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Sitzungsübersicht
Sitzung
Zum Wandel von Leitbildern der Kinderbetreuung auf individueller, medialer und institutioneller Ebene seit den 1990er Jahren
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 43

928 1584 1509, 910920
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Pädagogik der frühen Kindheit, qualitativ, quantitativ, historisch, Deutsch

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Präsentationen

Zum Wandel von Leitbildern der Kinderbetreuung auf individueller, medialer und institutioneller Ebene seit den 1990er Jahren

Chair(s): Dr. Felix Berth (Deutsches Jugendinstitut e.V.), Dominik Hank (Deutsches Jugendinstitut e.V.), Leonie Kleinschrot (Deutsches Jugendinstitut e.V.)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Yvonne Anders (Universität Bamberg), Prof. Dr. Johanna Mierendorff (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Das Forschungsforum analysiert Leitbilder der Betreuung von Kleinkindern in Deutschland auf den Ebenen von Eltern, Massenmedien und Politik und ihren Wandel in Ost- und Westdeutschland seit dem Jahr 1990. Leitbilder werden verstanden als kollektiv geteilte, normative Vorstellungen zu Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, zur Rolle von Betreuungsinstitutionen oder zu Bildungsfragen im Aufwachsen. Auf einer Mikroebene werden Leitbilder in individuellen Einstellungen von Erwachsenen zur „guten“ Kinderbetreuung und elterlichen Erwerbstätigkeit quantitativ betrachtet. Auf einer Mesoebene werden Leitbilder anhand von Beiträgen aus Massenmedien qualitativ herausgearbeitet. Auf der Makroebene wird anhand von parlamentarischen Entscheidungsprozessen sichtbar gemacht, welchen Leitbildern die deutsche Politik folgte. Die Beiträge werden mit drei Gesprächspartnerinnen aus Erziehungswissenschaft und Verbänden diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Zum Wandel von Elternschaftsleitbildern

Leonie Kleinschrot
Deutsches Jugendinstitut e.V.

Der Beitrag untersucht den Wandel individueller Elternschaftsleitbilder und deren Zusammenhang mit Einstellungen zur Ausgestaltung von Kinderbetreuung und elterlichen Erwerbsmöglichkeiten. Anhand wiederholter Querschnittstudien des Deutschen Jugendinstituts wird der Zeitraum von 1988 bis 2014 betrachtet. Es wird analysiert, wie ausgeprägt die Unterschiede in den Elternschaftsleitbildern von Erhebung zu Erhebung sind, in welchen soziodemografischen Gruppen die Unterschiede am deutlichsten ausfallen und welche Trends in den Einstellungen zu Kinderbetreuung und elterlicher Erwerbstätigkeit im Vergleich von Ost und West auszumachen sind.

Mehrere Studien konstatieren inter- wie auch national in den letzten Jahren eine zunehmende Verbreitung des Leitbilds der intensivierten Elternschaft, bei dem sich beide Elternteile stark dafür verantwortlich fühlen, den Kindern bestmögliche Aufwachsensbedingungen zu bieten, obwohl sie selbst dafür zurückstehen müssen (Bianchi et al. 2006; Ruckdeschel 2015). Hierzulande geht dies offenbar mit gesteigerten Ansprüchen an Elternschaft und vor allem mit der Erwartung an erhöhte zeitliche und emotionale Aufwendungen von Eltern in ihre Kinder einher (IfD Allensbach 2020).

Erste Analysen zeigen eine eher moderate Verbreitung von Aspekten intensivierter Elternschaft in Deutschland, wenngleich ressourcenärmere Eltern die erhöhten Ansprüche weniger stark teilen als ressourcenstärkere.

 

Zum Wandel medialer Leitbilder der (außer-)familialen Kleinkindbetreuung in Ost- und Westdeutschland

Dominik Hank
Deutsches Jugendinstitut e.V.

Der Beitrag beleuchtet den Wandel medial transportierter gesellschaftlicher Leitbilder der (außer-)familialen Kinderbetreuung seit den 1990er Jahren in Ost- und Westdeutschland, wobei der Fokus auf Kindern unter drei Jahren liegt. Dazu werden mit einem inhaltsanalytischen Vorgehen die Bewertungen der außerfamilialen Kleinkindbetreuung, die Beurteilungen mütterlicher Erwerbstätigkeit, die Zuschreibung von Bildungsrelevanz sowie die wissenschaftlichen Bezugsdisziplinen in massenmedialen Berichten erfasst.

Der Datenkorpus setzt sich aus Artikeln verschiedener west- und ostdeutscher Zeitungen im Zeitverlauf seit 1990 zusammen, in denen Fragen der außerfamilialen U3-Betreuung thematisiert wurden. Die Methode ermöglicht dabei die Veranschaulichung der Konjunktur medialer Leitbilder im Längsschnitt sowie einen Ost-West-Vergleich.

Dabei zeigt sich, dass Fragen der außerfamilialen Tagesbetreuung in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich aufgegriffen wurden, was u.a. den Aspekt der Ermöglichung elterlicher Erwerbstätigkeit betraf. Wurden U3-Einrichtungen in Westdeutschland kritisch beurteilt, so erfolgte dies unter Bezug auf einen angenommenen Vorrang von familialer Kinderbetreuung vor mütterlicher Erwerbstätigkeit. In den ostdeutschen Berichten wurden Krippen hingegen häufig als Möglichkeit einer Gleichberechtigung der Geschlechter angesehen. Im weiteren zeitlichen Verlauf glichen sich die medialen Leitbilder Ost- und Westdeutschlands zunehmend an.

 

Die DDR, das heimliche Vorbild? Zur Entwicklung der deutschen Kita-Politik

Dr. Felix Berth
Deutsches Jugendinstitut e.V.

Der Beitrag analysiert, welchen Logiken die Entwicklung der institutionellen Kindertagesbetreuung in Ost- und Westdeutschland seit der Wiedervereinigung folgte. Zunächst wird für den politischen Diskurs gezeigt, dass die Abgrenzung von der DDR, die sich in der alten Bundesrepublik etabliert hatte, nach 1990 in der Familienpolitik weiterwirkte. So zeigt sich in Bundestagsdebatten, dass neue politische Instrumente (Elterngeld, Krippenausbau) ohne Wahrnehmung der Vorläufer zu DDR-Zeiten (Babyjahr, Krippenausbau) diskutiert wurden.

Kontrastierend dazu beschreibt der Beitrag auf Basis amtlicher Daten, dass sich die tatsächlichen Kita-Betreuungsquoten in Westdeutschland allmählich denen von Ostdeutschland annäherten. Besonders auffällig wird dies bei Kindern unter drei Jahren: Gab es in Westdeutschland im Jahr 1990 lediglich für knapp 2 Prozent dieser Kinder einen Betreuungsplatz, stieg diese Quote bis zum Jahr 2020 auf 31 Prozent. Damit wurde eine Dimension erreicht, wie sie für die DDR der 1970er- und 1980er-Jahre typisch war.

Abschließend wird diskutiert, wie sich diese Prozesse – diskursive Abgrenzung zur DDR-Familien- und Kindheitspolitik bei gleichzeitiger Annäherung der faktischen Betreuungsstrukturen – im gesellschaftlichen Kontext verstehen lassen. Der westdeutsche Kita-Ausbau wird als verspätete Modernisierung gedeutet, die auf steigende weibliche Erwerbstätigkeit reagierte, aber in den 1970er- und 1980er-Jahren wegen der Systemkonkurrenz unmöglich war.



 
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