestehender Zugehörigkeitsordnungen voraus. Als schwierig erweist sich in diesem Zusammenhang, dass gerade die politischen Ordnungen in demokratischen Gesellschaften sich zumeist nicht offen als Ausgrenzungsordnungen zu erkennen geben, sondern selbst erklärtermaßen Ansprüche auf Inklusion und Teilhabe erheben, die jedoch ihrerseits Exklusionseffekte verdecken. Um Ordnungen und ihre Grenzziehungen einer Kritik zu unterziehen, könnte es daher zunächst erforderlich erscheinen, bestehende Inklusionsvorstellungen mit einem umfassenderen Konzept von Inklusion zu konfrontieren. Dadurch entsteht eine enorme Begründungslast, die vielfach zu Recht als normative Überfrachtung kritisiert wird.

Im Anschluss an Jacques Rancières (2018) Überlegungen zur sinnlichen Aufteilung (partage du sensible) der Welt und der mit ihr verbundenen Hervorbringung eines Teils ohne Anteil (la part des sans-part) lässt sich eine negativ verfahrende Kritik der Verdeckung von Exklusionsmechanismen entwickeln, die – nicht nur – demokratietheoretisch fruchtbar ist: Sie setzt ihrerseits nicht auf eine umfassende normative Konzeption von Inklusion etwa in Form einer inklusiven sinnlichen Weltaufteilung, sondern nimmt erstens ausschließenden Effekte jeder Weltaufteilung kritisch in den Blick und weist zweitens die Kontingenz und damit verbunden auch die Möglichkeit der Neuaufteilung gegebener Ordnungen und ihrer Grenzziehungen aus.

 

Die Umdeutung des Labels ‚Inklusion‘ seitens der universitären Fachdidaktiken

Dr. Kinga Golus
Universität Bielefeld

In den Fachdidaktiken kollidieren die seitens der (Schul-)Politik artikulierten Ansprüche an Lehrer*innenbildung mit den strukturellen, institutionellen sowie historisch gewachsenen (Fach-)Traditionen innerhalb der Universitäten. Eine der zentralen Forderungen der vergangenen zehn Jahre war die Arbeit im Themenfeld ‚Inklusion‘, in dem sich die o.g. Widersprüche in besonderer Art und Weise manifestieren. Exemplarisch wird am Beispiel der (Bielefelder) Philosophiedidaktik aufgezeigt, wie das Fach mit diesen divergierenden Ansprüchen – von außen artikulierten Ansprüchen auf der einen Seite, den fachlich-theoretischen Grenzen auf der anderen – umgeht. Seitens der Philosophie erfolgt bspw. eine vorweggenommene Flucht aus der Praxis (inklusionsorientierter Philosophieunterricht) in die vertraute Theorie, die neu gedeutet wird (Inklusion als philosophischer Gegenstand) (Golus/Bergmann 2021). Inwiefern eine bestimmte Fachkultur als Ausdrucksform einer stabilen, hegemonial-sozialen Praxis (Nonhoff 2019) gedeutet werden kann, deren inhaltlicher Zugang zum Thema der schulischen Inklusion im Gegensatz zur praktizierten Fachkultur steht, lohnt der Untersuchung. Die Philosophie begründet nämlich inhaltlich eine Praxis der (schulischen) Inklusion, doch gleichzeitig vollziehen sich diese Begründungen innerhalb einer praktizierten Fachlogik, die möglichst praxisfern (verdeckend) arbeitet. Im Rahmen des Symposiums kann dieses Vorgehen exemplarisch als Verdeckungsleistung gedeutet werden.



 
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