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Sitzungsübersicht
Sitzung
Anerkennung, Verkennung, Aberkennung: An den Grenzen des Subjekts oder: Praktiken der Subjektivierung reloaded
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
9:30 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 27
966 5165 8308, 374428
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Anerkennung, Verkennung, Aberkennung: An den Grenzen des Subjekts oder: Praktiken der Subjektivierung reloaded

Chair(s): Dr. Jakob Christoph Will (Katholische Hochschule Mainz, Deutschland), Dr. Denise Bergold-Caldwell (Wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung, Philipps Universität Marburg), Prof. Dr. Eva Georg (Hochschule Bremen)

Wir möchten mit diesem Forschungsforum die Diskussion um die Frage nach dem Subjekt als Kategorie der Be- und Entgrenzung in den untrennbaren Zusammenhang mit (aktuellen) gesellschaftspolitischen Diskussionen stellen. Was dabei unter Subjekt zu verstehen sein kann, ist im Diskurs nicht immer einheitlich formuliert – nicht einmal innerhalb einer Disziplin. Da dies unmittelbare Bedeutung und Auswirkungen für Phänomene der Anerkennung, der Verkennung, aber auch der Aberkennung bestimmter Subjekte hat, erscheint es uns wichtig, unterschiedliche Perspektiven auf Subjektivierung als „Praktik der Grenzziehung“ miteinander ins Gespräch zu bringen. Wir wollen dies als Fragen nach dem „Wie“ der Grenzziehung und den Folgen auf die Auseinandersetzung mit Heterogenität in pädagogischen Kontexten beziehen mit den weiteren Teilnehmenden diskutieren.

 

Beiträge des Panels

 

Karen Barads Konzept der Ethico-onto-epistemo-logie:

Prof. Dr. Eva Georg
Hochschule Bremen

Grenzziehung und Subjekt-Werdung beschreibt Barad mit dem Begriff der IntrAaktion. Sie liefert damit nicht nur eine Neubeschreibung dessen, wie etwas (z.B. ein Subjekt) in die Existenz kommt und wie Bedeutung zugewiesen wird, sondern verdeutlicht auch die Untrenntbarkeit (Ent-grenzung) der Subjekte und Diskurse im Prozess des Grenzens. Über Foucault bspw. hinausgehend kann mit Barad verdeutlicht werden, wie „wir“ sog. agentielle Schnitte vornehmen, um etwas in die Existenz zu bringen – d.h. auch zu einer Subjektivierung zu gelangen. Grenzziehungen sind dabei natürlich nicht willkürlich, sondern durch Apparate (ähnlich dem Diskursbegriff von Foucault) mitbestimmt. „Wir“ sind Teil eines materiellen Werdens das wir aber auch immer wieder mit zu vollziehen helfen. Da wir mit Barad durch IntrAaktion in die Existenz kommen, so haben „wir“ damit offenbar eine Verantwortung. Barad betont damit die Verschränkung der Subjekte und die Rolle der Relationen, aber auch das „Angewiesensein“ und eine „Abhängigkeit“. Es lässt sich kritisch fragen: Was bedeutet dieser Moment des „Ausgeliefertseins“ gegenüber den „anderen“? (Wie) kann ich mich „wehren“ gegen „dich“? Die Bedeutung dieser theoretischen Perspektive für aktuelle Diskussionen um LGBT*IQ und BPoC-Sichtbarkeit und Subjektivierungsformen soll hier angeschlossen werden.

 

Afropessimistische Perspektiven auf Schwarze Nicht-Subjekte

Dr. Denise Bergold-Caldwell
Wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung, Philipps Universität Marburg

Menschen aus der afrikanischen Diaspora und dem afrikanischen Kontinent wurden als Sklav*innen in anderen Ländern gefangen gehalten und verschifft. Sklav*in zu sein und mithin Eigentum eines anderen Menschen; sich selbst, den eigenen Körper, das eigene Begehren, das eigene Leben nicht zu eigen zu haben – also (käufliches) Objekt sein– ist bei genauerer Betrachtung das komplette Gegenteil, von dem was allgemein unter einem Subjekt verstanden wird.

Afropessimistische Perspektiven (Wilderson 2015; Sharpe 2016) gehen davon aus, dass sich diese Geschichte – diese Subjektlosigkeit – nicht wieder herstellen lässt; zu deutlich treten immerwährende (strukturelle) Benachteiligungen, der Raub kulturellen Eigentums und Identifikationsmöglichkeiten und Ausbeutungssituationen zu tage. Selbst etablierte Schwarze Menschen können innerhalb von Sekunden ihrer Geschichte ausgeliefert sein und kolonial-rassistische (Re-) Stabilisierungen erfahren und das kollektive Trauma ist noch immer greifbar. Sharpe plädiert deshalb für eine ‚Arbeit‘, die dort ansetzt das Geschehene nicht als überwunden zu denken, sondern die anhaltende Geschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Subjekt-Sein wird von seiner Unmöglichkeit aus gedacht und wird zum Ausgangspunkt der Analyse. Der Beitrag möchte untersuchen ob und inwiefern diese (Ab-)Grenzung von (hegemonialen) Subjekt-Sein eine Möglichkeit der versöhnlichen Existenz darstellt.

 

Alterität als absolute Grenze

Dr. Jakob Christoph Will
Katholische Hochschule Mainz, Deutschland

Eine dritte Perspektive verweist mit Levinas auf eine absolute Grenze, die das Selbst von Anderen trennt - und dies absolut. Damit ist eine Grenze angesprochen, die selbst durch die Grenze verläuft. Denn während Grenzen als Differenzsetzung von dem Wissen um beide Seiten ausgehen, die sich durch die Trennung der Grenze ergeben, verweist die absolute Grenze auf deren absolutes und unverfügbares Außen- dessen Wissen um die andere Seite nicht unmittelbar zugänglich ist. Das Erkennen anderer ist dabei nämlich immer an die Einordnung in eine symbolische Ordnung geknüpft und damit immer auch Anerkennung, bzw. Aberkennung. In gleichem Maße verkennt nicht nur die Aberkennung sondern damit auch die Anerkennung jedoch genau das, was die Grenze markiert: (absolute) Andersheit. Das Selbst bewegt sich damit am äußeren Rand der inneren Grenze des „Bewusstseins von…“ anderen, was lediglich als Spur des inneren Rands der äußeren Grenze vernehmbar wird: Erkennen anderer ist geknüpft an An/Aberkennung die damit auch gleichzeitig Verkennung andere ist (Bedorf). Subjekt-Sein ist damit immer von einer absoluten Begrenzung bestimmt (die damit immer auch eine Abgrenzung ist), was jedoch gleichermaßen als Entgrenzung begriffen werden muss - als Grenzüberschreitend. In diesem Spannungsfeld gestalten sich (professionelle) Beziehungen.



 
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