Veranstaltungsprogramm

Die Zugänge zu allen Zoom-Räumen finden sie auf der Kongress-Plattform (https://plattform.dgfe2022.de/).
Login mit Ihrem ConfTool-Benutzernamen und Ihrem ConfTool-Passwort.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Veranstaltungen des Kongresses.
- Sie können die Veranstaltungen nach Beitragstyp (u.a. Symposium, Arbeitsgruppe, Forschungsforum, Parallelvorträge), Sprache (Englisch, Deutsch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung) und Themen (Forschungszugänge, Kommissionen, Sektionen) filtern.
- Bitte wählen Sie ein Datum aus, um nur die betreffenden Veranstaltungen anzuzeigen.
- Wählen Sie eine Veranstaltung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
- Die Vortragenden sind jeweils unterstrichen dargestellt.
- Eine persönliche Agenda kann drei Wochen vor Kongressbeginn auf der Kongressplattform von mcc Agentur für Kommunikation erstellt werden.
- Änderungen des Programmes sind vorbehalten.

 
Nur Sitzungen am Veranstaltungsort 
 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Pädagogische Diskurse der (Re-)Stabilisierung von Geschlechter-, Generationen- und Zugehörigkeitsgrenzen
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 25
963 1451 6376, 008806
Sitzungsthemen:
11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, qualitativ, theoretisch, Deutsch

Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen

Pädagogische Diskurse der (Re-)Stabilisierung von Geschlechter-, Generationen- und Zugehörigkeitsgrenzen

Chair(s): Prof. Christine Thon (Europa-Universität Flensburg, Deutschland), Susanne Maurer (Philipps-Universität Marburg)

Gegenwärtig werden Erziehung und Bildung zunehmend zum Schauplatz diskursiver Kämpfe rechter und populistischer Politik gegen Bewegungen, die für Demokratisierung, soziale Teilhabe und Vielfalt eintreten. Die AG geht Diskursen der (Re-)Stabilisierung von Geschlechter-, Generationen- und Zugehörigkeitsgrenzen in diesem Kontext nach. Dazu gehören Diskurse, in denen aus einem rechten und populistischen Argumentationszusammenhang heraus pädagogische Begrifflichkeiten (um)besetzt und gegen Infragestellungen von normativen Geschlechter-, Generationen- und Zugehörigkeitgrenzen in Anschlag gebracht werden. Außerdem werden Diskursivierungen von Differenz im pädagogischen Mainstream untersucht, die Anschlüsse für die (Re-)Stabilisierung sozialer Ordnungen und die Reproduktion entsprechender Machtverhältnisse anbieten, indem sie implizit hierarchisierende Grenzziehungen zwischen dem Eigenen und dem Anderen fortsetzen und Pluralisierung und Veruneindeutigung als Bedrohungsszenario verhandeln.

 

Beiträge des Panels

 

Diskursive Artikulationen von Geschlechter- und generationalen Ordnungen in rechten Programmatiken von Erziehung und Bildung

Christine Thon
Europa-Universität Flensburg

Ausgangspunkt pädagogischer Diskurse der Neuen Rechten ist die Abwehr emanzipatorischer und antiautoritärer Pädagogik als „Umerziehung“ (vgl. Baader 2020). Gegen Szenarien von „Überfremdung“ und „Bevölkerungsaustauch“ wird das Programm einer Erziehung zum „Ethnopluralismus“ formuliert, der ethnische Identiäten „rein“ und die Grenzen dazwischen aufrecht erhalten soll (vgl. Olberg 2020). Garant dafür soll die Familie sein, die es dem Einfluss einer Pädagogik der Geschlechtergerechtigkeit und der sexuellen Vielfalt zu entziehen gelte. Rechte pädagogische Diskurse erschöpfen sich jedoch nicht mehr in entsprechenden Diffamierungen („Gender-Gaga“, „Frühsexualisierung“), sondern projektieren eine Neuordnung von Erziehung und Bildung in und zwischen Familie und Schule. Sie sehen nicht nur eine traditionelle Geschlechterordnung vor, sondern auch eine generationale Ordnung, die weitgehende Elternrechte gegenüber Kinderrechten und staatlich verantworteter Bildung privilegiert. Dabei speist sich die Pädagogik der neuen Rechten nicht mehr nur aus der Abwehr einer Demokratisierung von Erziehung und Bildung, sondern formuliert eigene Entwürfe. Dazu werden Verknüpfungen nicht nur zu Programmatiken einer „völkischen“ Erziehung hergestellt, sondern auch zu anerkannten Traditionen pädagogischer Theoriebildung (bei Sommerfeld 2019 z.B. zu Kant und der Reformpädagogik). So werden neue Bekenntnisse zu Erziehung formuliert, die diskursive Anschlussmöglichkeiten in verschiedene Richtungen aufweisen.

 

Antifeminismus und Corona-Verschwörungserzählungen – Kindeswohlgefährdung als gemeinsamer Bezugspunkt

Rebekka Blum
Universität Freiburg

Die Proteste gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind nicht nur antisemitisch und rassistisch, sondern auch latent bis offen antifeministisch. Gemeinsame Bezugspunkte antifeministischer Akteur_innen und Pandemieleugner_innen sind bspw. das Thema Elternrechte und eine vermeintliche Kindeswohlgefährdung. So erweiterten die Initiator_innen der bereits 2019 initiierten Petition gegen die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz diese um den Zusatz, dass Kinderrechte »problemlos [zu] Maskenpflicht, Impfpflicht, Zwangsisolation oder Kindesentzug« führen könnten. Dies taten sie laut eigener Aussage, um den Adressat_innenkreis zu erweitern, was ihnen auch gelang. Auch auf den Demonstrationen der Querdenken-Initiative wird regelmäßig Bezug zu einer vermeintlichen Kindeswohlgefährdung genommen und wie bei der Demonstration am 03.04.2021 in Stuttgart Testungen auf Corona und das Tragen einer Gesichtsmaske gar als Terror gegen Kinder beschrieben: „Nein! Zum Terror, unserer Enkelkinder mit Masken und Test`s.“ (sic!)

Der Beitrag untersucht, wie die Behauptung der Kindeswohlgefährdung eine gemeinsame Mobilisierung antifeministischer Akteur_innen und Pandemie-Leugner_innen ermöglicht. Dies wird in größere antifeministische Entwicklungen eingeordnet. Denn schon länger versuchen Antifeminist_innen über den Umweg der vermeintlichen Kindeswohlgefährdung ihre politischen Forderungen zu legitimieren und Anknüpfungspunkte an gesamtgesellschaftliche Debatten zu erlangen.

 

(Mit) Vielfalt umgehen – Machtkritische Perspektiven auf die Diskursivierung von Heterogenität

Marina Dangelat, Frauke Grenz
Europa-Universität Flensburg

In aktuellen erziehungswissenschaftlichen und bildungspolitischen Diskursen wird die Pluralisierung von Lebensentwürfen als (neue) Herausforderung gerahmt, die eine potentielle Überforderung von Kindern, Jugendlichen und Pädagog*innen birgt. Um Risiken sozialer Ungleichheit zu reduzieren, gelte es einen pädagogischen Umgang mit Heterogenität zu finden. In Bildungs- und Lehrplänen wird die Fähigkeit mit gesellschaftlicher Diversität umzugehen daher als notwendige, individuelle Kompetenz konstruiert.

In rechten, antifeministischen Bewegungen wird die Diskursivierung von Heterogenität als Herausforderung aufgegriffen und transformiert. Vielfalt wird als Bedrohung inszeniert, die es abzuwenden gelte. Heterogenität wird ‚den Anderen‘ zugeschrieben und ‚das Eigene‘ normalisierend als homogen imaginiert. Die Lösung für die vermeintliche Krise ist hiernach nicht der individuelle Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt, sondern die kollektive Abwehr der imaginierten Gefahr, die von der zunehmend pluralen und uneindeutigen Welt ausgeht.

Obwohl diese beiden Perspektiven gegensätzlich erscheinen, zeigt die diskursanalytische Untersuchung, dass sich beide Diskursstränge einer ähnlichen Logik bedienen: Sowohl mainstream-pädagogische Individualisierungs- als auch rechte Kollektivierungsstrategien werden über das Bedrohungsszenario einer vermeintlich wachsenden gesellschaftlichen Vielfalt legitimiert. Eine machtkritische Auseinandersetzung mit Vielfalt und Differenz wird so verunmöglicht.

 

Pädagogiken der Grenze und Grenz-Subjekte

Dr. Denise Bergold-Caldwell
Philipps-Universität Marburg

Aktuelle Debatten zu Geschlecht und Sexualität thematisieren Geschlechterungleichheit und Sexismus häufig als Probleme „kulturell Anderer“. Insbesondere wird das in Integrationskursen deutlich, die dezidiert die Themen Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Vielfalt als Themen demokratischer Wertevermittlung und Integration betrachten. Das Bemühen um die bildungspraktische Vermittlung dieser Werte kann als Phänomen der kulturellen Dominanz, oder wie Gabriele Dietze (2017/2019) es bezeichnet, als Exzeptionalismus bezeichnet werden.

Die kulturelle Differenz wird als schwer überwindbare und durch pädagogische Maßnahmen zu formende, Grenze markiert. Deutlich wird bei genauerer Betrachtung des Kursgeschehens, dass es sich hier nicht ‚nur‘ um ein kulturelles Dominanzverhalten handelt, sondern vielmehr, das strukturelle Probleme als individuell handhab-bare und verlern-bare ‚Vorurteile‘ angesprochen werden; die Teilnehmenden werden zu verkörperten Grenz-Subjekten denen eine spezifische ‚Bildung‘ zukommen muss, um diese ‚Vorurteile‘ zu verlernen. Der Beitrag möchte anhand der diskursanalytischen Herangehensweise der Situationsanalyse (Clarke 2012) aufzeigen, wie Grenz-Subjekte in diesen pädagogischen Settings, durch die Thematisierung von Geschlechtergerechtigkeit und sexueller Vielfalt (als bereits vollendete Norm) geschaffen werden und gleichzeitig eine Grenze zur gleichberechtigten Teilhabe durch die Dethematisierung struktureller Hindernisse, gezogen wird.



 
Impressum · Kontaktadresse:
Datenschutzerklärung · Veranstaltung: DGfE-Kongress 2022
Conference Software - ConfTool Pro 2.8.95+TC
© 2001–2022 by Dr. H. Weinreich, Hamburg, Germany