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Sitzungsübersicht
Sitzung
Entgrenzungen in der Grundbildung und der Grundbildungsforschung
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 20
999 8232 7568, 679473
Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, 9. Erwachsenenbildung, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Entgrenzungen in der Grundbildung und der Grundbildungsforschung

Chair(s): Prof. Dr. Helmut Bremer (Universität Duisburg-Essen, Deutschland), Dr. Natalie Pape (Leibniz Universität Hannover), Prof. Dr. Wibke Riekmann (Medical School Hamburg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Christine Zeuner (Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr)

Grundbildung und Grundbildungsforschung haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Eine Vielzahl an Untersuchungen hat das Ausmaß von geringen Grundbildungskompetenzen offen gelegt. Nach wie vor gibt es jedoch Desiderata, etwa im Hinblick auf Gründe für die gleichbleibend geringe Teilnahme an Alphabetisierungsangeboten, die Alltags- und Milieubezogenheit von Schriftsprache oder die Erweiterung von Bereichen der Grundbildung (z.B. Numeralität). Das verweist auf Grenzen bestehender Konzepte, die zu theoretischen und konzeptionellen Erweiterungen führen und mit Entgrenzungsprozessen verbunden sind, etwa in Bezug auf Lernformate und -orte, professionelles Handeln, disziplinäre Perspektiven und Forschungsstrategien. Die AG stützt sich auf verschiedene aktuell laufende Untersuchungen, die einer qualitativen Forschungslogik folgen und damit ermöglichen, Entgrenzungsprozesse zu rekonstruieren und theoretische Perspektiven zu erweitern.

 

Beiträge des Panels

 

Entgrenzung von Lernorten und Formaten und professionellem Handeln

Dr. Natalie Pape1, Songül Cora2, Paula Matthies1
1Leibniz Universität Hannover, 2Universität Duisburg-Essen, Deutschland

Im Unterschied zu „typischen“ Alphabetisierungskursen (etwa der Volkshochschulen) ist mit arbeitsorientierter Grundbildung ein Konzept verbunden, das weniger einer schulähnlichen und seminaristischen Logik folgt und Lernen direkter im Kontext der Alltags- bzw. Arbeitswelt ansiedelt (z.B. Frey/Menke 2021). Solche aufsuchenden Elemente in Bildungsangeboten, die zudem mit veränderten Anforderungen an professionelles Handeln einhergehen, können als Entgrenzungen klassischer Lernorte und Formate aufgefasst werden. Sie sind vielversprechend, da die in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung nach wie vor dominanten „Komm-Strukturen“ gerade für „gering literalisierte“ Zielgruppen eine hohe Hürde darstellen (Bremer u.a. 2015). Wer allerdings von Angeboten arbeitsorientierter Grundbildung erreicht wird und profitiert, darüber ist wenig bekannt.

Der Beitrag gibt Einblick in ein qualitativ-forschendes BMBF-Projekt, in dem sowohl Teilnehmende und Adressat*innen als auch professionell Tätige der arbeitsorientierten Grundbildung befragt werden. Untersucht wird die biografische bzw. milieuspezifische Eingebundenheit von Literalität und professionellem Handeln und die Frage, in welchem „Passungsverhältnis“ letzteres zu den Bedingungen des Handlungsfeldes und den Erwartungsstrukturen der Adressat*innen und Teilnehmenden steht. Präsentiert werden erste Ergebnisse aus Interviews mit Teilnehmenden und Professionellen, die mithilfe der „Habitushermeneutik“ (Bremer u.a. 2019) ausgewertet werden.

 

Entgrenzung disziplinärer Perspektiven

Prof. Dr. Wibke Riekmann, Rabea Schemann
Medical School Hamburg

Gemäß ihrer Alltags- und Lebensweltorientierung sowie ihrem grundsätzlichen Verständnis, für die Selbstbestimmungsrechte und die Teilhabe der Menschen einzutreten (DBSH 2016), ist Sozialpädagogik prädestiniert dafür, im Bereich Grundbildung tätig zu werden (Sauter 2018; Dorschky 2016). Allerdings versteht sich die Profession der Sozialpädagogik bisher nicht als genuines Handlungsfeld für Grundbildungsangebote (Riekmann u.a. 2016). Es kann verwundern, dass sich die Sozialpädagogik und die Soziale Arbeit bisher nur wenig um die Bedeutung der Schriftsprachkompetenzen ihrer Adressat*innen gekümmert haben. Hinweise bestehen, dass dies u.a. mit der Bewertung der Problemlagen zu tun hat, mit denen die Menschen zu tun haben (ebd.). Eine drohende Obdachlosigkeit, familiäre Konflikte, finanzielle Probleme oder Suchtproblematiken werden als dringlicher bewertet als die schriftsprachlichen Fähigkeiten. Dazu kommt die Wahrnehmung, als Profession nicht zuständig zu sein bzw. ein geringes Wissen über die Themen Grundbildung und Alphabetisierung zu haben. Sozialintegrative Konzepte betonen den Mehrwert der Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenalphabetisierung und Sozialintegration (Schneider/Wagner 2011; Schneider u.a. 2011). Die Hürden und Chancen der disziplinären Entgrenzungen sollen im Beitrag thematisiert werden, um auch die Sozialpädagogik als handelnde Profession in der Grundbildungsarbeit zu etablieren und eine Entwicklung in diese Richtung zu unterstützen (Dorschky 2016).

 

Grundbildung und Behinderung: Numerale Praktiken von Erwachsenen mit Lernschwierigkeiten als Grenzöffnungen für Bildungspraxis und Forschung

Prof. Dr. Silke Schreiber-Barsch, Dr. Wiebke Curdt
Universität Duisburg-Essen

Der Beitrag zielt auf eine Entgrenzung der Grundbildungsforschung hin zu Numeralität als Teil der Grundbildung sowie zu Grundbildungsfähigkeiten von erwachsenen Menschen mit Lernschwierigkeiten als in Bildungspraxis wie Forschung bislang nur rudimentär berücksichtigter Personengruppe. Hierzu werden bildungstheoretische Grundannahmen zur Bildsamkeit Erwachsener (Dederich 2005; Tenorth 2011) mit dem Behinderungsbegriff der Disability Studies (Waldschmidt 2017) sowie dem Ansatz von Numeralität als sozialer Praxis (Yasukawa u.a. 2018) unter einem kulturwissenschaftlichen Forschungsprogramm (Reckwitz 2004) zusammengebracht. Grundlage des Beitrags sind empirische Daten eines qualitativ und partizipativ angelegten Forschungsprojektes mit Menschen mit Lernschwierigkeiten (auch als sog. geistige Behinderung bezeichnet), in dem mittels Grounded Theory Methodologie Teilnehmende Begleitungen, Interviews und Gruppendiskussionen durchgeführt wurden (Schreiber-Barsch u.a. 2020). Präsentiert werden Befunde zu numeralen Praktiken als Anwendung von Numeralität im Alltag der Lebensbereiche von Arbeit, Wohnen, Bildung und Freizeit. Der Beitrag argumentiert für die Entgrenzung der erwachsenenbildungswissenschaftlichen Grundbildungspraxis und -forschung in Richtung einer subjektorientierten Grundbildung, die ressourcen-, nicht defizitorientiert arbeitet und Perspektiven für eine fähigkeitsentfaltende Bildungspraxis an den Übergängen jener Lebensbereiche über den Lebenslauf hinweg entwirft.

 

Entgrenzung von Forschungsstrategien durch Partizipation

Dr. Antje Pabst1, Dr. Melanie Benz-Gydat1, Dr. Barbara Nienkemper2
1Helmut Schmidt Universität Hamburg, 2Volkshochschule Hamburg

Die zentralen Forschungslinien der Alphabetisierung und Grundbildung umfassen standardisierte Untersuchungen wie LEO 2011/2018, die Spezifik und Ausmaß geringer Schriftsprachfertigkeiten innerhalb der Gesamtbevölkerung darlegen, wie auch Adressat*innen- und Teilnehmendenforschung, Kurs- und Curricularforschung sowie Professionsforschung (Nuissl/Przybylska 2016), die vielmehr auf qualitativ-rekonstruierenden Forschungsstrategien basieren und auf ein eingreifendes, veränderndes Handeln abzielen. Sie tragen zu zielgruppenspezifischen Entwicklungen auf der Meso- und Mikroebene des didaktischen Handelns bei. Doch gerade für Fragen nach der individuellen Alltagsrelevanz, nach biographischen Bezügen und sozialen Kontexten, die für Schriftsprache bedeutsam sind, kann es anregend sein, neue Wege einzuschlagen.

Partizipative Handlungsforschung (Cohen u.a. 2018) ermöglicht es, die „Beforschten“ eines Feldes als Expert*innen der Praxis (Markard 2015) aktiv am Forschungsprozess mit ihren Fragen und Problemlagen zu beteiligen. Diese Entgrenzung der Forschungsstrategie zieht ebenso Entgrenzungen in Bezug auf Forschungsinteressen und -verlauf sowie der Aufgabe der Forscher*innen nach sich. Wie diese Prozesse gestaltet und gewinnbringend für die Alphabetisierung und Grundbildung genutzt werden können, wird anhand einer aktuellen partizipativ angelegten Studie mit Lernenden und Lehrenden der Alphabetisierungspraxis dargelegt.



 
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