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Sitzungsübersicht
Sitzung
„Radikales Denken“? - Über das Auflösen von Selbstverständlichkeiten in der Pädagogik und Erziehungswissenschaft der 1970er Jahre.
Zeit:
Mittwoch, 16.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 14
926 7516 1367, cg0ZZa
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Wissenschaftsforschung, qualitativ, theoretisch, historisch, Deutsch

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Präsentationen

„Radikales Denken“? - Über das Auflösen von Selbstverständlichkeiten in der Pädagogik und Erziehungswissenschaft der 1970er Jahre.

Chair(s): Dr. Selma Haupt (RWTH Aachen), Friederike Thole (Universität Kassel), Dr. Christian Timo Zenke (Universität Bielefeld)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Edith Glaser (Universität Kassel)

Mit drei Beiträgen will diese Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Perspektiven aufzeigen, wie in den 1970er Jahren vormals als selbstverständlich geltende Grenzen einer (wissenschaftlichen) Pädagogik zunehmend in Frage gestellt wurden – beziehungsweise wie vorher scharfe Konturen, die die Disziplin prägten, sich aufzulösen begannen. Dabei wird erstens eine neue Thematisierung der Grenze zwischen Theorie und Praxis aufgegriffen; zweitens wird gezeigt, wie mit den Debatten um Antipädagogik das Selbstverständnis der Pädagogik an sich angegriffen wurde; und drittens wird thematisiert, wie sich die Institution Schule im Zuge der Diskussion um eine „Entschulung der Gesellschaft” mit einem radikalen Versuch der pädagogischen wie organisationalen Entgrenzung konfrontiert sah. Die Arbeitsgruppe will anhand dieser drei Perspektiven diskutieren, inwieweit radikale wissenschaftliche sowie handlungspraktische Diskurspositionen die Erziehungswissenschaft der 1970er beeinflussten.

 

Beiträge des Panels

 

Weder praktisch noch theoretisch? Entgrenzungen zwischen pädagogisch-politischer Praxis und erziehungswissenschaftlicher Theorie

Friederike Thole
Universität Kassel

"Es gibt keine Repräsentation mehr, es gibt nur Aktion: die Aktion der Theorie und die Aktion der Praxis in einem Netz von Beziehungen und Übertragungen." (Deleuze im Gespräch mit Foucault, 1974, S. 129)

Theorie und Praxis wird und wurde häufig als klassischer Antagonismus diskutiert. Gerade in der Erziehungswissenschaft, werden die Grenzen zwischen Theorie und Praxis häufig scharf gezogen und Transfer- und Transformationsprozesse über diese Grenzen hinaus gelten als konfliktbehaftet.

Das kritisch-alternative Milieu der 1960er und 1970er Jahre zeichnete sich jedoch - und das nicht nur in der Erziehungswissenschaft - aus durch ein besonderes Verhältnis zwischen (pädagogischer und politischer Protest-)praxis und wissenschaftlicher Theorie (vgl. für die EW: Bastian 1988; Baader 2014; Bock et. al . 2019 für die Soziologie u. Politologie: Bude 1995 u. 2018; Hodenberg 2018; Nassehi 2018; Wehrs 2018 )

Dieser Beitrag will anhand ausgewählter Aspekte aufzeigen, wie die Differenzen zwischen wissenschaftlichem Wissen, pädagogisch-professionellem oder sogar alltäglichem Wissen in den 1960er und 1970er fluide waren und sich eine Wissensbewegung generell die Sphären und Grenzen überschreitend vollzog und auch noch vollzieht (vgl. Dinkelaker 2020, S. 36). Dabei wird sich von der „Vorstellung eines singulären Ursprungs von Wissen" abgewandt, zugunsten der Vorstellung, "dass Wissen ortlos ist und über Genre- und Institutionen- (und sonstige) Grenzen hinweg zirkuliert“ (Sarasin 2020, S. 21).

 

Nicht erziehungsbedürftig? Zwischen Abschaffung und Entgrenzung von Erziehung

Dr. Selma Haupt
RWTH Aachen

In der Erziehungswissenschaft besteht in den 1970er Jahren (und weitestgehend bis heute) Konsens darüber, dass die anthropologische Ausgangssituation für ihren namensgebenden Begriff – die Erziehung – in der Erziehungsbedürftigkeit des Menschen liegt (Kant 1803, Roth 1966). Die Infragestellung dieser Begründung deutet sich zwar in Teilen der liberalen antiautoritären Erziehung – z.B. mit Bezug auf Neills Summerhill schon an - wird aber erst von den antipädagogischen Texten ab 1975 (Braunmühl 1975, Braunmühl/Ostermeyer/Kupffer 1976) explizit benannt und in Teilen von anarchistischen Pädagog*innen aufgenommen (Klemm 1988). Der in der Erziehungsbedürftigkeit begründete Anspruch der Erziehung wird hier abgelehnt und Erziehung wird als ebenso abzulehnendes Gewaltverhältnis gefasst. Im vorgeschlagenen Beitrag soll die erziehungswissenschaftliche Diskussion und Rezeption der antipädagogischen Einwände betrachtet werden (Winkler 1982, Flitner 1982, Oelkers/Lehmann 1983). Dies wird besonders vor dem Hintergrund der teils konservativen zeitgenössischen Diskussionen (Mattes 2020) - wie etwa der “Tendenzwende” (1974) oder dem Forum “Mut zur Erziehung” (1978) - und der Disziplingeschichte - wie etwa dem “scheinbaren Stillstand” der 1980er Jahre (Hoffmann-Ocon/Criblez 2018) - diskutiert.

 

Schule oder Leben? Die “Entschulung” der Schule und die Frage nach einer „Entgrenzung pädagogischen Handelns“

Dr. Christian Timo Zenke
Universität Bielefeld

Vertreter*innen der Konzepte sowohl einer „Entschulung der Gesellschaft“ (Illich 1971) als auch einer „Entschulung der Schule“ (Hentig 1971) stellten in der ersten Hälfte der 1970er Jahre ganz grundsätzlich die Grenzen zwischen Schule und Leben in Frage und plädierten dafür, die Bildungsaufgaben der Schule verstärkt im alltäglichen Leben aufgehen zu lassen. Obwohl diese Initiativen dabei zunächst einmal von einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der Macht der Institution Schule geprägt waren, lässt sich doch zugleich konstatieren, dass der Schule in diesem Zusammenhang eine andere, wenn auch deutlich subtilere Form von Macht über das Leben von Kindern und Jugendlichen eröffnet wurde. So steht etwa am Ende von Hentigs Adaption des Illich'schen Entschulungs-Konzepts ein neuerliches Plädoyer gerade für den Erhalt der Institution Schule – ja, für deren Ausweitung zu einem umfassenden, ganztägig organisierten und dadurch umso machtvolleren „Lebens- und Erfahrungsraum“. Vor diesem Hintergrund soll im Beitrag einerseits eine historiographische Analyse der Entschulungs-Debatte der 1970er Jahre vorgenommen werden und gleichzeitig die Frage diskutiert werden, inwiefern auch aktuelle Tendenzen einer „Entgrenzung pädagogischen Handelns“ (Hecht 2019, S. 1183) durch Vorhaben der Entschulung nicht letztlich sogar zu einer Ausweitung der Macht der Schule führen könnten – und damit paradoxerweise sogar zu einer zunehmenden Verschulung des Lebens von Kindern und Jugendlichen.



 
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