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Sitzungsübersicht
Sitzung
Zur bindungstheoretischen Dominanz bei Gefährdungseinschätzungen in der frühesten Kindheit. Historische Spuren, theoretische Verortungen und empirische Befunde
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 15

926 3007 8513, 173066
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, Sektion 8, Kommission Pädagogik der frühen Kindheit, qualitativ, theoretisch, historisch, Deutsch

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Präsentationen

Zur bindungstheoretischen Dominanz bei Gefährdungseinschätzungen in der frühesten Kindheit. Historische Spuren, theoretische Verortungen und empirische Befunde

Chair(s): Prof. Dr. Maren Zeller (FH OST, Schweiz), Bettina Grubenmann (FH OST, Schweiz)

Bindung stellt sowohl in Wissenschaft als auch in Gesellschaft eine unhinterfragte Interpretationsfolie für die Beurteilung des Kindeswohls in der frühen Kindheit dar. Dies gilt insbesondere, wenn eine Gefährdung bei Säuglingen und Kleinkindern von pädagogisch Tätigen eingeschätzt wird. In der Arbeitsgruppe sollen dieser Topos der Bindung am Beispiel des Handlungskontextes der Inobhutnahme und Fremdplatzierung von jungen Kindern im historischen Verlauf diskutiert und aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch beleuchtet werden. Die konkrete Auswahl der Beiträge setzt auf eine bisher noch ausstehende Verknüpfung von Erkenntnissen aus der Rekonstruktion dominanter Diskurse mit empirischen Befunden (historisch wie gegenwärtig) und einer kritischen Bestandsaufnahme hinsichtlich der aktuellen bindungstheoretischen Theorieentwicklung.

 

Beiträge des Panels

 

Der Hospitalismus-Diskurs in der Schweiz. Ein regionalräumlicher Vergleich

Dr. Michel Christian, Giacomo Müller
FH OST, Schweiz

In der Schweiz erforschte Marie Meierhofer zwischen 1958 und 1968 die Zustände in Zürcher Säuglingsheimen und prägte die "Hospitalismusdebatte" in der Schweiz. In ihrer Zürcher Heimstudie, einer Längsschnittstudie, nahm sie sich den Entwicklungsfolgen von Kindern an, die in Säuglingsheimen ihre ersten Lebensjahre verbrachten. Die Arbeiten von Marie Meierhofer fanden auch international Beachtung. Der Beitrag zeigt, vor dem Hintergrund eines vom SNF geförderten Forschungsprojektes, ob und wie in unterschiedlichen Regionen der Schweiz auf die Hospitalismusdebatte Bezug genommen wurde, um Gefährdung von Säuglingen durch Institutionen zu thematisieren. Dahinter steht die Vermutung, dass sich die Rezeption entlang von Sprachgrenzen und sozialräumlichen Milieus unterscheiden. Mit Blick auf Genf, Tessin und St. Gallen soll gezeigt werden, dass sich die Hospitalismusdebatte nicht als Einheitsdiskurs lesen lässt, sondern bereits historisch als Folie genutzt wurde, um professionelle Entwicklungen voranzutreiben oder Zuständigkeiten zu behaupten. Je nach Region zeigen sich unterschiedliche Begründungsargumente, da sich die elterliche/mütterliche Mangellage je nach Region und Milieu unterschieden und die Skepsis unterschiedlich akzentuiert wurde. Dies wirft entsprechend bereits historisch die Frage auf, ob sich bindungstheoretische Vergewisserungen eignen, um Praxis zu analysieren und gute Praxis zu reklamieren.

 

Die Entdeckung Bowlbys. Säuglingsheime und Bindungstheorie in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Dr. Felix Berth
DJI München, D

Dieser Beitrag untersucht die Geschichte der Säuglingsheime in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei werden zwei Forschungsperspektiven kombiniert: Zunächst wird gezeigt, dass die deutliche Zunahme der Heimbetreuung von Kleinkindern bis in die späten 1950er-Jahre in Westdeutschland nicht mit einer wachsenden Zahl von Waisenkindern zusammenhing; vielmehr spiegelte sich darin vor allem die Haltung der Behörden zu alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern. In einem zweiten Schritt wird die Wirksamkeit von John Bowlbys WHO-Bericht Maternal Care and Mental Health aus dem Jahr 1951 analysiert. Diese Monografie des britischen Psychiaters und Psychoanalytikers hatte in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren großen Einfluss auf westdeutsche Fachdiskurse über Heimerziehung von Kleinkindern. Gestützt auf Bowlbys frühe Version der Bindungstheorie wurden Säuglingsheime in Westdeutschland bis Mitte der 1960er-Jahre – also noch deutlich vor der “Heimkampagne” der 1968er-Bewegung – fast vollständig abgeschafft. Mit seinen beiden Perspektiven trägt der Beitrag zur Historisierung der Heimerziehung sowie der Bindungstheorie bei.

 

Theorie und Praxis der Bindungstheorie. Eine kritische Bestandsaufnahme

Prof. Dr. Heidi Kelle
Uni Osnabrück, D

Die Bindungstheorie hat sich als Bezugsrahmen für viele anwendungsorientierte Bereiche etablieren können. Dabei ist offensichtlich, dass die Bindungstheorie nicht in ihren Originaltexten rezipiert und reflektiert wird, sondern eine ausschließliche Orientierung an vereinfachender Sekundärliteratur vorherrscht. Dabei haben sich Praktiken durchgesetzt, die selbst von Bindungsforscher_innen abgelehnt werden, so dass sich kürzlich 77 führende Bindungsforscher_innen von diesem Vorgehen, insbesondere bei Gerichtsentscheidungen, distanziert haben. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist die Bindungstheorie seit ihren Anfängen nicht unumstritten. So sind die wissenschaftlichen Grundlagen aus der Evolutionstheorie und Primatologie zum Teil falsch und verkürzt zitiert, bzw. unzutreffend interpretiert. Besonders auch aus kulturanthropologischer und – psychologischer Sicht wird die Universalitätsannahme infrage gestellt, sowie die kulturelle Blindheit der Kernnahmen moniert. In diesem Beitrag werden die bindungstheoretischen Annahmen einer kritischen Analyse unterzogen. Anhand von Falldarstellungen wird die Problematik einer bindungstheoretisch begründeten Vorgehensweise und Entscheidungsfindung erläutert.



 
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