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Sitzungsübersicht
Sitzung
Provokationen eines pädagogischen Egalitarismus. Grenzüberschreitungen im Namen radikaler Gleichheit
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 06
917 0452 1118, 983974
Sitzungsthemen:
1. Historische Bildungsforschung, 2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 6. Sonderpädagogik, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, theoretisch, historisch

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Präsentationen

Provokationen eines pädagogischen Egalitarismus. Grenzüberschreitungen im Namen radikaler Gleichheit

Chair(s): Dr. Nicole Balzer (Universität Münster), Prof. Dr. Johannes Bellmann (Universität Münster, Deutschland), Dr. Hanno Su (Universität Münster)

Mit der Kritik an vormoderner Standeserziehung und dem emphatischen Bezug auf den Universali-smus ‚allgemeiner Menschenbildung‘ wurde ‚Gleichheit‘ bekanntlich zu einem zentralen Grün-dungsmotiv moderner Pädagogik. In verschiedenen aktuellen Diskurssträngen – beispielsweise zu Inklusion, Migration und Bildungsgerechtigkeit – ist dieses Motiv in den Hintergrund getreten. Nicht Gleichheit, sondern das ‚Ungleichsein‘ der pädagogischen Adressat*innen wird als die zentrale Herausforderung und zugleich Orientierungsgröße pädagogischen Handelns veranschlagt. In den letzten Jahren sind aber auch vermehrt Arbeiten vorgelegt worden, die Figuren radikaler Gleichheit (erneut) zur Geltung bringen. Die Arbeitsgruppe schließt an diese Arbeiten an und zielt darauf, verstreute Ansätze eines pädagogischen Egalitarismus und die in ihnen enthaltenen Grenzüberschreitungen in systematischer, historischer und inklusionspädagogischer Perspektive zu entfalten.

 

Beiträge des Panels

 

Theoriesystematische Orte von Gleichheit im pädagogischen Denken

Dr. Nicole Balzer, Prof. Dr. Johannes Bellmann, Dr. Hanno Su
Universität Münster

Gleichheit stellt in der pädagogischen Theoriegeschichte ein ebenso mehrdeutiges wie umstrittenes Motiv dar, das in den Lexika der Disziplin in expliziter Form zumeist nur als ‚Chancengleichheit‘ Aufnahme gefunden hat. Bei genauer Betrachtung sind jedoch die Bezüge auf ‚Gleichheit‘ im pädagogischen Denken vielfältiger: Als Voraussetzung erscheint Gleichheit etwa in der Unterstellung gleicher Bildsamkeit, als Ziel in der Selbstaufhebung der Erziehung durch eine zu erreichende Mündigkeit und Gleichstellung der Generationen, und in Bezug auf den Prozess der Erziehung steht Gleichheit z.B. für eine spezifische Praxis der Anerkennung, in der Gleichheit – ungeachtet aller empirischen Ungleichheit – verifiziert wird.

Der Beitrag gibt einen Überblick über die theoriesystematischen Orte und Einsatzpunkte von ‚Gleichheit‘ im pädagogischen Denken. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, inwiefern sich nicht nur äußere Referenzen auf Gleichheit als politische, soziale, ökonomische, rechtliche oder moralische Kategorie zeigen, sondern innere systematische Bezüge, in denen Gleichheit von der Pädagogik aus und Pädagogik von der Gleichheit aus verstanden wird. Ziel ist es, die unterschiedlichen Verwendungsweisen und Bedeutungsgehalte des Gleichheitsbegriffs sowie die jeweils relevanten Abgrenzungsfiguren in einem Tableau zu systematisieren, das als Bezugspunkt für die Diskussion in der Arbeitsgruppe dienen kann.

 

Schlechte Gleichheit – Historische Überlegungen zum pädagogischen Motiv der Gleichheit

Dr. Florian Heßdörfer1, Prof. Dr. Sebastian Engelmann2
1Universität Leipzig, 2Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Innerhalb der Erziehungswissenschaft fungiert ‚Gleichheit‘ häufig als Kontrastfolie für empirisch vorgefundene Phänomene der Ungleichheit. Auch in historischer Hinsicht zeigt sich, wie das politische Konzept der Un/Gleichheit über pädagogische Figuren der Besonderheit ausbalanciert wird, die den Anschluss an dessen praktische Bearbeitung erlauben. Angesichts dieser Konstellation sind Versuche von Interesse, die Gleichheit ernst nehmen und in den Mittelpunkt konkreter pädagogischer Praxis setzen. Unser Beitrag rekonstruiert einen solchen Versuch und befragt ihn auf sein Verständnis von Gleichheit und die daraus entstehenden Konsequenzen. Unsere These ist, dass Gleichheit in pädagogischen Zusammenhängen zwar als Chiffre genutzt wird, dieser Nutzen aber nur solange funktioniert, wie der politische Gleichheitsanspruch pädagogisch ‚gereinigt' wird und in hinreichender Distanz zur Unreinheit der Empirie bleibt. Dort wo die Gleichheitsforderung zu weit in den Alltag reicht, markiert der Begriff der ‚Gleichmacherei‘ das Tabu der Realisierung und ruft den Vorwurf ‚schlechter Gleichheit‘ auf den Plan. Als Beispiel für eine pädagogische Treue der Gleichheit nutzen wir Edwin Hoernles Überlegungen zur proletarischen Erziehung, die Gleichheit radikal denkt und dabei die Grenzen des pädagogischen Sprechens über Gleichheit verdeutlicht.

 

Zum Bedeutungswandel der Gleichheitsidee im Inklusionsdiskurs – von der Dialektik von Gleichheit und Differenz, über die radikaler Differenz zu radikaler Gleichheit?

Prof. Dr. Dieter Katzenbach
Goethe-Universität Frankfurt

Das Begriffspaar von Gleichheit und Differenz wurde von Reiser et al. bereits in den 1990er-Jahren in den – damals noch – Integrationsdiskurs eingebracht. In der bis heute einflussreichen Theorie integrativer Prozesse wird die Dialektik von Gleichheit und Differenz als sich auf vier Ebenen – innerpsychisch, interaktional, institutionell, gesellschaftlich – entfaltend konzipiert. Bereits hier scheint es lohnend, dem auf jeder dieser Ebenen aufgerufenen Begriff von Gleichheit noch einmal systematisch nachzugehen.

Mit Ersetzung des Integrations- durch den Inklusionsbegriffs geriet das als spannungsvoll konzipierte Verhältnis von Gleichheit und Differenz zunehmend aus dem Blick. An seine Stelle trat das harmonisierende Gebot der Wertschätzung von Diversität und damit einhergehend die Problematisierung binärer Kategorisierungen. Der Ruf nach Gleichheit war und ist – gerade aus der Perspektive von Behinderung – schon deshalb anrüchig, weil er, Adornos Diktum folgend, in Gefahr läuft, auf der Rückseite Ausschluss zu produzieren, da Gleichheit stets an Kriterien geknüpft wurde: Rasse, Geschlecht, Bildbarkeit, Personenstatus… So lag es für die Inklusionspädagogik nahe, eher den Anschluss an den Diskurs um radikale Differenz zu suchen, während die Schärfung eines inklusiven Begriffs radikaler Gleichheit noch aussteht.



 
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