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Sitzungsübersicht
Sitzung
Antisemitismus an Schulen – Wahrnehmungen, Deutungen und Strukturmerkmale der Intervention
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
14:00 - 16:00

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 29
987 0082 1373, 071772
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, 5. Schulpädagogik, 14. Organisationspädagogik, Sektion 2, Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung, Sektion 5, Kommission Schulforschung und Didaktik, Sektion 5, Kommission Professionsforschung und Lehrerbildung, qualitativ, theoretisch, Englisch und Deutsch in einer Veranstaltung

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Präsentationen

Antisemitismus an Schulen – Wahrnehmungen, Deutungen und Strukturmerkmale der Intervention

Chair(s): Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai (FH Potsdam, Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften), Marina Chernivsky (Forschungsbereich des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment - ZWST)

Antisemitismus an Schulen wird in den letzten Jahren verstärkt medial und politisch diskutiert, jedoch fehlt es an empirischen Daten sowie an schulpädagogischen Konzepten (vgl. Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus 2017). Bislang wurde Antisemitismus kaum in erziehungswissenschaftlicher Perspektive als historisch tradierte Diskriminierungs- und Gewaltform und als Aufgabe für die Schulpädagogik untersucht. Aktuell entwickelt sich eine Forschungslandschaft mit bisher überwiegend qualitativen, multiperspektivisch angelegten Erhebungen (vgl. Zick et al. 2017, Bernstein 2020, Chernivsky/Lorenz/Schweitzer 2020). In der international besetzten Arbeitsgruppe werden wir drei Studien diskutieren: Eine Ethnografie zu einer Weiterbildung von Lehrer:innen sowie zwei Studien zu Antisemitismus an Schulen. Diese Untersuchungen werden anschließend in Bezug zur erziehungswissenschaftlichen Debatte zu Antisemitismus im Bildungswesen gesetzt und kritisch kommentiert.

 

Beiträge des Panels

 

Pilgrimage to an Israeli memorial and Shoah education for teachers from Germany– A miracle cure for the rise of anti-Semitism at schools in Germany?

Prof. Dr. Julia Resnik1, Lance Levenson1, Prof. Dr. Fabian Kessl2, Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai3
1Hebrew University of Jerusalem, 2Bergische Universität Wuppertal, 3FH Potsdam, Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften

Each year hundreds of German teachers travel to Israel to participate in a seminar at a Holocaust memorial, where they encounter the Shoah from Jewish perspectives. From 2018 to 2020 we conducted an ethnographic study following four teacher groups. Drawing on data obtained through participant observation, group discussions, and 70 interviews, we seek to understand the relevance of the Israel journey considering the challenges facing German educators. While the organizing education ministries expect the trip to increase teachers’ motivation to teach the Shoah and to irritate latent antisemitic patterns, teachers are motivated by the desire for an intense emotional experience mediated through contact with Jews and Jewish space. Beyond expectations of pedagogical advice, many teachers hope to touch students emotionally upon their return to Germany to combat anti-Semitism and the New Right. In contrast with European memorials, a memorial in the Jewish homeland is positioned as a location where an authentic transformative experience is possible. We analyze teacher expectations and practices in Israel considering Turner’s (1973) pilgrimage framework and discuss how the experience of teachers as secular pilgrims reflects patterns of dealing with anti-Semitism in contemporary Germany.

 

Antisemitismus an Schulen aus den Perspektiven von Jüdinnen und Juden

Prof. Dr. Julia Bernstein
Frankfurt University of Applied Sciences

Im Vortrag werden zentrale Ergebnisse aus der vielbeachteten Studie „Mach mal keine Judenaktion“ (Bernstein et al. 2918, Bernstein 2020) vorgestellt und diskutiert. Die Untersuchung umfasst 251 qualitative Interviews zu Erfahrungen und Umgangsweisen mit Antisemitismus im Bildungswesen. Die Erhebungen wurden von einem Team um Julia Bernstein an 171 Schulen durchgeführt. Teilgenommen haben jüdische Schüler:innen, Eltern sowie jüdische und nichtjüdische Lehrkräfte und Fachkräfte aus der Sozialen Arbeit und aus außerschulischen Bildungsorganisationen. Die Befunde verweisen auf ausbleibende Reaktionen und Relativierungen von Antisemitismus durch pädagogisch Zuständige an Schulen und weisen zuleich aus den Perspektiven der jüdischen Studienteilnehmer:innen Schule als einen Hauport aus, an dem antisemitische Erfahrungen gemacht werden. Nach einer theoretischen Einordnung von Antisemitismusformen, die an Schulen dominieren, werden die unterschiedlichen Einschätzungen von Antisemitismus und die Perspektivendivergenz als wesentliches Strukturelement aktueller Dynamiken im Umgang mit Antisemitismus an Schulen diskutiert. Vor diesem Hintergrund werden Bedarfe zum Umgang mit Antisemitismus an Schulen aufgezeigt und die Notwendigkeit einer systematischen Berücksichtigung jüdischer Perspektiven in der Entwicklung von Interventionskonzepten argumentiert.

 

Soziale Prozesse der Einordnung von Antisemitismus als Gewaltphänomen an Schulen – Empirische Einsichten aus einer Bundesländer-Studienreihe

Marina Chernivsky1, Prof. Dr. Friederike Lorenz-Sinai2
1Forschungsbereich des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment - ZWST, 2FH Potsdam, Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften

Wie wird Antisemitismus an Schulen wahrgenommen, verhandelt, mit Bedeutung versehen und eingeordnet? Welche Verständnisse von Antisemitismus liegen diesen Deutungen zugrunde? Aus einer Studie zu Erfahrungen mit Antisemitismus an Schulen aus der Perspektive von Jüdinnen:Juden und aus einer seit dem Jahr 2018 laufenden Studienreihe in verschiedenen Bundesländern (bisher: Berlin, Baden-Württemberg, Thüringen) stellen wir ausgewählte Befunde vor (vgl. u.a. Chernisvky/Lorenz 2020). Die Studien basieren auf Gruppendiskussionen und narrativen Interviews mit Schüler:innen, Eltern, Lehrer:innen, Schulleitungen und Fachkräften der Sozialen Arbeit und Bildungsarbeit. Multiperspektivisch rekonstruiert werden biografische Bezüge, Verständnisse von Antisemitismus, Schilderungen des Schulalltags sowie die Strukturmerkmale von Fallbesprechungen unter Lehrer:innen. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Prozesse der sozialen Aushandlung und Einordnung von antisemitischen Übergriffen in triadischen Konstellationen aus einer gewaltsoziologischen Perspektive (vgl. Beck 2011). Anstelle einer Fokussierung auf situative, als sogenannte ‚Vorfälle‘ abgegrenzte antisemitische Übergriffe, rückt die Aufmerksamkeit damit auf die zeitlichen und räumlichen Dimensionen antisemitischer Strukturen und Gewalterfahrungen, die Folgen für die Beteiligten und die Auswirkungen von Antisemitismus im sozialen Raum Schule.

 

Kommentar

Prof. Dr. Micha Brumlik
Goethe Universität Frankfurt am Main

Im Kommentar werden die zuvor dargestellten Studien kritisch kommentiert. Die Resonanz auf die Befunde wird verbunden mit ihrer Einordnung in den erziehungswissenschaftlichen Forschungsstand zu Antisemitismus in Deutschland und aktuelle Tendenzen und Phänomene der Antisemitismusdebatte. Auf welche Leerstellen und Kontinuitäten verweisen die Befunde und welche erziehungswissenschaftlichen Fragen werfen sie auf? Der Kommentar endet mit Thesen und Fragen zu Antisemitismus im Kontext von Schulen, die die abschließende Diskussion in der Arbeitsgruppe anregen sollen.



 
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