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Session Overview
Session
Bildungsbiographien – Grenzbearbeitungen im Kontext von Differenz und Ungleichheit
Time:
Tuesday, 15/Mar/2022:
2:00pm - 4:00pm

Virtual location: Zoom Seminar room 23

942 7509 3944, 297531
Session Topics:
2. General Education, 3. Intercultural and International Comparative Educational Research, Division 2, Subdivision Biographical Research in Education, Division 3, Subdivision Intercultural Education, qualitative, non-empirical theoretical, German

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Presentations

Bildungsbiographien – Grenzbearbeitungen im Kontext von Differenz und Ungleichheit

Chair(s): Dr. Patricia Stošić (Goethe-Universität, Deutschland), Prof. Julie Argyro Panagiotopoulou (Universität zu Köln)

Discussant(s): Prof. Dorothee Schwendowius (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Die Arbeitsgruppe widmet sich dem Thema Bildungsbiographien in ungleichheits-, differenztheoretischer sowie migrationsgesellschaftlicher Perspektive. Im Fokus stehen bildungsbiographische Selbst- und Fremdverortungen, die zugleich auf eine Entgrenzung des Individuums und die Bearbeitung und Überschreitung markierter Grenzsetzungen im Horizont von Biographizität (Alheit & Dausien 2000) verweisen. Ein Beitrag ist theoretisch-methodologisch angelegt, im Mittelpunkt stehen Überlegungen hinsichtlich einer Konturierung eines Konzepts bildungsbiographischer Positionierungen. Drei weitere Beiträge sind empirisch ausgerichtet. Sie rekonstruieren bildungsbiographische Perspektivierungen und Grenzbearbeitungen von Schüler*innen und Student*innen. Herausgearbeitet werden migrations- und minderheitenspezifische, religiös, ethnisch oder sprachlich markierte Differenzsetzungen im Verhältnis von Bildungsbiographie und Institution.

 

Presentations in this panel

 

Bildungsbiographische Positionierungen – Überlegungen zu einer Analyseperspektive erziehungswissenschaftlicher Biographieforschung

Dr. Patricia Stosic
Goethe-Universität Frankfurt

Der schillernde, man könnte auch sagen: entgrenzte, Begriff der Bildungsbiographie kommt im Kontext erziehungswissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit verschiedensten Akzentuierungen zum Einsatz. Seine – mitunter unscharfe – Verwendung changiert zwischen lebenslauforientierten und bildungstheoretischen Konzeptionalisierungen. Die im Beitrag anvisierte Perspektivierung bildungsbiographischer Positionierungen möchte vor diesem Hintergrund einen Beitrag zur theoretisch-methodologischen Klärung in diesem Forschungsfeld leisten. Eine Analyseeinstellung auf bildungsbiographische Positionierungen erhebt dabei den Anspruch, zu beobachten und zu rekonstruieren, wie sich Biograph*innen zu den An- und Aufforderungen, Zumutungen, Normierungen und Versprechungen moderner Bildungsimperative auch vor dem Hintergrund des je eigenen Bildungsverlaufs bzw. Lebenslaufs biographisch in ein Verhältnis setzen (Dausien 2017). Über die Chiffre der Bildung vermitteln sich in der modernen sowie funktional-differenzierten Gesellschaft zentrale Perspektivierungen im Hinblick auf das Selbst- und Weltverhältnis auf verschiedenen Ebenen – Norbert Ricken (2019) hat das pädagogische Paradigma der Bildung gar als „Subjektivierungsmatrix“ der modernen Gesellschaft beschrieben. Mit dieser theoretischen Ausrichtung schließt eine Konzeptualisierung bildungsbiographischer Positionierungen an Arbeiten an, die sich im Spannungsfeld von Diskurs, Subjektivation und Biographie bewegen (z. B. Rose 2012; Spies 2017).

 

Religion – Profession – Subjekt. Biographische Positionierungen angehender Pädagoginnen und Pädagogen im Diskurs

Benjamin Rensch
Goethe-Universität Frankfurt

Im Kontext religiöser bzw. weltanschaulicher Pluralisierungsprozesse in spätmodernen Gesellschaften (Reckwitz 2019; Berger 2015) sind Pädagog*innen zunehmend damit konfrontiert, sich vor dem Hintergrund eigener weltanschaulicher Überzeugungen im Dickicht vielfältiger Anschauungen, Meinungen und Diskurse positionieren zu müssen (Prengel 2019). Der Beitrag stellt empirische Ergebnisse eines Dissertationsprojektes vor, in dem der Frage nachgegangen wird, wie Studierende pädagogischer Berufe, die sich selbst als religiös beschreiben, ihre Religiosität im Rahmen ihres Studiums, d.h. unter Bedingungen der Professionalisierung, biographisch vermitteln. In den Blick geraten Zugehörigkeitskonstruktionen, Differenzmarker und Selbstermächtigungsstrategien, die von den Befragten im Kontext ihrer Religiosität und ihrer aktuellen Lebensphase des Studiums relevant gemacht werden. Angelehnt an eine „empirische Doppelperspektive“ (Spies 2019), wird nach dominanten teils interdependenten „kollektiven Wissensordnungen“ (Reckwitz 2006) gefragt, die in biographischen Erzählungen einbezogen, verarbeitet und/oder zurückgewiesen werden. Vorgestellt wird die Varianz fallspezifischer biographischer Positionierungen, die im Horizont verschiedener Religionszugehörigkeiten unter vergleichbaren Professionalisierungsbedingungen auf differente biographische Bearbeitungs- bzw. Bewältigungsstrategien gewichtiger Wissensordnungen verweisen.

 

Familienmigration zwischen Griechenland und Deutschland: Transnationale Bildungsbiographien von Kindern und Jugendlichen

Prof. Julie Argyro Panagiotopoulou, Andreas Gkolfinopoulos
Universität zu Köln

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen vergleichende Analyseergebnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt, das biographische Positionierungen von in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen rekonstruiert, die aus sozial (unter)privilegierten Familien, u.a. mit einer (Flucht-)Migrationsgeschichte, kommen und in den letzten Jahren Griechenland im Zuge der Finanzkrise verlassen haben (Panagiotopoulou et al. 2019; Gkolfinopoulos & Panagiotopoulou 2019). Aufgrund des unstratifizierten Bildungssystems gilt (akademische) Bildung in Griechenland – nicht nur für Angehörige distinktionsorientierter Schichten – als wichtiger „Mobilitätskanal für den sozialen Aufstieg“ (Grekopoulou 2011: 168; Siouti 2013). Daher wird im Projekt anstelle einer normativen und ethnisierenden Betrachtung (nicht) erfolgreicher Bildungsverläufe ‚griechischer‘ Schüler*innen auf Praktiken der Biographizität (Alheit & Dausien 2000) der Kinder und Jugendlichen fokussiert. Im Beitrag werden insbesondere Inklusions-/Exklusionserfahrungen und damit verbundene Zugehörigkeitskonstruktionen der Biograph*innen beim Übergang in Bildungsinstitutionen sowie familiale Distinktionsstrategien und „Bildungsentscheidungen“ (Dausien 2014) im Hinblick auf die ‚richtige‘ Schulauswahl thematisiert, die akademische Bildungsbiographien zwischen Deutschland und Griechenland hervorbringen (sollen).

 

Sprachideologien und (Aus)Grenz(ungs)erfahrungen Bildungsbiographien migrantisch positionierter Student*innen

Dr. Nadja Thoma
EURAC Research Bozen/Bolzano

Obwohl Mehrsprachigkeit als zentrale individuelle und gesellschaftliche Ressource gilt, hängt die Bewertung sprachlicher Praktiken vom sozialen Status derjenigen Individuen und Gruppen ab, um deren Sprachigkeit es geht (Flores & Rosa 2019). Auch an Bildungsinstitutionen sind Sprachideologien (Holliday 2006) wirkmächtig, die, unabhängig von der sprachlichen Kompetenz der Akteur*innen, zu Erfahrungen von Ausschluss führen können (Thoma 2020).

Theoretisch verknüpft der Beitrag Ansätze aus der Soziolinguistik, die in einer Weiterentwicklung der Bourdieu’schen Theorie des sprachlichen Marktes (Bourdieu 1990) eine Kommodifizierung von Sprachen in globalisierten Gesellschaften rekonstruiert haben (Heller 2010), und biographietheoretische Ansätze, die es ermöglichen, Bildungsprozesse als kumulative und nicht-lineare Prozesse zu rekonstruieren (Dausien et al. 2016) und die darin eingewobenen Umwege, Widersprüche und Brüche sowie die jeweiligen Sinnkonstruktionen der Subjekte sichtbar zu machen.

Auf der Basis biographischer Interviews aus zwei Forschungsprojekten geht der Beitrag der Frage nach, welche Bedeutung Sprache und Mehrsprachigkeit im Studium zukommt. Dabei stehen zwei Aspekte im Zentrum des Interesses: die Arbeit am eigenen sprachlichen Repertoire mit dem Ziel, als legitime Sprecher*in anerkannt zu werden, und der strategische Einsatz des eigenen sprachlichen Repertoires in einem meritokratisch und nach neoliberalen Gesichtspunkten strukturierten System.



 
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