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Sitzungsübersicht
Sitzung
Zu den un/begrenzten Möglichkeiten der Dinge. Praxistheoretische Forschung zur Kontingenz pädagogischer Dingpraktiken
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 04

991 0587 7576, 569878
Sitzungsthemen:
5. Schulpädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 10, Kommission Sportpädagogik, qualitativ, Deutsch

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Präsentationen

Zu den un/begrenzten Möglichkeiten der Dinge. Praxistheoretische Forschung zur Kontingenz pädagogischer Dingpraktiken

Chair(s): Prof. Dr. Kerstin Rabenstein (Universität Göttingen, Deutschland), Prof. Dr. Daniel Rode (Paris-Lodron-Universität Salzburg), Prof. Dr. Ulrike Kranefeld (TU Dortmund)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Jochen Lange (Universität Koblenz Landau)

In der praxistheoretischen Schul- und Unterrichtsforschung werden die Möglichkeiten der Dinge, zur Konstituierung pädagogischer Ordnungen beizutragen, vermehrt untersucht. In einer kontingenzsensiblen Perspektive wird Dingen dabei keine Bedeutung ‚an sich‘ zugeschrieben, sondern nach der situativen Entstehung eines Gebrauchssinns gefragt. Die Arbeitsgruppe interessiert sich für die entstehenden Bedeutungsrelationen von menschlichen und nicht-menschlichen Aktanten im Gebrauch wenig bzw. nicht didaktisierter Dinge, die in schulischen Vermittlungszusammenhängen erst zu schulischen bzw. unterrichtlichen Dingen gemacht werden. In den vorgestellten Studien zu musikalischen Praxen im Musikunterricht, Videos zu sportiven Übungen im Distanzsportunterricht und zur Herstellung neuer Schulklassen wird unter Berücksichtigung auch subversiver Potentiale gefragt, wie welche un-/begrenzten pädagogischen Möglichkeiten ihres Gebrauchs entstehen.

 

Beiträge des Panels

 

“Eigentlich hat jedes Papier auch andere Töne…” - Soziomaterielle Praktiken der Bedeutungszuschreibung beim Musizieren mit Alltagsgegenständen

Jan Duve, Prof. Dr. Ulrike Kranefeld
TU Dortmund

Im Musikunterricht werden den Dingen – vor allem in Phasen musikalischer Praxis – immer wieder in soziomateriellen Praktiken kontingente Bedeutungen zugeschrieben (Kranefeld, Mause & Duve, 2019; Duve, 2021). Darüber hinaus vollziehen sich an den Dingen auch Zuschreibungen bezüglich der Spielenden, etwa wenn instrumentale Vorerfahrung und Expertise inszeniert werden (Kranefeld & Heberle, 2020). Eine didaktische Strategie diese Zuschreibungen zu neutralisieren ist dabei die Verwendung von Alltagsgegenständen als Klangkörper (etwa durch sog. Papiermusik). Bei derartigen Musizierprozessen kommt es vielfach zu Umdeutungen der beteiligten Dinge, die neben ihren außerunterrichtlichen Bedeutungen auch zu Musikinstrumenten gemacht werden. Im Rahmen unseres Vortrages wollen wir beleuchten, welchen Veränderungen die Bedeutungszuschreibung von in erster Linie nicht als Musikinstrumenten konzipierten Alltagsgegenständen unterworfen ist, die im Musikunterricht zu Klangkörpern werden. Ein Fokus ist dabei auch die Betrachtung von möglicherweise unbewusst oder ungewollt eingebrachten Bedeutungskontexten, die durch die Dinge in den Unterricht transportiert werden. Dazu wollen wir eine fallanalytische Perspektive auf die fachspezifischen soziomateriellen Praktiken eröffnen, in denen diese volatilen und kontingenten Bedeutungszuschreibungen vorgenommen werden.

 

Die Socken in den Mülleimer. Alltagsdinge als Unterrichtsdinge in Online-Videos im Homeschooling im Fach Sport

Prof. Dr. Daniel Rode1, Dr. Benjamin Zander2
1Paris-Lodron-Universität Salzburg, 2Universität Göttingen

In der „Corona-Krise“ findet auch Sportunterricht als „Homeschooling“ statt. Von Lehrkräften oder Dritten (z. B. ALBA Berlin) erstellte, über Padlets und soziale Medien zirkulierende und Schüler*innen von Sportlehrkräften aufgegebene Online-Videos avancieren hier zu wichtigen Vermittlungsinstanzen. Unklar ist, wie diese digitalen Mediendinge zur Konstitution fachlicher Wissensordnungen beitragen, unterrichtliche Ansprüche, Ziele und Inhalte verhandelt werden und Schüler*innen sowie das häusliche Umfeld in und durch sie adressiert werden. Wir rekurrieren auf ein digital-ethnographisches (Pink et al., 2016) Forschungsprojekt, um diesen Fragen nachzugehen. Anhand im Feld stark verbreiteter Videos fokussieren wir das Phänomen, dass in den Übungen und Bewegungsaufgaben, die die Online-Videos inszenieren, häusliche Alltagsgegenstände (Socken, Mülleimer) als Ersatz-Sportgeräte zum Einsatz kommen. Wir analysieren die medialen Inszenierungspraktiken von Alltagsgegenständen als Unterrichtsdinge in einer praxistheoretischen Perspektive und einem fallrekonstruktiv-sequenzanalytischen Vorgehen mit Blick auf Öffnungen und Schließungen von Dingbedeutungen. Es werden implizite wie explizite Dimensionen der medialen Performativität komplexer digitaler Dinge, die zum fachunterrichtlichen Gebrauch von Alltagsgegenständen anweisen, verdeutlicht und in Hinblick auf Be- und Entgrenzungen unterrichtlicher Bedeutungsrelationen sowie Fragen nach Refigurationen von Sportunterricht insgesamt diskutiert.

 

Einspannungen – Dinge als eigensinnige Mitspieler bei der Herstellung von Schulklassen

Prof. Dr. Kerstin Rabenstein
Universität Göttingen

In einer ethnografischen Studie untersuchen wir, wie zunächst „substanzlose“ (Kelle 1997, 164) neue Klassen als Entitäten sui generis hergestellt werden. Im Vortrag fokussieren wir darauf, wie in Ding-Praktiken Teilnehmerschaft in der Schulklasse ermöglicht und ‚Mitspielfähigkeit‘ (Alkemeyer & Buschmann 2017, 272) hergestellt wird. In den beobachteten Praktiken lässt sich ein eigensinniger Gebrauch von weniger (z.B. Kartonkisten, Klassenfotos) und stärker (z.B. Verhaltensampel) didaktisierten Dinge erkennen. Dabei, so die These, zeigen sich Praktiken des Einspannens von Dingen und des Eingespannt-Werdens durch sie als unterschiedliche Antworten auf die Frage nach der Macht der Dinge, mit denen Bedeutungsverschiebungen einhergehen: die sog. Ampel nimmt nicht nur Schüler*innen, sondern eigensinnig auch die Lehrkraft in den Dienst der Disziplinierung, eröffnet aber auch situativ neue Gebrauchsformen. Von Schüler*innen zu gestaltende Gegenstände wie Materialkisten oder Klassenposter wiederum werden zur materialisierten Anzeige von Freundschaften eingespannt bzw. unterstützen diese. Die Anfertigung und Anbringung von Klassenfotos schließlich ermöglicht die Inszenierung der Klasse als Einheit und fordert diese gleichzeitig ein. In dem Vortrag fokussieren wir 1.) methodologisch, wie Aufforderungen der Dinge und Reaktionen auf sie multimodal untersucht werden und 2.) an den genannten Beispielen empirisch, wie Dinge an den Schulklassen konstituierenden Prozessen beteiligt sind.



 
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