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Sitzungsübersicht
Sitzung
Aktivieren, Strafen und trans-/formierende Grenzziehungen des Pädagogischen. Befunde zur Neujustierung pädagogischer Disziplin
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 06
917 0452 1118, 983974
Sitzungsthemen:
1. Historische Bildungsforschung, 2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, qualitativ, historisch, Deutsch

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Präsentationen

Aktivieren, Strafen und trans-/formierende Grenzziehungen des Pädagogischen. Befunde zur Neujustierung pädagogischer Disziplin

Chair(s): Dr. Sophia Richter (Goethe-Universität Frankfurt am Main, Deutschland), Christoph T. Burmeister (Humboldt-Universität zu Berlin), Dr. Thorsten Hertel (Universität Duisburg-Essen), Dr. Stefan Wellgraf (Humboldt-Universität zu Berlin)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Karin Amos (Eberhard Karls Universität Tübingen), Prof. Dr. Antje Langer (Universität Paderborn)

Die Arbeitsgruppe thematisiert historische und gegenwärtige Neujustierungen pädagogischer Disziplin(-ierung)en im Spannungsfeld zwischen aktivierender Optimierung und strafender Sanktionierung als Hervorbringung bzw. Ent- wie Begrenzung von Verhalten. Der vermeintliche Widerspruch zwischen Grenzziehungen einerseits und Überwindungen von Grenzen im Sinne von Wachstum und Optimierung andererseits wird dabei als Ausdruck aktueller sozialer Transformationen verstanden, die Logiken von autonomer Freisetzung und reflexiver Individualisierung systematisch mit solchen des Pathologisierens und des (bisweilen repressiven) Sanktionierens verkoppeln. Diese Neujustierungen pädagogischer Disziplin(-ierung)en im Spannungsfeld von Produktion und Repression implizieren Grenzziehungen pädagogischen Handelns, die in der interdisziplinären Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Perspektiven anhand von Forschungsprojekten aus Erziehungswissenschaft, Kultursoziologie und Kulturanthropologie diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Norm, Normal, Potenzial – Entgrenzungen kindlicher Entwicklungskonzeptionen am Beispiel „emotionaler Kompetenz“

Christoph T. Burmeister
Humboldt-Universität zu Berlin

Kindheit ist in der westlichen Moderne stets Entwicklungskindheit. Aus genealogischer, subjektivierungs- und machtanalytischer Perspektive lassen sich dabei – so meine The-se – drei Konzeptionen kindlicher Entwicklung unterscheiden, die sich als Norm, Normal und Potenzial fassen lassen. Sie sind an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, lösen einander aber nicht ab, vielmehr überlagern sie sich. Derweil erweisen sich Konzeptionen der Potenziale in der Spätmoderne als die dominanten, was zu einer Entgrenzung von Prävention und Optimierung führt. So sind in disziplinäre Praktiken, die konstitutiv für jedes modernen Erziehungsarrangements sind, zwar vom frühmodernen Beginn an präventive und optimierende Elemente eingelassen, doch kommt es seit den 1970/80ern sowohl zu ihrer Zunahme und Ausbreitung als auch zu ihrer intensivierten Verschränkung. Aufgezeigt wird der behauptete Zusammenhang am Beispiel der „emotionalen Kompetenz“, in welcher der Aufstieg von Konzeptionen kindlicher Entwicklungspotenziale und die Relevanz von Emotionen kulminieren. „Emotional kompetent“ zu sein gilt gegenwärtig sowohl als Garant gesellschaftlichen Erfolges als auch, bei mangelhafter Entwicklung, als vielfacher Risikofaktor diverser Pathologien und Devianzen. Sie soll eine Selbstführung anleiten, die den Entscheidungs- und Handlungsspielraum der Einzelnen zu entgrenzen vermag. Und doch wird im historischen Vergleich der Korridor legitimer Seinsweisen begrenzt.

 

Zwischen Strafen und Entziffern. Entgrenzungen schulischer Disziplin unter Bedingungen urbaner Marginalisierung

Dr. Thorsten Hertel
Universität Duisburg-Essen

Schulen in marginalisierten Stadtteilen sind Kristallisationspunkte sozialer Prekarität. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse einer qualitativen Studie, welche die Formen pädagogischer Disziplin an solchen Schulen untersucht. Ausgehend von einer theoretischen Lesart der Schule als ‚Machtdispositiv‘ (Foucault) und vermittels der praxeologisch-wissenssoziologischen Analyse von Gruppendiskussionen und Interviews wird rekonstruiert, welcher Logik Disziplin dort folgt, welche impliziten Wissensbestände sie tragen und wie sie innerhalb einzelschulischer Organisationen zirkuliert. Dabei verweisen die Ergebnisse auf zwei empirische Typen, in denen der disziplinierende Zugriff auf ein je spezifisch konstruiertes Subjekt unterschiedlich austariert wird: Der Modus der repressiven Disziplin konstruiert Schüler*innen als notorisch deviante Subjekte, die durch die Expansion von Kontrolle und Strafe zugerichtet werden müssen. Explorative Disziplin hingegen affiziert das Subjekt mittels Techniken der Beobachtung und (Selbst-)Befragung – und bringt es in dieser analytischen Entgrenzung als eines hervor, das pädagogisch gesetzte Ordnungen als seine eigenen versteht. Die beiden Typen pädagogischer Disziplinierung werden in ihren Unterschieden und Interferenzen machtanalytisch diskutiert, mit Blick auf das Verhältnis von Kontinuität und Neujustierung pädagogischer Disziplin im Machtdispositiv Schule reflektiert und auf die in ihnen angelegten subjektivierenden Effekte befragt.

 

Strafe(n) und Disziplin(ierung) – Verhandlungen um Grenzen des Pädagogischen

Dr. Sophia Richter
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Im pädagogischen Alltag lassen sich Strafpraktiken tagtäglich beobachten. Von Seiten der Erziehungswissenschaft gibt es innerhalb der letzten 50 Jahre jedoch kaum relevante Studien zu diesem Thema. In dem Beitrag steht die Frage im Fokus, wie es zu diesem vermeintlichen Verschwinden von Strafen aus dem erziehungswissenschaftlichen Diskurs kommt und welche Effekte damit einhergehen. Anhand der Analyse von Lexikabeiträgen der letzten 100 Jahre werden Konjunkturen und Transformationen im Sprechen über Strafe nachgezeichnet: von der pädagogischen Erziehungsstrafe über die pädagogische Kontrolle der Disziplinarstrafe hin zum Ideal des Zustandes Disziplin, einhergehend mit der Frage, wie sich dieser pädagogisch (wieder-)herstellen lässt. Es wird aufgezeigt, dass sich über Strafen nur in Form von Differenzierungen bei gleichzeitiger Positionierung bzw. Distanzierung sprechen lässt, was auf die sich stetig wandelnde(n) Grenze(n) des Pädagogischen verweist, die das Phänomen Strafe durchzieht/durchziehen. Die Gleichzeitigkeit von Repression und Aktivierung/Produktion führt im pädagogischen Alltag zu Praktiken der Auslagerung von Strafen aus dem Pädagogischen (Verrechtlichung und Psychologisierung) oder auch der Institutionalisierung (als Entpersonalisierung), was dann jedoch wiederum in Konflikt mit dem Pädagogischen gerät und zu immer wieder neuen Problematisierungen oder Tabuisierungen führt.

 

Positivierung. Teach First, „Rock your Life!” und „School Turnaround“

Dr. Stefan Wellgraf
Humboldt Universität zu Berlin

In der gegenwärtigen Regierung sozialer Ungleichheit zeichnet sich eine eigentümliche Doppelstruktur aus negativen Sanktionen und positivierender Aktivierung ab, in der gegensätzliche emotionale Register mobilisiert werden und eine Entgrenzung des Pädagogischen stattfindet. Der Beitrag diskutiert dieses Phänomen anhand dreier Programme, die im Hauptschulkontext aktiv die positive Emotionalisierung ihrer Zielgruppen betreiben. Wo „Teach First” Universitätsabsolvent*innen vor dem Berufseinstieg die Möglichkeit bietet, für zwei Jahre an Schulen zu unterrichten, führt das Mentor*innenprogramm „Rock your Life!“ Studierende mit Haupt- und Realschüler*innen zusammen. Das Schulentwicklungsprogramm „School Turnaround“ sollte die Situation sogenannter „Problemschulen“ verbessern und arbeitete hierzu insbesondere mit der Neuausrichtung schulischer Führungsstrukturen. Alle Programme setzen der weithin wahrgenommenen schulischen Misere eine demonstrative Positivierung und einen Appell an Eigenverantwortung entgegen, wobei sich Rezepte, Personal und Auftreten stark ähneln. Damit stehen sie für eine ganze Welle sozialpädagogischer Angebote, durch die Schüler*innen motiviert, optimistisch gestimmt und am Subjektmodell des „unternehmerischen Selbst“ ausgerichtet werden. So leisten die Programme aber einen Beitrag zur Reproduktion von Marginalisierung, da sie deren strukturelle Mechanismen qua ökonomistischer Rhetorik überdecken, invisibilisieren und so letztlich soziale Grenzen zementieren.



 
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