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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
927 0519 2170, 612058
Datum: Montag, 14.03.2022
14:00 - 16:30Sozialpädagogische Grenzbearbeitung – Zur Übersetzung einer Denkfigur
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
 

Chair(s): Prof. Dr. Fabian Kessl (Universität Wuppertal, Deutschland), Paula Achenbach (Universität Marburg, Deutschland), Prof. Dr. Susanne Maurer (Universität Marburg, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Birgit Bütow (Universität Salzburg, Österreich), Prof. Dr. Catrin Heite (Universität Zürich, Schweiz)

Das Symposium will die Potenziale der – seit ca. 2005 in den Diskurs eingeführten - Denkfigur einer „(sozial)pädagogischen Grenzbearbeitung“ für die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung und Forschung weiter profilieren. Mit dieser Denkfigur werden bestehende gesellschaftliche Verhältnisse als wirkmächtige Begrenzungen und Grenzsetzungen ebenso thematisiert wie die vielfältigen Versuche, diese zu problematisieren und zu überwinden. Dabei erfolgt eine gleichzeitige Inblicknahme struktureller Bedingungen des menschlichen Handelns im Allgemeinen, des (sozial)pädagogischen Tuns im Besonderen sowie der alltäglichen Bildungs- und Bewältigungspraxis der Menschen. Die Perspektive (sozial)pädagogischer Grenzbearbeitung präzisiert die damit verbundenen widersprüchlichen und konflikthaften Konstellationen, indem sie diese über ihre jeweiligen historisch-gesellschaftlichen Bezugspunkte konkretisiert. Exemplarisch zeigen dies die Vorträge des Symposiums theoretisch wie empirisch auf.

 

Beiträge des Panels

 

Die Pluralität von Grenzverständnissen: Ein Blick auf implizites Wissen von Mitarbeiter*innen in Bundespolizei, Aufenthaltsbehörden und Aufenthaltsberatungsstellen

Dr. Lisa Janotta
Universtität Rostock

Die deutsche Aufenthaltsordnung ist ein einheitlicher, bundesweit gültiger Rechtskorpus. Beim Thema Einwanderungs- und Aufenthaltsrecht assoziiert man vor allem die territorialen Grenzen des Nationalstaats – und die Frage, wer sich darin aufhalten darf. Die homogenisierenden Vorstellungen von ‚der Nation‘ sind in globalisierungs- und migrationstheoretischer Perspektiven kritisch kommentiert worden. Doch wie sehen Grenzen, und wie die grenzüberschreitenden Migrant:innen, aus der Sicht derjenigen Grenzakteur:innen aus, die darüber befinden, wer da sein darf und wer gehen muss? Auf der Basis narrativer Interviews mit Mitarbeiter:innen in Bundespolizei, Ausländerbehörden und Aufenthaltsberatungsstellen konnte rekonstruiert werden, dass diese drei Berufsgruppen sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wer Non-Citizens ‚vor dem Aufenthaltsrecht‘ sind, wer wieso bleiben darf und wie mit Personen umgegangen werden kann, die ‚die Grenzen überschreiten‘. Das ist vor allem deshalb interessant, weil sich alle drei Berufsgruppen auf das gleiche Aufenthaltsrecht berufen. Im Beitrag wird die Pluralität der Grenzverständnisse skizziert und aufgezeigt, wie jede Berufsgruppe eigensinnig moralisierend mit Konfliktfällen umgeht. Abschließend wird danach gefragt, wie die Denkfigur der Grenzbearbeitung im Lichte der rekonstruierten Pluralität von Grenzverständnissen und Moralisierungen weiterentwickelt werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist hier nicht zuletzt die Gestalt der Non-Citizens.

 

Grenzbearbeitung und (De-)Thematisierung – die Bearbeitung eines Spannungsverhältnisses

Bianca Bassler
PH Freiburg, Deutschland

Der Vortrag unternimmt den Versuch das Spannungsverhältnis von Thematisierung und Dethematisierung systematisch auf die Perspektive von Sozialer Arbeit als Konfliktorientierung (Schäuble 2020) zu beziehen. Den Ausgangspunkt dafür bildet die Beobachtung, dass das Nicht-Thematisieren von Macht- und Ungleichheitsverhältnissen in der Praxis Sozialer Arbeit mit dem gleichzeitigen ‚Thematisieren‘ derselben einhergehen kann. Der Beitrag fragt hier nach dem „Wie“ und geht dabei von der These aus, dass ein ‚Dethematisieren’ besonders dann zu verzeichnen ist, wenn es um das Offenlegen von Konflikten geht. Thematisiert wird dann zwar eine (bestimmte) Perspektive auf einen Fall, das Konflikthafte daran bleibt letztlich aber unberührt. Vor diesem Hintergrund bedeutet ‚Dethematisierung’ Konfliktthemen wie Macht und Ungleichheit eben gerade nicht zu benennen und dadurch auch der Bearbeitung zu entziehen. Gezeigt wird dies anhand ethnographisch erhobenen Materials aus einem Promotionsprojekt zu Differenzkonstruktionen in der Kinder- und Jugendhilfe, in dem die Denkfigur der Grenzbearbeitung quasi ‚empirisch umgesetzt‘ worden ist. Reflektiert wird dabei auch, inwiefern diese Denkfigur in Einrichtungen der Sozialen Arbeit zur machtreflexiven Auseinandersetzung sowohl des eigenen Handelns wie auch institutioneller Strukturen beitragen kann. Nicht zuletzt wird im Beitrag verdeutlicht, wie die Denkfigur der Grenzbearbeitung als Reflexionsfigur für das eigene Forschen dienen kann.

 

Imaginationen des Körpers. Fotografische Selbstdarstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener in digitalen sozialen Netzwerken als Formen der Grenzbearbeitung

Clarissa Schär
Universität Zürich, Schweiz

Im dritten Beitrag wird die Figur der Grenzbearbeitung im Kontext eines qualitativen Forschungsprojekts diskutiert, das sich mit fotografischen Selbstdarstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener in digitalen sozialen Netzwerken als Form der Auseinandersetzung mit einer visuellen und ästhetisierten Gesellschaft beschäftigt. Die fotografischen Selbstdarstellungen werden dabei als ‚Imaginationen des Körpers‘ gefasst, weil sie nicht einfach Wiedergaben der Realität sind, sondern eher Konstruktionen von Neuem, die ‚real Vorhandenes‘ in einem ‚anderen Licht‘ präsentieren. Mit diesen Imaginationen des Körpers werden dabei unterschiedliche Grenzverhältnisse 'bedient', und auch neue erzeugt. Entlang von ‚Ordnungen der Differenz‘ erleben Jugendliche und junge Erwachsene zum Beispiel aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Behinderung Grenzen und Begrenzungen (vermittelt etwa über Körper-Normen), die sie imaginativ ‚erfüllen‘, ausloten und auch überschreiten. An diesen Grenzen zeigt sich die Auseinandersetzung mit Ambivalenzen und widersprüchlichen Anforderungen. Es werden aber auch neue Grenzen verhandelt, wie etwa die ‚Grenzen der Optimierung’ im Medium fotografischer Selbstdarstellungen. Die empirischen Befunde lassen sich bildungstheoretisch im Spannungsverhältnis von Subjektivierung (Ausgesetztheit) und Subjektivität (Ermöglichung von Eigensinn) lesen, und laden zur Reflexion von Pädagogik als Grenzbearbeiterin ein.

 

Körperleibliche Grenzverhältnisse. Überlegungen zum Intimen und zur Verletzbarkeit

Prof. Dr. Veronika Magyar-Haas
Universität Fribourg, Schweiz

Philosophische Analysen, welche sich – in Anlehnung an anthropologische und phänomenologische Perspektiven – mit den Grenzen des Körpers auseinandersetzen, betonen den Doppelcharakter der Grenze: Diese trenne ‚Innen‘ und ‚Außen‘ und öffne sie zugleich füreinander; die Grenzen des Körpers konstituierten sich im Sozialen, innerhalb räumlicher und zeitlicher Möglichkeiten (Krüger 2001: 269), und seien entsprechend plastisch und formbar. Wird der Körperleib jedoch sozialontologisch bestimmt, lässt er sich – durch seine Abhängigkeit von anderen und von sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen (Butler 2010) – wesentlich deutlicher in seiner Schutzlosigkeit, Verletzlichkeit und Gefährdung betrachten und damit als Grenze konzeptualisieren (Brumlik 2002, 76). Im Beitrag wird der Figur des Körperleibs als Grenze systematisch nachgegangen und dabei in Bezugnahme auf das Phänomen des Intimen die Frage nach Ent-Grenzung gestellt, schließlich hebt das Intime durch die Öffnung für den Anderen die Trennung, die Grenze zu ihm auf (Jullien 2013). So wird diskutiert, mit welchen sozialpädagogischen, aber auch ethischen, politischen und sozialen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten die Konzipierung des Körperleibs als Grenze einhergeht und welche Bedeutung dabei dem Intimen zukommen mag.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Data, standardization and humans – Negotiating the boundaries of education professionalism in Australia, England, France and Germany
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
 

Chair(s): Vito Dabisch (Helmut-Schmidt-Universität, Deutschland)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Sigrid Hartong (Helmut-Schmidt-Universität, Deutschland)

Around the world, education standards and (digital) data are increasingly implemented in education policy, governance and practice, thereby re-constructing professional practices and understandings of education through the lens of data. The resulting new visibilities enable governance and accountability to cross established boundaries between governance and school practice. This working group investigates the dissolution of established boundaries by governance through data and standards, the re-construction of professional practices in relation to data, and the differing, contextualised responses by professionals whose subjectivities are influenced by new “datafied” visibilities. In four international case studies, we shed light on how the professionalisms of (early years) teachers, principals and school supervisors are influenced and challenged by data, but also how the logics of datafication and standardization themselves might be challenged and resisted by education professionals.

 

Beiträge des Panels

 

Schools, data and teachers’ learning: Insights from Australia

Dr. Ian Hardy
University of Queensland

Schooling in Australia has become increasingly subject to processes of data-based governance, evidenced in the re/de-bordering of new modes of teacher professionalism and the increased influence of managerial processes. In this presentation, I build upon a large corpus of work, based on hundreds of interviews with teachers over several years, into the nature of school reform processes in Australia. I exemplify the Australian situation by drawing upon the insights of a very experienced teacher, ‘Miriam’ whose career spanned almost 50 years. I focus upon how she construed attention to various ‘short term data cycles’ that were undertaken in her school in the context of increased pressure for teachers to be able to justify their practices, and to show how their students’ learning had shown improvement over short periods of time. Utilising theorizing in relation to datafication processes and accountability logics that have re/debordered teachers’ professionalism, I reflect upon Miriam’s efforts to engage productively with the use of the data generated from this process, including during professional development days that drew upon the short term data cycles. In this way, I reveal how teachers’ professionalism has been debordered by more datafied managerial processes, which have led to increased standardization of practice with a subsequent recalibration and residualisation of teacher and student learning.

 

Dedication to Data: English Early Childhood teachers’ negotiations of the shifting demands and boundaries of policy

Dr. Alice Bradbury
University College London

The early childhood sector for children (0-5 years) in England has been a site of increasing datafication in recent years, with implications for how teachers see themselves and their roles (Bradbury and Roberts-Holmes, 2017). However, policy reforms beginning in 2020 have changed the curriculum and assessment demands for school-based early childhood teachers, with a move away from a data-driven ‘tick box’ approach of assessing children’s development against set criteria suggested by some within the early childhood sector as a positive result. At the same time, these policy changes have proved controversial with some professionals, provoking a grassroots movement which produced an alternative set of guidance described as ‘by the sector, for the sector’. Interview and survey research data from early adopters of these changes are used in this paper, alongside analysis of policy documentation and campaign literature, to examine the tensions between the new approach and established expectations about collecting and analysing data. It is argued that this shift has provoked complex responses and debates in the early childhood sector about accountability and pedagogy, with teachers setting their own boundaries of acceptability in relation to reform. This includes, for some, a continued dedication to collecting and recording data on young children as a key part of being a professional early childhood teacher.

 

Steering the French teaching state by performance data: new policy frontiers vs old professional configurations?

Prof. Dr. Xavier Pons
Université Paris-Est Créteil

This presentation compares the effects of the French policy of steering education by performance data on three professional groups: teachers, head teachers and school inspectors. Since the beginning of the 19th century, France institutionalised a so-called ‘teaching state’, meaning that the state has strongly assumed a teaching function toward citizens and at the same time that the state has been organised to protect teachers’ professional autonomy. This model resulted in the institutionalisation of a neocorporatist model of regulation and a double line of hierarchy within the system (administrative and pedagogical) that often led to various forms of decoupling between reforms and teachers’ effective practices. The recent French steering by results policy intends to dissolve these boundaries of the traditional ‘teaching state’ through the implementation of various policy tools: planification, contractualisation, evaluation, datafication. These tools imply the production of new data on the performance of systems and professionals and, thus, a redefinition of traditional professional boundaries and ecologies. The main findings of two recent research projects – one comparing steering by results policies in France and Quebec and another on teachers’ career management in several EU countries – reveal that this policy has contrasting effects on these groups according to the different professional configurations, in which they are embedded at various policy levels.

 

Data-based governance in practice: dynamics of school governance in four German states

Vito Dabisch
Helmut-Schmidt-Universität, Deutschland

In the last decades, German school policy increasingly emphasised data-based school governance, introduced educational standards and educational data infrastructures (Hartong & Förschler 2019). The introduction of student assessments created new visibilities of teacher practice, crossing the traditional boundary between the administrative and pedagogical realm. This shift in policy has been accompanied by a political expectation towards principals and school supervisory officials to implement data-based governance practices like data-based school development discussions, performance targets and internal evaluation. The contribution investigates the realities of data-based school governance through qualitative interviews with both school supervisory officials (Schulaufsicht) and principals in four German states. The contribution sheds light on the expansion dynamics of data infrastructures, the individual and structural differences between governance practices and how school supervisory officials and principals use, but at the same time complicate and resist, the ‘datafied’ view on schools. The findings suggest changes in professionalism towards an incorporation of data into the governance practices of both supervisory officials and principals. However, there is evidence that some data tools emphasise managerial approaches to school governance, challenging established pedagogical professionalisms.

 
14:00 - 16:00Migrationspädagogische Perspektiven auf den muttersprachlichen Unterricht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
 

Chair(s): Prof. Dr. Marion Döll (PH Oberösterreich, Linz, Österreich), Prof. Dr. İnci Dirim (Universität Wien)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Drorit Lengyel (Universität Hamburg), Dr. Erkan Gürsoy (Universität Duisburg-Essen)

Trotz der jahrzehntelangen Verankerung des mutter- bzw. herkunftssprachlichen Unterrichts in den Bildungssystemen der amtlich deutschsprachigen Länger und der bildungswissenschaftlichen Hinwendung zu sprachbezogenen Fragestellungen seit der Jahrtausendwende ist die Forschungslage zum herkunfts- bzw. muttersprachlichen Unterricht überaus lückenhaft. Anliegen der Arbeitsgruppe ist es, aktuelle Befunde und Diskurse zum Schulunterricht in migrantischen Sprachen in der BRD und in Österreich zu präsentieren und die Beiträge sowie den darüberhinausgehenden Forschungsstand aus migrationspädagogischer Perspektive kritisch zu diskutieren. Dabei sollen auch Fragen nach dem Wandel der Rolle mutter- bzw. herkunftssprachlicher Bildung im Zuge migrationsgesellschaftlicher Transformationen thematisiert und weiterführende Forschungsfragestellungen zum mutter- bzw. herkunftssprachlichen Unterricht in der (Trans-/Post-) Migrationsgesellschaft abgeleitet werden.

 

Beiträge des Panels

 

Kann der Herkunfts- und Muttersprachenunterricht ein Safe(r) Space sein?

Özlem Demir1, Aybike Savaç2
1Universität Wien, 2Universität Hamburg

Der Begriff Safe(r) Space beschreibt einen möglicherweise sicheren bzw. sichereren Raum, in dem marginalisierte Gruppen keine oder weniger Stigmatisierung erfahren als in anderen Räumen. Die populäre Verwendung dieses Begriffs, besonders an Universitäten, führt zu einem kontroversen gesellschaftlichen Diskurs über die Existenz solcher Räume. Inwiefern dieser sog. Safe(r) Space frei von Stigmatisierungen sein kann und inwiefern die Notwendigkeit für einen solchen Raum als Ort für den Ausbau einer gesprochenen Sprache zu „Othering“-Mechanismen beiträgt, ist fraglich. Die Vermittlung sprachlichen sowie soziokulturellen Wissens durch die HU/MU-Lehrkräfte und nach Oğuzkan-Savvidis (2005) und Subklew (2001) deren Beitrag zur sog. „Integration“ auf der einen Seite und die Marginalität des Faches auf der anderen Seite könnten mit Mecheril (2011) zu „Othering“-Effekten führen. Das heißt, es interessiert uns, ob die Teilnehmer*Innen des HU/MU mit diesem Unterricht ein „Empowerment“ als Mitglieder der Migrationsgesellschaft erfahren oder ob sie durch die Organisation des Faches und seine Inhalte sich eher als „Andere“ erleben. Der Vortrag geht mit Bezug auf Forschungsergebnisse der Frage nach, inwiefern der HU/MU einen Safer Space bilden könnte und arbeitet Desiderata heraus, die mit weiterer Forschung geklärt werden sollten.

 

Migrationspädagogische Perspektiven auf den muttersprachlichen Unterricht und kritische Professionalisierung

Dr. Assimina Gouma1, Weichselbaum Maria2
1Bergische Universität Wuppertal, 2Universität Wien

Die institutionellen Rahmenbedingungen des muttersprachlichen Unterrichts (MSU) werden von den Unterrichtenden mehrfach als prekär und schwierig beschrieben. In der Analyse von qualitativen Interviews mit MSU-Lehrkräften gehen wir mit migrationspädagogischem Zugang (Mecheril et al. 2010) den Fragen nach, welche Erfahrungen sie in der monolingualen Institution Schule machen und wie die Marginalisierung des MSU in gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Subjektivierungen der Migrationsgesellschaft eingebunden ist. Es zeigt sich einerseits, dass die Spannungsverhältnisse des professionellen Wissens und Handelns der MSU-Lehrkräfte in Verbindung zu gesellschaftlich-diskursiven Bedingungen bzw. der darin reflektierten Positionierung migrantischer Sprachen stehen. Andererseits wird deutlich, dass auch unterschiedliche Verständnisse von Mehrsprachigkeit relevant sind, um die Randständigkeit des MSUs zu verstehen. Diese prekären Umstände beeinflussen zudem die kritische Professionalisierung (vgl. Messerschmidt 2016) der MSU-Lehrkräfte.

 

„du bist im System, aber du gehörst nicht zum System“ - Berufsalltagserleben und die professionelle Selbstwahrnehmung von Lehrkräften des muttersprachlichen Unterrichts in Österreich

Prof. Dr. Marion Döll1, Sabine Guldenschuh2
1PH Oberösterreich, 2Karl-Franzens-Universität Graz

Unterricht in der Herkunftssprache wird in Österreich seit den 1990er Jahren angeboten. Untersuchungen aus dieser Zeit zeigen, dass nur wenige Lehrkräfte explizit sprachdidaktisch qualifiziert waren und unter prekären Bedingungen arbeiteten (Çınar 1998), über die aktuelle Situation ist wenig bekannt. Erste Anhaltspunkte dafür, dass sich die Umstände nicht wesentlich verändert haben, bieten zehn Expert*inneninterviews, die im November 2015 mit Teilnehmenden eines Hochschullehrgangs zum muttersprachlichen Unterricht in Oberösterreich geführt wurden. In unserem Beitrag möchten wir die Ergebnisse einer Sekundäranalyse des Datensatzes vorstellen, in der entlang des Modells professioneller Handlungskompetenz (Baumert & Kunter 2006) und den von Calderhead (1996) skizzierten Facetten von teacher beliefs das Berufsalltagserleben und die professionelle Selbstwahrnehmung der Befragten rekonstruiert wird. Dabei treten das Belastungserleben, das professionelle Selbstverständnis und v.a. die Rahmenbedingungen der Durchführung des Unterrichts als zentrale Kategorien hervor. In der Gesamtschau werden akademisch hoch qualifizierte, engagierte und anpassungsfähige Lehrkräfte sichtbar, die im Zusammenhang mit linguizistischen Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit hohen Belastungen ausgesetzt sind und deren professionelles Selbstverständnis unter gegebenen bildungspolitischen Umständen im Spannungsfeld zwischen Schulleitung, Eltern und Schüler*innen fortlaufend irritiert wird.

 

MU in Kroatisch oder doch weiterhin in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch? Sind Initiativen zur Ausrichtung des MU nach dem Konzept "Nation" Ausdruck eines legitimen Kampfs um Anerkennung?

Prof. Dr. Rainer Hawlik
PH Wien

Die transmigratorischen Fluchtbewegungen als Folge des Zerfalls der SFR Jugoslawien zu Beginn der 1990er liegt schulpädagogisch in Österreich eng zusammen mit der Einführung des Muttersprachlichen Unterrichts (MU) im Jahr 1992. Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zählt heute neben Türkisch zu den am meisten vertretenen Sprachen des MU in Österreich. Die Institutionalisierung von MU in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch war eine bewusst getroffene Entscheidung des Bildungsministeriums, wenngleich sich in Jugoslawien bereits seit den 1960er Jahren nationalistische Konflikte an der plurizentrischen Sprache Serbokroatisch entzündeten. Besonders seit Kroatien 2013 der EU beitrat, formt sich vereinzelt immer wieder organisierter Widerstand gegen einen gemeinsamen Unterricht aller Sprachvarietäten. Am 16.06.2020 hat eine parlamentarische Bürger*inneninitiative einen Antrag eingebracht, um Kroatisch als eigenständigen muttersprachlichen Unterricht zu sichern. Ihr Anliegen ist es "die kroatische Sprache aus dem künstlichen BKS-Konstrukt (BKS - Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) zu lösen bzw. ein endgültiges Trennen dieser drei Sprachen zu gewährleisten."

Der Vortrag geht der Frage nach, ob die Ausrichtung des MU am Konzept "Nation" aus migrationspädagogischer Sicht als Ausdruck eines legitimen Kampfs um Anerkennung gewertet werden kann. Gibt hier "eine Nation, eine Sprache" den Ausschlag oder die womöglich identitätspolitische Vorstellung "Kroat*in bist du überall, solange du Kroatisch sprichst"?

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Bildungsprozesse in der diskriminierungskritischen Hochschullehre
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
 

Chair(s): Prof. Dr. Constantin Wagner (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Dr. Yalız Akbaba (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Prof. Dr. Karin Bräu (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Prof. Dr. Alexandra Klein (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland), Prof. Dr. Carmen Mörsch (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland)

In einem 2021 begonnenen Graduiertenkolleg interessieren wir uns für die Bearbeitung von struktureller bzw. institutioneller Diskriminierung und epistemischer Gewalt in der universitären Lehre. Dabei fokussieren wir mit einem intersektionalen Verständnis auf die Verhandlung von Ungleichheit und Diskriminierung(-skritik) im Bereich der Lehrer_innenbildung, der Sozialen Arbeit und der kulturellen Bildung. Im Rahmen universitärer Lehrveranstaltungen werden die Auseinandersetzung mit diskriminierungskritischen Materialien, die Umgangsweisen mit dabei auftretenden Widerständen sowie die Entwicklung von Haltungen und veränderten pädagogischen Handlungsweisen bei den Studierenden, kurz: Bildungsprozesse, untersucht. Dies knüpft an das Thema der Entgrenzungen an, etwa welche Grenzen und Ausgrenzungen in der Hochschullehre gezogen und/oder überschritten werden. In diesem Forschungsforum sollen erste Ergebnisse der angelaufenen Studien vorgestellt und diskutiert werden.

 

Beiträge des Panels

 

Bildungsprozesse in der diskriminierungskritischen Hochschullehre

Stefan Bast1, Latifa Hahn1, Christiane Jaspers1, Merle Kondua1, Sheila Ragunathan2, Franziska Schreiter1, Purnima Vater1
1Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2Justus Liebig-Universität Gießen

In einem 2021 begonnenen Graduiertenkolleg interessieren wir uns für die Bearbeitung von struktureller bzw. institutioneller Diskriminierung (Gomolla & Radtke, 2002) und epistemischer Gewalt (Brunner, 2020) in der universitären Lehre. Dabei fokussieren wir mit einem intersektionalen Verständnis auf die Verhandlung von Ungleichheit und Diskriminierung(-skritik) im Bereich der Lehrer_innenbildung, der Sozialen Arbeit und der kulturellen Bildung. Im Rahmen universitärer Lehrveranstaltungen werden die Auseinandersetzung mit diskriminierungskritischen Materialien, die Umgangsweisen mit dabei auftretenden Widerständen sowie die Entwicklung von Haltungen und veränderten pädagogischen Handlungsweisen bei den Studierenden, kurz: Bildungsprozesse, untersucht. In diesem Forschungsforum sollen erste Ergebnisse der angelaufenen Studien vorgestellt und diskutiert werden. Dabei sind u. a. folgende Fragen relevant: Welche Diskurse hinsichtlich Diskriminierungskritik lassen sich an der Universität rekonstruieren? Was, wen und welches Wissen repräsentieren Lehr-Lern-Materialien, die in der diskriminierungskritischen Hochschullehre eingesetzt werden? Welche Positionierungen nehmen Studierende hinsichtlich Benachteiligung und Privilegierung ein und wie verändern sich Haltungen und Handlungsweisen?

 
14:00 - 16:00„Doing transfer“ in der frühen Bildung – Entgrenzungen zwischen Wissenschaft und Praxis?
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 16
 

Chair(s): Dr. Kristine Blatter (Deutsches Jugendinstitut e. V., Deutschland)

Ein gezielter, effektiver Transfer von der Wissenschaft in die Praxis wird häufig als Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Praxis beschrieben. Transfer wird dabei zunehmend als komplexer, interaktiver Prozess verstanden und nicht als rein linearer, unidirektionaler Vorgang. Beim „doing transfer“ wird in Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis neues, für alle Beteiligten relevantes Wissen hergestellt. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich die Grenzen zwischen Wissenschaft und Praxis verändern (müssen), damit Transfer gelingen kann. In der Arbeitsgruppe wird diese Frage aufgegriffen und eine empirische Reflexionsfolie präsentiert. Dazu werden Erkenntnisse aus drei Forschungsprojekten zum Wissenstransfer in der frühen Bildung, die verschiedene Ebenen berücksichtigen, vorgestellt. Die Beiträge werden mit Blick auf eine erfolgreiche Gestaltung von Wissenstransfer in der frühen Bildung zusammenfassend reflektiert und hinsichtlich der Überwindung von Grenzen diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Forschungsergebnisse als Professionalisierungsgrundlage: Bedarfe und benefits aus Sicht von pädagogischen Fach- und Leitungskräften

Dr. Beatrice Rupprecht, Dr. Katrin Lattner
Universität Leipzig

Die Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte bezieht nach dem Kompetenzmodell der Frühpädagogik (Fröhlich-Gildhoff u. a. 2011) einen forschenden Habitus, im Sinne der Erschließung eines verstehenden Zugangs zur eigenen Praxis, ein. Die Entwicklung einer in diesem Zusammenhang wissenschaftlich geprägten Expertise von Fachkräften wurde bislang verstärkt im Rahmen akademischer Qualifizierungen diskutiert (Stieve 2013). Bislang wenig Beachtung fand im Diskurs die Professionalisierung durch Forschungsergebnisse im Allgemeinen und im Kontext einer eigenen Teilnahme an Forschungsprojekten durch Kita-Akteure. Hierin wird jedoch das Potenzial der Entgrenzung von Wissenschaft und Praxis durch forschungsbedingte Synergieeffekte auf der Makroebene gesehen. Im Beitrag werden folgende Fragestellungen anhand der Ergebnisse einer Online-Befragung pädagogischer Fachkräfte beantwortet: Welchen Nutzen ziehen Akteure aus Forschungsprojekten in Kitas für die eigene pädagogische Praxis und welche Bedarfe sehen sie hinsichtlich des Ergebnistransfers? In die Diskussion wird ergänzend der von den Teilnehmer*innen geäußerte Kritikpunkt der unzureichenden Ergebnisrückmeldungen einbezogen. Der Vortrag wird damit zum Ausgangspunkt einer vertieften Betrachtung zum Entgrenzungspotenzial des Transfers innerhalb der Folgebeiträge.

 

Transfer als Kooperation: Perspektiven von Forschenden und Praktiker*innen

Dr. Kristine Blatter, Dr. Regine Schelle, Stefan Michl
Deutsches Jugendinstitut e. V.

Beim System der frühen Bildung handelt es sich um ein komplexes Netzwerk aus diversen Akteuren, welches von wechselseitiger Beeinflussung geprägt ist. Im Sinne aktueller systemischer Transfermodelle aus dem Bildungsbereich (z. B. Cooper u. a. 2020, Farley-Ripple u. a. 2018) sollten daher bei der Betrachtung des Wissenstransfers die Perspektiven möglichst aller Beteiligten beleuchtet werden. Aus diesem Grund werden in der vorliegenden Studie bezogen auf Forschungsergebnisse zur Qualitätsentwicklung in Kitas und deren Implikationen für die Praxis nicht nur Forschende in Experteninterviews befragt, sondern auch Gruppendiskussionen mit pädagogischen Fachkräften durchgeführt. Insbesondere wird analysiert, welche Einstellungen die unterschiedlichen Akteure zum Transfer empirischer Ergebnisse zeigen und welche Erfahrungen sie damit bereits gesammelt haben. Förderliche Bedingungen sowie Barrieren und Hindernisse für den Transfer empirischer Erkenntnisse in der frühen Bildung sollen herausgearbeitet werden. So werden erste Einblicke in die Bedeutung der Kooperation und der gemeinsamen Hervorbringung von Wissen im Sinne einer Transformation möglich. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Rolle sogenannter „knowledge broker“ (Cooper 2013; Ward, House & Hamer 2009), die als Vermittler*innen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Praxis überschreiten können. Im Rahmen der Arbeitsgruppe werden die Ergebnisse dieser beiden Erhebungen zueinander in Beziehung gebracht und diskutiert.

 

Gelingensbedingungen und Hemmnisse im Kontext der nachhaltigen Implementation einer Weiterqualifizierungsmaßnahme

Kathrin Hormann, Dr. Michael Lichtblau, Dr. Heike Wadepohl, Prof. Dr. Claudia Schomaker, Prof. Dr. Katja Mackowiak
Leibniz Universität Hannover

Die diesem Beitrag zugrundeliegenden Verbundprojekte verfolgen das Ziel, die Entwicklung der professionellen Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte im Bereich der alltagsintegrierten Lernunterstützung durch eine kognitiv-aktivierende Gestaltung von Fachkraft-Kind-Interaktionen zu unterstützen. Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Form der Interaktionsgestaltung besonders lernförderlich ist, jedoch im Kita-Alltag vergleichsweise selten bzw. in niedriger Qualität von Fachkräften umgesetzt wird (u. a. König, 2009; Wadepohl/Mackowiak, 2016). Aus diesem Grund wurde eine modularisierte Weiterqualifizierung (Fortbildungen & Prozessbegleitung) entwickelt, in 27 Kitas durchgeführt und umfangreich anhand eines Mixed-Methods-Designs auf verschiedenen Ebenen (z.B. Institution, Fachkraft, Kind) evaluiert. Dabei wird versucht, Kenntnisse und Fähigkeiten zur kompetenten Gestaltung von kognitiv-aktivierenden Interaktionen ins frühpädagogische Feld zu transferieren. Zudem wird in acht Einrichtungen eine nachhaltige Implementation des entwickelten Konzepts in die pädagogische Praxis intensiv begleitet (z.B. Fallbesprechungen, Prozessbegleitungen, Zielvereinbarungen, Konzeptionelle Implementation). Der Beitrag stellt unter Transfer-Perspektive quantitative und qualitative Ergebnisse der Evaluation zur nachhaltigen Implementation der Weiterqualifizierung vor und diskutiert Erfahrungen im Hinblick auf Gelingensbedingungen und Hemmnisse des angestrebten „Doing Transfer“ (Dewe, 2005).

 

 
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