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Sitzungsübersicht
Sitzung
Ent|grenz|ungen von Geschlecht – Inter*geschlechtlichkeit in Erziehungs- und Bildungskontexten
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 12

963 6729 1452, jzYkc9
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 11. Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, Sektion 8, Kommission Pädagogik der frühen Kindheit, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Ent|grenz|ungen von Geschlecht – Inter*geschlechtlichkeit in Erziehungs- und Bildungskontexten

Chair(s): Prof. Dr. Melanie Groß (Fachhochschule Kiel, Deutschland)

Diskutant*innen: Anne Rimbach (Christian-Albrechts-Universität Kiel), Prof. Dr. Kathrin Schrader (Frankfurt University of Applied Science)

Immer sichtbarer werden Ent|grenz|ungen hegemonialer heteronormativ verfasster Zweigeschlechtlichkeit durch Artikulationen und Kämpfe von intergeschlechtlichen, transgeschlechtlichen und nicht-binär geschlechtlichen Menschen, deren Recht auf Anerkennung sich in der Gesetzesänderung im Personenstandsrecht im Jahre 2018 mit der Einführung von vier Optionen zum Geschlechtseintrag widerspiegelt. Trotz dieses Erfolgs im System des Rechts sowie der zunehmenden Sichtbarkeit von geschlechtlicher Vielfalt insgesamt werden Geschlechter in Erziehungs- und Bildungskontexten sowie in Bildungsinstitutionen nach wie vor durch Anrufungen, Repräsentationsweisen und Strukturen auf ein zweigeschlechtliches System begrenzt. Welche Subjektpositionierungen werden anerkannt, welche Subjektivierungsweisen erhalten das Recht der Selbstrepräsentation, auf welche Weise ermöglichen Bildungsinstitutionen welchen Subjekten das In-Erscheinung-Treten und welche emanzipatorischen Grenzüberschreitungen sind möglich?

 

Beiträge des Panels

 

Emanzipation von der medizinischen Deutungsmacht als Ent|Grenz|ung

Dr. Joris Atte Gregor
Universiät Jena

Bis heute werden die Körper intergeschlechtlicher Menschen in der medizinischen Praxis entlang der kulturellen Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit zugerichtet. Kosmetische Operationen, Medikamentengaben, die dem diagnostizierten Geschlecht, oft aber nicht den körperlichen Bedürfnissen entsprechen, werden als Fremdbestimmung und Körperverletzungen erlebt. Die in Inter*-Selbsthilfekontexten selbstorganisierte medizinische Nachsorge solcher Zugriffe steht beispielhaft für die Emanzipation intergeschlechtlicher Menschen von der normativen medizinischen Kontrolle. Im Zuge einer Biographieforschung mit intergeschlechtlichen Menschen habe ich diesen Emanzipationsprozess in einem vierstufigen Modell systematisiert, das den Prozess der Wiederaneignung des zugerichteten Körpers, der Biographie und eine individuellen Geschlechtlichkeit nachzeichnet. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die letzte Stufe, das Coming Clean, als Möglichkeitsraum der Heterotopie (Foucault).

 

Emanzipationsprozesse von Eltern intergeschlechtlicher Kinder

Anike Krämer
Universität Paderborn

Eine Diagnose aus dem Inter*-Spektrum ist für Eltern intergeschlechtlicher Kinder eine Zäsur. Aufgrund der hegemonialen Vorstellung einer zweigeschlechtlichen Ordnung können sie in der Regel nicht auf einen individuellen oder gesellschaftlichen Wissensvorrat zurückgreifen. Die Auseinandersetzung, die auf die dadurch ausgelöste Wirklichkeitskrise folgt, kann mit Hilfe des vierstufigen Modells von Emanzipationsprozessen (Gregor 2015) nachgezeichnet werden. Im Vortrag wird das Modell, welches insbesondere den Prozess der Emanzipation intergeschlechtlicher Menschen beschreibt, anhand von empirischen Daten von Eltern diskutiert. Dies kann im Sinne einer gegenstandsbezogenen Theorie die darin beschriebenen Kategorien erweitern und konkretisieren.

 

Bedeutung der Thematisierung von Inter* im Bildungskontext und warum die Kritik an medizinischen Eingriffen und Normierungen alleine nicht ausreicht

Mart Enzendorfer
Universität Wien

Ob und vor allem wie Intergeschlechtlichkeit in unterschiedlichen Bildungskontexten Berücksichtigung findet, hat einen wesentlichen Einfluss auf das Selbstverständnis intergeschlechtlicher Personen, aber auch auf die Reflexion geschlechtlicher Vielfalt für alle pädagogischen Adressat*innen. In Bildungskontexten wird nicht nur ein binäres Geschlechterverständnis abgebildet, sondern sie sind auch Konstrukteur*innen dieser Geschlechterverständnisse. Die immer lauter werdende Kritik an medizinischen Eingriffen und Normierungen ist berechtigt und notwendig, reicht aber nicht aus. Die Verantwortung liegt auch in der Bildung und der Vermittlung von bestimmten Geschlechterverständnissen. Anhand eines Einblicks in die rekonstruktive (Promotions-)Studie biografischer Erzählungen wird deutlich, wie medizinische und pädagogische Kontexte untrennbar miteinander verwoben sind.

 

Ent|grenz|ungen in Jugendarbeit und Schulsozialarbeit

Prof. Dr. Melanie Groß1, Prof. Dr. Andrea Nachtigall2
1FH Kiel, 2Alice-Salomon-Hochschule Berlin

Jugendarbeit und Schulsozialarbeit sind Bildungssettings, in denen gesellschaftliche Anforderungen der Normalisierung ausgehandelt werden und in denen Fachkräfte Jugendliche dabei unterstützen, trotz gesellschaftlicher Anforderungen handlungsfähig zu bleiben. Für die Frage nach Emanzipation von geschlechtlichen Begrenzungen könnten sie also soziale Räume der produktiven Entgrenzungen bieten, in denen jugendliches Aufwachsen in geschlechtlicher Vielfalt unterstützt und anerkannt wird. Es zeigt sich jedoch, dass die institutionellen Rahmungen einer Gestaltung von geschlechtlicher Vielfalt begrenzt sind und (hetero-)normative Begrenzungen fortschreiben – so lange, bis einzelne Fachkräfte diese Themen als zentral für Subjektivierungsweisen einordnen und zum Thema machen. Die notwendige systematische Auseinandersetzung mit Fragen geschlechtlicher Begrenzungen findet in der Regel weder auf der Ebene der Jugendforschung noch auf der Ebene der Institutionen statt.



 
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