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Sitzungsübersicht
Sitzung
Begrenzte Hilfe? Entgrenzte Kontrolle? Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Jugendstraffälligenhilfe in Deutschland und in der Schweiz
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 19
949 8077 2260, 267441
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, Deutsch

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Präsentationen

Begrenzte Hilfe? Entgrenzte Kontrolle? Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Jugendstraffälligenhilfe in Deutschland und in der Schweiz

Chair(s): Dr. Simone Brauchli (Universität Zürich, Schweiz), Dirk Lampe (Deutsches Jugendinstitut München)

In jüngerer Zeit haben sich die kriminalpolitischen Vorzeichen, unter denen Jugendhilfe im Strafverfahren stattfindet, in Deutschland und der Schweiz verändert. Die Ausrichtung auf Risikominimierung und Prävention, Akzentuierungen von punitiven Zugängen sowie die wachsende Bedeutung von Diagnostik und Prognostik prägen die aktuelle fachliche Debatte. Diese Entwicklungen können als Ausdruck eines veränderten gesellschaftspolitischen Umgangs mit grundlegenden Spannungsfeldern der Jugendstraffälligenhilfe gedeutet werden. Sie weisen in Richtung einer Entgrenzung von kontroll- und sicherheitsorientierten Maßnahmen, zulasten von Hilfe- und Erziehungsmaßnahmen als zentralem Moment der Sozialen Arbeit. Inwiefern spiegeln diese Einschätzungen aber die aktuelle Fachpraxis und die damit verbundenen Herausforderungen im Feld der Jugendstraffälligenhilfe wider? Diesen Fragen wird anhand von empirischen Studien aus Deutschland und der Schweiz in einer ländervergleichenden Perspektive nachgegangen.

 

Beiträge des Panels

 

Der pädagogische Gebrauch ‚justizieller Drohkulissen‘ als Entgrenzung?

Patrick Zobrist
Hochschule Luzern

Im Spannungsfeld von „Hilfe und Kontrolle“ in der Jugendstraffälligenhilfe akzentuieren sich Fragen nach den Bedingungen und Möglichkeiten professionellen Handelns (Dollinger 2012; Scherr 2015). Der Vortrag gibt Einblicke in erste Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Sozialen Arbeit in schweizerischen Jugendstrafverfolgungsbehörden. In der Studie werden Gesprächs-, Beobachtungs- und Interviewdaten von Interaktionen zwischen straffällig gewordenen Jugendlichen und den Sozialarbeiter:innen aus einer interaktionistisch-machttheoretischen Perspektive rekonstruiert. Es wird dargelegt, wie strukturell angelegte ‚justizielle Drohkulissen‘ in der Interaktion zwischen den Adressat:innen und den Sozialarbeiter:innen aufgebaut und zur Herstellung einer Kooperation in der Arbeitsbeziehung pädagogisch verwendet werden. Im Vortrag soll diskutiert werden, wie diese Praktiken die Soziale Arbeit auf der Ebene der Arbeitsbeziehung entgrenzen können.

Literatur:

Dollinger, Bernd (2012): Professionelles Handeln im Kontext des Jugendstrafrechts. Konzeptionelle Bestimmungen und empirische Hinweise. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 95, S. 1–17.

Scherr, A. (2015). Professionalisierung im Kontext von Hilfe und Kontrolle. Der Fall Jugendgerichtshilfe. In R. Becker-Lenz, S. Busse, G. Ehlert, & S. Müller (Hrsg.), Bedrohte Professionalität (S. 165–187). Wiesbaden: Springer.

 

Entgrenzter Schutz der Gesellschaft? Normative Bezugspunkte in Schweizer Jugendanwaltschaften

Dr. Simone Brauchli
Universität Zürich

Das Schweizer Jugendstrafrecht ist am Schutz und an der Erziehung von jugendlichen Straftäter:innen orientiert. Die begriffliche Unschärfe dieser beiden Rechtsbegriffe, die in Anlehnung an Scheiwe (2013) auch als «Grenzobjekte» gefasst werden können, ermöglichen Kommunikation und Kooperation zwischen den unterschiedlichen am Jugendstrafverfahren beteiligten Berufsgruppen. Zugleich gibt es Hinweise darauf, dass Risikoorientierung und ein Bestreben, die Gesellschaft vor Straftäter:innen zu schützen, die gegenwärtige Strafrechtspraxis in der Schweiz bestimmen (Lindenau und Meier Kressig 2015).

Inwieweit manifestiert sich in den Perspektiven und Selbstverständnissen von Fachkräften der Sozialen Arbeit und der Jurisprudenz in Jugendanwaltschaften eine Orientierung an den genannten normativen Bezugspunkten? Gibt es empirische Hinweise für Tendenzen einer entgrenzten Orientierung am Schutz der Gesellschaft? Inwiefern sind der Schutz und die Erziehung jugendlicher Straffälliger sowie der Schutz der Gesellschaft für die interprofessionelle Zusammenarbeit in Jugendanwaltschaften von Bedeutung?

Diesen Fragen wird anhand von empirischen Befunden aus qualitativen Interviews zur interprofessionellen Zusammenarbeit in Jugendanwaltschaften in der Schweiz nachgegangen.

 

Entgrenzter Zugriff – Begrenztes Verstehen? Beschuldigte in Jugendstrafverfahren nach der Reform des Jugendgerichtsgesetzes

Dirk Lampe, Annemarie Schmoll
Deutsches Jugendinstitut München

Sind junge Menschen in einem Jugendstrafverfahren Beschuldigte, führt das bei ihnen in der Regel zu diffusen Ängsten und Unsicherheiten. Sie werden mit ihnen unbekannten Verfahrensabläufen konfrontiert und verschiedene institutionelle Akteure mit je eigenen Aufgaben und Handlungsweisen greifen auf sie zu und erforschen u.a. ihre Persönlichkeit, Lebensumstände und ihr Verhalten. Gleichzeitig drohen im Ausmaß und den Folgen nur schwer abschätzbare Sanktionierungen (Dollinger et al., MSchrKrim 2016, 325 ff.). Weitgehend empirisch ungeklärt ist in diesem Kontext, wie junge Menschen ein Jugendstrafverfahren insgesamt erleben, verstehen und deuten. Dies betrifft auch das Handeln der unterschiedlichen verfahrensbeteiligten Institutionen (u.a. Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft). Infolge des „Gesetzes zur Stärkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten im Jugendstrafverfahren“ (2019) müsste die Jugendhilfe im Strafverfahren nun früher in die Verfahren eingebunden werden, um zeitnaher Kontakte zu jungen Beschuldigten aufzubauen, diese über ihre Rechte sowie die Abläufe, Rollen und Zuständigkeiten im Strafverfahren aufzuklären und ihre Beteiligung in Verfahren zu stärken. Ausgehend von diesen Neuregelungen wird im Vortrag anhand qualitativer Interviews mit jungen Menschen deren Sichtweise auf ihr Strafverfahren und die handelnden Akteure, mit Fokus auf die Jugendhilfe im Strafverfahren, eruiert und vorgestellt.



 
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