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Sitzungsübersicht
Sitzung
Kontingenzen ableistischer Grenzen in schulischen Programmatiken und Praktiken
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
14:00 - 16:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
949 8077 2260, 267441
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, 6. Sonderpädagogik, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, qualitativ, Deutsch

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Präsentationen

Kontingenzen ableistischer Grenzen in schulischen Programmatiken und Praktiken

Chair(s): Prof. Dr. Anja Hackbarth (Johannes-Gutenberg Universität Mainz, Deutschland), Dr. Benjamin Wagener (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Lisa Pfahl (Universität Innsbruck)

Dem schulischen Erziehungs- und Bildungssystem liegen normative Legitimationen fähigkeitsbezogener Grenzziehungen und damit auch von Normalitäts- und Abweichungskonstruktionen zugrunde, die sich mittels des heuristischen Rahmens der Disability Studies in Education als ableist divide identifizieren lassen. In dem Symposium werden diese ableistischen Grenzen entlang schulischer Programmatiken und / oder Praktiken vergleichend betrachtet und im Hinblick auf Kontingenzen, Behinderungen und Teilhabe diskutiert. Dafür werden in den praxeologisch oder diskursanalytisch angelegten Einzelvorträgen transnationale (Vergleich unterrichtlicher Interaktionen in der Schweiz und in Kanada), nationale (Schulcurricula in Österreich) als auch regionale (kleinräumige Schulprofilierungen) Analysefokusse entfaltet. Diese werden abschließend von Prof. Dr. Lisa Pfahl aus der Perspektive der Disability Studies in Education diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Professionelles Handeln zwischen Individualisierung und Pathologisierung im inklusiven Fachunterricht

Dr. Benjamin Wagener
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Anhand von Videographien des Fachunterrichts in inklusiven Sekundarschulklassen in der Deutschschweiz untersucht der Beitrag das (Spannungs-)Verhältnis von (Identitäts-)Norm und Praxis im Interaktionssystem Unterricht. Die Interaktion zwischen den Schulischen Heilpädagog:innen und den Schüler:innen mit zugeschriebenem „besonderem Bildungsbedarf“ kennzeichnet eine primäre Rahmung durch Pathologisierung und Konstruktion ‚behinderter’ Identität, die durch Absprache eigenverantwortlichen Handelns und partieller Suspendierung der Leistungsordnung und somit der sozialen Schüler:innen-Identität charakterisiert ist. Im Mathematikunterricht steht die stigmatisierende Identitätskonstruktion einem primär sachbezogenen und individualisierenden Typus gegenüber, der mit einer gesteigerten Erwartung an die Eigenverantwortung der Schüler:innen ohne attestierten besonderen Bildungsbedarf einhergeht und Zugriffe auf ihre Person vermeidet. Dies geht zugleich mit fehlenden Anschlüssen an die persönlichen Sachzugänge einher, was das Risiko des Ausschlusses aus dem (gemeinsamen) Unterricht, in dem die Sache als standardisiert hervorgebracht wird, erhöht. Die rekonstruierbare handlungspraktische Grenzziehung zwischen Nicht_Pathologisierung (im soziologischen Sinne) und Nicht_Leistungsfähigkeit eröffnet Anschlüsse an normative Fragen pädagogischer Professionalität im Kontext von Inklusion/Exklusion.

 

Konstruktion von Leistungsdifferenzen im Mathematikunterricht der Sekundarstufe – ein internationaler Vergleich professionalisierter Praxen ein- und mehrgliedriger Schulsysteme

Prof. Dr. Tanja Sturm
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

In dem Beitrag sollen Rekonstruktionen, die auf Basis von Videografien im Mathematikunterricht kanadischer Sekundarschulen generiert wurden, vorgestellt und mit denen des Beitrags von Vortrag 1 verglichen werden. Die im Projekt „Soziale Genese unterrichtlicher Praxen der Konstruktion von (Leistungs-)Differenzen im transnationalen Vergleich“, das in der Praxeologischen Wissenssoziologie verankert ist, generierten Ergebnisse zeigen, dass sich der Mathematikunterricht in mehr- wie in eingliedrigen Schulkontexten durch eine primäre Rahmung der Sachorientierung auszeichnet. Neben dieser Homologie unterscheiden sich damit verbundene unterrichtliche Bewertungspraxen: während in der Deutschschweiz nicht nur die Produkte (z.B. mathematische Rechnung), sondern auch die Schüler:innen, die sie erstellt haben, bewertet werden, weist das kanadische Sample keine vergleichbare Identitätskonstruktionen auf. Fehlerhafte Produkte stellen in den kanadischen Praxen Anlass für versachlichte Erläuterungen dar. Vergleichbare ableistische Grenzziehungen liegen also nicht vor. Eine soziogenetische Erklärung für die unterschiedlichen konstituierenden Rahmungen der Praxen liegt in den kodifizierten Leistungsverständnissen der Schule: während individuelle Leistungszuschreibungen im mehrgliedrigen Schulsystem Grundlage für die Legitimation von Allokationsentscheidungen und damit verbundenen ableistischen Grenzziehungen darstellen, ist dies in eingliedrigen Systemen nicht vergleichbar gegeben.

 

Curriculum und Fähigkeit

Prof. Dr. Tobias Buchner
PH Oberösterreich

Curricula stellen ein politisches Programm dar, über welches die Parameter der Subjektproduktion an Schulen geregelt werden sollen. So findet sich darin festgelegt, welches Wissen und welche Fähigkeiten an Schulen erworben werden sollen – um die gesellschaftlich benötigten, ‚erwünschten Bürger*innen‘ zu produzieren. Darüber werden implizit auch fähigkeitsbezogene Konstruktionen von ‚Normschüler*innen‘ vollzogen – und damit verwobene Grenzziehungen nahegelegt.

Bezugnehmend auf das Konzept des ‚Ableism‘ wird im Beitrag das Zusammenspiel von Fähigkeit und Curricula untersucht. Dazu wird im Rahmen einer diskursanalytischen Herangehensweise der Frage nachgegangen, welche unterschiedlichen Fähigkeitserwartungen sich in verschiedene Lehrpläne der Sekundarstufe I in Österreich eingeschrieben finden – und aufgezeigt, welche Normalitätskonstruktionen sowie Behinderungen von Teilhabe darüber impliziert werden.

So werden die in Curricula der Gymnasien, Mittel- sowie der Sonderschulen eingelagerten, unterschiedlich konnotierten fähigkeitsbezogenen Grenzziehungen herausgearbeitet. Dabei wird aufgezeigt, wie über fähigkeitsbezogene Konstruktionen ein grundlegender ‚great divide‘ im Sinne einer qua curricularer Definitionen nahegelegten Unterteilung in nicht_normal zwischen Schüler*innengruppen forciert wird - aber auch wie Hierarchisierungen oberhalb des ‚ableist divide‘, zwischen Schüler*innen der Gymnasien und der Mittelschulen, nahegelegt werden.

 

Räumliche Konstituierung von Normalität und Abweichung

Prof. Dr. Anja Hackbarth1, Dr. Patricia Stošić2
1Johannes-Gutenberg Universität Mainz, 2Goethe-Universität Frankfurt

Im folgenden Beitrag wird die räumliche Konstituierung von Normalität und Abweichung als fähigkeitsbezogene Grenzziehung auf der Ebene von Einzelschulen im Bildungsraum reflektiert. Der Bildungsraum lässt sich dabei raumtheoretisch (u.a. Löw 2001) als Konstellationen von Schulen verstehen, die durch die Platzierung von Schulen an bestimmten Orten und durch spezifische Praktiken (z.B. der Schulprofilierung) hervorgebracht werden. Vorgestellt werden machtvolle einzelschulbezogene Grenzziehungen, die aus dokumentarisch analysierten Interviews mit Schulleitenden sowie mit Eltern von Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarfen aus dem vom BMBF geförderten Projekt "Lokale Konstellationen inklusiver Bildung. Wissen, Handeln, Organisation im Bildungsraum (LoKoBi)" rekonstruiert wurden. Diesen expliziten fähigkeitsbezogenen Grenzsetzungen unterliegen Normalitäts- und Abweichungskonstruktionen, die insbesondere an den Rändern der Grenzen sowohl kontingent als auch fluide aufscheinen, was wiederum neue Optionen von Zugängen als auch von Ausschlüssen schafft.

Literatur

Löw, M. (2001). Raumsoziologie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.



 
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