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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
937 1842 1567, 351195
Datum: Montag, 14.03.2022
17:00 - 18:00Open Science mit dem Verbund Forschungsdaten Bildung und dem Fachportal Pädagogik
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
Chair der Sitzung: Jens Röschlein, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
 

Dr. Sonja Bayer, Jens Röschlein, Dr. Christoph Schindler

FID Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, Deutschland

Unter dem Begriff Open Science werden zunehmend gegenwärtige Entwicklungen und Praktiken für eine offenere und zugänglichere Wissenschaft subsumiert, die mit einer neuen Wissenschaftskultur einhergehen. Die Session knüpft an diese Entwicklungen an und befasst sich mit Aktivitäten und Services zur Unterstützung von Open Science in der Erziehungswissenschaft. Ziel ist ein fachlich-thematischer Austausch mit den Teilnehmenden.

Im ersten Beitrag wird ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand von Open Science in der Erziehungswissenschaft gegeben. Im Anschluss daran werden die gegenwärtigen und geplanten Open Science Aktivitäten des Fachportals Pädagogik mit dem Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung dargestellt. Im Fokus stehen dabei die offene Auffindbarkeit von Forschungsliteratur und die Unterstützung von Open Access Publikationen, wie die mit dem Fachrepositorium peDOCS anvisierte Publikationsplattform für Zeitschriften und Schriftenreihen sowie einem verlagsübergreifenden Crowdfunding von OA-Monografien.

In einem weiteren Beitrag werden die Angebote des Verbunds Forschungsdaten Bildung (VerbundFDB) zur Archivierung, Publikation und Nutzung von Forschungsdaten sowie damit verbundene Anforderungen aufgezeigt. Der VerbundFDB unterstützt u.a. bei der Suche zugänglicher Forschungsdaten für eigene Forschungsvorhaben und stellt, gemeinsam mit Datenzentren der Bildungsforschung, Strukturen und Beratung für die Publikation von Forschungsdaten bereit.

Ziel der Veranstaltung ist es, gegenwärtige Unterstützungsangebote für eine offene Wissenschaft bekannt zu machen und zukünftige zu diskutieren. Dabei werden auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie selbst Ihre Forschung und ihre Forschungsdaten anderen möglichst offen zugänglich machen können. Zudem möchten wir mit den Teilnehmenden Möglichkeiten und Grenzen der offenen Wissenschaft anhand der Angebote diskutieren und Bedarfe der Bildungsforschung eruieren.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Erziehung und Belehrung der Bevölkerung als Entgrenzungsphänomen: Das Pädagogische der Politik in der Corona-Pandemie
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
 

Chair(s): Dr. Denise Klinge (Universität der Bundeswehr München, Deutschland), Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl (Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg), Burkhard Schäffer (Universität der Bundeswehr München)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Jörg Dinkelaker (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

In der Corona-Pandemie werden Entgrenzungsphänomene staatlichen Handelns sichtbar, da konforme Handlungsbereitschaft u.a. pädagogisch ‚hergestellt‘ wird: In einigen Ländern wird auf Persuasion und repressive Maßnahmen zurückgegriffen, während andere Länder unter Verzicht auf staatliche Eingriffe der Bevölkerung Corona-Regeln zumuten. In Deutschland kam es zu einer Mischung aus staatlichen Eingriffen und Pädagogisierung. Politiker*innen setzten Orientierungszumutungen, die begleitet wurden von der Vermittlung epidemiologischen Wissens. In dem Symposium wird einerseits untersucht, wie in verschiedenen Ländern (Deutschland, Schweden, Australien, Türkei) pandemieadäquates Verhalten der Bevölkerung per Erziehung und Lehre hergestellt wurde. Andererseits wird am Beispiel Deutschlands und der Türkei gezeigt, wie diese Grenzüberschreitungen zwischen dem Politischen und dem Pädagogischen von der Bevölkerung erfahren werden und ob es zu Orientierungsveränderungen und Aufbau von Wissen kommt.

 

Beiträge des Panels

 

Erziehung und Wissensvermittlung zur Coronabekämpfung im internationalen Vergleich: Pädagogische Modi in Politiker*innenreden

Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl1, Prof. Dr. Burkhard Schäffer2, Dr. Denise Klinge2
1Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg, 2Universität der Bundeswehr München

In der Corona-Pandemie werden national unterschiedliche Strategien der Coronabekämpfung deutlich. Sie werden unterfüttert von differenten Modi der Beeinflussung durch politische Verantwortungsträger*innen, die wir in dem Vortrag als ‚Erziehung der Bevölkerung‘ rekonstruieren möchten.

Dazu werden drei Länder verglichen: Schweden hat am Anfang der Pandemie weitgehend auf die Eigeninitiative der Bevölkerung gesetzt, während Australien mit repressiven Maßnahmen (rigorose Ausgangssperren) reagiert hat. In Deutschland kam es hingegen zu einer Mischung aus vergleichsweise leichter Repression und dem Appell an die Bevölkerung, sich pandemieangemessen zu verhalten. Diese drei idealtypisch unterscheidbaren Strategien waren zugleich von unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der ‚Massenerziehung‘, aber auch bei der Wissensvermittlung gegenüber der Bevölkerung begleitet. In Deutschland kam es etwa zu einer Mischung aus der Popularisierung naturwissenschaftlichen Wissens, Überzeugungsarbeit und Orientierungszumutungen, die wir als ‚Erziehung von Erwachsenen‘ begreifen.

In dem Beitrag soll die Frage gestellt werden, wie im Medium der politischen Rede von führenden Politiker*innen die Bevölkerungen der genannten Länder dazu gebracht werden, politische Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mitzutragen. Zur Beantwortung werden zentrale Corona-Ansprachen aus den Ländern im Sinne einer maximalen internationalen Kontrastierung mit der Dokumentarischen Methode rekonstruiert.

 

Pädagogische Orientierungszumutungen in der Coronakrise: Aneignungsmodi in der Bevölkerung

Nils Schrewe1, Nils Bernhardsson-Laros2
1Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg, 2Universität der Bundeswehr München

Um zu eruieren, wie die Grenzüberschreitungen zwischen dem Politischen und dem Pädagogischen von der Bevölkerung erfahren werden, betrachten wir die Coronakrisenkommunikation im Hinblick auf die Aneignungsverhältnisse (Kade 1993), die sie hervorbringt. Dabei stellen wir uns die Frage, wie Menschen in ihren alltäglichen Handlungskontexten auf die Orientierungszumutungen, die z.B. in Form von Hygieneregeln vorherrschen, reagieren. Wie steht es um die Eigensinnigkeit beim Umgang mit Corona? Und welche Rolle spielt die Reflexivität? In welchem Wechselverhältnis stehen Eigensinnigkeit, Reflexivität und Praktiken? Die Rekonstruktion dieser Topoi folgt dabei der Annahme, dass durch die Konfrontation mit den Corona-Verhaltenserwartungen auch kreative Lösungen (Joas 1996) initiiert worden sind. Dazu analysieren wir anhand von 15 narrativen Interviews und 5 Gruppendiskussionen, wie sich Menschen gegenüber den impliziten Erziehungs- und Belehrungsversuchen verhalten, und fragen danach, welche Orientierungen dabei entstehen. Beim Sample orientieren wir uns an einem maximalen Kontrast zwischen verschiedenen Altersgruppen, Genderzugehörigkeiten und regionaler Herkunft. Die Auswertung des empirischen Materials erfolgt mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 2014) und wird gestützt durch die Analysesoftware DokuMet QDA (Schäffer et al. 2020), um eine umfassende Typologie zum handlungspraktischen Umgang der Bevölkerung mit den diskursiv indizierten Corona-Verhaltenserwartungen zu entwickeln.

 

Entgrenzung von Wissen als Umgang mit edukatorischem Staatshandeln: Der Protest der ,Querdenker*innen‘

Anna Felicitas Scholz
Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg

Das „edukatorische Staatshandeln“ (Schumann 2014) in Zeiten der Corona-Pandemie ist Ausgangs- und Fokuspunkt des Protests der sogenannten ,Querdenker*innen‘. So konnten Nachtwey et al. (2020) in ihrer Studie zeigen, dass sich im Protest ein entfremdetes Verhältnis der Querdenker*innen zu staatlichen Institutionen, Medien und Wissenschaft dokumentiert (vgl. ebd., S. 56ff.) und „(alternativen) Informationsquellen“ (ebd., S. 60, H. i. O.) vertraut wird. Der Vortrag schließt an Erkenntnisse der Bewegungsforschung an und betrachtet aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive das biografisch gelagerte Verhältnis der Querdenker*innen zu staatlichen Institutionen (z. B. Schule) jenseits politischen Protests als auch ihre Wissensaneignung im Kontext des Protests. Zur Erforschung der Bewegung wurden auf Corona-Großdemonstrationen in Berlin 2020 teilnehmende Beobachtungen und biografisch-narrative Interviews (Schütze 1983) durchgeführt und ausgewertet. Die ersten Auswertungen weisen darauf hin, dass ein biografisch gelagerter Vertrauensverlust in Institutionen mit einer Wissensgenerierung und -orientierung an nicht-institutionell anerkanntem Wissen einhergeht und mit dieser Entgrenzung des Wissens die politische Erziehung des Staates während der Corona-Pandemie unterlaufen wird.

 

Understanding the social context of the state’s pedagogical actions: The case of Turkey during the pandemic

Dr. R. Nazlı Somel
Boğaziçi University, Istanbul

Any pedagogical practice is embedded in a social context, which is a combination of historical, cultural and practical factors. This context structures the educator‘s perception of action options (Bourdieu/Passeron 1990). This also holds true for the state when it takes measures against the pandemic.

In Turkey, the initial (and continuing) state measures involved bans and sanctions (curfews), in line with the state’s traditional role in society. These measures were considered successful by the majority of the people, possibly due to the social context. Simultaneously, the state undertook pedagogical actions aiming at behavioral changes (e.g. social distancing), but these yielded contradictory results in the face of daily experiences of different social groups. E.g., those dependent on public transport were unable to socially distance themselves. Further inconsistencies arose when the ruling party itself engaged in practices counter to its own guidelines, such as organising crowded party gatherings. This demonstrates how the political and pedagogical roles of the (capitalist) state can contradict one another and how political interests can prevail.

By comparatively analyzing government declarations, practices, and pedagogical actions, and the society’s responses as reflected in the reactions of NGOs (e.g. doctors’ association), news and opinion polls, the relation between various social contexts and the state’s oftentimes contradictory pedagogical actions will be examined.

 
14:00 - 16:00Narrative und Bilder in Bildungs- und Lehrmedien der DDR. Mythen und Begrenzungen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
 

Chair(s): Prof. Dr. Meike Sophia Baader (Universität Hildesheim, Deutschland), Prof. Dr. Sabine Reh (HU Berlin)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Emmanuel Droit (Universität Strasbourg)

Die AG fragt nach Narrativen, Motiven und Bildern in Bildungsmedien und Lehrmaterialien der DDR. Im Fokus stehen zwei sich zu Mythen verdichtende Narrative der DDR, die die Bildungsmedien und Lehrmaterialien durchziehen: der Mythos der Geschlechtergleichheit und der Mythos der Wissenschaftlichkeit. Mythen werden hier als wiederkehrende, identitätsstiftende, nicht hinterfragte Erzählungen und kollektive Selbstbilder verstanden. Diese werden als überdauernde kulturelle Konstruktionen betrachtet, die gerade hinsichtlich ihrer Orientierungsversprechen interessieren. Untersucht werden in den Vorträgen die jeweiligen Produktionsbedingungen, die Zensur- und Begutachtungswege sowie die spezifischen Funktionen und Aspirationen von Kinderliteratur, Schulbüchern, Lehrfilmen und audiovisuellen Unterrichtsaufzeichnungen. Wie funktionierten hier Kontrollmechanismen, wo waren Handlungsspielräume, wo Begrenzungen und wo lassen sich Transformationen über die Zeit identifizieren?

 

Beiträge des Panels

 

Begrenzte Geschlechtergleichheit, entgrenzte Erziehungsverhältnisse in Bildungsmedien der DDR

Dr. Sandra Koch, Friedreike Kroschel
Universität Hildesheim

Der Beitrag diskutiert den Zusammenhang von Geschlechter(un)gerechtigkeit und Erziehungsverhältnissen in Bildungsmedien der DDR. Be- und Entgrenzungen werden dabei anhand von Narrativen und Bildern zu Geschlechter- und Generationengerechtigkeit in Schulbüchern und Kinderliteratur analysiert, die in diesen Bildungsmedien zur Darstellung kommen und als Bestandteil des Bildungssystems der DDR betrachtet werden.

Denn obwohl Gleichberechtigung der Geschlechter zum Selbstverständnis des Sozialismus in der DDR gehörte, ist die traditionelle Zuordnung von Frauen für die Reproduktions-, Care- und Erziehungsaufgaben im Kern nicht in Frage gestellt worden (Trappe 1995). Auffällig ist, dass sich in den Bildungsmedien eine Vielzahl von stereotypisierten Darstellungen zu Geschlecht und Geschlechterverhältnissen finden lassen (Dölling 1991). Dies nimmt der Beitrag zum Anlass um nach den Narrativen und Bildern sowie dem Verhältnis von Text und Bild in der Darstellung von begrenzten Geschlechterverhältnissen zu fragen. Die Dimension der Entgrenzung analysieren wir bezogen auf die Narrative und Bilder zu institutionalisierten Erziehungsverhältnissen, d.h. den Kinder- und Jugendinstitutionen, die neben der Familie und Schule gleichermaßen in der Verantwortung der Gestaltung von Erziehung und Bildung standen und wodurch Jugendliche zur Erziehung von Kindern – organisational durch die FDJ gerahmt – autorisiert wurden.

 

Wissenschaftlichkeit – in Unterrichtsaufzeichnungen aus den 1970er und 1980er Jahren inszeniert

Sabine Reh1, Cäcilia v. Malotki2
1HU Berlin, 2Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin t

Ausgehend von Studien im Projekt „Indoktrinierender Unterricht. Bilder über Fachunterricht in der DDR“ sollen in diesem Beitrag Unterrichtsaufzeichnungen aus den 1970er und 1980er Jahren in der DDR analysiert werden. Die Videos entstanden an verschiedenen Forschungsstandorten der DDR und wurden in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt (Heun 2013). Dabei wurden sie als „schlechte Fälle“ exemplarisch genutzt wie auch für die Suche nach – so würde man es heute formulieren – ‚best-practice‘-Technologien eingesetzt. Während der Analyse situativer Darstellungsmuster (Reh & Jehle 2020) im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht rückte die Inszenierung verschiedener Formen von Wissenschaftlichkeit in den Fokus der Untersuchung – z.B. bei Problemen der Selbsttätigkeit der Schüler*innen. Der Anspruch an eine wissenschaftlich geleitete Pädagogik wird insbesondere anhand von Bemühungen um die Weiterentwicklung von Fachmethodik und Lernstoffen sichtbar. Gezeigt wird, wie Bilder von Wissenschaftlichkeit erzeugt werden, z.B. durch systematisierende Tafelbilder, das Zeigen von Fachterminologien und spezifische Praktiken der Vermittlung. Mithilfe von Veröffentlichungen führender Lehrerbildner der DDR kann das Motiv der „Wissenschaftlichkeit“ des Unterrichts „in der langen Zeit der Wende“ in seiner umfassenden Entgrenzung zu ‚Neutralität‘ genutzt werden.

 

Wissenschaftlichkeit als Komplex: Zu technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfilmen der DDR

Dr. Kerrin von Engelhardt
HU Berlin

Das Narrativ einer sich vollziehenden wissenschaftlich-technischen Revolution war eng mit dem Selbstverständnis der DDR als realsozialistischer Fortschrittsnation verbunden. Wurde unter dem Eindruck des Kalten Krieges in der alten BRD ab den 1960er Jahren eine Wissenschaftsorientierung des Unterrichts diskutiert, sollte in der DDR „Wissenschaftlichkeit“ nach sowjetischem Vorbild von Anfang an zum Leitmotiv des Unterrichts werden. Dies wurde besonders für den naturwissenschaftlichen und polytechnischen Unterricht beansprucht, wobei „Wissenschaftlichkeit“ stets dialektisch mit Parteilichkeit gepaart wurde (Tietze 2012). Wie dies zu verstehen war, sollte ein besonderes Lehrfilmformat veranschaulichen – der so genannte „Komplexfilm“. Solche Unterrichtsfilme sollten fachbezogene Wissensbestände in ihren komplexen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen zeigen. Der Beitrag untersucht anhand von ausgewählten technisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsfilmen der DDR, mit welchen Mitteln das Motiv „Wissenschaftlichkeit“ umgesetzt und inwiefern dabei auf das Narrativ der „wissenschaftlich-technischen Revolution“ rekurriert wurde. Zu fragen wird dabei auch sein, inwiefern „Wissenschaftlichkeit“ und „Parteilichkeit“ entgrenzt wurden und, ob die DDR etwa in Abgrenzung zur Lehrfilmproduktion anderer Nationen (vgl. z.B. Masson, 2012) zu einer spezifischen filmischen Bildsprache fand.

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Geschlecht und Sexualität in der Schule. Zwischen Begrenzung und (Grenz-)erweiterung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
 

Chair(s): Prof. Dr. Jeannette Windheuser (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland), Prof. Dr. Bettina Kleiner (Goethe-Universität Frankfurt)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Elke Kleinau (Universität zu Köln)

Die Schule ist für Kinder und Jugendliche Ort institutioneller Grenzziehung, zugleich ermöglichen die dort eröffneten Bildungserfahrungen, Gewohntes zu überschreiten. Darin angelegte Spannungen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit werden brisant, wenn Schule Geschlecht und Sexualität thematisiert. Be- und Entgrenzung in der Verbindung von Pädagogik und Sexualität sind so wiederholt Schauplatz für gesellschaftliche und politische Konflikte. Davon ausgehend widmet sich das Forschungsforum der Sexuellen Bildung bzw. ihrer Geschichte. Eine geschlechtertheoretisch transformierte Wissensgeschichte analysiert die Geschichte der (schulischen) Sexualpädagogik von 1960 bis heute (Vortrag 1). Weiter wird die Übersetzung der Programmatik Sexueller Bildung in den Schulalltag anhand einer empirischen Fallstudie untersucht (Vortrag 2). In der Verschränkung der erkenntnistheoretischen und methodologischen Perspektivierungen werden die Möglichkeiten und Grenzen beider Projekte ausgelotet.

 

Beiträge des Panels

 

Wissensgeschichte der Sexuellen Bildung in der Bundesrepublik

Prof. Dr. Jeannette Windheuser1, Dr. Anna Hartmann2
1Humboldt-Universität zu Berlin, 2Bergische Universität Wuppertal

Das Forschungsprojekt bettet die konzeptionellen und theoretischen Verschiebungen in der Sexualpädagogik in die bildungs- und geschlechtergeschichtliche Transformation in der Bundesrepublik in den Zeiträumen von 1960 bis 1980 (rechtliche Institutionalisierung schulischer Sexualerziehung) sowie von 2000 bis 2020 (Entstehung und Etablierung des Konzepts Sexueller Bildung für Schule und Lehrerbildung) ein. Es zielt darauf, die Geschichte der (schulischen) Sexualpädagogik sowie das vor diesem Hintergrund entstandene Konzept Sexueller Bildung in ihrem bildungs- und geschlechtertheoretischen sowie geschlechtergeschichtlichen Zusammenhang zu untersuchen. In beiden Phasen spielen Grenzziehungen und deren Erweiterung im Zusammenhang von Pädagogik und Sexualität eine zentrale Rolle.

Im Vortrag werden exemplarisch historische Materialien aus dem Projekt vorgestellt und das methodologische Vorgehen zur Diskussion gestellt, das eine durch feministische Wissenschaftstheorie und Geschlechtergeschichte transformierte Wissensgeschichte verfolgt.

Anhand der Geschichte der Sexualpädagogik trägt die Studie nicht nur zu einer allgemeinen Klärung des Generationen- und Geschlechterverhältnisses in Erziehung und Bildung bei, sondern soll darüber hinaus einen Beitrag für die wissenschaftliche Begründung gesellschaftspolitischer Maßnahmen und solchen zur pädagogischen Professionalisierung im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit leisten.

 

Vom heimlichen Lehrplan zur Affirmation von Vielfalt?

Prof. Dr. Bettina Kleiner, Clara Kretzschmar
Goethe-Universität Frankfurt

Die neue Rechtsprechung in Bezug auf Personenstandskategorien und die zunehmend öffentliche Wahrnehmung der Einsprüche, Ansprüche und Lebensweisen von trans* und inter*geschlechtlichen Menschen fordern dazu auf, Grenzziehungen in Bezug auf Vorstellungen einer quasi natürlichen Zweigeschlechtlichkeit zu überdenken. Gleichzeitig zeigen in den letzten Jahren erschienene empirische Untersuchungen, dass den Öffnungen auf der Ebene von Recht und Lehrplänen nicht unbedingt eine Übersetzung in den Schulalltag folgt: nach wie vor scheinen Schulen oftmals „heteronormative Orte“ zu sein, die sowohl im Unterricht als auch in schulischen Interaktionen über Ein- und Ausschlüsse und über spezifische Sichtbar- und Unsichtbarmachungen strukturiert sind (Krell et al. 2015; Schmidt et al. 2015). Im Mittelpunkt des mehrebenenanalytisch angelegten Forschungsprojekts steht eine Gesamtschule, an der ein aktuelles Konzept Sexueller Bildung umgesetzt werden soll. Mittels Dokumentenanalysen, Beobachtungen und Interviews mit schulischen Akteur*innen und Fortbildner*innen wird analysiert, wie gesellschaftliche und rechtliche Veränderungen in Bezug auf Geschlecht und Sexualität auf der Ebene von aktuellen Bildungsplänen und Curricula thematisiert werden, wie entsprechende Thematisierungen in die schulische Praxis übersetzt werden und inwiefern sich dabei Grenzen des Sagbaren, Sichtbaren und Lebbaren verschieben.

 
14:00 - 16:00Professionelle Lerngemeinschaften - begrenzend bei der Etablierung, entgrenzt beim Einsatz im Bildungssystem
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 36
 

Chair(s): Prof. Dr. Katja Kansteiner (Pädagogische Hochschule Weingarten, Deutschland), Prof. Dr. Peter Theurl (Pädagogische Hochschule Vorarlberg)

PLGs für Lehrkräfte sind viel diskutiert. PLGs können auch erfolgreich in der Führungskräfteentwicklung eingesetzt werden. Versteht man ‚professionell‘ als Qualitätsanspruch, dann lässt sich eine Entgrenzung des Formats für die Kooperation von Studierenden konzeptualisieren. Bei der Etablierung einer PLG wirken begrenzende Dynamiken. Perfektioniert sich die Kooperation nach innen, grenzen sie sich nach außen ab. Für Schulleiter*innen, die sich in entgrenzten Netzwerken bewegen, stellt die PLG eine besondere Verbindlichkeit gerade aufgrund ihrer Begrenzung dar. Für Studierende wird mit dem PLG-Anspruch die Gruppenarbeit zu einer Begrenzung der Kooperationsdynamiken zugunsten ihrer Kompetenzentwicklung. Die Beiträge stellen Befunde vor, die Begrenzungen erkennen lassen, resultierend aus der Logik des Formats selbst und seiner noch nicht qualitätsvollen Umsetzung, und diskutieren Notwendigkeiten sowie Wege diese zu überkommen.

 

Beiträge des Panels

 

Professionelle Lerngemeinschaften von Lehrkräften – Entgrenzung der Kapazität für gemeinsames Lernen und Entwickeln

Susanne Schmid
Pädagogische Hochschule Weingarten

Die Lehrkräftekooperation avancierte in den letzten Jahren zu einem zentralen Merkmal guter entwicklungsorientierter Schulen (Lütje-Klose & Urban, 2014). Die berufsbegleitende Professionalisierung durch Reflexionsprozesse in (multi)professionellen Settings über das konkrete Unterrichtshandeln im kollektiven Vollzug erhält hierbei eine hohe Bewertung (Arndt, 2016). Trotz empirisch bestätigter Wirksamkeit kokonstruktiver Kooperationsformen scheinen sie als Widerpart zur Vollzugswirklichkeit kooperativer Praxis an Schulen zu stehen (Gräsel, Fussangel & Pröbstel, 2006). Mit der Orientierung an PLGs wird die Hoffnung verbunden, das Kooperieren auf Austauschebene qualitätsvoll anreichern zu können. Konstitutiv hierfür ist eine gemeinsame Verantwortung für systematische Kooperation mit dem Ziel durch Formen des reflektierenden Dialogs über die deprivatisierte Praxis zu lernen, um das Lernen der Schüler*innen anzureichern (Bonsen & Rolff, 2006). Mit einem quantitativen Fragebogen erkundet das Projekt die existierenden Aspekte von Lehrkräftekooperationen an baden-württembergischen Grundschulen. Dabei liegt der Konstruktion des Fragebogens ein erweitertes und geschärftes PLG-Verständnis (in Anlehnung an Kansteiner, Stamann & Rist, 2020) zugrunde mit dem Ziel, Kooperation differenzierter mit Blick auf das Lernen darin auszuleuchten und Desiderate in der Kooperationspraxis aufzudecken, um qualitätsvolle PLGs zu entwickeln.

 

Professionelle Lerngemeinschaften von Schulleitungen – Begrenzung im Zuge der Etablierung

Prof. Dr. Katja Kansteiner
Pädagoische Hochschule Weingarten

Im Projekt ProFLüP wurde über die GTM (Strauss & Corbin, 1996; Breuer, 2018) ein Modell der Etablierung von Schulleitungs-PLGs herausgearbeitet, an dessen Bedingungs- und konstituierenden Faktoren sich aufzeigen lässt, wie aus einem zunächst offenen Entwicklungsfeld durch die Mitglieder selbst ein je spezifischer, miteinander ausgehandelter Kooperationsraum entsteht. Dabei kommen Erwartungen an einen Mehrwert der Kooperation unter spezifischen Verbindlichkeiten zum Tragen, zu denen auch die Bereitschaft zu einem überdauernden Investment gehört sowie ein gemeinsam wachsendes Verständnis von PLG eine Rolle spielt (Kansteiner & Welther, 2021). Gleichzeitig ist zu beobachten, dass die Etablierung der je eigenen PLG den möglichen Austausch mit anderen SL-PLGs kaum motiviert. Die Befunde zu möglichen Abgrenzungsdynamiken sowohl bei LK-PLGs als auch bei SL-PLGs eröffnen die Frage, wie ihre Kopplung im jeweiligen Einzelschulsystem oder im regionaler Schulsystem befördert werden kann und sie legen nahe, das Konzept in Bezug auf Merkmale, Strukturen und Prozesse zu diskutieren, durch die Begrenzung und Entgrenzung gleichermaßen erreicht werden kann. Im Beitrag wird das jüngst entwickelte Modell der Etablierung von Schulleitungs-PLGs vorgestellt und jene Elemente ausgeleuchtet, die die Begrenzungsdynamiken entstehen lassen.

 

Professionelle Lerngemeinschaften von Studierenden – Entgrenzung des Formats für Studierende

Prof. Dr. Peter Theurl, Eva Frick
Pädagogische Hochschule Vorarlberg

Studentische Rückmeldungen über die von ihnen erlebte Kooperationspraxis an der Hochschule weist verschiedene Perspektiven aus. Aus einer Befragung von Studierenden, Lehrenden und Lehrkräften an Praxisschulen in sechs europäischen Ländern im Projekt TePinTeach (http://www.tepinteach.eu/) geht u.a. hervor, dass an den Hochschulen sehr häufig in Gruppen gearbeitet wird in den Lehrveranstaltungen und Arbeitsgruppen der Selbstlernzeit. Dabei lässt aufhorchen, dass einerseits viele Studierende selbst gewählte Gruppen favorisieren, aber auch viel Kritik geübt wird, weil studentische Arbeitsgruppen oft nicht als gewinnbringend im Hinblick auf Lernzuwachs und Prüfungssicherheit erfahren werden. Mitunter wird der gesellige Moment reizvoll erlebt und die Möglichkeit geschätzt, Arbeit aufzuteilen und so effizienter Aufgaben zu erledigen. Damit zeigen die Befunde ähnlich Muster wie z.B. für die Lehrkräftekooperation in Deutschland bekannt sind (Massenkeil & Rothland 2016). Studentische Zusammenarbeit in Gruppen zu elaborieren ist Ziel des EU-Entwicklungsprojektes. Wie PLG als Format erfolgreich in verschieden angelegten Lehrveranstaltungen zur Schulpraxisbegleitung eingesetzt werden, wird in diesem Beitrag auf der Basis internationaler Evaluationsdaten vorgestellt.

 

 
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