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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzung und Krise - Orientierungslosigkeit oder Bildung?
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 21
980 9785 3820, 440605
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Entgrenzung und Krise - Orientierungslosigkeit oder Bildung?

Chair(s): Serafina Morrin (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Deutschland)

Inwiefern lässt sich das Entgrenzende und Entgrenzte in transformatorischen Bildungsprozessen als krisenhaft deuten? Gehen Entgrenzungen und Krisen ineinander auf, bedingen sie einander, folgt das eine auf das andere?

Die Arbeitsgruppe nimmt die Metapher der Entgrenzung zum Anlass, um über den Krisenbegriff im Kontext der Theorie transformatorischer Bildungsprozesse zu reflektieren.

Vortrag 1 fragt, inwiefern die in Gründungsprozessen inklusiver Schulen enthaltene Kritik hegemonialer Begrenzungen (Gramsci) als Krise beschrieben werden kann. Vortrag 2 diskutiert die Krise als Antrieb und Konsequenz habitueller Entgrenzungen während Positionsveränderungen im sozialen Raum (Bourdieu). In welcher Weise sich Aushandlungen zwischen Hilfesuchenden und Hilfebietenden als krisenhafte Beziehungen gestalten (Brückner), wird in Vortrag 3 thematisiert. Vortrag 4 veranschaulicht, wie krisenhafte Begegnung mit dem Fremden mithilfe von Imaginationen als Zwischenraum ausgeleuchtet werden kann (Zirfas).

 

Beiträge des Panels

 

Ideologiekritik als Krise? – Überlegungen zu kollektiven transformatorischen Bildungsprozessen in Gründungsprozessen inklusiver Schulen

Katji S. Zauner
Humboldt-Universität zu Berlin

Was ist eigentlich das Neue an inklusiven Schulen und wie wird es hergestellt? Welchen Begrenzungen eigener Sinnhorizonte begegnen wir, wenn wir Schulen inklusiv denken? Oder bleiben die Grenzen der uns umgebenden hegemonialen Verhältnisse am Ende unangetastet?

Ausgehend von der These, dass die Herstellung gesellschaftlicher Konsense nicht als Top-Down-Strategie (u.a. Moser) funktioniert, rücken Herstellungspraktiken (neuer) gruppeninterner Konsense in den Blick. Insbesondere solche, die sich mit den sie umgebenden hegemonialen Ordnungen auseinandersetzen.

Der Vortrag basiert auf meinem laufenden Promotionsprojekt, in dem kollektive transformatorische Bildungsprozesse als Herstellung gemeinsamer Visionen in Auseinandersetzung mit (schulischen) hegemonialen Ordnungen zum Gegenstand gemacht werden. Dazu werden Treffen von Gründungsinitiativen inklusiver Schulen in Anlehnung an die Dokumentarische Methode ausgewertet und anschließend ideologiekritisch diskutiert. Damit setzt die Arbeit an der Kritik einer Unterbestimmung des Weltverhältnisses (Rosenberg) im Kontext der Theorie transformatorischer Bildungsprozesse (u.a. Koller) an und sucht durch die Verknüpfung mit einem kritischen Ideologiebegriff (u.a. Gramsci, Rehmann) Zugänge zu kollektiven transformatorischen Bildungsprozessen.

Anhand erster Ergebnisse gehe ich der Frage nach, inwiefern die gemeinsame Kritik hegemonialer Ordnungen als Entgrenzung und damit als Krise zu fassen ist.

 

Au revoir la trajectoire?! – Nachdenken über soziostrukturelle Entgrenzungen und transformatorische Bildung.

Stefanie Hoffmann
Humboldt-Universität zu Berlin

Nicht nur räumliche, sondern auch soziale Mobilität prägt das gegenwärtige Gesellschaftsbild des Anthropozäns. Als eine Personengruppe, die soziale Mobilitätsprozesse vollzieht, lässt sich die der Wissenschaftlerinnen der ersten Generation identifizieren, also Personen aus nicht-akademischen Herkunftsmilieus, die als jeweils erste Person ihrer Familie einen Studienabschluss erwerben und in der Wissenschaft tätig sind. Sie vollziehen vertikale Positionsveränderungen im sozialen Raum und verzeichnen dabei nicht nur institutionalisierte, sondern mitunter auch transformatorische Bildungsprozesse für sich.

Der Krisenbegriff nimmt in transformatorischen Bildungstheorien eine exponierte Stellung ein und soll hier anhand der empirischen Rückgebundenheit an das Dissertationsprojekt der Autorin kritisch reflektiert werden. Über die Ausdifferenzierung des Krisenbegriffs in der transformatorischen Bildungstheorie hinweg soll – vor der Theoriefolie Bourdieus (1982) – herausgestrichen werden, 1) inwiefern Krisen als Agens für die Entgrenzung habitueller Rahmungen des nicht-akademischen Milieus sowie einer klassenspezifischen Trajectoire gelesen werden können. Daran anschließend wird diskutiert, 2) inwiefern jene Entgrenzungen als Konstitutionsprinzip und zugleich als Konsequenz für Bildungsprozesse im biographischen Kontext ausgedeutet werden können. Die wechselseitigen Irritationen zwischen Empirie des Dissertationsprojekts und Bildungstheorie sind dabei Ausgangspunkt der Darstellungen.

 

Entgrenzung im Selbst-, Fremd- und Weltverhältnis von Hilfe

Marlene Jänsch
Hochschule Fulda

Hilfesuchende, die nicht mehr auf bewährte Unterstützungssysteme zurückgreifen können und institutionell arrangierte Hilfeleistungen in Anspruch nehmen, treffen im Freiwilligenkontext auf bisher fremde hilfebietende Menschen. Hilfesuche und Hilfeangebot können beide als Versuche grenzsetzender Handlungsweisen gedeutet werden, die die komplexer werdenden gesellschaftlichen Hilfestrukturen unter veränderten globalisierten Bedingungen grundlegend transformieren. Anhand meines autoethnografischen Dissertationsprojektes mit Hilfepaaren stelle ich dar, welche Entgrenzungen in Hilfesituationen als Krise und möglicherweise transformatorisches Bildungspotenzial gedeutet werden können. In meiner Rekonstruktion der Hilfebeziehungen zeigen sich permanente Aushandlungsprozesse zum Gegenstand der Hilfe, zu Erwartung und Zuschreibung von Rollen und zum ungeklärten Beziehungscharakter. Die Beteiligten haben das Bedürfnis, Hilfebedarf und Hilfesuche selbstwirksam in „der Dialektik von Anpassung und Widerstand“ (Marotzki 1990) zu gestalten, so dass es zu Konflikten und Grenzüberschreitungen in Form von krisenhafter Orientierungslosigkeit und Überforderung kommt. Neu geschaffene Figuren des Selbst-, Fremd- und Weltverhältnisses (vgl. Fuchs 2011) in den Interaktionsprozessen bilden das Potenzial für transformierte Ordnungen von Hilfe.

 

Dem Fremden begegnen – entgrenzte Zwischenräume der Imagination neu zugewanderter Kinder

Serafina Morrin
Katholische Hochschule für Sozialwesen

Kinder, die neu in Deutschland sind, können Entgrenzungen nicht nur als räumliches Verlassen von Heimat erfahren, sondern auch als Entgrenzung des bisherigen Selbst- und Weltverhältnisses, dessen Transformation mit einer Krise verbunden sein kann (Koller 2012).

Als das nicht Greifbare schlechthin, entzieht sich das Fremde jeglicher Verbegrifflichung (Waldenfels 2020). Dem „anwesend Abwesenden“ (Kokemohr 2015) zu begegnen, bedeutet Veränderung, die die inneren Bilder des bisher Vertrauten und des wahrgenommenen Fremden zerstören kann.

Wenn das Fremde als solches nicht zugänglich werden kann, bedarf es eines imaginären Raumes, in dem sich die Paradoxie des Fremden aufzulösen scheint. In liminalen Zwischenräumen können mithilfe von Imaginationen und inneren Bildern (Wulf 2014) Gegensätze bestehen bleiben und Weltoffenheit (Scheler 1947) ausgestaltet werden. Denn ästhetische Erfahrung ermöglicht es, sich herauszureißen aus dem Raum, der Zeit und der Kausalität (Zirfas 2004).

Anhand empirischer Beispiele (Promotionsprojekt) aus einem videografierten Theaterprojekt mit neu zugereisten Kindern soll exemplarisch aufgezeigt werden, welche Rolle Imaginationen bei transformatorischer Entgrenzung spielen können.



 
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