Veranstaltungsprogramm

Die Zugänge zu allen Zoom-Räumen finden sie auf der Kongress-Plattform (https://plattform.dgfe2022.de/).
Login mit Ihrem ConfTool-Benutzernamen und Ihrem ConfTool-Passwort.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Veranstaltungen des Kongresses.
- Sie können die Veranstaltungen nach Beitragstyp (u.a. Symposium, Arbeitsgruppe, Forschungsforum, Parallelvorträge), Sprache (Englisch, Deutsch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung) und Themen (Forschungszugänge, Kommissionen, Sektionen) filtern.
- Bitte wählen Sie ein Datum aus, um nur die betreffenden Veranstaltungen anzuzeigen.
- Wählen Sie eine Veranstaltung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
- Die Vortragenden sind jeweils unterstrichen dargestellt.
- Eine persönliche Agenda kann drei Wochen vor Kongressbeginn auf der Kongressplattform von mcc Agentur für Kommunikation erstellt werden.
- Änderungen des Programmes sind vorbehalten.

 
Nur Sitzungen am Veranstaltungsort 
 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Ent-grenzte biografische Übergänge am Beispiel des Leaving Care
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 26
997 9504 6101, 787748
Sitzungsthemen:
4. Empirische Bildungsforschung, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Ent-grenzte biografische Übergänge am Beispiel des Leaving Care

Chair(s): Dr. Carolin Ehlke (Universität Hildesheim, Deutschland), Dorothee Kochskämper (Universität Hildesheim), Dr. Severine Thomas (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Marc Weinhardt (Universität Trier)

Das Aufwachsen in stationären Erziehungshilfen stellt aus Sicht des Normallebenslaufs eine Ent-grenzung von Kindheit und Jugend dar: Das Dasein von jungen Menschen wird dem Binnenraum familialer und privater Beziehungen zumindest partiell entzogen und in professionelle Handlungskontexte überführt. Diese Ent-grenzung setzt sich mit dem Leaving Care über das Hilfeende hinaus fort, da als Folge gängige Routinen der Unterstützung durch Eltern fehlen, die professionelle Maßnahme aber gleichzeitig endet. Die Arbeitsgruppe beleuchtet diese Ent-grenzungen im Leaving Care mit vier Beiträgen: 1) Ent-grenzungsmomente in den Strukturen des Hilfesystems und die Auseinandersetzung damit durch Care Leaver:innen, 2) die Veränderung von sozialen Unterstützungsnetzwerken im Übergang ins Erwachsenenleben, 3) (hochschulbezogene) Bildungsperspektiven der jungen Menschen und ihre Benachteiligungen und 4) eine Online-Peerberatung als mögliche Mittlerin beim Übergang von Care Leaver:innen an Hochschulen.

 

Beiträge des Panels

 

Ent-grenzte Übergangspraxis und Leerstellen in den Infrastrukturen der professionellen Hilfesysteme im Leaving-Care-Prozess

Dr. Severine Thomas
Universität Hildesheim

Auch wenn der Übergang aus stationären Erziehungshilfen ins Erwachsenenleben als Gegenstand des Fachdiskurses in der Kinder- und Jugendhilfe angekommen ist (spätestens mit den Reformbemühungen für ein neues Kinder- und Jugendhilfegesetz), ist die Fachpraxis nach wie vor sehr diskontinuierlich und eine theoretische Konzeptualisierung von “Übergangsbegleitung” steht nach wie vor aus. Dafür können unterschiedliche Hintergründe ausgemacht werden: Zum einen sind die Hilfesysteme nicht auf ein vernetztes Arbeiten an Schnittstellen ausgerichtet. Zum anderen hat sich in den Hilfesystemen bisher nicht die fachliche Grundorientierung an einer Corporate Parentship etabliert, die im Interesse junger Menschen und partizipativ mit ihnen agiert.

Es fehlen dafür überhaupt noch Konzepte, die das Ereignis des Leaving Care theoretisch genauer einordnen und in Handlungsansätze eingebettet werden: Eine entsprechende “Übergangspädagogik” gibt es bisher nicht. Leaving Care changiert somit zwischen Entlassungspraxis, lose gekoppeltem Abschied, Trauerprozess, Selbstständigkeitstraining etc. Diese Elemente spiegeln sich im Leaving Care, werden aber bisher nur wenig systematisch beleuchtet. Der fehlenden theoretischen Fokussierung steht eine en-tgrenzte (bzw. hier mit Blick auf den Aspekt des Leaving besser end-grenzte) Übergangspraxis gegenüber. In dem Beitrag werden die Leerstellen analysiert sowie Überlegungen zu den Anforderungen an ein Theoriekonzept “Leaving Care” angestellt.

 

Veränderung sozialer Unterstützungsnetzwerke im Leaving-Care-Prozess

Dr. Carolin Ehlke
Universität Hildesheim

Im Leaving-Care-Prozess finden Veränderungen nicht nur entlang offensichtlicher Übergänge statt, wie z. B. der Auszug aus der Wohngruppe in einen eigenen Wohnraum oder in eine WG. Sie zeigen sich ebenso in den sozialen Netzwerken der jungen Menschen. Mit dem Ende der Hilfen kommt es sowohl zu Abbrüchen (z. B. zu ehemaligen Betreuer:innen und Mitwohner:innen aus der Wohngruppe) als auch zu Transformationen von Beziehungen (z. B. zu den (Pflege-)Eltern). Trotz der Bedeutung von sozialen Beziehungen in der Jugendhilfe und im Leaving Care werden diese in der Hilfeplanung und Übergangsgestaltung viel zu selten explizit in den Blick genommen. Der Aufbau sozialer Beziehungen als eine Ressource im Übergang ist jedoch gerade im Leaving Care wichtig, wenn professionelle Unterstützungsstrukturen durch die Jugendhilfe enden. Wie sich soziale Beziehungen von Care Leavern im Übergangsprozess verändern und hier auch nicht-familiäre und nicht-professionelle Unterstützung von Bedeutung ist, ist in diesem Beitrag zentral. Ein besonderer Bezugspunkt bildet die Dissertation der Autorin “Care Leaver aus Pflegefamilien”.

 

Spannungsverhältnis zwischen stationären Erziehungshilfen // Leaving Care und Bildungsperspektiven: Vereinbarkeit von Jugendhilfe und Hochschulbildung?

Dorothee Kochskämper
Universität Hildesheim

Junge Menschen, die in stationären Erziehungshilfen gelebt haben und von dort aus ein eigenverantwortliches Leben beginnen, sind in ihren Bildungschancen stark benachteiligt. Dies kann mit biografischen Erfahrungen und psychischen oder anderen gesundheitlichen Folgen zusammenhängen, aber auch mit einer fehlenden Förderung der individuellen Bildungsverläufe – letztlich aber auch mit strukturellen Übergangsbarrieren am Ende der Hilfe. Daher gelingt nur sehr wenigen unmittelbar nach dem Schulabschluss bzw. dem Ende der stationären Hilfe oder zu einem späteren Zeitpunkt im Lebenslauf die Aufnahme eines Hochschulstudiums. Das Projekt CareHOPe erforscht soziale, organisationale und rechtliche Barrieren in den Bildungs- und Unterstützungsprozessen von Care Leaver:innen und entwickelt ein peer-to-peer Online-Beratungsangebot an Hochschulen.

In dem Beitrag werden (quasi hybride) Erfahrungen von Care Leaver:innen an Hochschulen diskutiert, die einerseits in den stationären Erziehungshilfen als Exot:innen aufgrund ihrer Bildungserfolge gelten, später auf dem Weg an eine Hochschule oder im Studium allerdings erneut besondere Anpassungsleistungen erbringen müssen und Be-grenzungen erfahren, da das Hochschulsystem nicht auf die Bedarfslagen von Care Leaver:innen bzw. auf junge Menschen, die ohne elterliche Unterstützung studieren, abgestimmt ist. In dem Beitrag werden auch Erkenntnisse aus der Studierendenbefragung Stu.diCo präsentiert, die während der Corona Pandemie durchgeführt wurde.

 

Ent-grenzte Beziehungen? Digitale Peerberatung als Unterstützung von und für Care Leaver:innen

Maria Groinig
Universität Hildesheim

Die Sinnhaftigkeit digitaler Beratungsangebote ist seit längerer Zeit unbestritten und wird ausdifferenziert entlang adressatenspezifischer, medienbezogener und organisationaler Aspekte diskutiert. Kennzeichnend ist dabei neben der konzeptionellen Vielfalt digitaler Darreichungsformen von Beratung (z. B. als asynchrone, textbasierte Mailberatung, als synchrone Videoberatung oder als Self Guided Treatment mit nur partiellem Einbezug menschlicher Fachkräfte) die je zielgruppenspezifisch unterschiedliche Manifestation von Vor- und Nachteilen digitaler Beratung. Der Beitrag beleuchtet ausgehend von der konkreten Lebenslage des Leaving Care und den daraus resultierenden Bewältigungsmustern Chancen und Grenzen das Konzept eines Peerberatungsangebotes, in dem Care Leaver:innen online beraterische Unterstützung für Care Leaver:innen zur Verfügung stellen. Die Analyse dieses Beratungskonzeptes macht dabei deutlich, dass ausgehend von ent-grenzenden und be-grenzenden Eigenschaften digitaler Kommunikation der geteilte Erfahrungshintergrund von Leaving Care als spezifische Wissensform in besonderer Weise genutzt werden kann, und gleichzeitig die Träger:innen dieses Wissens sowohl in der Rolle als Berater:innen als auch als Adressat:innen einen Umgang mit Ent-Grenzungs-Momenten finden müssen.



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGfE-Kongress 2022
Conference Software - ConfTool Pro 2.8.95+TC
© 2001–2022 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany