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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
937 1017 0020, 829544
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Entgrenzte Bildungsprozesse – zur Vulnerabilität von Biographien im Kontext von Flucht und Migration
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
 

Chair(s): Prof. Dr. Juliane Engel (Goethe Universität Frankfurt, Deutschland), Prof. Dr. Bettina Fritzsche (PH Freiburg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Christine Riegel (PH Freiburg)

Das internationale und interdisziplinäre Symposium geht empirisch und bildungstheoretisch der Frage nach, wie sich Biographien im Kontext von Flucht und Migration als entgrenzte und entgrenzende Bildungserfahrungen untersuchen lassen. Hierzu wird der Begriff der Vulnerabilität aus vier Perspektiven für erziehungswissenschaftliche Diskussionen fruchtbar gemacht: Unter Bezug auf die (Un-)Möglichkeit des (biographischen) Sprechens für Subjekte, die in Ländern des globalen Nordens als flucht*migriert sind, im Blick auf Praktiken der separierenden Platzierung in Schule und Unterricht, auf der Grundlage einer Analyse von Elternengagement und schließlich am Beispiel von Artikulationen von Sprache und Differenz in schulischen Kontexten Deutschlands und Österreichs.

 

Beiträge des Panels

 

„Flüchtling“ werden. Subjektivierungstheoretische Überlegungen zu den Grenzen von (Biographie-) Forschung im Kontext von Flucht*Migration

Prof. Dr. Nadine Rose, Dominik Schütte
Universität Bremen

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage nach der (Un-)Möglichkeit des (biographischen) Sprechens für Subjekte, die in Ländern des globalen Nordens als flucht*migriert markiert werden. Dabei werden empirische Ergebnisse diskutiert, die den einschränkenden wie ermöglichenden Konsequenzen der (Be-)Sprechbarkeit erzeugenden Flüchtlingskategorisierung nachgeht. Aufgrund der Prekarität wie Vulnerabilität der (sprachlichen) Anwesenheit flucht*migrierter Subjekte, wird ihnen ein, an ein hegemonial-dominanzgesellschaftliches (Rommelspacher 1998) Sprechen angelehntes, Sprechen (über sich selbst und ihre Biographie) zugemutet, das von einem Netz von Formationsregeln und Äußerungsmodalitäten geprägt ist. Ihre Sprechakte sollen deshalb als Erwiderungen auf dominanzgesellschaftliche Anrufungen an ihre Biographien – als Erzählungen über sich selbst – verstanden werden. Die Wiederholung dieser Erwiderungen, so lässt die Analyse erkennen, bringt eine spezifische (Subjekt-)Erzählung hervor, die wir als „Legitimitäts- und Dankbarkeitserzählung“ lesen und auf der Basis des empirischen Materials nachzeichnen möchten. Die Erwiderungen verweisen dabei auf den doppelten Charakter der Subjektivierung: Auf der einen Seite müssen sich die Erzählungen dominanzgesellschaftlich akzeptierten Erzählcodes unterwerfen und auf der anderen Seite machen sie Platz für Verschiebungen, sie sind „almost the same, but not quite“ (Bhabha 1984, 127).

 

Biographie und Raum. Schulische Segregation als begrenzende Bildungserfahrung

Prof. Dr. Juliane Engel, Cristina Diz-Munoz
Goethe Universität Frankfurt

Der geplante Beitrag diskutiert empirische Ergebnisse eines drittmittelgeförderten Forschungsprojekts einer Exzellenzinitiative. Untersucht wurden (Bildungs-) Biographien (ehemaliger) Schüler*innen sogenannter „Türken- und Übergangsklassen“ in Bayern. Dabei soll nicht zuletzt der gesellschaftshistorische und -politische Kontext der sogenannten türkischen Arbeitsmigration in den Blick genommen und die (damals) alltäglich praktizierte Form der (räumlichen) Selbst- und Fremdverortung in Schule und Unterricht in ihren biographisierenden Potentialen präsentiert werden. So zeigen die videobasierten Analysen biographischer Interviews, dass wir es hier mit einer vulnerablen Gruppe zu tun haben. Praktiken der separierenden Platzierung sowie damit verbundene, verletzte Biografien im Kontext minorisierender und marginalisierender Zugehörigkeits(an-)ordnungen lassen sich empirisch rekonstruieren und bildungstheoretisch erfassen. Auf diese Weise werden Ansätze der relationalen Raum- und bildungsorientierten Biographieforschung auf neue Weise verbunden. Die Verschränkung von empirischen Daten (Fragebogenerhebungen, biografische Erzählungen, organisational bzw. kontextuelle Bedingungen der sog. „Türken- und Willkommensklassen“, videographic walks mit den ehemaligen Schüler*innen durch Schul- und Unterrichtsräume) erlauben einen differenzierten Blick auf ein bisher bildungsgeschichtlich wenig beachtetes Phänomen deutsch-türkischer Migrationsgeschichte und Gegenwart

 

Bildungsbiographien in Verhältnissen von (postkolonialen) Be- und Entgrenzungen – eine Fallanalyse zum Elternengagement im Schulkontext

Dr. Oxana Ivanova-Chessex1, Dr. Wiebke Scharathow2, Lalitha Chamakalayil3
1PH Zürich, 2PH Freiburg, 3FHNW, HSA

Eltern werden diskursiv zunehmend als Bildungsakteur*innen angesprochen. Ihre individuelle Leistungs- und Engagementbereitschaft gilt als eine wichtige Bedingung erfolgreicher Bildungsverläufe ihrer Kinder (vgl. Jergus, 2018, 2019). Im Kontext von Migrationsgesellschaft und Postkolonialität sind elterliche Vulnerabilitäten bezogen auf diese gesellschaftlichen Anrufungen ungleich verteilt. Wie können Eltern, deren Alltag durch Be- und Entgrenzungen strukturiert ist, sich für die Bildung ihrer Kinder engagieren und wie ist dieses Engagement biographisch verortet? Dem wird im vorliegenden Beitrag anhand der Rekonstruktion (vgl. Dausien, 2010; Rosenthal, 2011) eines biographischen Interviews (vgl. Schütze, 1983) mit einer Mutter nachgegangen. Mit der subjektivierungstheoretischen Perspektivierung (vgl. Butler, 2001, 2006) wird herausgearbeitet, wie elterliche Sprache – als Sprache der Kolonisierung wie auch als Sprache der Flucht – und elterliches Sprechen im Schweizer Schulkontext mit rassialisierten und (neo)-linguizistischen (vgl. Aygün-Sagdic et al., 2015; Dirim, 2010) Begründungsfolien als (il)legitim hervorgebracht und erfahren wird. Das elterliche Handeln an der Schnittstelle zwischen den biographischen Erfahrungen, elterlichen Ansprüchen und gesellschaftlichen Anrufungen rückt dabei in den analytischen Blick. Die Grundlage dieser Analysen sind Daten aus einem vom SNF geförderten Forschungsprojekts zu Eltern und Schule im Kontext gesellschaftlicher Ungleichheiten.

 

„…wenn sie auf Kopf schlagen: ‚Nein du kannst nicht.‘“ Zur stickiness von Vulnerabilitätserfahrungen im schulischen Kontext

Natascha Khakpour
PH Freiburg

Stickiness ist mit Sara Ahmed, “an effect of the histories of contact between bodies, objects, and signs” (2004, S. 90), ein Resultat sich wiederholender, ideologisch-affektiv vermittelter, Erfahrung. In meinem Beitrag beziehe ich mich auf Ergebnisse meines, im Rahmen der HBS-Nachwuchsforschungsgruppe zu Bildungskontexten Flucht/Migration entstandenen, Dissertationsprojekts, dem die Analyse von Artikulationen von Sprache und Differenz in schulischen Kontexten Deutschlands und Österreichs zugrunde lag. Anhand von biographisch orientierten Interviews konnte die Bedeutsamkeit der Signifikationspraxis Deutsch-Können, wie sie sich in schulischen institutionalisierten Verfahren sowie in Interaktionen artikuliert, für (Selbst-)Bildungsprozesse rekonstruiert werden. Ziel des Konferenzbeitrags ist es, darauf aufliegend, zu einer vulnerabilitätssensiblen Lektüre biographischer Konstruktionen zu gelangen. Vulnerabilität wird hierbei als paradoxe Kategorie verstanden, der Verletzlichkeit, ebenso wie das Potenzial zur Entwicklung neuer Formen (kollektiver) Handlungsmacht inhärent sein können (Castro Varela/Dhawan 2016, S. 14). Der analytische Zugriff, der sich mit der Frage nach der „Klebrigkeit“, etwa von rassismusrelevanten Anrufungen (Rose 2012), verbindet, stellt deren affektive Dimension in den Vordergrund und erlaubt, so mein methodologischer Einsatz, eine nicht-essenzialisierende Perspektive auf Vulnerabilität und deren Erfahrung.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Bildplattformen als Medien der Klassifikation. Interdisziplinäre Perspektiven auf postdigitale Grenzauflösungen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
 

Chair(s): Prof. Dr. Juliane Engel (Goethe Universität Frankfurt, Deutschland), Prof. Dr. Olga Moskatova (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Patrick Bettinger (PH Zürich)

Ausgehend von der These postdigitaler Bildungsprozesse, in denen die Grenzziehung zwischen analogen und virtuellen Welten problematisiert wird, fragen wir im Symposium nach dem damit verbundenen erziehungswissenschaftlichen Erkenntnispotential sowie den Konsequenzen für neuere Forschungsmethoden. Postdigitale Bildung wird subjekt- und bildungstheoretisch nicht als Lernen mit Medien verstanden, vielmehr wird sie als Relationierungspraxis untersucht, bei der Subjektivierungs- und Lernprozesse medial konstituiert sind (Engel/Jörrisen 2019). Das Verwobensein von Analogem und Digitalem bringt Potentiale für Teilhabe an mediatisierten (Lern-)Prozessen mit sich und geht zugleich mit einer (Re-)Produktion von Ungleichheitsverhältnissen einher. Die postdigital aufgelösten Grenzen müssen damit zum einen auf ihre produktiven Machteffekte sowie auf benachteiligende Machtasymmetrien befragt werden. Zum anderen erfordern sie eine Methodenkritik sowie das interdisziplinäre Erproben neuer Methodologien.

 

Beiträge des Panels

 

Medien der Klassifikation. Ordnungsmechanismen und Subjektivierung auf Bildplattformen

Prof. Dr. Olga Moskatova
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Während die Diskurse der 1990er Jahre Internet als ein freies demokratisches Medium feierten und sich später in die Partizipations-Euphorie rund um Web 2.0 verlängerten, ist es heute klar, dass das offene Internet plattformisiert und in ökonomisch verwertbare Strukturen gegossen wurde. Statt neutrale Räume vernetzter postdigitaler Sozialität zu sein, lassen sich Bildplattformen auf Machtstrukturen und klassifikatorische Ordnungsmechanismen befragen, die Wissen um die partizipierenden Subjekte anhäufen. Denn der tendenziell chaotische Charakter des Internet und der Teilhabe provoziert zahlreiche Sortier-, Klassifikations- und Aufräumarbeiten auf der Ebene der Plattform-Ökologien: ästhetisch-formale Ordnungsverfahren (Listen, Raster-Formatierungen, Reihen, Schlagworte); Personalisierungs-, Empfehlungs- und Suchalgorithmen; sollen Relevanz und Übersichtlichkeit in ein Überangebot an Selbst- und Fremdbildern bringen. Dabei bringen diese Medien der Klassifikation legitime und illegitime Ausdrucksweisen hervor, sie machen bestimmte Subjektpositionen sichtbar (z. B. weiß, schlank, hübsch) und andere opak (z. B. disabled, farbig, übergewichtig) und reproduzieren häufig bestehende Diskriminierungen (z. B. hinsichtlich des Geschlechts und der Rasse). In dem Vortrag sollen exemplarisch die subjektivierenden klassifikatorischen Verfahren der Bildplattformen diskutiert werden, die sich in der interaktiven Relation zwischen Subjekten und Technologien einstellen.

 

Netzpraktiken und Bildakkumulation im Kontext postdigitaler Bildungsprozesse

Prof. Dr. Konstanze Schütze
Universität zu Köln

Digitale Bilder zirkulieren weltweit und über sie werden politische und gesellschaftliche Ereignisse kommuniziert und kommentiert. Besonders Krisenszenarien – von #covid19 bis #capitol – befeuern die Bildproduktion und lassen Memes zu politischen Akteur*innen werden. Entlang medien- und kulturtheoretischer sowie kunstpädagogischer Ansätze schlägt der Beitrag vor, Bilder und Videos als geschäftsführende Entitäten algorithmisch geprägter Kulturen neu zu vermessen und zu diskutieren. Auf der Grundlage empirischer Studien zum subjektivierenden Potential von Bildern und Videos werden Fragen danach aufgeworfen, inwiefern künstlerisch-ästhetische Netzpraktiken neue Formen von Bildungsprozessen anregen, und wie sich in ihnen Ungleichheitsverhältnisse artikulieren.

 

Qualitative Bildungsforschung zu post-digitalen Formen der Biographisierung

Prof. Dr. Juliane Engel, Lara Karpowitz
Goethe Universität Frankfurt

Der Vortrag geht den fluiden Übergängen zwischen analogen und virtuellen Welten biographietheoretisch nach und deutet sie als Hinweis darauf, dass möglicherweise auch biografische Zusammenhangsbildung weniger linear gedacht werden kann, als es in den Erhebungen biografischer Erzählungen zumeist angelegt ist. Denn inwiefern evozieren digitale Praktiken und Selbstkonstruktionen in digitalen Räumen Formen neuer raum-zeitlicher Biografisierungen und Biografizität? Auf der Grundlage von empirischen Studien zu Selbstpräsentationen auf Tik Tok, einer Plattform auf der sehr ausschnitthafte und situative Formen der Selbstpräsentation vorherrschen, lassen sich im Vergleich mit facebook, wo (auch) konventionelle Angaben zu eigenen Lebensverhältnissen getätigt werden (Geburtstag, Wohnort…), erkennen, wie digitale Orte und dort verortete Adressat*innen kulturelle Repräsentation von lebensgeschichtlichen Zusammenhängen (neu) hervorbringen. Anthropozentrische Erhebungsmethoden, wie bspw. das biographische Interview, scheinen daher für eine zukunftsträchtige Biographieforschung nur eine mögliche Analyseperspektive zu eröffnen. Aktuelle Studien zu jugendkulturellen Identitätsentwürfen, deuten darauf hin, dass biografisches Wissen eben nicht nur IM Menschen angesiedelt ist, sondern auch in den medial-ästhetischen Relationen virtueller Räume. Dieser Spur geht der Beitrag sowohl empirisch als auch biographietheoretisch nach.

 

Zur Bildsamkeit des Hybrid-Subjektes - Pädagogische Implikationen einer rekonstruktiven Social Media Forschung

Dr. Anna Carnap1, Viktoria Flasche2
1HU Berlin, 2Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Jugendliche sind heute mehr denn je gefragt, sich biografisch zu entwerfen. Social-Media-Plattformen bieten vielfältige Optionen des Selbst- und Weltbezugs und verstricken ihre Anwender*innen in algorithmisierte Angebots- und Nachfragelogiken. Um eine größere Klarheit über diese Praktiken des Entwerfens in einem plattformspezifischen Feld des Erscheinens zu erhalten, wurden im BMBF-Projekt “Postdigitale Jugendwelten” (2012-2019) u.a. transaktionale Interviews geführt (Jörissen/Schroeder/Carnap 2020; Nohl 2011; Engel/Jörissen 2019). Die transaktionale Forschungsmethodik eröffnet einen empirischen Zugriff auf das konstitutiv relationale Verhältnis von körperlichen, dinglichen und räumlichen Hybrid-Subjekten.

Ein zentraler Befund des Projektes ist, dass die Jugendlichen eher eine performative Haltung der Kritik gegenüber den diffusen Öffentlichkeiten der Plattformen einnehmen, als eine explizit reflexive. Vor dem Hintergrund der Reformulierung von Kritik im Sinne Kants (2008) durch Foucault (1992; Zahn 2020) wenden wir die empirische Spur, die Grenzbereiche des Sag- und Sichtbaren performativ auszuloten, pädagogisch (Ricken 2012): Was ist das Ziel erzieherischen Tätigseins, wenn es nicht das souveräne Subjekt ist? Wie kann das Einnehmen einer kritisch-performativen Haltung in pädagogischen Settings intentional vorangetrieben werden (wenn nicht durch Aufklärung)?

 
14:00 - 16:00Professionell und familial zugleich? Be- und entgrenzte Sorge im heterogenen Feld der stationären Erziehungshilfen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
 

Chair(s): Dr. Maximilian Schäfer (Universität Osnabrück, Deutschland), Prof. Dr. Claudia Equit (Leuphana Universität Lüneburg)

Diskutant*innen: Dr. Samuel Keller (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften)

Das Feld der stationären Erziehungshilfen zeichnet sich zwar durch eine wachsende und zunehmend schwieriger zu überblickende Heterogenität und „Formenvielfalt“ (Wolf 2005: 323) aus, gleichwohl sind nahezu alle Formen von pädagogisch-programmatischen Grenzverschiebungen und Entgrenzungstendenzen beeinflusst, die mit den fortschreitenden Prozessen der „Familialisierung der Heimerziehung und Professionalisierung des Pflegekinderwesens“ (ebd.) einhergehen. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Logiken, Ausformungen und Folgen der an Sorgearbeitende in Heimerziehung und Vollzeitpflege zunehmend selbstverständlicher herangetragenen paradoxen Erwartung, im Alltag professionell und familial zugleich zu handeln. In den Beiträgen werden aktuelle Befunde rekonstruktiver Studien zu alltäglichen Ent- und Begrenzenungsprozessen der Sorge in Wohngruppen, familienanalogen Hilfen und Bereitschaftspflegefamilien vorgestellt, die vor dem Hintergrund transnationaler Entwicklungen diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Institutionalisierungsprozesse in stationären Wohngemeinschaften

Prof. Dr. Claudia Equit, Dr. Julia Ganterer
Leuphana Universität Lüneburg

Nach einer kurzen thematischen Einführung durch die und den Koordinator*in der Arbeitsgruppe werden im ersten Vortrag Grenzsetzungen und Entgrenzungen pädagogischen Handelns aufgrund der in stationären Wohngruppen enaktierten Institutionalisierungsprozesse aus der Perspektive von Jugendlichen und Fachkräften analysiert. Konstruktionen von Familialität und Privatheit werden ebenso in den Blick genommen wie Partizipations- und Beschwerdeprozesse junger Menschen in Wohngruppen. Die Ergebnisse basieren auf einem von der DFG geförderten Projekt zu Partizipation in Organisationskulturen der Heimerziehung. In Anlehnung an die theoretische Figur Sozialer Arbeit als Grenzbearbeiterin (Kessl/Maurer 2010) werden im Anschluss an die referierten Projektbefunde professionspolitische Anforderungen und Herausforderungen für stationäre Erziehungshilfen benannt. Im Ausblick erfolgt eine Einordnung der Ergebnisse vor dem Hintergrund transnationaler Einwicklungen stationärer Erziehungshilfen.

 

Pädagogische Orte des Zusammenwohnens? – Über Praktiken und Logiken der verwohnräumlichten Grenzsetzung in familienanalogen Erziehungshilfen

Dr. Maximilian Schäfer
Universität Osnabrück, Deutschland

Im zweiten Vortag wird das stationäre Angebot der familienanalogen Erziehungshilfen beleuchtet, indem zentrale Befunde aus einer jüngst veröffentlichen Dissertation zur Diskussion gestellt werden. Basierend auf mehrjähriger ethnografischer Forschung im Rahmen einer von Aktion Mensch e.V. geförderten Studie und eines jeweils mehrtätigen Mitwohnens in familienanalogen Settings in der Heimerziehungs- und in der fachlich qualifizierten Vollzeitpflegeform, die sich als stationäre Hilfen von anderen Unterbringungsangeboten durch das Zusammenwohnen von (sozial-)pädagogischen Fachkräften, Angehörigen und fremduntergebrachten jungen Menschen strukturell unterscheiden, werden rekonstruierte Modi des „Zusammenwohnens“ in diesem Feld vorgestellt. Thematisch fokussiert werden hierbei insbesondere die alltäglichen Praktiken und disparaten Logiken der verwohnräumlichten Grenzsetzung an diesen Orten, deren unterschiedliche Konsequenzen im Zuge einer erwarteten Sorge mit Professionalitäts- und Familialitätsanspruch aus sozialpädagogischer Perspektive diskutiert werden.

 

Grenzgänge öffentlicher Erziehung im privaten Raum – Paradoxien aus dem Alltag der Bereitschaftspflege

Antonia Finckh
Technische Universität Dortmund

Im dritten Vortrag werden erste Ergebnisse aus einem andauernden Dissertationsprojekt zu Alltag und Übergängen in Bereitschaftspflegefamilien vorgestellt. Die Bereitschaftspflege zeichnet sich als Hilfeform insbesondere über die Verwobenheit eines öffentlichen Erziehungs- und Schutzauftrags mit den besonderen Strukturmerkmalen privater Familialität aus. Anhand von empirischem Material werden implizite und explizite Bearbeitungsweisen eben dieser Verwobenheit sowie spezifische Grenzziehungspraktiken nachgezeichnet. Dabei sind sowohl Fragen der Produktion von (Nicht-)Zugehörigkeit als auch alltägliche Herstellungspraktiken unterschiedlicher Formen familialen Zusammenlebens zentral. Letztere sollen abschließend im Hinblick auf die mitunter paradoxen Implikationen familienbasierter Formen der Fremdunterbringung analysiert und diskutiert werden.

 

Kommentar

Dr. Samuel Keller
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Schweiz

Im Rahmen einer Kommentierung dieser Vorträge erfolgt zunächst eine Gesamteinordnung der ermittelten Befunde über be- und entgrenzte Sorge im heterogenen Feld der stationären Erziehungshilfen, ehe mit dem Blick auf transnationale Entwicklungen im Fremdunterbringungskontext weitere Anschlussmöglichkeiten für die Diskussion im digitalen Plenum aufzeigt werden.

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Die Überwindung von Sprach|losigkeit|en. Forschungsforum zu Ent|grenz|ungen durch Sprache
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
 

Chair(s): Dr. Julia Ganterer (Leuphana Universität Lüneburg), Hila Kakar (Leuphana Universität Lüneburg), Verena Marke (Leuphana Universität Lüneburg)

Sprache schafft und überwindet zugleich Grenzen. Ent|grenz|ungen durch Sprache stellen eine Herausforderung für erziehungswissenschaftliche Forschung dar und lassen sich in vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen beobachten. Ziel des Forschungsforums ist es Möglichkeiten und Grenzen dem/den Sprachlosen eine Sprache zu geben aufzuzeigen. Durch vier Impulsvorträge (10 min) aus aktuellen Forschungszusammenhängen werden beispielhaft Ent|grenz|ungen durch Sprache in Geschlechterverhältnissen, in globalisierten generationalen Ordnungen sowie in durch Migration geprägte Zusammenhängen skizziert und über Möglichkeiten Sprachlosigkeit zu überwinden diskutiert. Anschließend an die vier Impulsvorträge wollen wir folgende Fragen diskutieren:

- Wie entstehen sprachliche Ent|grenz|ungen?

- Welche Rahmenbedingungen braucht es, um Sprachlosigkeit zu überwinden?

- Wie kann Sprache als Medium eingesetzt/verhandelt/genutzt werden, um Ent|grenz|ungen entgegenzuwirken?

 

Beiträge des Panels

 

Sprach-Los – Grenzen-Los

Dr. Julia Ganterer
Leuphana Universität Lüneburg

Gewalt spricht nicht, gleichwohl sie ein Akt der Sprache ist. Die Gewalt ist in und durch die Sprache uns „heimisch geworden“ (Liebsch 2014: 356). (Sprachliche) Gewalt ist zerstörerisch, sie erniedrigt und herabwürdigt; be- und entgrenzt Menschen aus ihren sozialen Positionen und heimischen Plätzen. Anhand erzählter Gewalterfahrungen von Cis-Frauen, die sie durch eine männliche Beziehungsperson erlitten haben, soll nicht jene geschlechtsspezifische Gewalt sichtbar dargestellt werden, sondern gilt es, dem Dazwischen auf die Spur zu kommen. Also jenen existierenden Gewaltdynamiken, die nicht manifest, nicht sichtbar oder sagbar sind, sondern latent in der Welt, lautlos und leibhaftig in uns heimisch sind. Es gilt der Gewalt eine Sprache zu geben und ein Vokabular jenen zu geben, die es benötigen um sich auszudrücken, sich Grenzen-Los zu machen.

Literatur:

Liebsch, Burkhard (2014). Was (nicht) als Gewalt zählt. Zum Stand des philosophischen Gewaltdiskurses heute. In: Staudigl, Michael (Hg.). Gesichter der Gewalt. Beiträge aus phänomenologischer Sicht. Paderborn: Wilhelm Fink, S. 355-381.

 

Sprachliche Ent-grenz-ungen der UN-Kinderrechtskonvention und deren globalen und nationalen Auswirkungen

Verena Marke
Leuphana Universität Lüneburg

Die sprachlich und sozial konstruierten Prinzipien der binären Generationenzugehörigkeit der Kinder- und Menschenrechte, sowie der „sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern“ können in der UN-Kinderrechtskonvention auf zwei gegensätzliche Arten verstanden werden (Stoecklin & Bonvin 2014: 69): Als Einschränkung der von Kindern ausgeübten Rechte oder als Anerkennung der besonderen Fähigkeiten von Kindern im Sinne einer ethisch symmetrischen und akteurszentrierten Beziehungsqualität. Solange jedoch Erwachsene die Definitionsmacht für die Rechte des Kindes hierarchisch auslegen, wird das Prinzip im Sinne einer Einschränkung für Kinder angewendet.

Das generational ordnende Bild vom „Kind“ findet in „Sprache“ unreflektiert Anwendung und Reproduktion und lässt sich in der Absenz der Stimme von Kindern festmachen. „Sprache“ und „Mitsprache“ fungieren als Barrieren für vulnerable Gruppen und lassen sie in gesellschaftlicher Sprachlosigkeit verstummen. Intersektionale Wirkmechanismen können durch die sprachliche Anwendung und Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention verstärkt oder abgeschwächt werden.

Literatur:

Stoecklin, D. & Bonvin, J.-M. (2014). Children’s Rights and the Capability Approach. Challenges and Prospects. Dordrecht: Springer.

 

Sprachliche Ent|grenz|ung durch Migration

Hila Kakar
Leuphana Universität Lüneburg

„Die Sprache bildet einen zentralen Aspekt der Integration von Migranten, womöglich sogar den wich-tigsten“ (Esser 2006: 23). Dies hat die politische und öffentliche Integrationsdebatte stark geprägt: Der Erwerb von Deutschkenntnissen wird als Voraussetzung für die Teilhabe von Migranten*innen an der Gesellschaft gesehen. Die gelebte Mehrsprachigkeit von Migranten*innen wird dabei jedoch kaum be-rücksichtigt. Infolgedessen sehen die Migranten*innen die deutsche Sprache als größte Herausforderung im Kontakt mit Ämtern und Behörden sowie generell für das Leben in Deutschland.

Literatur:

Esser, Hartmut (2006). Sprache und Integration. Die sozialen Bedingungen und Folgen des Spracher-werbs von Migranten, Frankfurt: Campus.

 
14:00 - 16:00Unterrichtsqualität in Planung und Durchführung – Empirische Analysen im Wirtschaftsunterricht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 24
 

Chair(s): Patricia Köpfer (Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland)

Die Arbeitsgruppe widmet sich der Untersuchung von Planung und Durchführung von Unterricht an beruflichen Schulen unter dem Aspekt der Unterrichtsqualität. Der Forschungsfokus liegt dabei v.a. auf kognitionsbezogenen Qualitätsmerkmalen. Darunter fallen instruktionales Erklären, Argumentieren, die Gestaltung von Lernaufgaben sowie Scaffolding. Darauf bezogen analysiert werden (kompetenzniveauabhängige) Unterschiede zwischen (angehenden) Lehrkräften sowie Effekte der Qualitätsmerkmale auf Wissenskonstruktionsprozesse und Lernoutcomes. Datengrundlage für die Analysen bilden Unterrichtsentwürfe, videographierte Unterrichtsstunden und Schülereinschätzungen. Im Ergebnis können Forschungsfortschritte bezogen auf die Analyse von Unterrichtsentwürfen und -prozessen sowie auf das Zusammenwirken von Planung und Durchführung erwartet werden. Somit wird ein Beitrag für die Lehrprofessionalitäts- sowie die Unterrichtsqualitätsforschung geleistet.

 

Beiträge des Panels

 

Entwicklung der Fähigkeit zur Unterrichtsplanung – längsschnittliche Analysen zum Planungshandeln bei Studierenden der Wirtschaftspädagogik

Dr. Elisabeth Riebenbauer
Karl-Franzens-Universität Graz

Erfolgreiches Handeln im Unterricht setzt zielgerichtete Planungsschritte voraus. Gerade beim Berufseinstieg gilt die Unterrichtsplanung als handlungsleitend für eine gelungene Unterrichtsdurchführung. Kaum erforscht ist jedoch, wie sich die Planungsfähigkeit im Laufe des Professionalisierungsprozesses bei angehenden Lehrenden entwickelt. Im Fokus des Beitrags steht eine mehrjährige, österreichweite Längsschnittstudie im Paneldesign, bei der das Planungshandeln von 131 Studierenden der Wirtschaftspädagogik in Graz, Innsbruck und Wien zu drei Zeitpunkten im Masterstudium erfasst wurde. Im Zuge der Studie erstellten die Studierenden (1) am Studienbeginn, (2) circa drei Semester später, d.h. vor dem einsemestrigen Schulpraktikum und (3) nach Abschluss dieser schulpraktischen Phase einen Unterrichtsentwurf für eine Stunde im Bereich Rechnungswesen. Im Vortrag sollen insbesondere die Möglichkeiten und Grenzen der Operationalisierung, Erfassung und Bewertung des Planungshandeln in Form von Unterrichtsentwürfen thematisiert und sowohl aus allgemein- als auch aus fachdidaktischer Perspektive diskutiert werden. Zudem werden ausgewählte Ergebnisse der Studie vorgestellt, die zeigen, dass Interaktionen im Zusammenhang mit Lernaufgaben eine zentrale Rolle spielen, aber auch Schwächen, z.B. bei Zielen, inhaltlicher Vernetzung und Variation von Methoden und Medien, bestehen.

 

Scaffolding und Unterrichtsgestaltung – Eine prozessanalytische Studie zur Planung und Durchführung von Unterricht im berufsschulischen Kontext

Dr. Rico Hermkes, Manon Heuer-Kinscher, Prof. Dr. Gerhard Minnameier
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Für gelingenden Unterricht und das Erreichen hoher Unterrichtsqualität ist u.a. die Passung zwischen Instruktion und Lernprozessen von Bedeutung. Das beginnt nicht erst im Unterrichtsgeschehen, sondern bereits bei der Planung und den dabei vorgenommenen Strukturierungsmaßnahmen, die schüleradaptiv sein sollen, indem sie u.a. potentielle Lernhürden der SuS antizipieren. Das Scaffolding-Konzept umfasst beides. Macro-Scaffolding bezieht sich auf die Planung und Strukturierung von Unterricht, Micro-Scaffolding auf Lernunterstützung in konkreten Unterrichtsinteraktionen, die sich an den individuellen Bedarfen der SuS orientiert.

In der Studie wird das Zusammenwirken von Macro- und Micro-Scaffolding untersucht. Das DFG-Projekt knüpft an ein bereits entwickeltes Verfahren zur Micro-Scaffolding-Erhebung an und erweitert es um Macro-Scaffolding und „Whole-Class-Scaffolding“. Datengrundlage bilden Unterrichtsentwürfe der Lehrkräfte sowie videographierter Unterricht.

Die Stichprobe umfasst 30 Berufschullehrkräfte/-klassen in Hessen, die jeweils eine 90-minütige Unterrichtseinheit für das Lernfeld „Beschaffungsprozesse“ planen und durchführen.

Im Ergebnis steht die (Weiter-)Entwicklung des Verfahrens, das Unterrichtsqualität unter der Perspektive lernadaptiven Scaffoldings valide und reliabel erfasst, so dass die Qualität der Scaffolds in ihren Effekten auf Lernoutcomes untersucht werden kann. Dabei geht es zunächst um die Frage der prädiktiven Validität solcher Prozessqualitäten.

 

Gruppendiskussionen und ihr Einfluss auf den Lernerfolg – Eine Videostudie im problemorientierten Wirtschaftsunterricht

Dr. Christin Siegfried
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Der Beitrag untersucht Gruppendiskussionen im Rahmen eines problemorientierten Wirtschaftsunterrichts. Diesem Unterrichtssetting liegt die Annahme zugrunde, die Anforderungen ökonomischer Kompetenz (z.B. Mehrperspektivität, Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Handlungsoptionen) durch Gruppendiskussionen geeignet adressieren zu können. Durch den Austausch können zusätzliche Informationen sowie neue Perspektiven besprochen werden und schließlich dazu beitragen, neues Wissen zu ko-konstruieren, was nur schwer von einem einzelnen Lernenden erreicht werden kann. Um zentrale Gelingensbedingungen von Gruppendiskussionen zur Förderung ökonomischer Kompetenz zu identifizieren, wird im Rahmen einer empirischen Feldstudie, die mit den individuellen Diskussionsbeiträgen korrespondierenden kognitiven Prozesse (nicht elaboriert, aktiv, konstruktiv), die Struktur des Diskussionsformates (kummulativ, interaktiv, ko-konstruktiv) sowie der Grad der inhaltlichen Vielfalt in der Gruppendiskussion in den Blick genommen. Hierfür werden die videographischen Aufzeichnungen der Gruppendiskussion (N=87) und verschiedene Tests und Fragebögen genutzt.

Die Ergebnisse verweisen auf einen signifikanten Lernzuwachs. Zudem wird deutlich, dass vor allem Lernenden mit einem geringen Vorwissen von dem Unterricht profitieren, der Wissenszuwachs weniger durch das Fachinteresse oder das Geschlecht beeinflusst wird, sondern durch den Anteil konstruktiver Beiträge und der inhaltlichen Vielfalt in der Diskussion.

 

Qualität von Lehrererklärungen im Rechnungswesen aus der Sicht von Beobachtenden und Schüler*innen

Patricia Köpfer1, Dr. Stefanie Findeisen2, Prof. Dr. Eveline Wuttke1
1Goethe-Universität Frankfurt am Main, 2Universität Konstanz

Erklären ist essenzieller Bestandteil des schulischen Alltags und gehört zum „Kerngeschäft“ einer Lehrperson. Im Buchführungsunterricht ist Erklärfähigkeit wesentlich, da dieser zum einen sehr fehleranfällig und abstrakt sein kann und zum anderen Erklärungen regelmäßig an die sehr heterogene Schülerschaft angepasst werden müssen. Während eine Reihe von Arbeiten existiert, welche die Bedeutung des Erklärens im Unterricht beleuchten, liegt nur eine geringe Anzahl von Untersuchungen über die Messung und Modellierung von Erklärqualität vor. Aus diesem Grund hat der vorliegende Beitrag zum Ziel, die Qualität von Lehrererklärungen im Fach Rechnungswesen zu messen. Hierzu wird der Unterricht von fünf Lehrkräften der 2-jährigen Berufsfachschule Wirtschaft videographiert. Kriterien zur Bewertung der Erklärqualität werden basierend auf der Arbeit von Findeisen (2017) operationalisiert und auf verschiedene Unterrichtserklärungen der Lehrkräfte angewandt. Im Rahmen der Videoanalyse werden einzelne Aspekte der Erklärhandlung (z.B. fachlicher Gehalt, Adressatengerechtheit) von unabhängigen Beobachtenden geratet. Ein Vorteil unseres Studiendesigns ist insbesondere die Möglichkeit, die Wahrnehmung der 66 beteiligten Schüler*innen zu den Erklärqualitätsindikatoren (erhoben mittels Fragebogendaten) miteinbeziehen zu können. Beobachtenden- und Schülerurteil werden gegenübergestellt.

 

 
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