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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02
995 4413 8632, 985735
Datum: Montag, 14.03.2022
11:30 - 13:00Poster-Cluster: Berufliche Bildung und Weiterbildung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02
Chair der Sitzung: Dr. Andreas Sebe-Opfermann, Universität Bremen

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.

 
ID: 475
Poster
Stichworte: Klimawandel, Klimaanpassung, Organisationales Lernen, Grounded Theory, Resilienz

Klimaanpassung als organisationales Lernen. Analyse von lernfördernden und lernhemmenden Elementen untersucht an mainfränkischen Unternehmen.

Sophie Fischer

Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Deutschland

Zunehmende Extremwetterlagen, politische Vorgaben zur CO2­-Reduktion und Druck durch Verbraucher*innen sind nur einige der zahlreichen Auswirkungen des globalen Klimawandels, inmitten sich Organisationen befinden. Antizipative und reaktive Anpassungsmaßnahmen schützen vor den aktuellen und projizierten Folgen des Klimawandels. So können Organisationen in einer sich dynamisch verändernden Umwelt die Herausforderungen als Chancen wahrnehmen, sich Marktbestand sichern und ihre Effizienz erhöhen. Klimaanpassung erfordert neben Ressourcen materieller, personeller und zeitlicher Natur auch Wissen über Klimaveränderungen, methodisches Knowhow und Lernbereitschaft. Häufig wird in ähnlichen Studien die Managementebene in den Fokus gestellt, da sie für die Entwicklung, Ressourcen und Umsetzung von Anpassungskonzepten entscheidend ist. Um konventionelle Denk- und Handlungsmuster bei Entscheidungsträgern zu lösen, sie von der Handlungsrelevanz zu überzeugen und gezielt zu befähigen, erfordert es einen mehrschrittigen Transformationsprozess. Anhand von drei didaktischen Komponenten, einer Regionalstudie, einem Videoteaser und einem Planspiel, sowie der kritischen Analyse bestehender Rahmenbedingungen hinsichtlich des organisationalen Lernens soll spezifisches Wissen aus dem Diskurs diskutiert und mit den empirischen Ergebnissen komplettiert werden. Flankierend zum basisgebenden Forschungsprojekt MainKlimaPLUS und dem dabei geplanten didaktischen Modul, wird analysiert, inwiefern sich Unternehmensakteure, zunächst der bayerischen Region Mainfranken, an den Klimawandel anpassen und dabei organisationales Lernen stattfindet. Dafür werden gemäß der Methodentriangulation verschiedene Erhebungszugänge genutzt: Fragebögen, Experteninterviews und Teilnehmende Beobachtung. Die Herangehensweise an die Interviews erfolgt gemäß der Grounded Theory Methodologie. Das Vorhaben repräsentiert einen organisationspädagogischen Ansatz, an den Themenkomplex Klimawandel, -schutz und -anpassung heranzutreten und damit eine wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Diskussion zunehmenden Bedarfs von Klimaanpassung für Unternehmen inmitten des globalen Klimawandels anzuregen.



ID: 534
Poster
Stichworte: Lernen am Arbeitsplatz, Lernbarrieren, querschnittlichen Fragebogenstudie, Personal- und Organisationberatung

Zusammenhänge zwischen Barrieren, Lernmöglichkeiten und der Gestaltung des Arbeitsplatzes

Sebastian Anselmann

PH Schwäbisch Gmünd, Deutschland

Relevanz und Vorarbeiten:

Lernbarrieren stellen einen entscheidenden, allerdings wenig untersuchten Gegenstand des Lernens am Arbeitsplatz dar. In einer explorativen Interviewstudie wurden potentielle Lernbarrieren von Beratenden erfasst (Anselmann, submitted). Davon ausgehend und basierend auf Belling, James und Ladkin (2004) sowie Crouse et al. (2011) wurde ein Messinstrument zur Erfassung von Lernbarrieren entwickelt und validiert (Anselmann, in prep.). Das Messinstrument umfasst fünf Subskalen (Struktur- und Herrschaftsbeziehungen; Individuelle Voraussetzungen; Beschränkungen; Technik; Team / Zwischenmenschliche Beschränkungen).

Die hier vorgestellten Ergebnisse einer querschnittlichen Fragebogenstudie haben das Ziel Darzustellen, inwieweit Zusammenhänge zwischen Barrieren und der Ausführung informeller und formeller Lernaktivitäten sowie weiterer arbeitsplatzbezogenen Merkmale wie z.B. Jobzufriedenheit bei Beratenden bestehen.

Methode:

Für die Studie wird ein onlinebasierter Fragebogen mit u.a. folgenden Skalen entwickelt: Barriers for informal and formal learning (Anselmann, in prep.), Informal workplace component (Decius, Schaper & Seifert, 2019) und Hiding Knowledge (Peng, 2013). Weiter umfasst der Fragebogen Skalen zu Jobzufriedenheit (Spector, 1985), Toxic leadership (Schmidt, 2008), Competitive Work Environment (Fletcher & Nusbaum, 2010) und die Skala zur Erfassung des arbeitsplatzbezogenen Digitalisierungsgrades (ADG; Görs, Hummert, Traum & Nerdinger, 2019). An der abgeschlossenen Erhebung haben 230 Berater/innen aus der Personal- und Organisationberatung (N=230) teilgenommen.

Analyse und vorläufige Ergebnisse:

Es wurden deskriptive Analysen sowie Korrelationsanalysen durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine akzeptable Güte der Skalen mit Cronbach´s alpha für z.B. die entwickelte Skala zur Messung von Lernbarrieren α=.80-.93. Die eingesetzten Korrelationsanalysen zeigen, dass Lernbarrieren auf individueller Ebene (r=-.16*; **p<.01; *p<.05) und auf Ebene des Teams (r=-.16*) negativ in Zusammenhang mit dem Anwenden und Ausprobieren neuer Ideen am Arbeitsplatz steht. Ein positiver Zusammenhang besteht zwischen der Wahrnehmung von Lernbarrieren auf struktureller Ebene und dem Einholen von direktem Feedback (r=.22). Zusammenhänge lassen sich auch zwischen der Wahrnehmung von Lernbarrieren und dem Zurückhalten von Wissen (Hiding Knowledge) in Organisationen (r=.24) erkennen.



ID: 505
Poster
Stichworte: Professionalisierung, Erwachsenenbildung/Weiterbildung, Mehrebenen-Modell, Organisation, Professionstheorien

Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung als Mehrebenen-Phänomen

Lisa Breitschwerdt

Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland

Das Poster stellt das heuristische Modell und die Ergebnisse einer Promotion vor, die im Jahr 2021 an der Universität Würzburg angenommen wurde Die Studie analysiert die Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung aus einer Mehrebenen-Perspektive. Ausgehend von den veränderten Arbeitskontexten der modernen Gesellschaft ergeben sich veränderte Anforderungen an das Weiterbildungspersonal (z.B. Research voor Beleid 2008, 2010). Dieses agiert zunehmend eingebettet in organisationale Kontexte und ist im professionellen Handeln gefordert, zwischen unterschiedlichen Anforderungen zu vermitteln (Noordegraaf 2007). Dies macht eine Professionalitätsentwicklung notwendig, welche über die Handlungsebene des Personals hinausgehend Perspektiven der Meso- und Makroebene einbezieht (Egetenmeyer et.al. 2019). Die Studie arbeitet die Bedeutung der verschiedenen Ebenen für die Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung heraus und verortet die zentralen Erkenntnisse in einem Mehrebenen-Modell. Dieses umfasst: 1) Personal, 2) Organisation, 3) Dachorganisation und 4) gesellschaftlicher Rahmen. In einer qualitativ-empirischen Einzelfallanalyse wird eine Einrichtung der beruflichen Weiterbildung aus dieser Mehrebenen-Perspektive analysiert. Das Sample stammt aus dem BMBF-Forschungsprojekt „Konturen der Professionsentwicklung in der beruflichen Weiterbildung (KOPROF)“ und umfasst Dokumente, Interviews und Fokusgruppen. Durch das deduktiv-induktive Vorgehen einer inhaltlich strukturierenden Analyse (Kuckartz 2016; Mayring 2016) ist ein theoretisch informierter und gleichzeitig explorativer Zugang zur Professionalitätsentwicklung für den Einzelfall möglich. Das Poster greift ausgewählte Analyseergebnisse zur ebenen-spezifischen Professionalitätsentwicklung heraus und beleuchtet die Zusammenhänge zwischen den verschieden Ebenen.



ID: 484
Poster
Stichworte: Ethik, Ingenieurwissenschaften, Verantwortung, Hochschulbildung, Betriebliche Weiterbildung

Technik-Ethik-Digitalisierung als Themenfeld für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge und die betriebliche Weiterbildung

Sophia Milde, Simon Wagner

Leibniz Universität Hannover, Deutschland

Technik kann gegenwärtig nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern ist in ihrer Komplexität und hinsichtlich ihrer Folgen für Gesellschaft, Ökologie und Wirtschaft ethisch zu reflektieren. Das Poster bildet ausgewählte Arbeitsergebnisse des Forschungsprojektes Technik. Ethik. Digitalisierung. - Förderung ethischen Handeln in den Technikwissenschaften (IfBE/LUH, gefördert von der Kurt-Alten-Stiftung, Laufzeit: 2019-2023) ab.

Aufgegriffen wird die Frage, warum sich Studierende der Ingenieurwissenschaften sowie berufstätige Ingenieur*innen zunehmend mit dem Schnittstellenthema Technik-Ethik-Digitalisierung auseinandersetzen sollten und welche Konsequenzen sich daraus für die Bildungspraxis (Hochschulbildung, betriebliche Weiterbildung) ableiten lassen. Den Ausgangspunkt der Argumentation bilden die Ubiquität technischer Systeme (vgl. Zimmerli 2005, S. 40) und deren gesellschaftliche und ökologische Implikationen. Daran schließt die Frage nach der ethischen Verantwortung für Technikfolgen an, die zwar nicht einer Berufsgruppe allein (vgl. Nickl 2014, S. 98), jedoch Ingenieur*innen aufgrund ihrer fachlichen Expertise in besonderer Weise zugeschrieben werden kann. Die Voraussetzungen eines ethisch reflektierten und verantwortungsvollen Handelns werden anhand eines im Projekt entwickelten theoretischen Modells dargestellt, um die für Bildungsprozesse zentralen Aspekte (u. a. Aufbau von Wissensstrukturen zum Thema Ethik) zu verdeutlichen. Weiterführend werden erste empirische Befunde zum Bedarf von Ethik als Inhalt von Bildungsangeboten aufgegriffen. Auf Basis qualitativer Interviews werden dabei die Perspektiven von Professor*innen aus dem Bereich Maschinenbau einerseits und berufstätigen Ingenieur*innen andererseits vorgestellt. Auf der Grundlage der theoretischen und empirischen Erkenntnisse werden abschließend Handlungsempfehlungen zur Förderung ethisch reflektierten Handeln für die Bildungspraxis formuliert.

Literatur

Hieber, L. & Kammeyer H.-U. (Hrsg.) (2014): Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Wiesbaden, Springer Fachmedien

Nickl, P. (2014): Risikogesellschaft und die German Angst. In: Hieber, L. & Kammeyer H.-U. (Hrsg.): Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Wiesbaden, Springer Fachmedien, S. 95-101

Zimmerli, W. Ch. (2005): Technologie als „Kultur“. Hildesheim, Olms, 2. überarb. Aufl.



ID: 405
Poster
Stichworte: Kooperation, Kinderschutz, Fortbildung, öffentliche Jugendhilfe, Medizin

Entgrenzung - gemeinsame Fortbildung im Kinderschutz

Tobias Falke, Prof. Dr. Thomas Ostermann

Universität Witten - Herdecke, Deutschland

Die Notwendigkeit der Kooperation zwischen der öffentlichen Jugendhilfe und den Einrichtungen des Gesundheitswesens wird in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich betont und wurde spätestens durch die Regelungen im Bundeskinderschutzgesetz (2012) und die AWMF S3 Leitlinie Kinderschutz (2019) auf eine gestärkte Basis gestellt.

Strukturen und Prozesse der Kooperation zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe sind jedoch weiterhin unstrukturiert bzw. fragmentär. Trotz Anpassungen und Weiterentwicklungen bleibt die Einbeziehung medizinischer Expertise in Kinderschutzfragen oftmals ein individuelles und nahezu zufälliges Procedere, da Strukturen der Zusammenarbeit nicht systemübergreifend gegeben bzw. anerkannt sind.

Die Verknüpfung der (in unterschiedlichen Sozialgesetzbücher verhafteten) Systeme, wird nicht nur formal, sondern auch in Bezug auf die Wahrnehmung der Kooperation als kompliziert beschrieben. Die konkreten Kooperationsmöglichkeiten und -notwendigkeiten mit dem Gesundheitswesen aus Sicht der Jugendhilfe scheitert oft an struktureller Minderversorgung und Schwierigkeiten bei der konkreten praktischen Inanspruchnahme. Das Forschungsdesign zielt sowohl auf die Netzwerk- als auch auf Fallebene ab.Ein wichtiger Baustein ist die gemeinsame Fortbildung. Welche Inhalte durch die beteiligten Akteurinnen gefordert werden, inwieweit Fortbildungen im medizinischen Kinderschutz durch die Mitarbeitenden der öffentlichen Jugendhilfe genutzt werden und welche perspektivischen Anforderungen sich aus diesen Ergebnissen ergeben, soll in Text und Grafik dargestellt werden.

In diesem Beitrag werden erste Ergebnisse der quantitativen Befragung der Jugendämter in NRW aus 2021 vorgestellt.



ID: 514
Poster
Stichworte: Berufliche Weiterbildung, Weiterbildungspersonal, Weiterbildungsqualität, Professionalisierung

ErWeiterBAR – Erfolgsfaktor Weiterbildungspersonal in BA-geförderten Maßnahmen der RD Nord – Qualitätsentwicklung zwischen pädagogischem Anspruch und ökonomischer Machbarkeit

Prof. Dr. Matthias Kohl1, Prof. Dr. Andreas Diettrich2, Stefan Harm2

1Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA), Deutschland; 2Universität Rostock

Die bisherige Forschung zur Arbeits- und Beschäftigungssituation des außerbetrieblichen Weiterbildungspersonals zeigt, dass insbesondere für das Segment staatlich geförderter (beruflicher) Weiterbildung auf Basis empirischer Befunde (z.B. aus dem wb-personalmonitor) „ein eklatantes Problem zwischen hohen Professionalitäts- und Qualitätserwartungen sowie desolaten Arbeitsbedingungen des Personals“ (vgl. Dobischat/Elias/Rosendahl 2018, S. 15) konstatiert und nachgewiesen wird, dass vor allem hauptberufliche Honorarkräfte in der öffentlich finanzierten allgemeinen Weiterbildung und angestellte Weiterbildner in der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung von prekären Beschäftigungslagen betroffen sind (vgl. Elias 2018, S. 188ff) und sich in einem Spannungsfeld von Professionsanspruch und von Ökonomisierung geprägter Beschäftigungsrealität bewegen (vgl. Koscheck 2018; Rosendahl 2018; Krause 2018).

Das gemeinsame Forschungsprojekt der HdBA und der Universität Rostock ErWeiterBAR – Erfolgsfaktor Weiterbildungspersonal in BA-geförderten Maßnahmen der RD Nord – Qualitätsentwicklung zwischen pädagogischem Anspruch und ökonomischer Machbarkeit“ (Laufzeit: Mai 2021 bis April 2023) untersucht Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, pädagogische Konzepte und Gestaltungsmöglichkeiten des in geförderten Maßnahmen zur Förderung beruflicher Weiterbildung tätigen Weiterbildungspersonalsim Zuständigkeitsbereich der RD Nord. Ziel ist es, über die in der AZAV geforderte Nachweispflicht der pädagogischen Eignung Lehrender und die Verpflichtung auf den Mindestlohntarifvertrag für das pädagogische Personal in der Weiterbildung nach SGB II und III hinausgehende, empirisch gestützte, Handlungsempfehlungen und Gestaltungsvorschläge für Förderer, Maßnahmeträger und Weiterbildungspersonal zu entwickeln, die zur Qualitätsentwicklung bzw. Verbesserung der Maßnahmequalität beitragen.

Hierfür ist ein dreistufiges methodisches Vorgehen geplant, das aus einer Sekundärdatenanalyse (Dokumenten-/Literaturanalyse) von FbW-Maßnahmen der RD Nord 2018 bis 2020 zur Bestandsaufnahme und Entwicklung von Auswahlkriterien, einer umfassenden fallstudienbasierten qualitativ-explorativen Untersuchung als methodischem Schwerpunkt sowie einer Phase summativer Evaluation des Projekts bzw. der Validierung der empirischen Ergebnisse (Validierungsworkshop) besteht. Geplant sind 8 Fallstudien (2 in SH, 2 HH und 4 in MV) mit jeweils 2 Maßnahmen und 3 problemzentrierten, leitfadengestützten Interviews pro Maßnahme (Förderer, Maßnahmeträger (Geschäftsführung), in der Maßnahme eingesetztes pädagogisches Personal (angestellt/freiberuflich). Die Auswertung der gewonnen Daten aus den 48 Interviews erfolgt mittels softwaregestützter qualitativer Inhaltsanalyse (MaxQDA). Zur Sicherung der Datenqualität und Vorstellung der Befunde wird außerdem ein Validierungsworkshop mit Expert:innen durchgeführt.



ID: 457
Poster
Stichworte: Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, Akkulturationsorientierung, Latente Profilanalyse, Risk Ratios

Assimiliert – Abitur, separiert – Hauptschulabschluss? Wie hängen Akkulturationsprofile mit dem angestrebten Schulabschluss zusammen?

Dr. Nanine Lilla, Sebastian Thürer, Dr. Wim Nieuwenboom, Prof. Dr. Marianne Schüpbach

Freie Universität Berlin, Deutschland

Vor dem Hintergrund wiederholt gezeigter Bildungsungleichheit zwischen Schülerinnen und Schülern (SuS) mit und ohne Migrationshintergrund nimmt die Studie die Akkulturation, d.h. die Orientierung an der Kultur des Herkunfts- und des Aufnahmelandes, der SuS mit Migrationshintergrund in den Blick. Nach Berry (1997) werden vier Akkulturationsorientierungen theoretisch unterschieden: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung.

Für Deutschland ist empirische Evidenz für diese vier Akkulturationsorientierungen bisweilen limitiert, da vornehmlich einzelne Aspekte der Akkulturation, z.B. ethnische Identität, fokussiert und mittels split-Techniken differenziert werden. So operationalisiert, spricht der aktuelle Forschungsstand für einen Vorteil der Assimilation in Bezug auf schulische Leistung gemessen in Form von Kompetenztests und Noten (Edele et al., 2013; Schotte et al., 2018). Ein möglicher Zusammenhang mit dem angestrebten Schulabschluss wurde bislang nicht untersucht.

Hieraus ergeben sich zwei zentrale Fragen:

1) Inwiefern lassen sich die vier Akkulturationsorientierungen nach Berry (1997) empirisch in einem deutschen Datensatz replizieren?

2) Inwiefern stehen die Akkulturationsprofile von SuS mit Migrationshintergrund im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit (a) ein Abitur bzw. (b) einen Hauptschulabschluss anzustreben?

Für unsere Analysen berücksichtigen wir N = 1253 SuS mit Migrationshintergrund in der 9. Klasse aus dem Datensatz der Startkohorte 4 des NEPS (Blossfeld et al., 2009), die den Herkunftsländern Polen, Türkei, der ehemaligen UdSSR, Nord- und Westeuropa zugeordnet werden konnten (Alter: M=14,9 Jahre, SD=0,73).

Mittels Latenter Profilanalyse wurde in Anlehnung an Berry (1997) eine Vier-Profile-Lösung geschätzt. Die inhaltliche Interpretation ergab ein assimiliertes (9%), ein moderat assimiliertes (38%), ein integriertes (32%) und ein separiertes Profil (20%). Die Existenz eines marginalisierten Profils ließ sich entgegen der Theorie nicht empirisch zeigen. Die Berechnung relativer Risiken zeigte, dass es für SuS des separierten im Vergleich zu SuS des assimilierten Akkulturationsprofils, auch bei Kontrolle von HISEI, Geschlecht und Kompetenzen, weniger wahrscheinlich ist, ein Abitur anzustreben. Eine höhere Wahrscheinlichkeit einen Hauptschulabschluss anzustreben, war nach Kontrolle der Deutschkompetenz hingegen nicht mehr nachweisbar.

Diese Ergebnisse werden dahingehend interpretiert, dass sie einerseits die Bedeutsamkeit deutschsprachlicher Kompetenzen für den Bildungserfolg von SuS mit Migrationshintergrund „nach unten“ zeigen, hingegen „nach oben“ hin die Akkulturationsorientierung sozusagen als gläserne Decke eine Rolle spielt.

 
14:00 - 16:30Hass kennt keine Grenzen: Empirische Studien zu Hatespeech-Erfahrungen von Jugendlichen in der Schule und im Internet
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02
 
ID: 118
Symposium

Hass kennt keine Grenzen: Empirische Studien zu Hatespeech-Erfahrungen von Jugendlichen in der Schule und im Internet

Chair(s): Dr. Sebastian Wachs (Universität Potsdam, Deutschland), Prof. Dr. Ludwig Bilz (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Wilfried Schubarth (Universität Potsdam)

In den letzten Jahren ist eine verrohte Kommunikationskultur im Internet und in der Schule häufig thematisiert worden. Ein Fachbegriff, der diese verrohte Kommunikationskultur zum Ausdruck bringt, ist Hatespeech. Hatespeech beschreibt kommunikative Äußerungen, mit dem Ziel gewisse Personengruppen (z.B. aufgrund der nationalen Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierung) öffentlich und mit Absicht auszugrenzen, abzuwerten oder zu demütigen (Wachs et al., 2020). Bis heute liegt jedoch nur sehr wenig empirisch abgesichertes Wissen über Hatespeech unter Heranwachsenden und dem Umgang damit in der Schule vor. Hier setzt das vorliegende Symposium an, in dem aktuelle empirische Beiträge basierend auf qualitativen und quantitativen Studien präsentiert werden und Implikationen für die zukünftige Forschung und die pädagogische Praxis abgeleitet werden.

 

Beiträge des Panels

 

„Ist das (schon) Hatespeech?“ Grenzziehungen von Schüler_innen und schulischem Personal zwischen legitimen Äußerungen und Hatespeech

Cindy Ballaschk1, Friederike Schulze-Reichelt1, Prof. Dr. Ludwig Bilz2, Dr. Sebastian Wachs1
1Universität Potsdam, 2Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Der Vortrag präsentiert erste Forschungsergebnisse zu Grenzziehungspraktiken in Bezug auf das Begriffsverständnis von Hatespeech. Dafür wurden Schüler*inen (n = 55), Lehrkräfte (n = 18) und Sozialpädagog_innen (n = 16) leitfadengestützt interviewt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten die Grenze zwischen sozial akzeptiertem Verhalten und Hatespeech entlang folgender Fragen verhandeln: Welche Gruppen sind das Ziel von Hatespeech, wie wird Hatespeech ausgeübt und wo findet sie statt? Die Interviewten ziehen die Grenze zwischen legitimen Meinungsäußerungen und Hatespeech sehr verschieden. Bei der Frage, welche Gruppen von Hatespeech betroffen sind, wird deutlich, dass abwertende Äußerungen gegen behinderte Schüler_innen eher als Hatespeech eingeordnet werden als Abwertungen gegen transgeschlechtliche Schüler_innen. In Bezug auf die Frage, wie Hatespeech ausgeübt wird, wird die Grenze zu Hatespeech häufig als überschritten gesehen, wenn sie im Zusammenhang mit Gewalt und Mobbing auftritt. Hinsichtlich der Frage wo Hatespeech auftritt, gaben die Befragten an, Hatespeech vorrangig als Online-Phänomen wahrzunehmen, wobei auch diverse Fälle von Hatespeech in der Schule beschrieben werden. Schlussfolgernd lässt sich ein Bedarf erkennen, Schüler_innen und pädagogisches Schulpersonal für unterschiedliche Zielgruppen, Ausdrucksformen und Fälle von Hatespeech in der Schule zu sensibilisieren, um Schule als einen diskriminierungskritischen Raum zu gestalten.

 

Systematisches Review zu Hatespeech bei Kindern und Jugendlichen: Definition, Verbreitung und Überlappung mit verwandten Phänomenen

Julia Kansok-Dusche1, Dr. Sebastian Wachs2, Prof. Dr. Ludwig Bilz1
1Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, 2Universität Potsdam

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Verbreitung von Hatespeech (HS) bei Heranwachsenden sowie mit den Überschneidungen z.B. mit Mobbing hat im deutschsprachigen Raum erst begonnen (z.B. Wachs et al., 2021). Der geplante Vortrag präsentiert die Ergebnisse eines systematischen Reviews des internationalen Forschungsstandes. Hierbei waren die folgenden Fragen leitend: 1. Wie wird HS in Studien mit Kindern und Jugendlichen (5–21 Jahre) definiert? 2. Wie stark ist HS in dieser Altersgruppe verbreitet? 3. Wie wird HS von verwandten Formen der Gewalt definitorisch abgegrenzt und wie hoch ist die empirische Überlappung? Eine String-Suche in sozialwissenschaftlichen Datenbanken erbrachte insgesamt 1.850 Publikationen. Die Einschlussprüfung stufte davon 18 Publikationen aus zehn Studien als relevant ein. Zwei Kodiererinnen werteten die Publikationen kriteriengeleitet aus (κ =.80) und ermittelten ihre Qualität. Alle Studien (USA, Europa, Asien) basierten auf Jugendstichproben, keine Studie untersuchte Kinder. Die identifizierten HS-Definitionen, Messinstrumente und Abgrenzungskriterien variierten erheblich. Jugendliche erleben HS am häufigsten aus der Beobachter*innenperspektive (31–69%), gefolgt von Opfererfahrungen (7%–23%) und Täter*innenschaft (5%–11%). Mobbing und HS korrelieren miteinander (r =.15 – .47). Der Vortrag endet mit praktischen Implikationen für zukünftige Forschungen (z.B. Vorschlag einer breiten HS-Definition).

 

Dem Hass entgeg(n)en – Eine qualitative Studie zu Interventionsmaßnahmen von pädagogischem Schulpersonal bei Hatespeech in der Schule

Norman Krause1, Prof. Dr. Ludwig Bilz2, Dr. Sebastian Wachs1
1Universität Potsdam, 2Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Hatespeech-Erfahrungen können sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken (Krause et al., 2021). Als häufig erste Erwachsene, an die sich Schüler*innen hilfesuchend wenden können, liegt es in der Verantwortung des pädagogischen Schulpersonals, eine Intervention zu initiieren. Bisher wurde jedoch nicht untersucht, welche Interventionsmaßnahmen in Bezug auf Hatespeech in der Schulpraxis durchgeführt werden. Aus diesem Grund werden in dem vorliegenden Beitrag Interviews von Schüler*innen (n=21) und Pädagog*innen (n=27) zum Interventionshandeln des pädagogischen Schulpersonals bei Hatespeech ausgewertet. Die Ergebnisse weisen auf verschiedene Interventionsziele (Auflösen der beobachteten Hatespeech-Situation als kurzfristiges Primärziel sowie verhaltensbezogene und einstellungsbezogene Sekundärziele) hin. Weiterhin konnten zwei Interventionsstrategien unterschieden werden: direktiv-disziplinierende Interventionen (z.B. Bestrafungen, Instruktionen) und partizipativ-verhandelnde Interventionen (z.B. kompromissorientierte Mediationen, integrativ-konsensorientierte Verhandlungen). Insgesamt zeigt sich, dass Lehrkräfte auf ähnliche Strategien zurückgreifen wie bei anderen Gewaltphänomenen. Bei einstellungsmotivierter Hatespeech stößt eine rein verhaltenskonditionierende Interventionslogik jedoch an ihre Grenzen, woraus sich Forderungen nach Fortbildungsmaßnahmen für das Schulpersonal und Maßnahmen zur Stärkung einer Werteerziehung für die Schüler*innen ableiten lassen.

 

Online Correlates of Cyberhate Involvement among Adolescents from Ten European Countries: An Application of the Routine Activity and Problem Behaviour Theory

Dr. Sebastian Wachs1, Dr. Angela Mazzone2, Dr. Tijana Milosevic2, Dr. Michelle Wright3
1Universität Potsdam, 2Dublin City University, 3Pennstate University

Recent evidence shows that young people across Europe are encountering hateful content on the Internet. However, there is a lack of empirically tested theories to understand young people’s involvement in online hate speech. To fill this gap, the present study aims to test the Routine Activity Theory to explain hate speech victimisation and the Problem Behaviour Theory to understand hate speech perpetration. Participants were 5433 young people (Mage = 14.12, SDage = 1.38; 49.8% boys from ten countries of the EU Kids Online IV survey). Self-report questionnaires were administered to assess hate speech involvement, experiences of data misuse, frequency of contact with unknown people online, problematic aspects of sharenting, excessive Internet use, and sensation seeking. Results showed that being a victim of hate speech was positively associated with target suitability (e.g., experiences of data misuse, and contact with unknown people), lack of capable guardianship (e.g., problematic facets of sharenting), and exposure to potential offenders (e.g., witnessing cyberhate, and excessive Internet use). Furthermore, being a perpetrator of hate speech was positively associated with several online problem behaviors. Hence, findings support the general usefulness of both theories to understand hate speech involvement of young people. The findings can be used to develop intervention and prevention programmes on a local, national, and international level.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
14:00 - 16:00Be- vs. Entgrenzung durch Führung? – Rekonstruktionen von Führungspraktiken aus organisationspädagogischer Perspektive
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02
 
ID: 108
Arbeitsgruppe
Stichworte: Führungspraktiken, rekonstruktive Sozialforschung, dokumentarische Methode

Be- vs. Entgrenzung durch Führung? – Rekonstruktionen von Führungspraktiken aus organisationspädagogischer Perspektive

Chair(s): Prof. Dr. Anja Mensching (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland)

Diskutant*innen: Dr. Steffen Amling (Evangelische Hochschule Berlin)

Führung war im pädagogischen Diskurs ein lang vernachlässigtes Thema, obgleich Führungssituationen in pädagogischen Kontexten omnipräsent sind. Aus einer organisationspädagogischen Perspektive, die an aktuelle Diskurse der sozialwissenschaft­lichen Führungsforschung anschließt, wird Führung als soziale Praxis konzipiert. Die drei Vorträge, die unterschiedliche Grenzkonstitutionen fokussieren, rekonstruieren Führungspraktiken vor dem Hintergrund der Frage nach Be- und Entgrenzungen einerseits in verschiedenen Organisationen (Polizei, sozialen personenbezogenen Dienstleistungs­organisa­tio­nen, Schule) und andererseits aus der Perspektive unterschiedlicher Beteiligter (Führende, Geführte). Neben einem praxeologischen Führungsverständnis und der Analyse mittels der dokumentarischen Methode teilen die Vortragenden die Annahme, dass Führung ein wesentlicher Baustein eines reflektierten Verständnisses organisationalen Lernens ist und fragen nach Unterstützungsoptionen dieser Lernprozesse.

 

Beiträge des Panels

 

Führung als Grenzstellenfunktion – Alltagspraktiken des Führens in der Organisation Polizei

Prof. Dr. Anja Mensching
CAU Kiel

Grenzstellen sind nach Luhmann (1999) spezialisierte Funktionen in Organisationen, die deren Kontakt mit relevanten Umwelten regeln. Insbesondere Führungskräfte müssen sowohl Sinn- als auch Mitgliedschaftsgrenzen im Innen- wie im Außenverhältnis austarieren und dabei mit zuweilen unvereinbaren oder widersprüchlichen Erwartungen umgehen (lernen), um ihre Funktion, ‚Antenne‘ für Umweltveränderungen zu sein und diese in eine organisationsinterne Sprache zu übersetzen, mit dem Auftrag einer ‚idealen‘ Darstellung der eigenen Organisation nach außen zu vereinen und dabei auftretende Spannungen zu bewältigen. Empirisch basiert der Beitrag auf narrativen Interviews mit Polizist*innen im höheren Dienst der Polizei Niedersachsen, die nach ihrem Studium zum Aufstieg in den h.D. in erster Führungsfunktion sind. Die Datenmaterialien stammen aus der 1. Erhebungsphase eines insgesamt auf mindestens 12 Jahre angelegten Längsschnittprojektes, das die Führungserfahrungen (sowohl als Führende, als auch Geführte) und die jeweils favorisierten Führungspraktiken forschend begleitet. Der Fokus der Analyse für den Vortrag liegt dabei auf der Rekonstruktion des Umgangs mit Herausforderungen, die sich aus der Grenzstellenfunktion für die Führungskräfte ergeben und die Frage nach sich eröffnenden (organisationalen) Lernpotentialen, die organisationspädagogisch von Interesse sind.

Literatur:

Luhmann, Niklas (1999). Funktionen u. Folgen formaler Organisation. 5 Auflage. Berlin: Duncker & Humblot.

 

Die Entgrenzung der Führung? Eine Rekonstruktion veränderter Führungsbedingungen in sozialen personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen

Maike Tobies-Jungenkrüger
CAU Kiel

Führen in und jenseits von Organisationen ist omnipräsent und durch dynamische, komplexe Pro­zesse und wechselseitige Interaktionen geprägt. Insbesondere die gegen­wärtige Corona-Pandemie führt uns vor Augen, in wel­cher Komplexität sich unsere Lebens- und Arbeitswelt verändert. Diese räum­lichen, sozialen und zeitlichen Be- und Entgrenzungen werden zu einer zentralen Herausfor­de­rung und werfen unter anderem die Frage nach den Grenzen von Führung auf. Der Beitrag möchte an dieser Stelle anschließen; als empirische Grundlage dienen narrative Interviews mit Führungskräften verschiedener sozialer personenbezogener Dienstleis­tungsorganisationen, die ich aktuell im Rahmen meines Dissertationsprojektes erhebe. In diesen thematisieren einige der befragten Führungskräfte vielfäl­tige Anforderungssituationen, die sich immer mehr einer planvollen Steuerung entziehen; zuneh­mend die Geführten in den Mittelpunkt des Interesses rücken und mehr denn je erforderlich ma­chen, das eigene Führungsverständnis zu reflektieren.

In meinem Vortrag fokussiere ich die anhand des Datenmaterials rekonstruierte Führungspraxis unter sich verändernden (pandemischen) Bedingun­gen und diskutiere daran anschließend die Frage nach der Entgrenzung von Füh­rung, aber auch den sich darin eröffnenden Chancen eines erweiterten Führungsverständnisses.

 

Führung und Grenzen der Erwartbarkeit. Zur Rekonstruktion von Erwartungshaltungen gegenüber Schulleiter*innen

Prof. Dr. Stefanie Kessler
IU Internationale Hochschule

Wenn es um Führung geht, wird oft das ‚Bild’, welches sich Führungskräfte von Mitarbeitenden machen und das mit spezifischen Erwartungen verbunden ist, in den Vordergrund gestellt. Oder es wird ihr Führungsverständnis untersucht. Seltener wird dagegen in den Blick genommen, welche ‚Bilder‘ Mitarbeiter*innen von Führung und Führungskräften haben. In diesem Beitrag fokussiere ich daher die Führungsbilder von Lehrer*innen in der Organisation Schule und gehe der Frage nach, wie sie die Schulleiter*innen und deren Führungspraxis wahrnehmen und welche expliziten wie impliziten Erwartungshaltungen sich hierin dokumentieren.

Als empirische Grundlage dienen narrative Interviews mit Lehrer*innen zum Thema Demokratielehre in Politikunterricht und Schule, die ich im Rahmen meiner Dissertation (erscheint 2021) geführt habe. In diesen thematisierten einige Lehrer*innen auch die Schulleitung, die von ihnen als fordernd, jedoch wenig unterstützend, oder als grenzüberschreitend für ihre Demokratielehre erlebt wird. Dabei kommen ihre expliziten wie impliziten Erwartungshaltungen an Führung bzw. Führungshandeln der Schulleiter*innen zum Ausdruck. Im Anschluss an die mit der dokumentarischen Methode rekonstruierten Führungsbilder werde ich Grenzen der Erwartbarkeit bezogen auf Führung aus Mitarbeiter*innensicht sowie deren Bedeutung für ein reziprokes Führungsverhältnis diskutieren.

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
14:00 - 16:00Zwischen Transformation und Persistenz. Grenzverschiebungen in Schule und Unterricht im Kontext der Corona-Pandemie
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 02
 
ID: 171
Arbeitsgruppe
Stichworte: Corona-Pandemie, Fernunterricht, schulische Transformativität, Persistenz, Rekonstruktive Forschung

Zwischen Transformation und Persistenz. Grenzverschiebungen in Schule und Unterricht im Kontext der Corona-Pandemie

Chair(s): Prof. Dr. Petra Herzmann (Universität zu Köln, Deutschland)

Ausgehend von den im Zuge der Corona-Pandemie bildungspolitisch verordneten (zeitweiligen) Schulschließungen sowie der Umstellung auf Fernunterricht untersuchen die Beiträge der Arbeitsgruppe, inwiefern sich im Kontext einer kriseninduzierten Ausnahmesituation akteursbezogene und institutionelle Grenzverschiebungen als Relationierungen von Transformation und Persistenz empirisch zeigen. Die Beiträge rekonstruieren die Perspektiven unterschiedlicher Akteur*innen sowie den Online-Unterricht. Aufgezeigt werden bildungspolitische Adressierungen sowie Positionierungen der Akteur*innen als Diskurse berufskultureller und habitueller Selbstvergewisserungen. Darüber hinaus wird mit Blick auf den Online-Unterricht deutlich, wie Teilnahme durch Transformation und Persistenz von Praktiken im Klassenzimmer (neu) ausgehandelt wird. Unsere Befunde nehmen wir weitergehend zum Anlass, Fragen der besonderen ‚Qualität‘ der Corona-Krise für die Transformativität von Schule und Unterricht zu diskutieren.

 

Beiträge des Panels

 

Zur ‚Digitalisierung‘ unterrichtlicher Praktiken im Online-Unterricht

Dr. Andrea Bossen
Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, Deutschland

Im Zuge der Corona-Pandemie sind Lehrpersonen herausgefordert, Unterricht in den privaten Lebenswelten von Kindern zu organisieren. Der Fernunterricht wird einerseits sowohl als Herausforderung und Chance diskutiert (vgl. Breidenstein & Bossen, 2020; Fickermann & Edelstein, 2020), anderseits kommen die für selbstverständlich genommenen Grundlagen schulischen Unterrichts durch die Krise verstärkt in den Blick (Bossen & Breidenstein, i.E.). Online-Unterricht als eine Form des Fernunterrichts bietet die Möglichkeit, Schüler*innen, die über eine entsprechende digitale Ausstattung verfügen, und Lehrperson als Unterrichtsgemeinschaft synchron zu versammeln. Dabei lassen sich geteilte unterrichtliche Praktiken (wie z.B. Prüfung von Anwesenheit, Begrüßungsrituale, Melden, Unterrichtgespräche, Tafelbilder) nicht ohne Weiteres in die digitale Welt übertragen. Beobachtungen, die im Online-Unterricht dreier unterschiedlicher Grundschulen protokolliert wurden, zeigen übergreifende Handlungsprobleme und teilweise skurrile Effekte, die von den Teilnehmer*innen am Online-Unterricht (Lehrperson, Schüler*innen und weitere Personen wie (Groß-)Eltern oder Geschwister) in unterschiedlicher Weise bearbeitet werden und so auch die ‚Teilnahmebedingungen‘ am gemeinsamen Unterricht neu verhandelt werden müssen. Der Beitrag unternimmt den Versuch einer Beschreibung der ‚Digitalisierung‘ unterrichtlicher Praktiken im Online-Unterricht und fragt danach, wie dort ein gemeinsamer Unterricht etabliert wird.

 

Unterrichten ‚ohne Klassenzimmer‘: Habituelle Orientierungen von Lehrer*innen im Kontext bildungspolitischer Erwartungen in der Covid19-Pandemie

Prof. Dr. Petra Herzmann
Universität zu Köln, Deutschland

In Anlehnung an den professionstheoretischen Diskurs zum Lehrerhabitus (Kramer & Pallesen, 2019) untersuchen wir, wie Lehrer*innen die Anforderungen der pandemiebedingten Schulschließungen thematisieren und sich zu den bildungspolitischen Erwartungen, die in der Krise an sie gestellt werden, positionieren. Ziel ist es, habituelle Orientierungen von Lehrer*innen im Hinblick auf ihre Gestaltung des Fernunterrichts zu rekonstruieren. In diesem Zusammenhang gehen wir der Frage nach, inwiefern individuelle Professionsverständnisse (Bohnsack, 2020) in Auseinandersetzung mit exterioren Verhaltenserwartungen (Rauschenberg & Hericks, 2018), wie etwa bildungspolitischen Vorgaben, bearbeitet und Transformationen der habituellen Orientierungen erkennbar werden (Bohnsack, 2014). Zu diesem Zweck führen wir Interviews mit Lehrer*innen und untersuchen bildungspolitische Dokumente (z.B. SchulMails NRW) (Nohl, 2017). Erste Befunde weisen darauf hin, dass sich die Aussagen der Befragten in der krisenbedingten ‚Entzeitlichung‘ und ‚Enträumlichung‘ von Unterricht in einem Spektrum zwischen ‚Ressourcenbündelung‘ bzw. der Orientierung an ‚altbewährten‘ Methoden und eigeninitiativem bzw. proaktivem Handeln verorten lassen, bspw. im Hinblick auf die Konzipierung der häuslichen Lernaufgaben. Zugleich wird u.a. deutlich, dass sich die Befragten in kritischer Distanz zu bildungspolitischen Entscheidungen positionieren (Hövels & Herzmann, 2021) und diese nur bedingt als hilfreich in der Krise erachten.

 

Berufskultur und Transformativität – Empirische Rekonstruktionen zum Zusammenspiel von Fremd- und Selbstpositionierungen von Lehrer*innen zur „Corona-Krise“

Prof. Dr. Fabian Dietrich1, Dr. Nele Kuhlmann2, Julia Spitznagel1
1Universität Bayreuth, Deutschland, 2Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland

Im Zuge der gegenwärtigen Pandemie rückten erneut Fragen der Transformationsbedürftigkeit und -fähigkeit von Schule in den Fokus (vgl. Sliwka & Klopsch, 2020). Im Mittelpunkt des Beitrages stehen empirische Rekonstruktionen von Bezugnahmen auf diese Situation, die als aus einem komplexen Wechselspiel von Selbst- und Fremdbeschreibungen hervorgehend und als Ausdrucksgestalt der Berufskultur von in Schule tätigen Akteuren betrachtet werden. An vorliegende Konzeptualisierungen anschließend wird Berufskultur als übergreifende sowie in sich spannungsreiche und ausdifferenzierte symbolische Ordnung gefasst. Sie kennzeichnet das spezifische berufliche Feld und strukturiert in Gestalt kollektiver Dispositionen (Rademacher, 2009, S. 135) die „Wahrnehmungs-, Deutungs-, Urteils- und Kommunikationsformen“ (Kramer, Idel & Schierz 2018, S. 3) von Lehrer*innen. Grundlage der objektiv-hermeneutischen Rekonstruktionen (Wernet, 2009) bilden Auszüge von im Rahmen des Forschungsprojekts SchiK (Schule(n) in der Krise) erhobenen Gruppeninterviews mit Lehrer*innen sowie von ministeriellen Mitteilungen und Briefen, mit denen schulische Akteure im Verlauf des vergangenen Jahres regelmäßig adressiert wurden. Die Gegenüberstellung von Mustern innerschulischer Bezugnahmen und administrativer Thematisierungen ermöglicht es, die berufskulturelle Hervorbringung von Positionierungen zur Situation als rekursiv gedachtes Zusammenspiel von Fremd- und Selbstentwürfen zu rekonstruieren.

 

Die Schule in der Familie – Familiale Positionierungen zu pandemiebedingten Grenzverschiebungen

Dr. Julia Labede
Leibniz Universität Hannover, Deutschland

Über die andauernden Schulschließungen sowie die Konzeption eines kontinuierlichen Wechsels zwischen schulischem und häuslichem Lernen ist die schulische Aufgabenbearbeitung unweigerlich Bestandteil des Familienlebens geworden. Ist zu Beginn der Corona-Krise mit der Bezeichnung Home Schooling noch eine Ermächtigung elterlichen Handelns betont worden, wird mit dem Begriff des Fernunterrichts die Familie zunehmend dethematisiert. Dabei bleibt für den Lern- und Bildungserfolg der Heranwachsenden entscheidend, wie sich die Familie zu der ihr zugewiesenen Rolle als „Stützsystem der Schule“ (Tyrell, 1987) verhält. Im Rückgriff auf Familiengespräche, in denen Eltern und ihre Kinder sich gegenüber den veränderten Anforderungen positionieren und ihre Erfahrungen während der Pandemie schildern, wird das Spannungsfeld familialer Krisendeutung und -bearbeitung aus strukturtheoretischer Perspektive (u.a. Oevermann, 1996, 2004) betrachtet. Fallrekonstruktiv wird erschlossen, wie sich das Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Lehrkräften zwischen den Polen einer maximalen Anpassung und Verweigerung ausgestaltet.

 

 
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