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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
942 7509 3944, 297531
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Entgrenzungen des Pädagogischen. Schule, Lehrpersonenbildung und soziale Bewegungen 1920 bis 1980
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
 

Chair(s): Dr. Andrea De Vincenti (Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz), Prof. Dr. Norbert Grube (Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz), Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz)

Im 20. Jahrhundert suchten verschiedene soziale Bewegungen die Gesellschaft zu mobilisieren und mit pädagogisierenden Ambitionen zu verbessern. Ihre grenzüberschreitend global zirkulierenden vielfältigen, (massen)medial verbreiteten Wissensbestände waren mit lokalen Protestformen und verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen verwoben, so auch mit Bildungs- und Erziehungsinstitutionen. Die AG erkundet bildungshistorisch-vergleichend und quellennah die Verflechtungen der durch Zirkulation entgrenzten verschiedenen, auch pädagogischen Wissen zwischen den Praxisfeldern von Schule, Lehrpersonenbildung und sozialen Bewegungen an deutschen und schweizerischen Fallbeispielen zwischen 1920 und 1980. Diskutiert wird, wie durch soziale Bewegungen forcierte Wissensformen im Bildungsfeld sowohl als Aufbruch und Autoritätsverschiebung, gleichzeitig aber auch als krisenhaft-unübersichtliche, entgrenzende Umordnungen verstanden werden konnten, sodass Wissenskämpfe um das Pädagogische entstanden.

 

Beiträge des Panels

 

Vom ausgegrenzten Dissidententum zum Schulfach: Sozialreformerische Kämpfe um den Lebenskundeunterricht zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Dr. Elija Horn
Ausbildungsinstitut für Humanistische Lebenskunde des HVD Berlin-Brandenburg

Im Jahr 1920 fand in Berlin erstmals ein dezidiert weltlich ausgerichteter Werte- und Moralunterricht statt – der Lebenskundeunterricht. Die Einrichtung dieses Schulfachs war das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen und Kämpfe von Akteur*innen verschiedener sozialer Bewegungen – sowohl aus dem Kontext proletarischer Kirchenaustrittsbewegungen, sozialdemokratischer Frauenbewegung als auch bürgerlicher Ethik-Gesellschaften. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Initiativen zur nichtkonfessionellen sittlichen Unterweisung der Jugend, die jedoch keine staatliche Unterstützung fanden und teils Verfolgungen durch die Justiz nach sich zogen. Die Einführung eines weltlichen Lebenskundeunterrichts an staatlichen Schulen vollzog sich in der Weimarer Republik, häufig in reformpädagogischen Versuchsschulen, z.B. an Fritz Karsens Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln.

Der Vortrag vollzieht anhand von historischen Quellen die Zirkulation politischer und sozialreformerischer Ideen zwischen verschiedenen sozialen Bewegungen und pädagogischen Konzepten und Zielstellungen nach, die in ein institutionalisiertes Schulfach in der Weimarer Republik mündeten. Mit der Quellenanalyse von Assessorenarbeiten, wird ein Bezug zur Lehrkräfteausbildung hergestellt. Schwerpunktmäßig wird der Frage nachgegangen, welche grundsätzlichen Schwierigkeiten die Realisierung sozialer und politischer Ziele mittels Pädagogik für die pädagogische Umsetzung mit sich bringen.

 

Paradoxe Be- und Entgrenzungen in der Lehrpersonenbildung. Wissenszirkulation und -kämpfe im bewegten Zürich 1960-1980

Dr. Andrea De Vincenti, Prof. Dr. Norbert Grube, Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon
Pädagogische Hochschule Zürich, Schweiz

Der Beitrag fokussiert im Zeitraum von Bildungsexpansion, Jugend- und Studierendenprotesten am Beispiel Zürichs, wie verschiedene Wissen, die zwischen der Lehrpersonenbildung und sozialen Bewegungen zirkulierten, durch paradoxe und konfliktreiche Aneignungen den Ausbildungsalltag von Lehramtsstudierenden prägten. Die traditionell für angehende Unterrichtende etablierten Wissensordnungen wurden mit Forderungen nach gesellschaftlichem Umbau konfrontiert und um neue, auch wissenschaftliche Elemente, neue Unterrichtsinhalte und didaktisch-dialogische Formen entgrenzend erweitert, um u.a. wahrgenommenen Rollenkonflikten in der Schule – etwa zwischen Förderung der Mündigkeit und Selektion, Autorität und Emanzipation – zu begegnen. Untersucht wird, wie dieses Wissen in der Lehrpersonenbildung mit Forderungen und performativen Ansätzen neuer sozialer Bewegungen verwoben war, etwa bei Leitbildern der Gemeinschaft, Solidarität, Selbstbestimmung, Partizipation, Ganzheitlichkeit, Theorie- und Praxisdebatten. Gleichzeitig lässt sich in der Lehrpersonenbildung wie auch in Gruppen politischer Aktivist*innen eine quasi-kanonisierende und wissensbegrenzende Hinwendung zu pädagogisch-politischen ‘Klassiker’-Texten und Autoren beobachten, die zur (Re-)Legitimierung gesellschaftlicher Positionierungen gebraucht wurden. Quellenfundiert, u.a. anhand von Jahresberichten und Periodika, werden Einblicke in die durch soziale Bewegungen mitgeprägten Wissenskämpfe in der Lehrpersonenbildung gewährt.

 

Grenzverschiebungen schulischer Autoritätsverhältnisse in und durch Schülerzeitungen in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945

Prof. Dr. Joachim Scholz
Ruhr-Uni­ver­si­tät Bo­chum

Im 20. Jahrhundert fand ein Wandel des Verhältnisses zwischen Lehrpersonen und Schüler*innen statt. Quellen aus der Schulpraxis zur Rekonstruktion von Veränderungen der innerschulischen Interaktionsordnung sind eher rar und selten genutzt (Kluchert 2003, 52). Für die Betrachtung der Schüler*innen-Perspektive kommen Schüler*innenzeitungen in Frage, und schon eine erste größere Welle ihrer Gründung zur Zeit der Weimarer Republik deutet eine Tendenz zur Liberalisierung an großstädtischen höheren Schulen an. In der zweiten Nachkriegszeit expandierten Schüler*innenzeitungen sprunghaft, gerade auch im Kontext sozialer Bewegungen. Sie beeinflussten gymnasiale Schulkulturen nicht unwesentlich. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Bedeutung von Schüler*innenzeitungen im deutschen höheren Schulwesen des 20. Jahrhunderts für Grenzverschiebungen bei Interaktionen zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen. Er legt einen Schwerpunkt auf die Zirkulation schulkritischer und autoritätsbezogener Wissensformen unter Schüler*innen sowie auf Praktiken des Sich-Arrangierens mit und des taktischen Aufweichens von starren Autoritätsverhältnissen. Gefragt wird nach dem Beitrag von Schüler*innen zur allmählichen Liberalisierung und Enthierarchisierung ihrer Beziehungen zu Lehrpersonen – insbesondere in der Bundesrepublik nach 1945.

Kluchert, G. (2003): Die Entwicklung der Lehrer-Schüler-Interaktion und die Bildungswachstumsschübe. Zur inneren Schulreform im 20. Jahrhundert. In: ZfPäd 49 (1), 47-60.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Grenzgänge in transnationalen Bildungsräumen: Rekonstruktionen von Alltagspraxen an Deutschen Auslandsschulen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
 

Chair(s): Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Sina-Mareen Köhler (RWTH Aachen)

Diskutant*innen: Dr. Henrike Terhart (Universität zu Köln)

Deutsche Auslandsschulen werden „als grenzüberschreitend operierendes Bildungswesen besonderer Art“ (Adick 2013: 120) und als transnationale Bildungsräume (Adick 2018; Hornberg 2018) sensu Faist und Pries konzipiert. ‚Grenzgänge‘ in der Alltagspraxis werden im Symposium zum einen historisch hinsichtlich der Entwicklung des deutschen Auslandsschulwesens und (religiöser) Grenzziehungen nachgezeichnet. In empirischen Beiträgen wird zum anderen auf Ethnisierungsprozesse im Spiegel der Berufsbiographien von Lehrkräfte fokussiert sowie auf Schüler:innen und die Bedeutung der Peers für die geteilte Erfahrung mehrdimensionaler Grenzüberschreitungen. Zudem werden – minimal kontrastierend – internationale Schulen, darunter auch französische Auslandsschulen, in Lissabon untersucht anhand der Frage, wie diese transnationalen Bildungsräume die Bildungsbiographien von Absolvent:innen prägen. Ein Kommentar rahmt die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Konzeptionierung transnationaler Bildung.

 

Beiträge des Panels

 

Das deutsche Auslandsschulwesen aus historischer Perspektive – Zwischen Grenzziehung und politischer Abschottung

Prof. Dr. Christian Kuchler
RWTH Aachen

Die Geschichte der deutschen Auslandsschulen ist von der Geschichtswissenschaft kaum beachtet worden. Allerdings zeigen die wenigen vorliegenden Studien die klare Bedeutung von Be-Grenz-ung für die institutionelle wie auch pädagogische Arbeit der Schulen (Herzner 2018, 2019). Sie definierten sich zunächst als Einrichtungen, die eine – wie auch immer geartete – spezifische Form des „Deutschseins“ konservieren sollten, zugleich dienten sie aber auch als Abgrenzungsorgane gegenüber der autochthonen Gesellschaft. Unterstrichen wurde diese Eigenständigkeit vor allem im 18. und frühen 19. Jahrhundert durch den konfessionellen Charakter der Schulen, da oftmals in geschlossen katholischen Regionen deutsche Auslandsschulen als Gründungen protestantischer Gemeinden entstanden. Spätestens mit der Mitte des 19. Jahrhunderts trat dann neben das religiöse Motiv verstärkt das nationale. Die Schulen nahmen immer mehr die Funktion des Knotenpunktes der deutschsprachigen Communities ein. Hier liefen die Stränge aus allen Bereichen des Gemeindelebens zusammen, im Umgang mit den eigenen Kindern wurde das verhandelt, was als „deutsch“ und als in diesem Sinne erhaltenswert erachtet wurde (Kuchler 2016). Dieses Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung als Deutsche im Ausland und als Mittler der Grenzziehung gegenüber dem Gastland will der einführende Vortrag herausarbeiten und aufzeigen, wie im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts der Versuch unternommen wurde, diese Konfliktlinien zu entschärfen.

 

Social boundary (un)making an deutschen Schulen in der Türkei: Ethnisierungsprozesse im Spiegel der Berufsbiographien von (angehenden) Lehrkräften und Schulleitungen

Janine Fißmer, Prof. Dr. Lisa Rosen
Universität Koblenz-Landau

In der Bildungspolitik wird angenommen, dass Lehrkräfte durch die Tätigkeit an einer deutschen Auslandsschule – so die Kultusministerkonferenz – „interkulturelle Kompetenzen“ (KMK 2017: 4) erwerben. Ausgangspunkt bildet der „Mythos“ (Leutwyler/Meierhans 2013: 26), dass Auslandsaufenthalte „quasi automatisch“ (ebd.; Mantel et al.2020) für den Umgang mit migrationsbedingter Diversität professionalisieren. Daran anknüpfend sowie auch an der theoretischen Rahmung deutscher Auslandsschulen als transnationale Bildungsräume (Adick 2017; Szakács-Behling et al. 2021) gehen wir in dem Projekt „Professionalisierung für die Schule der Migrationsgesellschaft durch Lehrkräftemobilität“ (Fißmer/Rosen 2021; Panagiotopoulou et al. 2020: 194ff) der Frage nach, welchen Stellenwert (angehende) Lehrkräfte ihren berufspraktischen Erfahrungen an einer deutschen Schule im Ausland (retrospektiv) beimessen. Im Vortrag präsentieren wir Grounded Theory Analysen (Charmaz 2014) von biographisch-narrativ orientierten Interviews mit dem Fokus auf das social boundary (un)making im Alltag deutscher Auslandsschulen in der Türkei und ziehen hierzu die Theorie sozialer Grenzziehungsprozesse (Wimmer 2013) heran. Rekonstruiert wird u.a., wie (angehende) Lehrkräfte und Schulleitungen dort – wie auch im schulischen Alltag in Deutschland – unter dem Label ‚mit türkischem Migrationshintergrund‘ als „Migrationsandere“ (Mecheril 2004: 36) positioniert und stigmatisiert werden (Mantel 2020).

 

Internationale Schulen als transnationale Bildungsräume? Bildungsbiographien von Absolvent:innen internationaler Schulen in der Region Lissabon

Dr. Anne Schippling
CIES-Iscte

Das Feld der internationalen Schulen – mit Auslandsschulen als eine Form – ist in den letzten Jahrzehnten weltweit stark expandiert und hat sich auf verschiedene Weise ausdifferenziert. In Portugal ist diese Entwicklung weniger rasant verlaufen, aber seit 2000 haben diese Schulen auch hier zunehmend Verbreitung gefunden, allerdings noch immer begrenzt auf den Privatschulsektor (Schippling/Abrantes 2018). Der Beitrag untersucht Bildungsbiographien von Absolvent:innen internationaler Schulen mit unterschiedlichem Profil in Lissabon, darunter auch französische Auslandsschulen, ca. zwei Jahre nach deren Übergang in die Hochschule. Im Fokus steht dabei die Frage, ob und, wenn ja, in welcher Weise die internationalen Schulen mit Blick auf deren Alltagspraxis als transnationale Bildungsräume (Adick 2005, 2018; Hayden 2011; Hornberg 2018) verstanden werden können und wie die Bewegung in diesen Räumen die Bildungsbiographien von Absolvent:innen dieser Schulen prägen (Keßler/Schippling 2019; Keßler 2020). Vorgestellt werden Ergebnisse der zweiten Phase eines Forschungsprojektes zum Feld der internationalen Schulen in Lissabon, in welcher biographisch-narrative Interviews mit Absolvent:innen von drei Schulen mit unterschiedlichem internationalen Profil mit der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2010; Nohl 2012) analysiert wurden. Es wird gezeigt, in welcher Weise die Bewegung in transnationalen Bildungsräumen insbesondere die Phase des Übergangs in die Hochschule prägt.

 
14:00 - 16:00Bildungsbiographien – Grenzbearbeitungen im Kontext von Differenz und Ungleichheit
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
 

Chair(s): Dr. Patricia Stošić (Goethe-Universität, Deutschland), Prof. Dr. Julie Argyro Panagiotopoulou (Universität zu Köln)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Dorothee Schwendowius (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Die Arbeitsgruppe widmet sich dem Thema Bildungsbiographien in ungleichheits-, differenztheoretischer sowie migrationsgesellschaftlicher Perspektive. Im Fokus stehen bildungsbiographische Selbst- und Fremdverortungen, die zugleich auf eine Entgrenzung des Individuums und die Bearbeitung und Überschreitung markierter Grenzsetzungen im Horizont von Biographizität (Alheit & Dausien 2000) verweisen. Ein Beitrag ist theoretisch-methodologisch angelegt, im Mittelpunkt stehen Überlegungen hinsichtlich einer Konturierung eines Konzepts bildungsbiographischer Positionierungen. Drei weitere Beiträge sind empirisch ausgerichtet. Sie rekonstruieren bildungsbiographische Perspektivierungen und Grenzbearbeitungen von Schüler*innen und Student*innen. Herausgearbeitet werden migrations- und minderheitenspezifische, religiös, ethnisch oder sprachlich markierte Differenzsetzungen im Verhältnis von Bildungsbiographie und Institution.

 

Beiträge des Panels

 

Bildungsbiographische Positionierungen – Überlegungen zu einer Analyseperspektive erziehungswissenschaftlicher Biographieforschung

Dr. Patricia Stosic
Goethe-Universität Frankfurt

Der schillernde, man könnte auch sagen: entgrenzte, Begriff der Bildungsbiographie kommt im Kontext erziehungswissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit verschiedensten Akzentuierungen zum Einsatz. Seine – mitunter unscharfe – Verwendung changiert zwischen lebenslauforientierten und bildungstheoretischen Konzeptionalisierungen. Die im Beitrag anvisierte Perspektivierung bildungsbiographischer Positionierungen möchte vor diesem Hintergrund einen Beitrag zur theoretisch-methodologischen Klärung in diesem Forschungsfeld leisten. Eine Analyseeinstellung auf bildungsbiographische Positionierungen erhebt dabei den Anspruch, zu beobachten und zu rekonstruieren, wie sich Biograph*innen zu den An- und Aufforderungen, Zumutungen, Normierungen und Versprechungen moderner Bildungsimperative auch vor dem Hintergrund des je eigenen Bildungsverlaufs bzw. Lebenslaufs biographisch in ein Verhältnis setzen (Dausien 2017). Über die Chiffre der Bildung vermitteln sich in der modernen sowie funktional-differenzierten Gesellschaft zentrale Perspektivierungen im Hinblick auf das Selbst- und Weltverhältnis auf verschiedenen Ebenen – Norbert Ricken (2019) hat das pädagogische Paradigma der Bildung gar als „Subjektivierungsmatrix“ der modernen Gesellschaft beschrieben. Mit dieser theoretischen Ausrichtung schließt eine Konzeptualisierung bildungsbiographischer Positionierungen an Arbeiten an, die sich im Spannungsfeld von Diskurs, Subjektivation und Biographie bewegen (z. B. Rose 2012; Spies 2017).

 

Religion – Profession – Subjekt. Biographische Positionierungen angehender Pädagoginnen und Pädagogen im Diskurs

Benjamin Rensch
Goethe-Universität Frankfurt

Im Kontext religiöser bzw. weltanschaulicher Pluralisierungsprozesse in spätmodernen Gesellschaften (Reckwitz 2019; Berger 2015) sind Pädagog*innen zunehmend damit konfrontiert, sich vor dem Hintergrund eigener weltanschaulicher Überzeugungen im Dickicht vielfältiger Anschauungen, Meinungen und Diskurse positionieren zu müssen (Prengel 2019). Der Beitrag stellt empirische Ergebnisse eines Dissertationsprojektes vor, in dem der Frage nachgegangen wird, wie Studierende pädagogischer Berufe, die sich selbst als religiös beschreiben, ihre Religiosität im Rahmen ihres Studiums, d.h. unter Bedingungen der Professionalisierung, biographisch vermitteln. In den Blick geraten Zugehörigkeitskonstruktionen, Differenzmarker und Selbstermächtigungsstrategien, die von den Befragten im Kontext ihrer Religiosität und ihrer aktuellen Lebensphase des Studiums relevant gemacht werden. Angelehnt an eine „empirische Doppelperspektive“ (Spies 2019), wird nach dominanten teils interdependenten „kollektiven Wissensordnungen“ (Reckwitz 2006) gefragt, die in biographischen Erzählungen einbezogen, verarbeitet und/oder zurückgewiesen werden. Vorgestellt wird die Varianz fallspezifischer biographischer Positionierungen, die im Horizont verschiedener Religionszugehörigkeiten unter vergleichbaren Professionalisierungsbedingungen auf differente biographische Bearbeitungs- bzw. Bewältigungsstrategien gewichtiger Wissensordnungen verweisen.

 

Familienmigration zwischen Griechenland und Deutschland: Transnationale Bildungsbiographien von Kindern und Jugendlichen

Prof. Dr. Julie Argyro Panagiotopoulou, Andreas Gkolfinopoulos
Universität zu Köln

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen vergleichende Analyseergebnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt, das biographische Positionierungen von in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen rekonstruiert, die aus sozial (unter)privilegierten Familien, u.a. mit einer (Flucht-)Migrationsgeschichte, kommen und in den letzten Jahren Griechenland im Zuge der Finanzkrise verlassen haben (Panagiotopoulou et al. 2019; Gkolfinopoulos & Panagiotopoulou 2019). Aufgrund des unstratifizierten Bildungssystems gilt (akademische) Bildung in Griechenland – nicht nur für Angehörige distinktionsorientierter Schichten – als wichtiger „Mobilitätskanal für den sozialen Aufstieg“ (Grekopoulou 2011: 168; Siouti 2013). Daher wird im Projekt anstelle einer normativen und ethnisierenden Betrachtung (nicht) erfolgreicher Bildungsverläufe ‚griechischer‘ Schüler*innen auf Praktiken der Biographizität (Alheit & Dausien 2000) der Kinder und Jugendlichen fokussiert. Im Beitrag werden insbesondere Inklusions-/Exklusionserfahrungen und damit verbundene Zugehörigkeitskonstruktionen der Biograph*innen beim Übergang in Bildungsinstitutionen sowie familiale Distinktionsstrategien und „Bildungsentscheidungen“ (Dausien 2014) im Hinblick auf die ‚richtige‘ Schulauswahl thematisiert, die akademische Bildungsbiographien zwischen Deutschland und Griechenland hervorbringen (sollen).

 

Sprachideologien und (Aus)Grenz(ungs)erfahrungen Bildungsbiographien migrantisch positionierter Student*innen

Dr. Nadja Thoma
EURAC Research Bozen/Bolzano

Obwohl Mehrsprachigkeit als zentrale individuelle und gesellschaftliche Ressource gilt, hängt die Bewertung sprachlicher Praktiken vom sozialen Status derjenigen Individuen und Gruppen ab, um deren Sprachigkeit es geht (Flores & Rosa 2019). Auch an Bildungsinstitutionen sind Sprachideologien (Holliday 2006) wirkmächtig, die, unabhängig von der sprachlichen Kompetenz der Akteur*innen, zu Erfahrungen von Ausschluss führen können (Thoma 2020).

Theoretisch verknüpft der Beitrag Ansätze aus der Soziolinguistik, die in einer Weiterentwicklung der Bourdieu’schen Theorie des sprachlichen Marktes (Bourdieu 1990) eine Kommodifizierung von Sprachen in globalisierten Gesellschaften rekonstruiert haben (Heller 2010), und biographietheoretische Ansätze, die es ermöglichen, Bildungsprozesse als kumulative und nicht-lineare Prozesse zu rekonstruieren (Dausien et al. 2016) und die darin eingewobenen Umwege, Widersprüche und Brüche sowie die jeweiligen Sinnkonstruktionen der Subjekte sichtbar zu machen.

Auf der Basis biographischer Interviews aus zwei Forschungsprojekten geht der Beitrag der Frage nach, welche Bedeutung Sprache und Mehrsprachigkeit im Studium zukommt. Dabei stehen zwei Aspekte im Zentrum des Interesses: die Arbeit am eigenen sprachlichen Repertoire mit dem Ziel, als legitime Sprecher*in anerkannt zu werden, und der strategische Einsatz des eigenen sprachlichen Repertoires in einem meritokratisch und nach neoliberalen Gesichtspunkten strukturierten System.

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Transformationsprozesse im Schulsystem auf der Makro- und Mikroebene. Interaktiver Austausch über Entgrenzungspotentiale von Unterricht und Schule im Kontext von Digitalität und Inklusion
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
 

Chair(s): Dr. René Breiwe (Universität Duisburg-Essen, Deutschland), Dr. Claudia Obermeier (Europa-Universität zu Flensburg), Prof. Dr. Christian Filk (Europa-Universität zu Flensburg), Dr. Anke B. Liegmann (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer (Universität Siegen)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Matthias Proske (Universität zu Köln)

Das Forschungsforum möchte Entgrenzung und Begrenzung anhand einer zwischen Makro- und Mikroebene changierenden Betrachtung des schulpraktischen Feldes im Kontext von Digitalität und Inklusion thematisieren. Die durch Digitalisierung beförderten Transformationsprozesse und die Aufgabenstellung einer inklusiv gestalteten Schulkultur führen zu der Notwendigkeit eines Neuarrangierens von lehr- und lernbezogenen Paradigmen. Damit in Verbindung steht die Neuausrichtung von in Schule wirksamen Strukturen und Prozessen und das Reformulieren von Rollenverständnissen und Aufgabenfeldern von Akteur*innengruppen im schulpraktischen Feld. In Impulsvorträgen werden aus Perspektive zweier Forschungsprojekte diese Transformationsprozesse vor dem Hintergrund der Frage nach Entgrenzungs- und Begrenzungsphänomenen beleuchtet. Das zentrale Anliegen des Forschungsforums besteht in dem diskurs-interaktiven Austausch aller Forumteilnehmenden auf Basis zweier Impulsvorträge und eines Diskussionsbeitrags.

 

Beiträge des Panels

 

Transformationsprozesse auf der Makroebene: Entgrenzung des Schulsystems als Chance für die Herausbildung einer inklusiv-digitalen Schulkultur

Dr. Claudia Obermeier1, Prof. Dr. Christian Filk1, Dr. Heike Schaumburg2, Julia Hartung2, Dr. Marcel Kabaum2, Daniela Hill1, Johanna Profft2, Nicole Vieregg2
1Europa-Universität zu Flensburg, 2Humboldt-Universität zu Berlin

Das Anliegen des Forschungsprojektes ist es, Überlegungen, die aus der Umsetzung von Inklusion und Digitalisierung resultieren, systematisch aufeinander zu beziehen und herauszuarbeiten, wie inklusive und digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung synergetisch miteinander verbunden werden können. Die Momente Begrenzung und Entgrenzung sind dem damit verbundenen Erkenntnisinteresse in (mindestens) zweifacher Weise immanent: Durch das Verweben von Inklusion und Digitalität wird eine im schulpraktischen Feld noch immer existente (künstliche) Trennung aufgehoben (Filk & Schaumburg 2021). Des Weiteren besteht die Zielsetzung der Forschungsaktivitäten des Projektes darin, ein inklusiv-digitales Modell der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu generieren. Dabei wird offenkundig, dass das Schulsystem selbstreferentiell agiert (Bellmann 2016), was dazu führt, dass Einzelschule und das Schulsystem an sich von anderen (gesellschaftlichen) Teilsystemen entkoppelt sind (Drieschner & Gaus 2014). Um die Werte einer inklusiv-digital gestalteten Schulkultur proaktiv mitgestalten zu können, müssen bestehende Begrenzungen aufgeweicht werden. Der Einzelbeitrag skizziert die (notwendigen) Entgrenzungsprozesse im System Schule aus der Makroperspektive in einer systemtheoretisch-konstruktivistischen Lesart.

 

Transformationsprozesse auf der Mikroebene: Chancen und Grenzen inkludierender Entgrenzung im Kontext digitalisierten Unterrichts und die Bedeutung für Schulentwicklungsprozesse

Dr. René Breiwe1, Marion Schwehr2, Britta Ervens1, Dr. Anke B. Liegmann1, Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer2
1Universität Duisburg-Essen, 2Universität Siegen

Aktuell sind Lehrkräfte gefordert, Unterricht zu digitalisieren, insbesondere in Form von Distanzunterricht bzw. hybriden Lernformen. Die Bedeutung von Digitalisierung rückt damit als zentrales Thema von Schul- und Unterrichtsentwicklung in den Fokus des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses (Klieme 2020). Damit ist die Aufgabe verbunden, den Unterricht auch in digitalisierter Form inklusiv zu gestalten. Unterricht wird dabei nicht als in sich geschlossener Raum konzeptualisiert, sondern öffnet sich anknüpfend an das Optimierungsnarrativ des Digitalisierungsdiskurses (Wolf & Thiersch 2021) lerntheoretisch bzw. didaktisch im Rahmen hybrider Lernräume. Demgegenüber stehen Verhaftungen an traditionellen Vorstellungen von Unterricht, die sich an den Paradigmen der Oralität, Skriptografie und Typografie orientieren (Krommer 2020). Hier können digitale Medien als Verstärker für (exkludierende) Muster (z. B. Orientierung am monolingualen Habitus auch im virtuellen Raum) fungieren (Hoffmann 2020). So gilt Präsenzunterricht normativ als der Unterricht, während digitalisierte Formen des Unterrichts einen kompensativen Ersatz darstellen (Krommer & Wampfler 2021). Anhand von ethnographischen Beobachtungen von (Distanz-)Unterricht aus einem Forschungsprojekt wird analysiert, inwiefern mit digitalisierten Lehr-Lernformen transformative Entgrenzungen von Unterricht im Sinne der Inklusion verbunden sind und wie diese auf Schulentwicklungsprozesse wirken können.

 
14:00 - 16:00BeWaMo - Berufswahlmotive von Lehramtsstudierenden
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 23
 

Chair(s): Dr. Ralf Schieferdecker (Pädagogische Hochschule Weingarten, Deutschland), Prof. Dr. Birgit Hüpping (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Birgit Hüpping (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg)

Lehrkräfte stehen angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen (Klimawandel, Corona-Pandemie, Inklusion, Digitalisierung, Flucht und Migration) vor neuartigen Herausforderungen. Wie belastbar sind etablierte Modelle der Berufswahl von Lehramtsstudierenden angesichts des gesellschaftlichen Wandels? Dieser Frage nähern sich fünf Teilprojekte aus unterschiedlichen grenzüberschreitenden Perspektiven. So werden von Studierenden verfasste Texte über Schularten und Bundesländer hinweg, sowie zwischen verschiedenen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten (Beitrag 1) inhaltsanalytisch ausgewertet. Hinzu werden Daten im Vergleich zwischen Brasilien, Chile und Deutschland (Beitrag 2) sowie Japan und Deutschland (Beitrag 3) für einen Vergleich herangezogen. Der abschließende Beitrag (4) fokussiert eine statistische Auswertung der Erfahrungshintergründe für die Berufswahl Lehramt auf Grundlage der vorangegangenen Beiträge.

 

Beiträge des Panels

 

Analyse der Berufswahlmotive von Studierenden unter Berücksichtigung der verschiedenen Förderschwerpunkte sonderpädagogischer Bildung

Prof. Dr. Teresa Sansour1, Veronika Dumbacher2, Gregor Frirdich3
1Universität Oldenburg, 2Universität Würzburg, 3Pädagogische Hochschule Weingarten

Das Studium sonderpädagogischer Lehrkräfte orientiert sich an den Förderschwerpunkten sonderpädagogischer Bildung und Beratung. Bisherige fachspezifische Ergebnisse zur Wahl sonderpädagogischer Fachrichtungen zeigen eine Tendenz zu intrinsischen Motiven (Kiel et al. 2015; Rutsch et al. 2020; Lindqvist et al. 2020). Darüber hinaus wäre zu erwarten, dass die berufliche Perspektive im Aufgabenfeld der Inklusion einen zusätzlichen Einfluss auf das Berufswahlmotiv hat.

Der Datensatz umfasst N=375 Texte und deckt alle Förderschwerpunkte ab. Auf dieser Grundlage stellt sich die Frage nach Unterschieden bei Berufswahlmotiven hinsichtlich der verschiedenen Förderschwerpunkte sowie inwieweit die gesellschaftliche Forderung nach Inklusion die Studienwahl mit beeinflusst. Die Auswertung der Daten hat im Frühjahr 2021 begonnen. Bereits jetzt zeigt sich, dass sich Studierende der einzelnen Fachrichtungen in ihren Berufswahlmotiven unterscheiden. Ebenso zeichnet sich ab, dass der private Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigungen die Berufswahl beeinflusst.
Ziel ist es, die Motive von Studierenden hinsichtlich der gewählten Förderschwerpunkte angemessen zu beschreiben. Diese Erkenntnisse werden anschließend für den Vergleich mit anderen Schularten herangezogen. Die damit verbundenen Erkenntnisse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind insbesondere mit Blick auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in inklusiven Settings bedeutsam.

 

Vergleichende Analyse der Berufswahlmotive von Lehramtsstudierenden aus Brasilien, Chile und Deutschland

Aline Steger, Sabine Lang
Pädagogische Hochschule Weingarten

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen ist davon auszugehen, dass Bildungssystem und Lehrpersonen unabhängig von den (unbestreitbaren) unterschiedlichen Kontexten zunehmend vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. Wie wirken sich länderspezifische Kontexte auf die Entscheidung für den Lehrberuf aus und welche Motive erweisen sich als kontextunabhängig?

In diesem Beitrag werden die Ergebnisse der Analyse von Daten von Lehramtsstudierenden aus Brasilien (N=35) und Chile (N=53) inhaltlicht-strukturierend analysiert und mit Ergebnissen aus Daten aus Deutschland (Beitrag 1) verglichen.

Die geläufige Unterscheidung in intrinsische, altruistische und extrinsische Motive wird im internationalen Kontext zum Teil anders gewichtet, so kommt im Unterschied zu europäischen und nordamerikanischen Studien der extrinsischen Motivation in Ländern des globalen Südens eine bedeutendere Rolle zu (Bastick 2000; Garduño 2006; Kilinç, Watt & Richardson 2012). Solche länderspezifischen Unterschiede bezüglich der Motivstrukturen sind unter anderem auf bildungspolitische bzw. kulturelle Rahmenbedingungen in den untersuchten Ländern zurückzuführen. Damit stellt sich die Frage, ob und wie sich global-gesellschaftliche Herausforderungen auf die Berufswahl Lehramt auswirken und ob sich durch einen Vergleich über nationalstaatliche Grenzen hinweg Gemeinsamkeiten unter Berücksichtigung kontextabhängiger Voraussetzungen beschreiben lassen.

 

Vergleichende Analyse der Berufswahlmotive von Lehramtsstudierenden aus Japan und Deutschland

Dr. Ralf Schieferdecker1, Prof. Dr. Yoshihiro Sakakibara2
1Pädagogische Hochschule Weingarten, 2Kyoto University of Education

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen (Klimawandel, Pandemie, Flucht und Migration), die grenzüberschreitend die Gestaltung pädagogischer Settings mitprägen, ist davon auszugehen, dass Bildungssystem und Lehrpersonen unabhängig von den grundsätzlich stark unterschiedlichen Kontexten zunehmend vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. Damit stellt sich die Frage, ob und wie sich global-gesellschaftliche Herausforderungen auf die Entscheidung für einen Lehrberuf auswirken und ob sich durch einen Vergleich über nationalstaatliche Grenzen hinweg Gemeinsamkeiten unter Berücksichtigung differenter regionaler Kontexte beschreiben lassen.

In diesem Beitrag werden Ergebnisse vorgestellt, die sich auf Grund des (minimal oder maximalen) Kontrasts besonders dazu eignen, die spezifischen Motive der Berufswahl in Japan und Deutschland zu beschreiben.

Hierzu wurden von japanischen Lehramtsstudierenden Texte (N=70) über die Gründe ihrer Berufswahl verfasst und diese inhaltsanalytisch ausgewertet. In einem zweiten Schritt wurden diese Ergebnisse denen aus Deutschland (vgl. Beitrag 1) gegenübergestellt. Dabei zeigt sich unter anderem, dass Lehrpersonen als Rollenvorbilder in der Bildungsbiographie in beiden Kontexten die Berufswahl prägen. Die Art wie diese Rollenvorbilder wahrgenommen werden, unterscheidet sich jedoch stark.

 

Internationaler Vergleich der Erfahrungshintergründe von Lehramtsstudierenden

Prof. Dr. Christina Watson1, Jan Hörnig2
1SRH Hochschule NRW, 2Universität Würzburg

Für eine quantitative Analyse werden in diesem Beitrag die empirischen Daten der vorangegangenen Beiträge herangezogen, um auf dieser Basis (N=1011) Korrelationen zwischen den Codierungen und den Kontextvariablen zu beschreiben. Hierzu werden Informationen über das Geschlecht, den Studiengang und den Studienort berücksichtigt. Für einen Teil der Daten (N=579) können auch die Pädagogischen Vorerfahrungen (nach der LEK-Studie, König & Seifert 2012) sowie die Information, welche Elternteile Lehrkräfte sind, zur Analyse herangezogen werden. Anhand dieser Daten lassen sich differenzierte Aussagen zu den Berufswahlmotiven und Erfahrungshintergründen von angehenden Lehrkräften treffen. Es wird vermutet, dass sich die Motivlagen und Erfahrungen von Studierenden nach Schulform und Geschlecht unterscheiden. Hinsichtlich der Hochschulstandorte innerhalb Deutschlands wird kein Unterschied vermutet. Aktuell werden die Daten ausgewertet, sodass zum DGfE-Kongress umfangreiche Analysen bezüglich unterschiedlicher Schulformen und Hintergrundvariablen vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Ausgehend von diesen Ergebnissen soll zum einen die Passung von Interessenlagen und Schulform, zum anderen die Bedeutsamkeit der Berufsvererbung diskutiert werden.

 

 
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