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Sitzungsübersicht
Sitzung
Die Zukunft als Grenze und Entgrenzung
Zeit:
Dienstag, 15.03.2022:
9:00 - 11:30

Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 17

974 8805 4588, 362588
Sitzungsthemen:
2. Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sektion 2, Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie, qualitativ, theoretisch, Deutsch

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Präsentationen

Die Zukunft als Grenze und Entgrenzung

Chair(s): Dr. Melanie Schmidt (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland), Prof. Dr. Daniel Wrana (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland), Sophie Phries Künstler (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland), Charlotte Spellenberg (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland)

Diskutant*innen: Dr. Carsten Bünger (TU Dortmund, Deutschland), Dr. Martina Lütke-Harmann (Bergische Universität Wuppertal, Deutschland)

Zukunft ist für die moderne Pädagogik konstitutiv. Pädagogische Bezugnahmen auf diese sind dabei ambivalent, insofern Zukunft einerseits gestaltend hervorgebracht wird, andererseits ihre Offenheit diesen Zugriffen aber nicht zum Opfer fallen soll. Mitunter erscheint Zukunft gegenwärtig jedoch nicht mehr als versprochene Entgrenzung, sondern selbst als bedrohliche Grenze - sie verweist nicht auf die Möglichkeit einer besseren Welt, sondern eher auf deren Ende. Vor diesem Horizont thematisiert das Symposium unterschiedliche Bedeutsamkeiten von Zukunft. Die Vorträge fokussieren das Verhältnis von Pädagogik und Zukunft in seinen Be- und Entgrenzungen: Wie lassen sich die Grenzen zwischen Gegenwart und Zukunft, Persistenz und Überschreitung, Wiederholung und Neuem verstehen und verschieben? Welche Bedeutung hat die ausgebliebene und ausbleibende Zukunft für Bildung, Wissen und pädagogische Autorität? Was heißt es im Zeichen solcher Fragen über eine zukunftsfähige Pädagogik nachzudenken?

 

Beiträge des Panels

 

„Was war – wie es ist – was sein wird“. Die Grenzen der Innovation verhandeln.

Prof. Dr. Agnieszka Czejkowska, Stefan Anton Palaver
Universität Graz, Österreich

Der Beitrag analysiert, wie das Bildungswesen einer Region zum Gegenstand von Aushandlungsprozessen wird, in denen Zukunftsversprechen und Bewährtes in ein Spannungsverhältnis treten. Gezeigt werden Skizzen von Alltagssituationen in Kindergärten, Schulen, Lehrbetrieben und Universitäten, die auf Erfahrungen verweisen, die über Generationen hinweg geteilt werden. Wann, wie und wo dabei Bildungsprozesse stattfinden, bleibt offen und kann häufig erst in der Rückschau rekonstruiert werden. Erfassen hingegen lässt sich das Bildungsbedürfnis einer Region. Der Begriff vereint sowohl das individuelle Verlangen nach Bildung als auch den gesellschaftlichen Bedarf danach. Die Formung und Organisation dieses Bedürfnisses ist u.a. das Ergebnis von Aushandlungsprozessen, die eine Region zur „Versuchsanstalt“ verschiedener Bildungsinitiativen und Playern macht, in denen Zukunft experimentell, aber auch widerstreitend entworfen wird. Dabei entstehen diskursive Räume, in denen innovative und wegweisende Bildungskonzepte verfolgt werden können - oder auch nicht. In Anlehnung an Castoriadis (1984) lässt sich gleichsam fragen, ob die Innovation sich auf die bloße Wiederholung des schon Vorhandenen begrenzt.

 

Das Unvorstellbare vorstellen: Grundrisse ökosozialistischer Bildung.

Prof. Dr. Olaf Sanders
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland

Die Zukunft ist offen. Wir wissen nicht, was geschehen wird. Wir tun aber zugleich auch viel zu wenig gegen sich schon deutlich abzeichnende Entwicklungen wie den Klimawandel. Manch absehbare Entwicklung überrascht uns sogar. Sich beschleunigender Klimawandel und zukünftige Pandemien sind Effekte der Mannigfaltigkeit des globalen Kapitalismus (vgl. Malm 2020; Davis 2020). Dass wir so wenig oder auch eingeschränkt wahrnehmen, könnte selbst wiederum ein Effekt des kapitalistischen Realismus sein, der unsere Einbildungs- und Urteilskraft lähmt (vgl. Fisher 2013). Fisher (2021) bezieht sich diesbezüglich auf das Kapitel Der Wunsch namens Marx aus Lyotards Libidinöse[r] Ökonomie (2007, frz. 1974) und setzt auf den Acid-Kommunismus als Wiederverschmelzung von psychedelischem Bewusstsein und vorbildloser Ästhetisierung des Alltagslebens. Von dieser Wiederholung der 1970er verspricht er sich eine für die Zukunft entscheidende Differenz. Diese fügt sich gut in die Post-Punk-Pädagogik (vgl. Sanders 2020), für die die Zukunft ungeschrieben ist, weil sie nach Deleuze, dessen letztes Buchprojekt den Arbeitstitel La Grandeur du Marx trägt, aus einer Vergangenheit kommt, die nie gegenwärtig war. In diesem Sinn skizziere ich in meinem Vortrag Grundrisse eines ökosozialistischen Bildungsbegriffs.

 

The future is now: Pädagogische Autorität am Ende vom Ende der Geschichte.

Jan Niggemann
Universität Wien, Österreich

Der Vortrag thematisiert den Zusammenhang von sozialer Polarisierung und (schwindendem) Zukunftsversprechen westlicher Demokratien unter der Optik eines revidierten Autoritätsbegriffs. Pädagogische Autorität legitimiert ihre Interventionen, indem sie auf Zukunft verweist, wobei sich immer erst später herausstellen wird, inwiefern pädagogische Interventionen gelungen sein werden. Angesichts der „Wiederkehr der sozialen Unsicherheit“ kommt es gegenwärtig zu einer Zuspitzung der Frage, wer überhaupt „eine Zukunft hat“ (Castel 2009, S. 21). Gleichzeitig finden sich zahlreiche zivilgesellschaftliche Formen des Engagements, die Silke van Dyk mit dem Begriff „Community-Kapitalismus” (van Dyk 2019) zusammenfasst. Der kreativen Entgrenzung potentieller zukünftiger Entwürfe steht die sozial-ökologische Endlichkeit von Möglichkeiten und Ressourcen gegenüber. Als Bestandteil von Bildung soll pädagogische Autorität selbst zu transformatorischen Lehr-Lernprozessen beitragen, sowie die Umstände verändern, in denen sie stattfindet. Ihre Legitimität kann sie dabei aus bestehenden Formen der Sorge um und für eine Zukunft gewinnen, die die Versprechen sozialer Gerechtigkeit einlöst. Dazu müsste sich Pädagogik Fragen der Gerechtigkeit ebenso zuwenden, wie sich auf ihre Potentiale beziehen. Ihr Ziel wäre eine globale demokratische „Zivilität“ (Ursula Apitzsch), die das Erbe der Aufklärung kritisch fortsetzt und dezentriert, um es zu öffnen.

 

‘Futurability’ ohne ‘Future’: Über Zukunftsvorstellungen im Kompetenzdiskurs.

Dr. Melanie Schmidt, Prof. Dr. Daniel Wrana
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

Im Beitrag geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit der Debatte um „Future Skills“ (z.B. Ehlers 2020), die sich global in verschiedenen Projekten und politischen Programmen materialisiert. Unter Future Skills werden Fertigkeiten verstanden, die es Lernenden ermöglichen sollen, künftig Tätigkeiten auszuführen, die es momentan noch gar nicht gibt. Das Versprechen, auf unvorhersehbare Zukünfte vorzubereiten, führt die Apologet*innen des Future Skills-Diskurses zu dem Selbstanspruch, über einen reinen Kompetenzbegriff hinauszuweisen. Während mit letzterem zumeist ein Konglomerat aus Wissens-, Fertigkeits- und Motivationskomponenten benannt ist, wird in den Future Skills die Wissenskomponente negiert und die Fähigkeiten als reine Selbstorganisation von Lernen gefasst. Dabei ist insbesondere die Verschiebung des Zukunftsbezugs bemerkenswert: Während der Kompetenzdiskurs bisher eher implizit auf eine offene Zukunft der allgemeinen Steigerung von Wachstum hin gedacht war, rückt Zukunft im aktuellen Diskurs als zu bewältigende Bedrohung in den Blick, von der her die Negierung des Wissen legitimiert wird. Diskursanalytisch und gegenwartsdiagostisch untersuchen wir, wie und als was Zukunft in den Future-Skills-Konzeptionen konstruiert wird und wie dabei die Aufgabe der Pädagogik in der (Re-)Produktion sozialer Praxis - unter Absehung der Wissensdimension - konzipiert wird.



 
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