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Sitzungsübersicht
Sitzung
Poster-Cluster: Schulpädagogik & Schulentwicklung
Zeit:
Montag, 14.03.2022:
11:30 - 13:00

Chair der Sitzung: Sven Trostmann, Universität Bremen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 10

985 3744 2983, 819188
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, Sektion 5, Kommission Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe, Deutsch

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.


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Präsentationen

Grenzüberschreitungspotenzial im Unterricht? Was privates Wissen über Schüler*innen mit Lehrer*innen macht

Katharina Graalmann

Universität Osnabrück, Deutschland

Im Rahmen meiner Dissertation werte ich unter methodischem Zugriff auf die Dokumentarische Methode (vgl. Bohnsack 2014) 16 Interviews mit Lehrer*innen an Gesamtschulen und Gymnasien hinsichtlich ihrer Orientierungen zu Bildungs(un-)gerechtigkeit (vgl. Giesinger 2007, Stojanov 2013) aus, wobei durch eingesetzte Vignetten zu konkreten Schul- und Unterrichtssituationen (vgl. Paseka/Hinzke 2014) besonders soziale Herkunft (vgl. Bourdieu 1983, Bremer/Lange-Vester 2013) von Schüler*innen impliziert ist. Im Rahmen der sinngenetischen Typenbildung lassen sich aktuell die Fälle zu vier Typen verdichten, wobei „Unterrichtliche Praxis“ ebenso wie „(Re-/De-)Konstruktion von sozialer Schüler*innenherkunft“ als Vergleichsdimensionen fungieren. (Nicht-)Passungsphänomene (vgl. te Poel 2021) werden hierbei relevant und damit einhergehend lehrer*innenhabitusspezifische Praktiken (vgl. Helsper 2018, Kramer/Pallesen 2019).

Während in einigen Fällen schüler*innennah unterrichtet und quasi all-in der berufliche Alltag über das Privatleben gestellt wird, um Schüler*innen zu helfen (grenzüberschreitend-schüler*innennaher Typ), dokumentiert sich der Blick derer, deren Unterrichtspraxis im Kontext von Bildungs(un-)gerechtigkeit sich zum verunsichert-stressorientierten Typ verdichten lassen, über Unwohlsein durch das Wissen von Ungerechtigkeiten zwischen Schüler*innen und dem Unzureichendsein des Schulsystems und von sich selbst in diesem System. Hingegen spannen Lehrer*innen des gelassen-grenzsetzenden Typs Freizeit und eine deutliche Abgrenzung ihres Privatlebens von ihrer beruflichen Eingebundenheit als positiven Horizont auf. Schüler*innen durchaus zugewandt wird Dienst nach Vorschrift gemacht, um eigene Ressourcen nicht überzustrapazieren, wenn zwar faktische Ungleichheit und Ungerechtigkeit bemängelt, aber außerhalb des eigenen Ressourcenbereichs liegend betrachtet wird. Der vierte Typ, zu dem sich das Material meiner Dissertation verdichten lässt, performiert wissenschaftlich fundiert und politisch-externalisierend in Bezug auf das Thema Bildungs(un-)gerechtigkeit. Dass in Schule selektiert wird und dies auch nach Herkunftsmerkmalen, gehört zum System dazu, wird von den Befragten anerkannt und praktisch enaktiert. Da nicht die Belange von Schüler*innen, sondern viel mehr curriculare Strukturen zentral für die Praxis sind, ist dieser Typ im Kontext des Posters nicht relevant.

Anhand dreier Zitate werden typische Unterrichtspraktiken nachgezeichnet, die durch privates Wissen über Schüle*innen entstehen und Grenzen zwischen den Feldern Zuhause und Schule verschwimmen lassen.



Was Lehrkräften bei der Planung im Sachunterricht wichtig ist – Die Struktur des beigemessenen Wertes der Planungsqualitätsmerkmale von Grundschullehrkräften im Sachunterricht

Julia Kantreiter

Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland

Die Qualität der Unterrichtsplanung ist ein wichtiger Prädikator für die Qualität des Unterrichts (Windt et al. 2016). Planungsqualität im Sachunterricht wird nach Rau (2017) und Hasenkamp (in Vorbereitung) in sechs Merkmale differenziert: Klassenführung, Klarheit und Strukturiertheit, Aktivierung, lernförderliches Klima, Umgang mit Heterogenität sowie Gestaltung des Lernangebots. Diese Merkmale wurden theoretisch-hermeneutisch abgeleitet und in einer qualitativen Studie induktiv angereichert (Rau 2017). Offen bleibt jedoch, ob diese Merkmale auch empirisch trennbar sind.

Darüber hinaus ist entscheidend, welche Bedeutung Lehrkräfte einzelnen Qualitätsmerkmalen zuschreiben: Lehrkräfte implementierten insbesondere diejenigen Unterrichtsqualitätsmerkmale, die sie als bedeutsam erachteten (Kastens 2009). In Anlehnung an Erwartungs-Wert-Theorien (Sclater und Bolander 2004) ist davon auszugehen, dass auch die Umsetzung von Planungsqualitätsmerkmalen durch den Wert beeinflusst wird, den Lehrkräfte diesen Merkmalen beimessen.

Daher wurde in der vorliegenden Studie zwei zentralen Fragen nachgegangen: Lassen sich die Planungsqualitätsmerkmale hinsichtlich des beigemessenen Werts empirisch voneinander trennen? In welchem Maße erachten Grundschullehrkräfte die Planungsqualitätsmerkmale als relevant für ihre eigene Planung?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden Grundschullehrkräfte (N=464) im Rahmen einer Querschnittstudie mit einem Fragebogens zur Planung eines sachunterrichtlichen Themas befragt. Mithilfe konfirmatorischer Faktorenanalysen wurde die Struktur und Trennbarkeit der Planungsqualitätsmerkmale hinsichtlich des beigemessenen Werts überprüft. Dabei konnte gezeigt werden, dass die sechs angenommenen Faktoren der Planungsqualität (Klassenführung, Klarheit und Strukturiertheit, Aktivierung, lernförderliches Klima, Umgang mit Heterogenität sowie Gestaltung des Lernangebots) sich auch in den Daten wiederfinden. Im Vergleich zu Alternativmodellen war dieses sechsfaktorielle Modell Alternativmodellen überlegen. Insgesamt wurde die Gestaltung des Lernangebots am wichtigsten für die eigene Planung eingeschätzt, während die Klassenführung als am wenigsten relevant erachtet wurde.

Aus den Ergebnissen werden im Poster Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung von Grundschullehrkräften abgeleitet.



"Hier Einser-Abi, dort durchgefallen" * - Der mediale Diskurs über Qualität und Vergleichbarkeit der Allgemeinen Hochschulreife

Annemarie Müller, Alexander Groß, Prof. Dr. Svenja Mareike Schmid-Kühn

Universität Koblenz-Landau (Campus Koblenz), Deutschland

Die Qualität und Vergleichbarkeit der Allgemeinen Hochschulreife (AHR) ist seit vielen Jahren ein zentrales Thema in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit (vgl. z.B. Stanat et al. 2016; Neumann & Trautwein 2019) – und ein medialer „Dauerbrenner“. Die themenbezogene Forschung ist bislang auf die politisch-administrative, einzelschulische und unterrichtliche Ebene sowie die Wirkungen und Erträge unterschiedlicher Abiturprüfungssysteme konzentriert (z.B. Klein, Krüger, Kühn & van Ackeren 2014); die mediale Diskussion über Qualität und Vergleichbarkeit der AHR war bisher kein Forschungsgegenstand. Das in diesem Posterbeitrag vorgestellte Forschungsvorhaben greift dieses Desiderat auf. Ziel des Vorhabens ist es, den Diskurs um die Qualität und Vergleichbarkeit der AHR auf medialer Ebene zu untersuchen, da die Medien mit der Aufbereitung dieses Themas einen starken Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung ausüben (vgl. Weischenberg 2018). Methodisch orientiert sich die Studie an der Wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Keller (2011). Das Datenkorpus setzt sich vorläufig zusammen aus Zeitungsartikeln der fünf meistverkauften überregionalen Tageszeitungen (BILD, Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche, Handelsblatt, Welt), die sich thematisch mit der AHR befassen. Ergänzt wird dieses Sample mit Artikeln aus einschlägigen Nachrichtenmagazinen (Spiegel, Focus, Stern) und Sonntags-/Wochenzeitungen (Bild am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, ZEIT). Dabei wird eine Zeitspanne von Beginn der 1970er Jahre bis zur heutigen Zeit abgedeckt, ausgehend von der im Jahr 1972 beschlossenen Neuordnung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung bzw. der diesem Ereignis vorausgehenden Debatte (vgl. Wolter 2016). Die mittels einer Datenbankrecherche erfassten Artikel werden in einer ersten Annäherung u.a. im Hinblick auf diskursive Ereignisse, zeitliche und thematische Entwicklungen im Diskursverlauf und diskursrelevante Akteure untersucht (vgl. Keller 2011, S. 70). Mithilfe eines „theoretical sampling“ (Glaser & Strauss 1967) werden aus dem Datenkorpus Artikel für eine Feinanalyse ausgewählt und auf Deutungsmuster untersucht (vgl. Keller 2011, S. 108ff.). Die Studie ermöglicht folglich Aussagen darüber, auf welche Weise diskursives Wissen über die AHR hergestellt und kommuniziert wird. Der Posterbeitrag stellt die Konzeption des Forschungsvorhabens vor; zudem werden erste Befunde zum medialen Diskursverlauf präsentiert.



Nachhaltige Schulentwicklung durch Self-Assessment. Die Entwicklung des internetgestützten Tools „Jump into a sustainable Livestyle“

Alexandra Reith, Prof. Dr. Marco Rieckmann

Universität Vechta, Deutschland

Eine nachhaltige Schulentwicklung unterstützt die mehrsprachige Internetplattform „JUMP into a sustainable Livestyle“. Dieses Self-Assessment-Instrument ermöglicht Schulen, bereits Erreichtes und potentiell Erreichbares zu identifizieren, um mit ihrem Bildungsangebot im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) dazu beizutragen, die von den Vereinten Nationen vereinbarten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen (UNESCO, 2017, 2020). Mit dem Whole School Approach (Grundmann, 2017) kommt ein holistischer Ansatz zur Anwendung, der nicht allein die Unterrichtsentwicklung neu ausrichtet. Vielmehr kann Schule danach als Ganzes zu einem Laboratorium werden, in welchem Transformation initiiert und ausgestaltet wird. Charakteristisch ist die Einbeziehung des Schulmanagements, die Klärung von Wertvorstellungen und das Unterrichten und Lernen im Sinne einer transformativen Pädagogik. Kennzeichnend ist außerdem die Einbeziehung aller in und für die Schule Tätigen, darüber hinaus der Eltern sowie externer Partner*innen, die beispielsweise ihre Expertise in die Schule einbringen oder sich kommunal über eine Kooperation für Aktionen von Schüler*innen öffnen und so angewandtes Lernen ermöglichen. Veränderung mitzugestalten, wird danach zu einer erfahrungsbezogenen und handlungsorientierten Lehr- und Lernform, die in die Schulkultur, das Schulumfeld und in die Gesellschaft hineinwirkt und den Erwerb spezifischer Schlüsselkompetenzen ermöglicht (Rieckmann, 2019). Strukturiert ist die Assessment-Plattform über die Themenbereiche Schulmanagement, Schulklima, Infrastruktur, Curriculum, Lernerfahrungen, BNE-Kompetenzen von Lehrkräften und transformative Kompetenzen von Lernenden. Auf Basis unterschiedlich ausgestalteter Checklisten erfolgen anonym individuelle Eingaben. Diese werden für die gesamte Schule zusammengeführt, automatisiert ausgewertet und anschaulich aufbereitet. Anforderungen seitens Schulleitungen und Lehrkräften sowie Schüler*innen fließen bereits im Verlauf der Entwicklung über Gruppendiskussionen ein. Des Weiteren erfolgt eine Befragung im Zuge der länderübergreifenden Erprobung des Instruments. Die in Estland, Litauen, Deutschland und Schottland durchgeführte Evaluationen geben Aufschluss, wie gut es gelingt, die Bestandsaufnahme einer Schule im Bereich BNE mithilfe der Plattform mehrperspektivisch anzugehen. Das Ziel ist, Anregungen für Verbesserungen der Plattform zu erhalten, die den Interessen der unterschiedlichen Gruppen von Nutzer*innen entgegenkommen. Offen zugänglich soll „Jump“ anschließend international eine breite Nutzung erlauben.



Das ‚Schulpraxiserfordernis‘ in der Schulpädagogik: Zur Entgrenzung der Einstellungsvoraussetzungen für Professuren einer umstrittenen Teildisziplin der Erziehungswissenschaft

Dr. Ricarda K. Rübben

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland

„Auf eine Stelle, deren Funktionsbeschreibung die Wahrnehmung erziehungswissenschaftlicher oder fachdidaktischer Aufgaben in der Lehrerbildung vorsieht, soll in der Regel nur berufen werden, wer eine dreijährige Schulpraxis nachweist“ – diese Formulierung steht bis heute in allen deutschen Landeshochschulgesetzen mit Ausnahme von NRW. Eigene Schulpraxis scheint heutzutage, sichtet man jüngere Stellenausschreibungen, allerdings keine wesentliche, teilweise überhaupt keine Einstellungsvoraussetzung für die Berufung von Professor*innen mehr zu sein. Diese Entwicklung wird kontrovers diskutiert (vgl. Lin-Klitzing 2018; Rothland & Bennewitz 2018; BzL 2020). Die Debatte rekurriert ihrerseits auf die Diskussion des Theorie-Praxis-Verhältnisses in der Lehrer*innenbildung. Die Fragen nach dem Wissenschafts- bzw. Theoriebezug und dem Berufsfeld- bzw. Praxisbezug in der Lehrer*innenbildung einerseits und den Einstellungsvoraussetzungen von Professor*innen im Bereich der Schulpädagogik andererseits sind damit unweigerlich miteinander verschränkt.

Ein Forschungsdesiderat ergibt sich in diesem Zusammenhang mit Blick auf die Frage, ob und welche Bedeutung die eigene (vorhandene oder fehlende) Schulpraxiserfahrung der Professor*innen für ihr Selbst- und Schulpädagogikverständnis und damit verbunden für ihre Lehr- und Forschungstätigkeit hat, bzw. allgemeiner, wie die Entwicklung hin zu einer ‚Entgrenzung‘ der Zugangsvoraussetzungen für schulpädagogische Professuren bewertet wird

Nationale und internationale empirische Studien haben bisher quantitativ die Qualifikationsprofile von Dozierenden in der Lehrer*innenbildung für Deutschland und die Schweiz mit Blick auf schulpraktische Erfahrungen erhoben (vgl. Zierer & Lamers 2016; Böckelmann et al. 2019). Heil & Faust-Siehl (2000) legten die bisher einzige qualitative Untersuchung zum Theorie- und Praxisverhältnis in der Lehrtätigkeit von Dozierenden der Erziehungswissenschaft in der Lehrer*innenbildung vor. Obgleich die inzwischen schon ältere Untersuchung dahingehend anschlussfähig ist, dass sie sich dem Selbstverständnis der Akteur*innen widmet, werden deren Theorie-Praxis-Orientierungen in der Lehrtätigkeit nicht mit deren schulpraktischen Erfahrungen in ein Verhältnis gebracht und die Personengruppe der Professor*innen der Schulpädagogik nicht explizit gemacht.

Der verwendete Datensatz stammt aus einer aktuellen Interviewstudie mit 20 Professor*innen der Schulpädagogik aus ganz Deutschland. Die Stichprobe setzt sich aus Personen zusammen, die über ein a) abgeschlossenes Erstes und Zweites Staatsexamen, b) über ein Erstes Staatsexamen oder über c) ein Studium der Erziehungswissenschaften verfügen. Die Auswertung der Daten erfolgt mit der Dokumentarischen Methode. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen einen grundlagentheoretischen Beitrag zum disziplinären Diskurs der Schulpädagogik sowie zu dem der Lehrer*innenbildung leisten.



Innovation im System Schule

Christian Schrack

Einreichung als PhD Student der Sigmund Freud Universität Wien, Österreich

Entgrenzung des Bildungswesens durch schulische Innovationen: Im Gegensatz zur Marktwirtschaft, in der Unternehmen zur ständigen Weiterentwicklung angehalten sind, scheinen Innovationen im Bildungssystem auf den ersten Blick nicht systemisch verankert zu sein. Die von der Öffentlichkeit - weniger wahrgenommenen - sozialen Neuerungen finden auf allen Ebenen des Bildungswesens statt - auf Initiative der Schulverwaltung, im organisatorischen Umfeld der Schule sowie im Unterricht von Lehrpersonen. Diese Arbeit fokussiert auf die Entstehung und Verbreitung von Innovationen, die unmittelbar der täglichen Arbeit an Schulstandorten entspringen. Die aktuelle schulische Innovationsforschung befasst sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Governance, also der Top-down Erneuerungen des Schulwesens. Weniger Aufmerksamkeit wurden bisher Initiativen geschenkt, die unmittelbar an Schulen Bottom-up ihren Ausgang nahmen (RÜRUP/BORMANN 2013) und sich in Folge im Bildungswesen verbreiteten. Dazu kommt, dass die Voraussetzungen für innovative Entwicklungen selbst für die Verantwortlichen oft im Dunkeln bleiben (DALIN 1999). Die Initiierung, der Prozess und die Verbreitung (dieser Bottom-up Innovationen mit - entgrenzenden - Auswirkungen auf das Schulwesen stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit, die an der aktuellen Forschung zu sozialen Innovationen in der Gesellschaft anknüpfen. Dazu werden typische, schulische Innovationsvorhaben (Innovation Cases) ausgewählt und in einer vergleichenden Fallstudie anhand möglicher, erfolgswirksamer Merkmale gegenübergestellt. In diesem Zusammenhang werden teilstrukturierte Interviews mit Expertinnen und Experten sowie den Innovatorinnen und Innovatoren geführt und qualitativ ausgewertet, Entstehungsbedingungen erhoben und Verbreitungswege systematisch nachvollzogen (Diffusions of Innovations, ROGERS 1995). Die qualitativen Ergebnisse werden mit einer abschließenden quantitativen Befragung von Lehrkräften und Lernenden aus den entsprechenden Schulbereichen trianguliert. Ziel der Arbeit ist die Systematisierung der Voraussetzungen für erfolgreiche Innovationsvorhaben, die den Ausgang an Schulstandorten der allgemeinbildenden und berufsbildenden Oberstufe genommen haben und Bedeutung im Bildungswesen erlangt haben. Mit dieser Arbeit soll ein Leitfaden mit Praxishinweise für Schulen und Schulverwaltung entstehen, um Bottom-up Innovationen im Bildungswesen zu erkennen und zu fördern. Schulen und Lehrpersonen sollen ermuntert werden, sich stärker an der gestaltenden Erneuerung des Bildungswesens zu beteiligen.



(Teilintegrative) Schulkulturen in der Migrationsgesellschaft. Eine Rekonstruktion schulkultureller Entwürfe im Kontext aktueller Fluchtmigration und dort implizierte Möglichkeitsräume der Teilhabe

Anna Laschewski

Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland

Durch den gestiegenen Anteil zugewanderter Kinder und Jugendlicher werden Schulen sowie deren Entwicklungsprozesse und -perspektiven vor organisatorische und pädagogische Anforderungen gestellt. Die (erneute) Installation von separierten Klassen lässt vermuten, dass Schüler*innen dem monolingualen Habitus (Gogolin 1994) und damit einhergehenden Normalitätserwartungen entsprechen müssen. Dennoch gibt es vereinzelt Schulen, die den „Sonderweg“ einer direkten Einbindung der Seiteneinsteiger*innen in Regelklassen gehen und somit auf die Separation anhand von „Vorbereitungsklassen“ o.ä. verzichten. Hier stellt sich die Frage, inwieweit solche schulorganisatorischen Modelle die Teilhabechancen betroffener Schüler*innen bedingen. Als analytische Folie eignet sich dabei das Modell der Schulkultur nach Helsper, bei dem der Begriff Schulkultur die „symbolische Ordnung der einzelnen Schule in der Spannung von Realem, Symbolischem und Imaginärem“ (Helsper 2008: 66) beschreibt.

In der Dissertation sollen schulkulturelle Ausprägungen auch im Spannungsverhältnis zur migrationsgesellschaftlichen Realität und (transnationalen) Bildungschancen empirisch anhand folgender Fragestellungen in den Blick genommen werden:

  1. Wie konstituiert sich die einzelschulische Schulkultur hinsichtlich ihrer Integrationskonzeption und vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit migrationsbedingten Entwicklungsanforderungen?
  2. Welche Möglichkeitsräume der Teilhabe für neuzugewanderte Schüler*innen lassen sich für den spezifischen schulkulturellen Entwurf identifizieren?

Geplant ist die Erhebung und Auswertung (bis voraussichtlich 12/22) von teilstrukturierten Interviews mit Lehrer*innen, der Schulleitung, der Schulsozialarbeit sowie Schüler*innen an einer Einzelschule mit (teil-)integrativem Beschulungsmodell. Die empirische Bearbeitung dieses Modells bringt den Blick auf den schulorganisatorischen Umgang mit neuzugewanderten Schüler*innen, der bisher noch nicht systematisch in schulkulturanalytische Studien einbezogen wurde. Das Dissertationsprojekt ist angelehnt an das BMBF-Projekt „SchuWaMi“ (Schulischer Wandel in der Migrationsgesellschaft – Schulkultur(en) im Kontext aktueller Fluchtmigration), das von dem DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main sowie der Goethe-Universität Frankfurt (FB 03/04) unter der Projektleitung von Prof. Dr. Dominique Rauch, Dr. Svenja Vieluf, Prof. Dr. Birgit Becker und Dr. Patricia Stošić durchgeführt wird.



 
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