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Sitzungsübersicht
Sitzung
Poster-Cluster: Digitale Partizipation & Entgrenzung
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
11:30 - 13:00

Chair der Sitzung: Prof. Dr. Florian Schmidt-Borcherding, Universität Bremen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
965 1526 3653, 429439
Sitzungsthemen:
12. Medienpädagogik, Deutsch

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.


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Präsentationen

Partizipation digital

Prof. Dr. Isabel Zorn, Caroline Kortekaas

TH Köln, Deutschland

Partizipation wird verstärkt gefordert, jedoch liegen kaum Erkenntnisse vor, was Partizipation in Forschung und Entwicklung konkret meint. Es herrscht ein vorwiegend auf strukturelle Aspekte bezogener normativer Anspruch der Beteiligung. Partizipation auf handlungstheoretischer Ebene in der konkreten Zusammenarbeit sowie die Kommunikation als entscheidender Faktor zwischen den Beteiligten wird bisher wenig fokussiert (Goeke/Kubanski 2012). Dieser Beitrag knüpft daran an, indem Interaktionen in einem partizipativen inklusiven Technikentwicklungsprozess mit Hilfe der Ethnomethodologischen/ multimodalen Konversationsanalyse sowie der Video-Interaktionsanalyse (Ayaß 2004; Deppermann 2018; Tuma 2018) untersucht werden. Partizipation der Zielgruppe soll Entgrenzung in Bezug auf digitale Transformationen erzielen. Das Vorhaben ist in den Wissenschafts-Praxisdiskurs Soziale Arbeit und Digitalisierung einzuordnen. Das Projekt entwickelt und erprobt digital mit Adressat*innen der Kinder- und Jugend- sowie Eingliederungshilfe digitale Alltagshilfen und ist an der Schnittstelle inklusiver, partizipativer Forschung und partizipativer sowie inklusiver Technikentwicklung einzuordnen (Buchner et al. 2016; Bergold/Thomas 2012; Matiouk 2019; Unger 2014; Walmsley/Johnson 2003). Der Beitrag untersucht konkret: Wie kann Partizipation trotz coronabedingter Distanz ermöglicht werden, welche Partizipationspraktiken und -verständnisse prägen den digitalen partizipativen inklusiven Entwicklungsprozesses mit vulnerablen Jugendlichen und welche Rollen nehmen die unterschiedlichen Beteiligten dabei ein? Zuerst werden das Format remote-Workshops sowie technische, didaktisch-methodische Bedingungen erörtert, die als Möglichkeit coronabedingte Begrenzungen zu überwinden und partizipativ zusammenzuarbeiten dienen. Der zweite Teil betrachtet Be- und Entgrenzungen im und durch den digitalen Raum. Es wird untersucht, welche Interaktionen und welche Beteiligungspraktiken sich im Digitalen zwischen Mitentwickelnden, Forschenden und Fachkräften zeigen. Das digitale Format soll zu Entgrenzung beitragen, es schafft jedoch neue Grenzen, für welche noch kaum Konventionen oder Rollendefinitionen existieren. Partizipation als handlungsleitende Maxime für diverse Erziehungs- und Bildungsinstitutionen wurde durch die Corona-Pandemie zum Großteil ins Digitale verlagert und erfordert die Reflexion von Beteiligungsmöglichkeiten und Anforderungen an professionelles Handeln auf verschiedenen Ebenen.



Der Kommunikationsstil in den Kommentarbereichen von Online-Medien: ein Vergleich zwischen „traditionellen“ und „alternativen“ Nachrichtenportalen aus Sicht der Medienbildungsforschung

Dr. Johannes Abel, Prof. Dr. Maximilian Sailer

Universität Passau, Deutschland

Ziele oder Fragestellungen im Kontext des theoretischen Rahmens oder Forschungsstandes

Echokammern, Alternative Fakten und die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten sind aktuelle Themenfelder der Medienbildungsforschung und haben im Zusammenhang der Corona-Pandemie an Bedeutung hinzugewonnen (vgl. Spöri & Eichhorn, 2021; Roose, 2020).

Forschungsfrage: Lässt sich in den Kommentarbereichen von Online-Nachrichtenseiten hinsichtlich des Kommunikationsstils ein Unterschied zwischen «traditionellen» und «alternativen» Medien feststellen?

Methodik

Untersucht wurden in einem Längsschnittdesign mit zwei Erhebungszeitpunkten insgesamt 18.568 Kommentare zu 326 Artikeln (online), welche die Corona-Pandemie zum Inhalt haben. Hierbei wurden sechs verschiedene Nachrichtenportale berücksichtigt (Compact, KenFM, Political Incorrect, Spiegelonline, Tagesschau, Zeit). Die Stichprobe wurde jeweils in den ersten zwei Wochen des ersten Lockdowns (LD) und des zweiten Lockdowns gezogen.

Ausgewertet wurden die Daten durch das Analysesystem Symanto, eine auf psycholinguistischen Algorithmen basierenden künstliche Intelligenz zur Verarbeitung und Auswertung großer Mengen an Textdaten.

Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen

Medienübergreifend wurde im Vergleich zum ersten LD (28,73%) im zweiten LD (31,64%) emotionaler kommuniziert, χ2(1,N=17.956)=18,142, p=.000, Phi=.032. Trotz alledem wird der Kommunikationsstil sowohl im ersten LD (71,27%) als auch im zweiten LD (68,36%) überwiegend als rational erkannt.

Der Anteil faktenorientierter Kommentare liegt bei den traditionellen Medien bei 44,4%, bei den alternativen Medien bei 42,9%. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Medien festgestellt werden, χ2(1,N=18.561)=3,486, p=.062, Phi=.014.

Diese Ergebnisse lassen erkennen, dass die Mehrheit der Kommentator*innen von Online-Artikel ihre Meinung nicht hinreichend belegen. Dies ist für alle untersuchten Online-Portale erkennbar . Trotz fehlender Belege wird der Kommunikationsstil der Kommentator*innen als überwiegend rational klassifiziert.

Aus Sicht der Medienbildungsforschung ist dies bedeutsam: Arbeiten, die sich mit den Gefahren von Verschwörungstheorien und Falschmeldungen, in „alternativen Medien“ befassen, gehen oftmals von der Annahme aus, dass die dortigen Diskussionen eine emotionalisierte und irrationale Sprache aufweisen. Dies ist aber nicht der Fall ist, wie diese Studie belegt. Sondern im Gegenteil, Fehlinformationen werden rational-plausibel in Kommentare verpackt und können nur durch fehlende Substanz (Belege)„enttarnt“ werden.



Informationsrecherche in schulischen Lernkontexten – zur Abgrenzung von Kernkompetenzen angesichts der Entgrenzung von Informationen

Lara Gerhardts

Universität Paderborn, Deutschland

Im Laufe der Sekundarstufe I gewinnt die informationsorientierte Nutzung des Internets für schulische Zwecke zunehmend an Bedeutung, etwa zur Vorbereitung von Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder auch im Kontext fächerübergreifender Projektarbeit. Dementsprechend verbringen Sekundarschüler*innen mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit mit der Informationssuche im Netz (vgl. mpfs 2019). Allerdings scheint das „doing“ allein – so wie es sich im Bereich des Recherchierens derzeit gestaltet – oftmals kein hinreichendes „learning“ von Recherchekompetenz zu implizieren: Die Ergebnisse einschlägiger empirischer Studien belegen, dass die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen in Deutschland bei einem nicht unerheblichen Teil der Schüler*innen entwicklungsbedürftig sind, darunter nicht zuletzt der Bereich Informationsrecherche (vgl. Eickelmann et al. 2019). Ursächlich betrachtet mangelt es nicht allein an der technischen Ausstattung von Schulen, sondern darüber hinaus an passgenauen didaktischen Konzepten zur Förderung kommunikations- und informationsbezogener digitaler Kompetenzen (vgl. Anonymisiert et al. 2020).

Im Idealfall basieren didaktische Entscheidungen hinsichtlich eines bestimmten Lehr-/Lernbereichs auf einem wissenschaftlich fundierten einschlägigen Kompetenzmodell. Der Bereich Internetrecherchekompetenz wurde bislang v. a. für Test-/Messzwecke wissenschaftlich modelliert; nicht jedoch explizit im Hinblick auf didaktische Anwendungszwecke. Das Ziel des im Rahmen dieses Posterbeitrags präsentierten Dissertationsvorhabens besteht darin, ein explizit didaktisch ausgerichtetes Kompetenzstrukturmodell für die Sekundarstufe I zu erarbeiten, das sich als Orientierungsgrundlage z. B. für die Ausdifferenzierung schulinterner Curricula, für die Auswahl von Unterrichtsinhalten oder auch für individuelle Förderdiagnostik in diesem Bereich eignet.

Nachdem die theoretische Rahmung und eigens entwickelte Erhebungsmethodik (Recherche-Videographien, Stimulated Recalls und Interviews) bereits in der digitalen Posterausstellung des DGFE-Kongresses 2020 präsentiert wurden, fokussiert dieses Poster nun die Analysemethoden – eine Kombination aus Qualitativer Inhaltsanalyse und theoretischem Codieren gemäß GTM – sowie die dadurch erzielten Ergebnisse: Das inzwischen vorliegende dimensionierte Modell grenzt jene Kerndimensionen von Internetrecherchekompetenz ab, die für Schüler*innen der Sekundarstufe I angesichts entgrenzter Informationswelten heutzutage essenziell sind.



Entgrenzung pädagogischer Expertise durch soziale Medien

Petra Dinter

Universität zu Köln, Deutschland

Die Familie als Ort informeller Bildung gilt als zentral für die Bildungsprozesse von Kindern (u.a. Walper & Grgic 2019). Durch den gesellschaftlichen Wandel und den damit verbundenen Auswirkungen auf das Familienleben zeigen sich jedoch vielfältige elterliche Unsicherheiten und Belastungen (u.a. Hopfner 2019), die durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurden (BMFSFJ 2020). Zwar nehmen Eltern die pädagogischen Fachkräfte in KiTas als kompetente Unterstützung wahr (u.a. Friederich 2011), es gibt aber gleichfalls eine große Nachfrage an Ratgeberliteratur (u.a. Hopfner 2019). Auch zeigt sich eine wachsende Tendenz familiärer Mediatisierung, mit der ein starkes Bedürfnis von Eltern einhergeht, das Social Web zu nutzen, um sich zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. So verdeutlicht eine Untersuchung von Helen Knauf (2020), dass die auf Familienblogs dargelegten subjektiven Erfahrungswerte von Blogger*innen als „neue Form von Erziehungsratgebern“ (ebd., S. 1) fungieren. Im Unterschied zur Ratgeberliteratur gründen sich die Inhalte der Blogs jedoch primär auf subjektive Erfahrungen der – zumeist weiblichen – Blogger*innen und sind zudem in vielen Fällen kommerziell konnotiert (ebd.).

Bislang ist jedoch ungeklärt, inwieweit sich diese Einflüsse bei den elterlichen Rezipient*innen des Social Web zeigen und ob diese zu einer Entgrenzung pädagogischer Expertise führen. Daher ist die zentrale Fragestellung des Promotionsvorhabens, inwiefern die zunehmende Nutzung des Social Web, insbesondere von Familienblogs, die Familie als primäre Sozialisationsinstanz und als Ort informeller Bildung beeinflusst. Es wird u.a. den Fragen nachgegangen, (1) welche Blogs und Themenbereiche bei Eltern auf Interesse stoßen und welche Gründe zu einer Rezeption führen, (2) inwieweit Eltern Informationen, Unterstützung und Ratschläge durch Familienblogs als hilfreich empfinden, (3) in welchen (Problem-)Situationen Eltern das Social Web nutzen und wann sie sich eher an professionell tätige Akteur*innen (z.B. KiTa-Fachkräfte) wenden. Angewandt wird ein Mixed-Methods Design (Kuckartz 2014), das aus einer vorgeschalteten Online-Fragebogenstudie zur quantitativen Exploration und einer qualitativen Interviewstudie besteht. Im Fokus der Untersuchung stehen problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) mit Eltern als Rezipient*innen des Social Web.

Das Poster gibt einen Überblick über den theoretischen Hintergrund, die Ziele, das methodische Design und erste Ergebnisse des Promotionsvorhabens.



Songwriting im (post)digitalen Zeitalter

Katharina Hermann1, Matthias Haenisch2, Prof. Dr. Verena Weidner1, Prof. Dr. Marc Godau2

1Universität Erfurt, Deutschland; 2Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam

In der Musikpädagogik ist neben einem wachsenden Interesse an informellem Lernen für formale Kontexte (Green 2008), der Ruf nach einer "kompositorischen Wende" (Kaschub/Smith 2013) wahrnehmbar, die sich von geschlossenen hin zu offenen Formen des Komponierens (Allsup 2013) vollzieht. Dieser Wandel geschieht im Rahmen einer zunehmenden Digitalisierung und der Verflechtung von menschlichen und technologischen Entitäten, die die musikalischen Praktiken des 21. Jahrhunderts beeinflussen und die Grenzen zwischen digitaler und analoger Lebenswelt verschwimmen lassen.

Vor diesem Hintergrund untersucht der Forschungsverbund Musical Communities in the (Post)Digital Age (MusCoDA) der Universität Erfurt (UE) und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam (FHCHP) Songwriting-Prozesse als Beispiel für kollektive Kreativität in (post)digitalen Communities (Clements 2018; Cramer 2015). Das vierjährige Forschungsprojekt basiert auf den Ergebnisse der Pilotstudie „How popular musicians learn in the digital Age“ (Godau/Haenisch 2019), in der informelle Lernpraktiken von Bands unter den technologischen und ästhetischen Bedingungen der Postdigitalität untersucht wurden. Ausgehend vom Musikunterricht an Schulen (UE) einerseits und informellen Bands (FHCHP) andererseits, erforscht MusCoDA kollaboratives und kooperatives Lernen (Bornemann 2012; Sonnenburg 2007) in divergenten Bildungskontexten. Kollektives Songwriting wird im Kontext von Communities of Practice (Wenger 1998; Kenny 2016) untersucht, in denen kontextualisierte Akteure ein gemeinsames Netzwerk bilden. Die Netzwerkperspektive (Latour 2005; White 1992) ermöglicht es scheinbare Grenzen, sowohl zwischen digitaler und analoger Lebenswelt, als auch formaler und informeller Bildung (Green 2001) als durchlässig zu betrachten und postdigitale Praktiken zu rekonstruieren. Durch den Vergleich von Songwriting-Prozessen in formalen Schul- und informellen Bandkontexten, sowie den in diesen Settings stattfindenden Veränderungen menschlicher und nicht-menschlicher Beziehungen rücken Möglichkeiten einer pädagogisch-didaktischen Verschränkung unterschiedlicher Bildungswelten in den Fokus.

Das Ziel ist es, ein empirisches Modell der kollektiven musikalischen Kreativität und des Lernens zu entwickeln und Unterrichtskonzepte für den Musikunterricht im postdigitalen Zeitalter zu formulieren. Das Poster stellt das Forschungsdesign von MusCoDA sowie die Ergebnisse der Pilotstudie vor.



Digitale Studienpraktiken – Räumliche und bildungsbezogene Ent- und Begrenzungen digitalen Studierens

Marie Rathmann1, Therese Rosemann2, Jan Schiller3

1Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland; 2Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland; 3Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland

Digitale Studienpraktiken – Räumliche und bildungsbezogene Ent- und Begrenzungen digitalen Studierens

Aktuelle Studierendenbefragungen verweisen auf digitalgestützte Lern- und Kommunikationsanforderungen, die zu neuen Formen der Arbeitsbelastung führen (Janschitz et al. 2021). Der Einsatz digitaler Lehr- und Lernformate und pandemiebedingte Veränderungen führen zu Verschiebungen digitaler Lernpraktiken Studierender. Unklar ist, welche Studienbedingungen sich derzeit an den Hochschulen herausbilden und wie diese be- oder entgrenzend wirken.

Das Forschungsprojekt DigiTaKS*[1] fokussiert den Erwerb transformativer digitaler Kompetenzen Studierender nicht technik-affiner Bereiche. Das Teilprojekt, welches an der Universität der Bundeswehr in Hamburg angesiedelt ist, konzentriert sich auf digitale Lernpraktiken von Studierenden, um Verschiebungen o.g. Praktiken zu rekonstruieren. Unter Verschiebungen werden Be- und Entgrenzungen verstanden: Entgrenzung meint den Prozess der Ausdifferenzierung von Strukturen infolge historischer Bedingungen, aus denen regulierenden Begrenzungen resultieren. Begrenzungen werden als Reaktion von Akteuren gedeutet, welche diese Regulationen auf individueller Ebene gestalten (Gottschall & Voß 2005).

In der Anforderungsanalyse des Projektes wurden folgende Methoden eingesetzt: Auf der Mikroebene wurde eine Gruppendiskussion mit Studierenden geführt und 102 Studierende über einen Fragebogen zur Wahrnehmung des Studienalltags befragt. Weiterhin bieten Evaluationsdaten von 4782 Studierende der vorangegangenen drei Trimester (Frühjahr 2020 bis 2021) einen vertiefenden Einblick in die studienbezogene Wahrnehmung der digitalen Lehre. Auf der Mesoebene erfolgten Experteninterviews mit sechs Dozierenden und fünf militärischen Vorgesetzen über die Herausforderungen der digitalen Lehre. Ferner wurden anhand eines Fragebogens 45 Dozierende zur Gestaltung der digitalen Lehre befragt.

Folgende Ergebnisse konnten bislang rekonstruiert werden: Im Zuge des digitalen Studienalltags sind Lernpraktiken nicht mehr an starre Lehr- und Lernräume gebunden, sondern unabhängig von analogen Räumen. Ergo werden die neu verorteten Grenzen der Lernpraktiken fluide und es eröffnen sich neue digitale Räume für ebendiese Praktiken (Entgrenzung) (Mesoebene). Die Studierenden gehen sodann als aktive Akteure (Kocyba 2004) in die bewusste Aushandlung, indem sie neue digitale Räume gestalten und diese für Bildungsprozesse nutzen (Begrenzung) (Mikroebene). Angesichts dessen wird vermutet, dass Studierende digitale transformative Kompetenzen (DigCom 2.1) erwerben. Entsprechende Kompetenzentwicklungsprozesse sollen zukünftig im Rahmen des Projektes identifiziert werden.

[1] DigiTaKS* ist an der Professur für Weiterbildung und lebenslanges Lernen an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg angesiedelt und wird vom BMVg im Rahmen von dtec.bw (2021–2024) gefördert: https://www.hsu-hh.de/wb/digitaks. Projektleitung: Prof. Schmidt-Lauff; Projektkoordinator: Dr. Schwarz.



#EDUCATEYOURSELF- Bildungsimperative in jugendlichen Selbstinszenierungen auf TikTok

Dilek Dipcin, Mendina Scholte-Reh

TU Dortmund

In diesem Beitrag soll es um die Frage gehen, wie sich junge Menschen auf der Mikrovideo-Plattform „TikTok“ im Kontext von Rassismus- und Gesellschaftskritik inszenieren und dies im Horizont von „Education“ und Aufklärung verhandeln. Das Spektrum der von den sogenannten Creatorn dargebotenen Inhalte reicht von Comedy über Tanz bis hin zu (gesellschafts-)politischen Inhalten. Interessanterweise spielen einige junge Creator mit der bewussten Selbstbezeichnung als „Gen Z“ oder „Millenial“ in Abgrenzung zu anderen Generationen und insbesondere zu „Boomern“, die als negativer Gegenentwurf zur eigenen Generation gesetzt werden.

Es soll genau die von der US-amerikanischen und Black Community inspirierte deutschsprachige Bubble, die unter dem Hashtag #educateyourself zusammengefasst werden kann, fokussiert werden. Hierbei wird zum einen das Selbst als ‚self educated‘ dargestellt, was außerhalb institutioneller Bildungseinrichtungen - und sogar mit einer Kritik derselben einhergeht - verortet wird und zum anderen wird die Selbstbildung als ein Anspruch an andere User*innen formuliert. In ihren TikToks inszenieren sie damit einen selbstausgewählten und -auferlegten Bildungsauftrag. Ihr Bildungsbegriff steht im Kontext eines Imperatives #educateyourself! und kann als Aufklärung im Sinne Immanuel Kants „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant 1784/1997, S. 39) gelesen werden.

Anhand von netnografischen Beobachtungen soll die Verarbeitung der kritischen Inhalte und die Selbstinszenierung (Goffman 2003) unter verschiedenen Hashtags (#educateyourself; #educate; #antirassismus u.A.) gesichtet werden. Das Sample stützt sich bisher auf 14 Creator. Aus dem Sample heraus sollen außerdem leitfadengestützte-narrative Expert*innen-Interviews mit Creatorn geführt werden, in dem diese auch mit ihrem Verständnis von Education konfrontiert werden sollen. Die Interviews werden mit der Dokumentarischen Methode (Nohl 2017) und im Horizont einer bildungstheoretischen Perspektive (Horkheimer 1952/1985; Klafki 1996; 2007; Kant 1784/1997) ausgewertet.

Die Bildungsimperative in den Selbstinszenierungen können als eine dreifache Entgrenzung gelesen werden: 1.) der digitale Raum als Entgrenzung klassischer pädagogischer Räume, 2.) Entgrenzung des Bildungsauftrages aus pädagogischer Professionalität als ein selbstauferlegter Bildungsauftrag und Aufklärungsarbeit und 3.) die Entgrenzung von curricularen und politischen Inhalten durch Kritik und Aufbegehren.



 
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