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Sitzungsübersicht
Sitzung
Be- und Entgrenzungen von (Mehr-)Sprachigkeit in der Kindheit
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 29

987 0082 1373, 071772
Sitzungsthemen:
3. Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 3, Kommission Interkulturelle Bildung, Sektion 8, Kommission Pädagogik der frühen Kindheit, qualitativ, Deutsch

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Präsentationen

Be- und Entgrenzungen von (Mehr-)Sprachigkeit in der Kindheit

Chair(s): Dr. Karin Kämpfe (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Yasemin Uçan (Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache Köln)

In der Migrationsgesellschaft lässt sich Sprache als ordnendes Prinzip im Bildungssystem festhalten. Dabei zeigt sich nicht nur die einsprachige Ausrichtung der Bildungsinstitutionen in einem gegenläufigen Verhältnis zur familiären (Mehr-)Sprachigkeit. Die sprachbezogene Beziehungsgestaltung zwischen Institution und Familie basiert überdies auf einem asymmetrischen Verhältnis. Das Symposium ist geleitet durch die übergreifende Frage nach Herstellungsprozessen sprachbezogener Be- und Entgrenzungen in Institutionen der Kindheit. In den Vorträgen, die sich an der Schnittstelle von Migrationspädagogik und Mehrsprachigkeitsforschung verorten, werden auf der Ebene von Diskursen (1), auf der Ebene von pädagogisch Professionellen (2), Kindern (3) und Eltern (4) sprachbezogene Be- und Entgrenzungen rekonstruiert. Im Fokus der Diskussion stehen migrationsgesellschaftliche Grenzziehungen und akteur*innenseitige Grenzbearbeitungen von (Mehr-)Sprachigkeit in der Kindheit in ihrem Wechselverhältnis.

 

Beiträge des Panels

 

Innen und Außen. Die Produktion von Orten und Nicht-Orten von Bildung in den Konstrukten Muttersprache und Bildungssprache

Dr. Magdalena Knappik
Bergische Universität Wuppertal

Der theoretisch-konzeptionelle Beitrag analysiert zwei in Bildungssettings häufig relevant gesetzte Konstrukte: Muttersprache und Bildungssprache (Panagiotopoulou 2017). Fokussiert wird dabei die Produktion eines Innen und eines Außen in beiden Konstrukten.

Das Muttersprachenkonstrukt verortet Prozesse der Sprachaneignung in der engsten Familie. Dieses scheinbar privat-intime Innen steht jedoch in enger Verknüpfung mit der Herstellung des Nationalstaates als sprachlich homogen, der Sprachbeziehungen jenseits der einen Nationalsprache in ein Außen verweist (Bonfiglio 2010).

Als Gegenentwurf zum Konstrukt der Muttersprache postuliert das Bildungssprachenkonstrukt das Register der Bildungssprache als Medium des Lernens und nimmt Bildungsinstitutionen für dessen Vermittlung in die Pflicht. Dennoch operiert auch dieser Begriff mit einer Grenze zwischen Innen und Außen: Die Konzentration auf das Deutsche als Bildungssprache (kritisch hierzu: Fürstenau/Lange 2014) verweist ‚Familiensprachen‘ in ein Außen und erklärt damit die (nicht-deutschsprachige) Familie zum Nicht-Ort für Bildung.

Die Erschließung der Symmetrien beider Konstrukte stellt eine ertragreiche Analyseperspektive für erziehungswissenschaftliche Forschung insbesondere im Kontext der argumentativen Legitimation von Ein- und Ausschlüssen in Bildungsinstitutionen dar.

 

Zwischen Förderung und Verbesonderung – Fachkraftperspektiven auf an Sprachförderung beteiligte Kinder und ihre Eltern

Dr. Karin Kämpfe
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mit der bildungspolitischen Aufforderung, die deutsche Sprache zu fördern gehen pädagogisch Professionelle unterschiedlich um (Autorin et al. 2020). Konstitutiv für sprachförderliches Handeln ist dabei ein Spannungsfeld zwischen der Frage wirksamer Förderung und mit der Förderung verbundenen defizitmarkierenden Verbesonderungen und Adressierungen von Kindern und Eltern (Dirim/Pokitsch 2018). Während sprachbezogene Differenzkonstruktionen in Bildungsinstitutionen empirisch belegt sind (Vortrag 1), stellen Subjektivierungen im (elementar)pädagogischen Handlungsfeld der Sprachförderung eine Forschungslücke dar. Mit der Frage, wie pädagogische Fachkräfte das dilemmatische Verhältnis von Förderung und Verbesonderung bearbeiten, holt der Beitrag diese Lücke in professions-, kindheits- und subjektivierungstheoretischer Perspektive ein. Anhand von Interviews mit Fachkräften aus der Studie X, die in (vorschulische) Sprachförderung involviert sind, wird mittels Dokumentarischer Methode (Bohnsack 2010) rekonstruiert, welche Selbst- und Fremdkonzepte diese in Bezug auf Kinder und ihre Eltern entwerfen. Der Beitrag zielt darauf ab, produziertes Wissen über Migration im Handlungsfeld der Sprachförderung offenzulegen. Zugleich werden mit den Befunden migrationspädagogische Debatten zu Sprache(n) und Sprachförderung aus ihrer engführenden Fokussierung auf rassifizierende Aspekte herausgelöst und vor dem Hintergrund der intersektionalen Verflechtungen sprachbezogener Diskurse diskutiert.

 

Sprachliche Bildung im Elementarbereich: Translanguaging zwischen sprachlicher Ermächtigung und Besonderung mehrsprachiger Kinder

Christina Winter
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache Köln

Mit dem Ziel, mehrsprachige Voraussetzungen der Lernenden wertzuschätzen, sprachliche Hierarchien abzubauen sowie Sprachkompetenzen im Sinne einer Gesamtsprachigkeit zu fördern, wird eine mehrsprachige Bildung angestrebt (García 2009, Gantefort/Sánchez Oroquieta 2015). Vor diesem Hintergrund geht der Vortrag der Frage nach, wie Kinder und pädagogische Fachkräfte als Akteur*innen der Organisation Kita Sprach- und Sprechkonventionen unter den Bedingungen von Mehrsprachigkeit aushandeln.

Basierend auf dichten Beschreibungen aus teilnehmender Beobachtung in vier Kindertageseinrichtungen wird mittels des Kodierschemas der Grounded Theory komparativ herausgearbeitet (Panagiotopoulou 2017; Corbin/Strauss 2015), inwiefern (Sprach-)Praktiken Mehrsprachigkeit im Kitaalltag inkludieren oder exkludieren. Werden Kinder von Fachkräften als mehr- oder nichtdeutschsprachig markiert, erfahren sie eine Anrufung als Anderssprachige und werden dabei als muttersprachliche Sprachexpert*innen (Khakpour 2016) hervorgebracht. Offenbaren sich die in der Situation beteiligten Akteur*innen, insbesondere Erwachsene, als Anderssprachige, eröffnet dies Handlungsräume für Kinder, sich als mehrsprachige Subjekte zu positionieren.

Diskutiert wird, wie das Dilemma zwischen einer ressourcenorientierten Perspektive und der Gefahr der „Besonderung“ (Kuhn 2013) aufgrund migrationsbedingter Mehrsprachigkeit im pädagogischen Alltag hergestellt und darüber hinaus translinguale Praktiken eröffnet oder begrenzt werden.

 

Sprachbiografische Konstruktionen von (Mehr-)Sprachigkeit im Kontext von Migration und Familie

Yasemin Uçan
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache Köln

Für Menschen im Kontext von Migration ist die Vielfältigkeit und Hybridität des sprachlichen Repertoires hervorzuheben, das sich durch verschiedene Herkunftskontexte mit verschiedenen (Minderheiten-)Sprachen auszeichnet (Busch 2010). Demgegenüber steht die Vorstellung der Einsprachigkeit als Normalfall europäischer Nationalstaaten (Gogolin 2010).

Für eine familiäre migrationsbedingte Mehrsprachigkeit sind Spannungsfelder festzuhalten, die z.T. aus monolingual grundierten Erziehungsvorstellungen, der einsprachigen Ausrichtung von Bildungsinstitutionen sowie der translingualen Sprachpraxis entstehen (Autor*in 2020). Eltern autochthoner Minderheiten sind zudem bereits vor der Migration mit sprachlicher Ungleichheit konfrontiert gewesen, was als folgenreich für die familiäre Mehrsprachigkeit in der Migration festzuhalten ist (ebd.; Brizić 2007).

Im Vortrag soll davon ausgehend mit einem (sprach-)biografischen Zugang (Busch 2010; Rosenthal 2014) rekonstruiert werden, wie Eltern autochthoner Minderheiten aus der Türkei, die unter dem Sprachenverbotsgesetz in der Türkei (1983–1992) aufgewachsen sind und deren Kinder am deutschen Bildungssystem partizipieren, die eigene und kindliche (Mehr-)Sprachigkeit verhandeln. Die Frage danach, wie sich sprachpolitische Diskurse in die narrative Darstellung der Sprachbiografie einschreiben, aber auch verschoben werden, stellt einen relevanten Beitrag zur erziehungswissenschaftlichen Biografieforschung im Kontext von Sprachen und Migration dar.



 
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