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Sitzungsübersicht
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
965 1526 3653, 429439
Datum: Montag, 14.03.2022
11:30 - 13:00Poster-Cluster: Digitale Partizipation & Entgrenzung
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
Chair der Sitzung: Prof. Dr. Florian Schmidt-Borcherding, Universität Bremen

In diesem Cluster werden sieben Poster vorgestellt, die alle deutschsprachig sind.

 

Partizipation digital

Prof. Dr. Isabel Zorn, Caroline Kortekaas

TH Köln, Deutschland

Partizipation wird verstärkt gefordert, jedoch liegen kaum Erkenntnisse vor, was Partizipation in Forschung und Entwicklung konkret meint. Es herrscht ein vorwiegend auf strukturelle Aspekte bezogener normativer Anspruch der Beteiligung. Partizipation auf handlungstheoretischer Ebene in der konkreten Zusammenarbeit sowie die Kommunikation als entscheidender Faktor zwischen den Beteiligten wird bisher wenig fokussiert (Goeke/Kubanski 2012). Dieser Beitrag knüpft daran an, indem Interaktionen in einem partizipativen inklusiven Technikentwicklungsprozess mit Hilfe der Ethnomethodologischen/ multimodalen Konversationsanalyse sowie der Video-Interaktionsanalyse (Ayaß 2004; Deppermann 2018; Tuma 2018) untersucht werden. Partizipation der Zielgruppe soll Entgrenzung in Bezug auf digitale Transformationen erzielen. Das Vorhaben ist in den Wissenschafts-Praxisdiskurs Soziale Arbeit und Digitalisierung einzuordnen. Das Projekt entwickelt und erprobt digital mit Adressat*innen der Kinder- und Jugend- sowie Eingliederungshilfe digitale Alltagshilfen und ist an der Schnittstelle inklusiver, partizipativer Forschung und partizipativer sowie inklusiver Technikentwicklung einzuordnen (Buchner et al. 2016; Bergold/Thomas 2012; Matiouk 2019; Unger 2014; Walmsley/Johnson 2003). Der Beitrag untersucht konkret: Wie kann Partizipation trotz coronabedingter Distanz ermöglicht werden, welche Partizipationspraktiken und -verständnisse prägen den digitalen partizipativen inklusiven Entwicklungsprozesses mit vulnerablen Jugendlichen und welche Rollen nehmen die unterschiedlichen Beteiligten dabei ein? Zuerst werden das Format remote-Workshops sowie technische, didaktisch-methodische Bedingungen erörtert, die als Möglichkeit coronabedingte Begrenzungen zu überwinden und partizipativ zusammenzuarbeiten dienen. Der zweite Teil betrachtet Be- und Entgrenzungen im und durch den digitalen Raum. Es wird untersucht, welche Interaktionen und welche Beteiligungspraktiken sich im Digitalen zwischen Mitentwickelnden, Forschenden und Fachkräften zeigen. Das digitale Format soll zu Entgrenzung beitragen, es schafft jedoch neue Grenzen, für welche noch kaum Konventionen oder Rollendefinitionen existieren. Partizipation als handlungsleitende Maxime für diverse Erziehungs- und Bildungsinstitutionen wurde durch die Corona-Pandemie zum Großteil ins Digitale verlagert und erfordert die Reflexion von Beteiligungsmöglichkeiten und Anforderungen an professionelles Handeln auf verschiedenen Ebenen.



Der Kommunikationsstil in den Kommentarbereichen von Online-Medien: ein Vergleich zwischen „traditionellen“ und „alternativen“ Nachrichtenportalen aus Sicht der Medienbildungsforschung

Dr. Johannes Abel, Prof. Dr. Maximilian Sailer

Universität Passau, Deutschland

Ziele oder Fragestellungen im Kontext des theoretischen Rahmens oder Forschungsstandes

Echokammern, Alternative Fakten und die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten sind aktuelle Themenfelder der Medienbildungsforschung und haben im Zusammenhang der Corona-Pandemie an Bedeutung hinzugewonnen (vgl. Spöri & Eichhorn, 2021; Roose, 2020).

Forschungsfrage: Lässt sich in den Kommentarbereichen von Online-Nachrichtenseiten hinsichtlich des Kommunikationsstils ein Unterschied zwischen «traditionellen» und «alternativen» Medien feststellen?

Methodik

Untersucht wurden in einem Längsschnittdesign mit zwei Erhebungszeitpunkten insgesamt 18.568 Kommentare zu 326 Artikeln (online), welche die Corona-Pandemie zum Inhalt haben. Hierbei wurden sechs verschiedene Nachrichtenportale berücksichtigt (Compact, KenFM, Political Incorrect, Spiegelonline, Tagesschau, Zeit). Die Stichprobe wurde jeweils in den ersten zwei Wochen des ersten Lockdowns (LD) und des zweiten Lockdowns gezogen.

Ausgewertet wurden die Daten durch das Analysesystem Symanto, eine auf psycholinguistischen Algorithmen basierenden künstliche Intelligenz zur Verarbeitung und Auswertung großer Mengen an Textdaten.

Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen

Medienübergreifend wurde im Vergleich zum ersten LD (28,73%) im zweiten LD (31,64%) emotionaler kommuniziert, χ2(1,N=17.956)=18,142, p=.000, Phi=.032. Trotz alledem wird der Kommunikationsstil sowohl im ersten LD (71,27%) als auch im zweiten LD (68,36%) überwiegend als rational erkannt.

Der Anteil faktenorientierter Kommentare liegt bei den traditionellen Medien bei 44,4%, bei den alternativen Medien bei 42,9%. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Medien festgestellt werden, χ2(1,N=18.561)=3,486, p=.062, Phi=.014.

Diese Ergebnisse lassen erkennen, dass die Mehrheit der Kommentator*innen von Online-Artikel ihre Meinung nicht hinreichend belegen. Dies ist für alle untersuchten Online-Portale erkennbar . Trotz fehlender Belege wird der Kommunikationsstil der Kommentator*innen als überwiegend rational klassifiziert.

Aus Sicht der Medienbildungsforschung ist dies bedeutsam: Arbeiten, die sich mit den Gefahren von Verschwörungstheorien und Falschmeldungen, in „alternativen Medien“ befassen, gehen oftmals von der Annahme aus, dass die dortigen Diskussionen eine emotionalisierte und irrationale Sprache aufweisen. Dies ist aber nicht der Fall ist, wie diese Studie belegt. Sondern im Gegenteil, Fehlinformationen werden rational-plausibel in Kommentare verpackt und können nur durch fehlende Substanz (Belege)„enttarnt“ werden.



Informationsrecherche in schulischen Lernkontexten – zur Abgrenzung von Kernkompetenzen angesichts der Entgrenzung von Informationen

Lara Gerhardts

Universität Paderborn, Deutschland

Im Laufe der Sekundarstufe I gewinnt die informationsorientierte Nutzung des Internets für schulische Zwecke zunehmend an Bedeutung, etwa zur Vorbereitung von Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder auch im Kontext fächerübergreifender Projektarbeit. Dementsprechend verbringen Sekundarschüler*innen mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit mit der Informationssuche im Netz (vgl. mpfs 2019). Allerdings scheint das „doing“ allein – so wie es sich im Bereich des Recherchierens derzeit gestaltet – oftmals kein hinreichendes „learning“ von Recherchekompetenz zu implizieren: Die Ergebnisse einschlägiger empirischer Studien belegen, dass die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen in Deutschland bei einem nicht unerheblichen Teil der Schüler*innen entwicklungsbedürftig sind, darunter nicht zuletzt der Bereich Informationsrecherche (vgl. Eickelmann et al. 2019). Ursächlich betrachtet mangelt es nicht allein an der technischen Ausstattung von Schulen, sondern darüber hinaus an passgenauen didaktischen Konzepten zur Förderung kommunikations- und informationsbezogener digitaler Kompetenzen (vgl. Anonymisiert et al. 2020).

Im Idealfall basieren didaktische Entscheidungen hinsichtlich eines bestimmten Lehr-/Lernbereichs auf einem wissenschaftlich fundierten einschlägigen Kompetenzmodell. Der Bereich Internetrecherchekompetenz wurde bislang v. a. für Test-/Messzwecke wissenschaftlich modelliert; nicht jedoch explizit im Hinblick auf didaktische Anwendungszwecke. Das Ziel des im Rahmen dieses Posterbeitrags präsentierten Dissertationsvorhabens besteht darin, ein explizit didaktisch ausgerichtetes Kompetenzstrukturmodell für die Sekundarstufe I zu erarbeiten, das sich als Orientierungsgrundlage z. B. für die Ausdifferenzierung schulinterner Curricula, für die Auswahl von Unterrichtsinhalten oder auch für individuelle Förderdiagnostik in diesem Bereich eignet.

Nachdem die theoretische Rahmung und eigens entwickelte Erhebungsmethodik (Recherche-Videographien, Stimulated Recalls und Interviews) bereits in der digitalen Posterausstellung des DGFE-Kongresses 2020 präsentiert wurden, fokussiert dieses Poster nun die Analysemethoden – eine Kombination aus Qualitativer Inhaltsanalyse und theoretischem Codieren gemäß GTM – sowie die dadurch erzielten Ergebnisse: Das inzwischen vorliegende dimensionierte Modell grenzt jene Kerndimensionen von Internetrecherchekompetenz ab, die für Schüler*innen der Sekundarstufe I angesichts entgrenzter Informationswelten heutzutage essenziell sind.



Entgrenzung pädagogischer Expertise durch soziale Medien

Petra Dinter

Universität zu Köln, Deutschland

Die Familie als Ort informeller Bildung gilt als zentral für die Bildungsprozesse von Kindern (u.a. Walper & Grgic 2019). Durch den gesellschaftlichen Wandel und den damit verbundenen Auswirkungen auf das Familienleben zeigen sich jedoch vielfältige elterliche Unsicherheiten und Belastungen (u.a. Hopfner 2019), die durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurden (BMFSFJ 2020). Zwar nehmen Eltern die pädagogischen Fachkräfte in KiTas als kompetente Unterstützung wahr (u.a. Friederich 2011), es gibt aber gleichfalls eine große Nachfrage an Ratgeberliteratur (u.a. Hopfner 2019). Auch zeigt sich eine wachsende Tendenz familiärer Mediatisierung, mit der ein starkes Bedürfnis von Eltern einhergeht, das Social Web zu nutzen, um sich zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. So verdeutlicht eine Untersuchung von Helen Knauf (2020), dass die auf Familienblogs dargelegten subjektiven Erfahrungswerte von Blogger*innen als „neue Form von Erziehungsratgebern“ (ebd., S. 1) fungieren. Im Unterschied zur Ratgeberliteratur gründen sich die Inhalte der Blogs jedoch primär auf subjektive Erfahrungen der – zumeist weiblichen – Blogger*innen und sind zudem in vielen Fällen kommerziell konnotiert (ebd.).

Bislang ist jedoch ungeklärt, inwieweit sich diese Einflüsse bei den elterlichen Rezipient*innen des Social Web zeigen und ob diese zu einer Entgrenzung pädagogischer Expertise führen. Daher ist die zentrale Fragestellung des Promotionsvorhabens, inwiefern die zunehmende Nutzung des Social Web, insbesondere von Familienblogs, die Familie als primäre Sozialisationsinstanz und als Ort informeller Bildung beeinflusst. Es wird u.a. den Fragen nachgegangen, (1) welche Blogs und Themenbereiche bei Eltern auf Interesse stoßen und welche Gründe zu einer Rezeption führen, (2) inwieweit Eltern Informationen, Unterstützung und Ratschläge durch Familienblogs als hilfreich empfinden, (3) in welchen (Problem-)Situationen Eltern das Social Web nutzen und wann sie sich eher an professionell tätige Akteur*innen (z.B. KiTa-Fachkräfte) wenden. Angewandt wird ein Mixed-Methods Design (Kuckartz 2014), das aus einer vorgeschalteten Online-Fragebogenstudie zur quantitativen Exploration und einer qualitativen Interviewstudie besteht. Im Fokus der Untersuchung stehen problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) mit Eltern als Rezipient*innen des Social Web.

Das Poster gibt einen Überblick über den theoretischen Hintergrund, die Ziele, das methodische Design und erste Ergebnisse des Promotionsvorhabens.



Songwriting im (post)digitalen Zeitalter

Katharina Hermann1, Matthias Haenisch2, Prof. Dr. Verena Weidner1, Prof. Dr. Marc Godau2

1Universität Erfurt, Deutschland; 2Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam

In der Musikpädagogik ist neben einem wachsenden Interesse an informellem Lernen für formale Kontexte (Green 2008), der Ruf nach einer "kompositorischen Wende" (Kaschub/Smith 2013) wahrnehmbar, die sich von geschlossenen hin zu offenen Formen des Komponierens (Allsup 2013) vollzieht. Dieser Wandel geschieht im Rahmen einer zunehmenden Digitalisierung und der Verflechtung von menschlichen und technologischen Entitäten, die die musikalischen Praktiken des 21. Jahrhunderts beeinflussen und die Grenzen zwischen digitaler und analoger Lebenswelt verschwimmen lassen.

Vor diesem Hintergrund untersucht der Forschungsverbund Musical Communities in the (Post)Digital Age (MusCoDA) der Universität Erfurt (UE) und der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam (FHCHP) Songwriting-Prozesse als Beispiel für kollektive Kreativität in (post)digitalen Communities (Clements 2018; Cramer 2015). Das vierjährige Forschungsprojekt basiert auf den Ergebnisse der Pilotstudie „How popular musicians learn in the digital Age“ (Godau/Haenisch 2019), in der informelle Lernpraktiken von Bands unter den technologischen und ästhetischen Bedingungen der Postdigitalität untersucht wurden. Ausgehend vom Musikunterricht an Schulen (UE) einerseits und informellen Bands (FHCHP) andererseits, erforscht MusCoDA kollaboratives und kooperatives Lernen (Bornemann 2012; Sonnenburg 2007) in divergenten Bildungskontexten. Kollektives Songwriting wird im Kontext von Communities of Practice (Wenger 1998; Kenny 2016) untersucht, in denen kontextualisierte Akteure ein gemeinsames Netzwerk bilden. Die Netzwerkperspektive (Latour 2005; White 1992) ermöglicht es scheinbare Grenzen, sowohl zwischen digitaler und analoger Lebenswelt, als auch formaler und informeller Bildung (Green 2001) als durchlässig zu betrachten und postdigitale Praktiken zu rekonstruieren. Durch den Vergleich von Songwriting-Prozessen in formalen Schul- und informellen Bandkontexten, sowie den in diesen Settings stattfindenden Veränderungen menschlicher und nicht-menschlicher Beziehungen rücken Möglichkeiten einer pädagogisch-didaktischen Verschränkung unterschiedlicher Bildungswelten in den Fokus.

Das Ziel ist es, ein empirisches Modell der kollektiven musikalischen Kreativität und des Lernens zu entwickeln und Unterrichtskonzepte für den Musikunterricht im postdigitalen Zeitalter zu formulieren. Das Poster stellt das Forschungsdesign von MusCoDA sowie die Ergebnisse der Pilotstudie vor.



Digitale Studienpraktiken – Räumliche und bildungsbezogene Ent- und Begrenzungen digitalen Studierens

Marie Rathmann1, Therese Rosemann2, Jan Schiller3

1Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland; 2Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland; 3Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland

Digitale Studienpraktiken – Räumliche und bildungsbezogene Ent- und Begrenzungen digitalen Studierens

Aktuelle Studierendenbefragungen verweisen auf digitalgestützte Lern- und Kommunikationsanforderungen, die zu neuen Formen der Arbeitsbelastung führen (Janschitz et al. 2021). Der Einsatz digitaler Lehr- und Lernformate und pandemiebedingte Veränderungen führen zu Verschiebungen digitaler Lernpraktiken Studierender. Unklar ist, welche Studienbedingungen sich derzeit an den Hochschulen herausbilden und wie diese be- oder entgrenzend wirken.

Das Forschungsprojekt DigiTaKS*[1] fokussiert den Erwerb transformativer digitaler Kompetenzen Studierender nicht technik-affiner Bereiche. Das Teilprojekt, welches an der Universität der Bundeswehr in Hamburg angesiedelt ist, konzentriert sich auf digitale Lernpraktiken von Studierenden, um Verschiebungen o.g. Praktiken zu rekonstruieren. Unter Verschiebungen werden Be- und Entgrenzungen verstanden: Entgrenzung meint den Prozess der Ausdifferenzierung von Strukturen infolge historischer Bedingungen, aus denen regulierenden Begrenzungen resultieren. Begrenzungen werden als Reaktion von Akteuren gedeutet, welche diese Regulationen auf individueller Ebene gestalten (Gottschall & Voß 2005).

In der Anforderungsanalyse des Projektes wurden folgende Methoden eingesetzt: Auf der Mikroebene wurde eine Gruppendiskussion mit Studierenden geführt und 102 Studierende über einen Fragebogen zur Wahrnehmung des Studienalltags befragt. Weiterhin bieten Evaluationsdaten von 4782 Studierende der vorangegangenen drei Trimester (Frühjahr 2020 bis 2021) einen vertiefenden Einblick in die studienbezogene Wahrnehmung der digitalen Lehre. Auf der Mesoebene erfolgten Experteninterviews mit sechs Dozierenden und fünf militärischen Vorgesetzen über die Herausforderungen der digitalen Lehre. Ferner wurden anhand eines Fragebogens 45 Dozierende zur Gestaltung der digitalen Lehre befragt.

Folgende Ergebnisse konnten bislang rekonstruiert werden: Im Zuge des digitalen Studienalltags sind Lernpraktiken nicht mehr an starre Lehr- und Lernräume gebunden, sondern unabhängig von analogen Räumen. Ergo werden die neu verorteten Grenzen der Lernpraktiken fluide und es eröffnen sich neue digitale Räume für ebendiese Praktiken (Entgrenzung) (Mesoebene). Die Studierenden gehen sodann als aktive Akteure (Kocyba 2004) in die bewusste Aushandlung, indem sie neue digitale Räume gestalten und diese für Bildungsprozesse nutzen (Begrenzung) (Mikroebene). Angesichts dessen wird vermutet, dass Studierende digitale transformative Kompetenzen (DigCom 2.1) erwerben. Entsprechende Kompetenzentwicklungsprozesse sollen zukünftig im Rahmen des Projektes identifiziert werden.

[1] DigiTaKS* ist an der Professur für Weiterbildung und lebenslanges Lernen an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg angesiedelt und wird vom BMVg im Rahmen von dtec.bw (2021–2024) gefördert: https://www.hsu-hh.de/wb/digitaks. Projektleitung: Prof. Schmidt-Lauff; Projektkoordinator: Dr. Schwarz.



#EDUCATEYOURSELF- Bildungsimperative in jugendlichen Selbstinszenierungen auf TikTok

Dilek Dipcin, Mendina Scholte-Reh

TU Dortmund

In diesem Beitrag soll es um die Frage gehen, wie sich junge Menschen auf der Mikrovideo-Plattform „TikTok“ im Kontext von Rassismus- und Gesellschaftskritik inszenieren und dies im Horizont von „Education“ und Aufklärung verhandeln. Das Spektrum der von den sogenannten Creatorn dargebotenen Inhalte reicht von Comedy über Tanz bis hin zu (gesellschafts-)politischen Inhalten. Interessanterweise spielen einige junge Creator mit der bewussten Selbstbezeichnung als „Gen Z“ oder „Millenial“ in Abgrenzung zu anderen Generationen und insbesondere zu „Boomern“, die als negativer Gegenentwurf zur eigenen Generation gesetzt werden.

Es soll genau die von der US-amerikanischen und Black Community inspirierte deutschsprachige Bubble, die unter dem Hashtag #educateyourself zusammengefasst werden kann, fokussiert werden. Hierbei wird zum einen das Selbst als ‚self educated‘ dargestellt, was außerhalb institutioneller Bildungseinrichtungen - und sogar mit einer Kritik derselben einhergeht - verortet wird und zum anderen wird die Selbstbildung als ein Anspruch an andere User*innen formuliert. In ihren TikToks inszenieren sie damit einen selbstausgewählten und -auferlegten Bildungsauftrag. Ihr Bildungsbegriff steht im Kontext eines Imperatives #educateyourself! und kann als Aufklärung im Sinne Immanuel Kants „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant 1784/1997, S. 39) gelesen werden.

Anhand von netnografischen Beobachtungen soll die Verarbeitung der kritischen Inhalte und die Selbstinszenierung (Goffman 2003) unter verschiedenen Hashtags (#educateyourself; #educate; #antirassismus u.A.) gesichtet werden. Das Sample stützt sich bisher auf 14 Creator. Aus dem Sample heraus sollen außerdem leitfadengestützte-narrative Expert*innen-Interviews mit Creatorn geführt werden, in dem diese auch mit ihrem Verständnis von Education konfrontiert werden sollen. Die Interviews werden mit der Dokumentarischen Methode (Nohl 2017) und im Horizont einer bildungstheoretischen Perspektive (Horkheimer 1952/1985; Klafki 1996; 2007; Kant 1784/1997) ausgewertet.

Die Bildungsimperative in den Selbstinszenierungen können als eine dreifache Entgrenzung gelesen werden: 1.) der digitale Raum als Entgrenzung klassischer pädagogischer Räume, 2.) Entgrenzung des Bildungsauftrages aus pädagogischer Professionalität als ein selbstauferlegter Bildungsauftrag und Aufklärungsarbeit und 3.) die Entgrenzung von curricularen und politischen Inhalten durch Kritik und Aufbegehren.

 
14:00 - 16:30Entgrenzungen und Begrenzungen - eine spannungsreiche Dynamik in psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
 

Chair(s): Prof. Dr. David Zimmermann (Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland)

Das Symposium richtet einen psychoanalytisch-pädagogischen Blick auf Prozesse von "Ent|grenz|ungen (...) in ihrer Bedeutung für Prozesse von Bildung, Erziehung und Sozialisation" (CfP). Ein gemeinsamer Referenzpunkt aller Beiträge des Symposiums liegt in der Erweiterung der pädagogischen Professionalisierungs- und Institutionsentwicklungsdiskurse um unbewusste Prozesse auf der individuellen und sozialen Ebene. Da das Unbewusste im Sinne von verdrängten, also sprachlos gewordenen Vorstellungsinhalten immer auf gesellschaftliche Normen und Zwänge verweist, geht es in der Reflexion von innerpsychischen und Beziehungsdynamiken stets auch um die Kritik dieser sozialen Verwerfungen.

Das Symposium zielt auf die partielle Beantwortung der damit aufgeworfenen Fragen sowohl in grundlagentheoretischer Perspektive als auch unter Bezugnahme auf primär tiefenhermeneutisch fundierte Empirie.

 

Beiträge des Panels

 

Die Entgrenzung der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Verunsicherung in professionellen Beziehungen

Lara Spiegler, Prof. Dr. Margret Dörr
Katholische Hochschule Mainz

Im gesellschaftlichen Diskurs ist eine Steigerung der Sensibilität für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten zu bemerken. Dennoch bleiben alltagspraktische Unsicherheiten bezüglich der Entgrenzung des heteronormativen Identitätsmodells weiterhin virulent. Im Beitrag werden tiefenhermeneutisch gewonnene Forschungsergebnisse (Lorenzer, 2002) des BMBF-geförderten Forschungsverbunds VISION-RA, welcher Affektabstimmungsprozesse zwischen Fachkräften und Nutzenden gemeindepsychiatrischer Angebote in den Blick nimmt, diskutiert. Anhand eines transkribierten Gesprächs zwischen einer weiblich identifizierten Fachkraft und einem seine Geschlechtsidentität wechselnden Bewohner eines gemeindepsychiatrischen Wohnheims wird der Frage nachgegangen, wie sich die durch die Entgrenzung der Zweigeschlechtlichkeit provozierten Verunsicherungen in Interaktionen mit Menschen, die sich nicht binär identifizieren, niederschlagen. Zentral wird gezeigt werden, wie die die professionelle Beziehung zu entgrenzen drohende Verliebtheit des derzeitig männlich identifizierten Bewohners in die Bemühung der Fachkraft umschlägt, die Beziehung möglichst allumfassend zu begrenzen – wenn nicht gar zu verunmöglichen.

 

Biopolitische Begrenzungen und Disziplinarmacht als Spannungsfeld in Pflegeschaftsverhältnissen

Dr. Mej Hilbold
Université Paris 8 Vincennes Saint-Denis

Die Frage der Grenzen in erschwerten Erziehungsverhältnissen wird auf zwei Ebenen behandelt: zum einen die Grenzen, die sich aus den verschiedenen – gesellschaftlich dominanten - (kognitiven) Kategorien von Kindern ergeben, die man in der Erziehungspraxis sowie in der Forschung finden kann („die traumatisierten Kinder“, „die schwierigen Kinder“), zum anderen die Grenzen, die den Kindern im Rahmen der pädagogischen Beziehung selbst auferlegt werden.

Diese beiden Ebenen entsprechen theoretisch zwei von Michel Foucault identifizierten Modalitäten der Macht: der biopolitischen Macht und der Disziplinarmacht (Foucault, 1975, 1976). Im Beitrag werden die subjektiven, primär unbewusst wirksamen Effekte dieser Machtmodalitäten auf professionelle Pflegeeltern und ihr pädagogisches Handeln diskutiert.

Empirisch wird sich der Beitrag auf eine Forschung über Pflegefamilien stützen, die aus syrischen Kriegsgebieten (Islamischer Staat und später syrische oder türkische Lager) nach Frankreich repatriierte Kinder aufgenommen haben. Es wurden 4 semistrukturierte Interviews mit Pflegeeltern geführt, die insgesamt 6 Kinder aufgenommen haben. Sie wurden dann thematisch und tiefhermeneutisch analysiert. Das Spannungsfeld zwischen normativem Erziehungsrahmen und der angenommenen Besonderheit der Kinder ist eines der zentralen Motive der Interviews und wird hier zum Thema der Diskussion über die Grenzen.

 

Entgrenzte Professionalität und unbewältigte Nähe in der Arbeit mit marginalisierten Geflüchteten

Katharina Obens, Prof. Dr. David Zimmermann
Humboldt-Universität zu Berlin

Der Beitrag fragt nach den Beziehungsdynamiken zwischen hoch engagierten Mitarbeitenden des bundesweit ersten Beratungs- und DaZ-Qualifizierungsprojekt und Geflüchteten mit kognitiven Beeinträchtigungen. Auf der Basis einer längsschnittlich und partizipativ angelegten wissenschaftlichen Begleitung des Projekts (mit tiefenhermeneutischer Analyse von Interviews und Unterrichtsbeobachtungen) wird das Wechselspiel sozialer Begrenzungen und beziehungsdynamischer Entgrenzungen aus psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive diskutiert. Anschließend werden Möglichkeiten der partiellen Auflösung dieses Spannungsfelds vorgestellt.

In den Forschungsdaten spiegeln sich zum einen die umfassenden gesellschaftlichen Begrenzungen jenes Arbeitsfelds wieder: Geflüchtete mit psychosozialen Beeinträchtigungen an der Schnittstelle von Flüchtlingsversorgung und dem System Behindertenhilfe leiden an der fehlenden Repräsentanz in den Versorgungssystemen. Zum anderen zeigen sie aber auch auf, dass die Mitarbeitenden versuchen einen „Familienersatz“ für die Ratsuchenden darzustellen. Sie versuchen die defizitären Hilfemaßnahmen durch eigenes Engagement auszugleichen und bilden eine „eingeschworene Gemeinschaft“ mit den Ratsuchenden, bei deren Ausgestaltung auch die eigene Migrationsgeschichte der Mitarbeitenden eine Rolle spielt und in der es zu zahlreichen Erosionen sowohl professioneller Nähe-Distanz-Regulierung als auch professioneller Ansprüche kommen kann.

 

Was darf ich sagen, wie muss ich's sagen? - Überlegungen zur Begrenzung durch Sprachnormierungen, ihrer psychodynamischen Funktion und ihren pädagogischen Implikationen

Dr. Achim Würker
Gymnasium Darmstadt

Der Beitrag wird sich aus psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive mit der Problematik der aktuellen Debatte um Sprachnormierungen befassen, wie sie u.a. um Themen wie Rassismus und Gender geführt wird. Allgemein kann diese Debatte verstanden werden als eine Abwehr der Identitätsverunsicherungen, wie sie durch die bedrohlichen globalen Entwicklungen und die von ihnen ausgelösten Gefühle von Desorientierung und Machtlosigkeit ausgelöst werden (Bezugnahme auf u.a. Reinke 1998, Fourest 2020, Türcke 2021 sowie aktuellen Presseartikel). Schwerpunkt des Beitrags ist es, in psychoanalytisch-pädagogischer Perspektive unter Bezugnahme auf Lorenzers sozialisations- und symboltheoretischen Überlegungen (Lorenzer 1970, 1981, 2002) die bewusstseinsferne Dynamik zu untersuchen, die hierbei im Spiel ist. Unter Einbeziehung von Szenen aus der pädagogischen und sozialpädagogischen Praxis wird der Versuch unternommen zu ertasten, welche Dynamik von Be- und Entgrenzungen sich im Zusammenhang mit sprachlichen Normierungen entfalten kann. Im Sinne von Hypothesen werden abschließend Möglichkeiten zur Debatte gestellt, wie den negativen Effekten dieser Dynamik entgegengewirkt werden kann.

 
Datum: Dienstag, 15.03.2022
9:00 - 11:30Cosmopolitan Dissolution of Boundaries and its Limits. Educational Perspectives from Germany and Japan
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
 

Chair(s): Prof. Dr. Ruprecht Mattig (TU Dortmund, Deutschland), Prof. Dr. Lothar Wigger (TU Dortmund)

Cosmopolitanism and cosmopolitan education, by definition, aim to dissolve borders. Cosmopolitan educational approaches are directed at imparting knowledge, values, and competencies necessary for responsible thinking and acting in an increasingly globalized world. Yet, approaches to cosmopolitanism have been criticized. This symposium is primarily concerned with the criticism that cosmopolitanism, although oriented toward universal humanity, is rooted in "Western" tradition and is therefore inherently limited. The symposium will engage in a "dialogue of difference" (Jeffrey Dill) about cosmopolitan education by incorporating a "non-Western" perspective in two ways: First, researchers from Germany and Japan will present their papers with reference to their respective traditions of thought. Second, case studies in Germany and Japan will be addressed. The symposium thus crosses borders to encourage reflection on how cosmopolitan dissolution of boundaries can actually be made possible.

 

Beiträge des Panels

 

Forms of Cosmopolitanism and their inherent conflicting claims: Systematic reflections from an educational point of view

Prof. Dr. Ruprecht Mattig
TU Dortmund

This paper provides an introduction to the symposium’s topic. Notions of cosmopolitanism and cosmopolitan education are discussed and systematized, on the one hand, in terms of their aspirations to dissolve boundaries and, on the other hand, in terms of their inherent limitations. In a first step, the paper refers to Kleingeld’s (1999) distinction of different forms of cosmopolitanism, particularly pointing out conflicting claims. In a second step, this discussion will be related to approaches to cosmopolitan education and their critiques. The paper points out that approaches to cosmopolitan education tend to focus only on certain notions of cosmopolitanism and have little awareness of the different notions and their conflicting claims. The paper will mainly focus on the often-voiced criticism that approaches to cosmopolitan education tend to develop a universal perspective without recognizing their particular origin in Western traditions of thought (Pashby et al 2020). In a third step, the paper will discuss possibilities of overcoming this inherent limitation of cosmopolitan thought. Here, Dill’s concept of a “dialogue of difference” (Dill 2013, 127) will be taken up and reflected systematically with regard to the German-Japanese dialogue presented in this symposium. In sum, the paper argues that an appropriate conceptualization of cosmopolitan education should take into account the various forms of cosmopolitanism and different perspectives from around the globe.

 

Beyond the dichotomy between universalism and particularism: cosmopolitan geography education

Dr. Yuzo Hirose
Kyoto University

Since the 1990s, cosmopolitan education has triggered curiosity in alternative social and political systems. There have been divergent views as to what constitutes cosmopolitan education, such as the cultivation of universal empathy and intellectual world spirit (Nussbaum 1996, 2019), and the fostering of a sense of human rights (Osler & Starkey 2005). These suppositions presuppose a cosmopolitanism in which all human beings, regardless of nationality, race, gender and other different attributes, still live in one world. While cosmopolitanism transcends borders, it also encourages the paradigm of the local community as the local place inherent in cosmopolitan education, to avoid exclusive universalism (Appiah 2006; Vinokur 2018). However, these localised cosmopolitanisms tend to fall easily into extreme patriotism. How is it then possible to transcend the border between universalism and particularism and propose a meaningful discussion in the discourse of cosmopolitan education? Based on Kant’s geography and discussion about space and place in the philosophy of the Kyoto School, I suggest geography plays a crucial role in resolving this conundrum because geography offers us an open distinctive space to consider everything in this world organically, which can be the basis for bearing regulative cosmopolitan ideas. Through this investigation, I will reinforce ‘rooted cosmopolitanism’ so that cosmopolitan education is reflected further.

 

›Hiroshima is Everywhere‹: Nuclear War, Cosmopolitanism and the Transformation of ›Empty‹ Into ›Filled‹ Signifiers

Klaus-Christian Zehbe
TU Dortmund

The meaning of ›cosmopolitanism‹ or ›citizenship of the world‹ is contested in political philosophy (Mouffe 2005) and global citizenship education (Byers 2005, Oxley and Morris 2013, Pashby et al. 2020). The paper suggests that the term ›global citizen‹ is an ›empty‹ or »floating signifier« (Lévi-Strauss 2012). Its signification is underdetermined and may thus take on various meanings. As such, an empty signifier can be articulated to fit diverse historical and social discourses (Laclau and Mouffe 2014). According to Laclau and Mouffe (2014, 100), practices of discursive articulation establish »nodal points«, where intertextual signification overflows or unbounds the nodal point and at the same time partially fixes or bounds its meanings.

The paper posits that such a discursive nodal point for ›global citizenship‹ is manifest in the Hiroshima Peace Memorial. The site seems particularly suited to examine how empty signifiers unbound social and cultural meanings while at the same time partially bounding them in a discourse of ›global citizenship‹ focused on the global prevention of nuclear war (Anders 1995). The overflowing materiality and intertextuality of the site allows it to be mimetically appropriated and subjectively re-articulated. In the process, the paper argues, the empty signifier is subjectively ›filled‹. The paper concludes with some considerations on educational transformation.

 

Between Realism and Utopism: Cosmopolitan Historical Education

Prof. Dr. Lothar Wigger
TU Dortmund

Historical and political education is located in a field of conflicts between individual and family memory, collective and national memory as well as cultural memory (Assmann 2013). The battle over remembering and interpreting the past, to what extent it was glorious and/or criminal, is being fought both domestically and abroad in Germany as well as in Japan (Assmann 2018; Rieger-Ladich et al. 2021; Saaler 2021; Zulaica 2021). Cosmopolitical education is an ideal that transcends the boundaries of national historical policy and educational policy, but it seems rather unrealistic in times of an increasing blockade of transnational institutions and increasing national orientation of states. The paper will first critically discuss the arguments of a delegitimation of cosmopolitanism (Nussbaum 2019), then highlight the universal importance of remembering crimes against humanity (Stockholm Declaration 2000), exemplified by the crimes of Germany and Japan during World War II, and finally emphasize the relevance of world historical knowledge, that is not focused on Europe or the Western world, excluding other countries, peoples and histories, as a fundamental condition for peaceful coexistence in a globalized world.

 
14:00 - 16:00On Remote. Grenzerfahrungen des Pädagogischen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
 

Chair(s): Prof. Dr. Mirja Silkenbeumer (Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland), Prof. Dr. Barbara Asbrand (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Merle Hummrich (Goethe-Universität Frankfurt)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Margret Dörr (Katholische Hochschule Mainz)

Seit der Corona-Pandemie stehen digitale Formate des Unterrichts im
besonderen Fokus medialen Interesses, die Veränderung therapeutischer und sozialpädagogischer Arbeit wird eher am Rande thematisiert. Die
Arbeitsgruppe „On Remote“ widmet sich entlang von drei Vorträgen der
Frage, ob und in welcher Weise sich Erfahrungen von Nähe und Distanz
in digital gestalteten Settings von jenen in analoger Form
unterscheiden. Unterschiedliche Diskurse werden mit Blick auf die
veränderten Bedingungen des Aufwachsens zusammengeführt und gestützt
auf Erkenntnisse laufender qualitativer Forschungsprojekte analysiert.
Grenze wird in doppelter Hinsicht thematisch: Was sind die Grenzen
digitaler Formate in schul- und sozialpädagogischen sowie
therapeutischen Settings? Inwiefern kommt es zu neuen Entgrenzungen
des Pädagogischen gegenüber bislang üblichen Unterscheidungen inner-
und außerinstitutioneller Settings?

 

Beiträge des Panels

 

Therapie on Remote

Dr. Susanne Benzel
Sigmund-Freud-Institut

Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gilt als ein Verfahren, welches auf einen beständigen zeitlichen und räumlichen Rahmen sowie auf Beziehungsmöglichkeiten in Präsenz angewiesen ist. Kinder und Jugendliche vermitteln etwa ihre innere Welt sehr konkret und ebenso körperlich vor allem durch Spiel, Handlungen und (nonverbale) Interaktionen. Die Umstellung auf telefon- und videobasierte Remote-Therapie infolge der Corona-Pandemie führt durch technikgestützte Interaktionsformen zu veränderten Nähe- und Distanzverhältnissen. Vor diesem Hintergrund werden in dem Vortrag die Folgen von räumlich entgrenzten digitalen Interaktionsformen einerseits und den Grenzen durch eine fehlende physisch-leibliche Qualität sozialer Interaktionen andererseits diskutiert. Grundlage dafür sind Befunde einer laufenden qualitativ ausgerichteten Pilotstudie zu ‚Remote-Therapie‘ (Reki), in der die Jugendlichen auch zu den Folgen ihrer veränderten Lebenswelt aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie befragt werden.

 

Das schweigende Klassenzimmer. Zur Entgrenzung des Schulischen

Prof. Dr. Barbara Asbrand, Prof. Dr. Merle Hummrich, Prof. Dr. Mirja Silkenbeumer
Goethe-Universität Frankfurt

Das Phänomen der „schwarzen Kacheln“ betrifft nicht nur universitäre Seminarsituationen, sondern auch den Remote-Unterricht in der Schule: Lehrer*innen sprechen in Videokonferenzen zu Fenstern auf dem Bildschirm mit Namen, können aber weder die tatsächliche Anwesenheit, noch die Mitarbeit der Schüler*innen wahrnehmen. In der schwarzen Kachel auf dem Videobildschirm zeigt sich die Grenzerfahrung sozialer Distanzierung – so eine heuristische Hypothese dieses Vortrags – paradigmatisch. Der Vortrag referiert aus einem aktuellen Forschungsprojekt zu „Veränderungen durch Schule auf Distanz“ (VERSA), in dem u.a. schulischer Distanzunterricht mittels Aufnahme von Videokonferenzen empirisch untersucht wird. Distanz wird in einem konstitutiven Verweisungszusammenhang zu Nähe begriffen, der in Zeiten der Corona-Krise neu balanciert wird. Dabei kann insbesondere gefragt werden, wie sich Lehrer*in-Schüler*in-Beziehung im Distanzunterricht darstellen, wie sich jugendliche Individuationsprozesse im Kontext Schule ausgestalten und wie Remote-Unterricht systematisch die konventionelle Trennung von schulischer Öffentlichkeit und privater Zurückgezogenheit irritiert.

 

Kinder- und Jugendhilfe on remote

Prof. Dr. Gunther Graßhoff
Universität Hildesheim

Die Kinder- und Jugendhilfe in ihrer sozialpädagogischen Tradition wird konzeptionell und in der Praxis sehr stark als eine „Beziehungsprofession“ legitimiert. Das Aussetzen „realer“ Begegnungsmöglichkeiten zwischen Fachkräften und Adressat_innen in der Pandemie irritiert die Kinder- und Jugendhilfe in besonderer Weise. Das Thema Nähe und Distanz in sozialpädagogischen Beziehungen wird in diesem Beitrag aus der Perspektive von jungen Menschen entfaltet. Hierbei werden zentrale Strukturmerkmale für die Kinder- und Jugendhilfe herausgearbeitet und auf der Ebene des Subjektes, der Organisation und dem sozialpolitischen Rahmen diskutiert.

 
Datum: Mittwoch, 16.03.2022
9:30 - 11:30Methodologisch-methodische Zugänge zu Kinderzeichnungen in der qualitativen Forschung: Potenziale und Grenzen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
 

Chair(s): Prof. Dr. Melanie Kubandt (Universität Vechta, Deutschland), Dr. Mirja Kekeritz (Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz (bis 30.09.2021))

Diskutant*innen: Prof. Dr. Birgit Hüpping (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg), Dr. Wiebke Hiemesch (Universität Hildesheim)

Kinderzeichnungen als symbolisches Material jenseits sprachlichen Ausdrucksvermögens stellen einen wertvollen empirischen Zugang zu Welt- und Selbstverhältnissen von Kindern dar. Nichtsdestotrotz sind viele Fragen zu Kinderzeichnungen in der qualitativen Forschung noch nicht umfassend diskutiert. So besteht u.a. die Notwendigkeit an Reflexionen zu Potentialen und Grenzen unterschiedlicher analytischer Zugänge im Kontext der spezifischen Ausdrucksmaterialität von Kinderzeichnungen. Daher wird ein Überblick über Forschungszugänge und Desiderata im Hinblick auf Kinderzeichnungen gegeben und dabei u.a. methodologische Grundfragen zum Bildbegriff fokussiert. Ausgehend von einer Kinderzeichnung werden unterschiedliche analytische Zugänge zu Kinderzeichnungen im Hinblick auf ihren jeweiligen Erkenntnismehrwert vorgestellt, aber auch hinsichtlich ihrer Grenzen vor dem Hintergrund methodologisch-methodischer Herausforderungen des Fremdverstehens von Kindern gemeinsam diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Kinderzeichnungen im qualitativen Forschungskontext zwischen Potenzialen, Grenzen und Desiderata - Eine Einführung

Dr. Mirja Kekeritz1, Prof. Dr. Melanie Kubandt2
1Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz (bis 30.09.2021), 2Universität Vechta

Trotz zahlreicher Publikationen und vielfältiger Aufbrüche in den vergangenen Jahren im Hinblick auf Forschungsarbeiten zu Kinderzeichnungen sind im Rahmen der empirischen Sozialforschung viele Fragen nach wie vor zu diskutieren und systematisch weiter zu bearbeiten: Denn wenngleich weitestgehend Einigkeit darüber besteht, welches Potenzial ein Fokus auf Kinderzeichnungen im Hinblick auf kindliche Weltzugänge beinhaltet, so bleibt jedoch immer wieder die Hürde des Fremdverstehens und auch die sowohl erkenntnistheoretische als auch forschungspraktische Herausforderung, wie überhaupt aus der Perspektive von Kindern geforscht werden kann (vgl. Mey 2003, Heinzel 2012). Zentrale Argumente für entsprechende Vorbehalte sind neben der methodischen Herausforderung, symbolische Ausdrucksformen auch jenseits von verbaler Sprache zu berücksichtigen, u.a. die Gefahr der Reifikation bzw. die Schwierigkeit aus der Perspektive von Kindern zu forschen (vgl. Betz/Eßer 2016). Das heißt konkret, dass Kinderzeichnungen zwar fest im Methodenrepertoire der Neuen Kindheitsforschung geführt werden, wenngleich bis heute grundlegende theoretische wie empirische Leerstellen bzw. Herausforderungen zu methodisch-methodologischen Aspekten von Kinderzeichnungen virulent bleiben. Der einleitende Vortrag des Forschungsforums bereitet vor dem Hintergrund der genannten Herausforderungen zentrale Strömungen und Desiderata im Kontext nationaler wie internationaler Kinderzeichnungsforschung auf.

 

Herausforderungen und Grenzen bei der Analyse von Kinderzeichnungen. Ein Problemaufriss aus kunsthistorischer und bildmethodologischer Perspektive

Dr. Kathrin Borg-Tiburcy
Universität Osnabrück

Ziel des Vortrages ist es aus der Perspektive kunsthistorisch entwickelter und fundierter Methoden die Analyse von Kinderzeichnungen einer kritischen Reflexion zu unterziehen und damit verbundene Herausforderungen und Grenzen herauszuarbeiten. Hierbei wird auf kunsthistorische Perspektiven von Panofsky und Imdahl zurückgegriffen, welche im aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskurs systematisch erarbeitete bildanalytische Verfahren wesentlich fundieren. In diesem Zusammenhang werden Aspekte dieser prominent gewordenen kunsthistorischen Zugänge, die immer auch bildtheoretische Implikationen enthalten, an aktuellen bildanalytischen Verfahren wie der Dokumentarischen Methode und Objektiven Hermeneutik diskutiert und zwar unter Berücksichtigung vorliegender Analysen von Kinderzeichnungen. Auf dieser Basis werden noch zu bearbeitende Desiderata bzw. offene Fragen im Hinblick auf die Analyse von Kinderzeichnungen veranschaulicht und zusammengefasst. Zentrale Fragen sind hierbei, ob Kinderzeichnungen mit bild- und kunstwissenschaftlichen Methoden analysiert werden und inwiefern Kinderzeichnungen vor diesem Hintergrund überhaupt als Bild konzipiert werden können.

 

Möglichkeiten einer immanenten Bildanalyse von Kinderzeichnungen: Ein objektiv-hermeneutischer Zugang

Prof. Dr. Claudia Scheid, Jirko Piberger, Dr. Peter Münte
Universität Innsbruck

Im Zentrum der Objektiven Hermeneutik (OH) steht die Idee eines kontrollierten Erschließungsprozesses, der am Material ansetzt, mikrologisch verfahrend auch kleinste Sinneinheiten berücksichtigt und auf die Rekonstruktion fallspezifisch sich ausprägender sozialer Praxis zielt. Dies hat Konsequenzen für das im Forschungsforum behandelte Problem des Fremdverstehens: Um eine Kinderzeichnung zu verstehen, muss man sich der OH zufolge nicht vorgängig mit der Lebenswelt des Kindes vertraut machen. Vielmehr werden in der mikrologischen Analyse der Zeichnung Hypothesen dazu formuliert, was das Kind beim Verfertigen der Zeichnung beschäftigt haben und wie dies im Bild bearbeitet worden sein könnte. Es wird nicht das, was man über andere Datenerhebungswege über das Kind ohnehin weiß, in der Zeichnung entdeckt. Erst nach der Analyse der Zeichnung wird über den sukzessiven Einbezug von weiteren Daten in einen sich selbst korrigierenden und erweiternden Erkenntnisprozess eingetreten. Wenn man dieserart an der Kinderzeichnung selbst ansetzt, hat das insbesondere unter bildtheoretischen Gesichtspunkten erhebliche Vorzüge: Es ergibt sich so – und nur so – die Chance, den Erkenntniswert des Datentypus „Kinderzeichnung“ für die Kindheitsforschung zu bestimmen: Lassen sich an diesem Datum Hypothesen über den Bildungsprozess eines Kindes entwickeln, die sich auch im Zusammenhang umfassenderer Datenarrangements als tragfähig erweisen, ja bieten sie möglicherweise einen privilegierten Zugang?

 

Potenziale und Grenzen der visuellen Segmentanalyse von Kinderzeichnungen

Raphaela Kogler
Universität Wien

Die Methode der visuellen Segmentanalyse nach Roswitha Breckner (2010, 2020) macht bildliche Wahrnehmung über Sprache für eine interpretative Analyse zugänglich. Ähnlich der objektiven Hermeneutik (vgl. Oevermann et al. 1979) will die visuelle Segmentanalyse die Eigenlogik des Bildes nicht ignorieren. Kinderzeichnungen werden aus phänomenologischer Sicht als bildliche Dokumente, die „Zugang zu visuell verdichteten Erlebnis-, Erfahrungs- und Gestaltungszusammenhängen“ (Breckner 2012: 161) eröffnen, gefasst. Eine solche rekonstruktive Bildanalyse fragt nicht nach vordergründigen Inhalten und Motiven der Zeichnung bzw. setzt (Ein-)Gezeichnetes nicht mit subjektiv Relevantem gleich: Vielmehr bietet diese Methode Potenziale zur Analyse des Bildsinns und der Bedeutungsschichtung einzelner Bildsegmente. Außergewöhnlich erscheinen der Einbezug von weiterem empirischen Material des Forschungsprozesses (z.B. Transkripte) sowie die Relevanz des Kontextwissens über das Kind, welche explizit herangezogen werden. Dadurch können interpretative Erkenntnisse generiert und kindbezogene Ergebnisse im Hinblick auf eine spezifische Forschungsfrage formuliert werden. Der Vortrag zeigt anhand der Kinderzeichnung die visuelle Segmentanalyse in sechs Schritten: Dabei werden in jedem Schritt Potenziale und Grenzen aufgezeigt, um die Diskussion und Implementierung des Materials der Kinderzeichnung und dessen Analyse(möglichkeiten) im Kanon der qualitativen, kindbezogenen Forschung zu forcieren.

 

Kinderzeichnungsforschung in der Kunstpädagogik – Das hermeneutisch-mehrperspektivische Interpretationsmodell

Prof. Dr. Monika Miller
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

In einer anthropologisch und hermeneutisch ausgerichteten Kunstpädagogik stehen das bildnerische Wahrnehmungs-, Vorstellungs-, Darstellungs- und Mitteilungsvermögen des jungen Menschen in seiner Entwicklung und Bildungsfähigkeit im Mittelpunkt (vgl. Krautz 2015: 225). In der kunstpädagogischen Lern- und Unterrichtsforschung, wie sie in den letzten zehn Jahren im Umfeld des IMAGO-Forschungsverbundes durchgeführt wird (vgl. Miller 2016; Brandenburger 2018; Fröhlich 2019; Gonser 2018), wurden dafür u.a. Forschungsinstrumente weiterentwickelt, die einer hermeneutisch-mehrperspektivischen Interpretation der bildnerischen Lern- und Gestaltungs-prozesse dienlich sind. Wenn bildnerische Arbeiten von Kindern untersucht werden, müssen unterschiedliche Daten erfasst, analysiert und interpretiert werden. Neben Kinderzeichnungen werden daher u.a. Videografien, problemzentrierte Befragungen und Interviews als Quellen herangezogen, mit der Zielsetzung, Kinderzeichnungen in einem integralen Sinnzusammenhang zu verstehen, zu interpretieren und zu erklären. Der Vortrag stellt in diesem Zusammenhang das hermeneutisch-mehrperspektivische Produkt-Prozess-Interpretationsmodell vor.

 
14:00 - 16:00Demokratiebildung in Kita und Schule: Herausforderungen, Potentiale und Grenzen
Virtueller Veranstaltungsort: Zoom Seminarraum 08
 

Chair(s): Judith Durand (Deutsches Jugendinstitut, Deutschland), Dr. Patrick Mielke (Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Riem Spielhaus (Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung), Dr. Katja Flämig (Deutsches Jugendinstitut)

Vielfältige gesamtgesellschaftliche und globale Faktoren zeigen gegenwärtig ‚Grenzen der Demokratie‘ auf. Dieser Befund stellt auch Bildungsinstitutionen vor Herausforderungen. Er fokussiert das Verhältnis von Bildung und Demokratie und wirft die Frage nach den genuinen Aufgaben, Zielen und Möglichkeiten von Bildungsinstitutionen für die Demokratie auf. Die Arbeitsgruppe greift dies in drei Beiträgen auf und erörtert, (1) welche Anrufungen in diesem Kontext aus Politik und Gesellschaft an die Bildungsinstitutionen Kita und Schule gerichtet werden und welche Auswirkungen die strukturellen Grenzen und die gegenwärtige Krise der Demokratie für die pädagogische Arbeit in der (2) Kita und (3) Schule haben. Dabei wird insbesondere diskutiert, ob und wie Kita und Schule selbst an Grenzen des Leistbaren kommen.

 

Beiträge des Panels

 

Politische Bildung und Demokratiebildung zwischen Affirmation und Kritik

Prof. Dr. Alexander Wohnig
Universität Siegen

Vor dem Hintergrund wahrgenommener und diagnostizierter gesellschaftlicher Polarisierungen – das Erstarken von Rechtspopulismus, Autoritarismus, Rassismus usw. – wird politische Bildung aktuell vermehrt von staatlichen Anrufungen adressiert, die im Modus einer Erziehung zu demokratischem Verhalten artikuliert werden und einseitig auf Affirmation zielen. Dies geschieht bspw. in den Förderprogrammen zur ‚Extremismusprävention‘ oder im Programm ‚Demokratie leben!‘. Die Anrufungen werden dabei zum einen mit dem Präventionsgedanken verbunden, zum anderen wird politische Bildung als Demokratiebildung beschrieben. Beide Tendenzen sind problematisch und sollten stärker kritisch reflektiert werden. Während der Präventionsgedanke einer subjektorientierten und kritischen Bildung im Wege steht, blendet die Gleichsetzung von politischer Bildung und Demokratiebildung Unterschiede in den Konzepten und auch den Professionen, die mit diesen arbeiten, aus. In dem Vortrag werden daher erstens die Konzepte der Demokratiebildung und politischen Bildung differenziert dargestellt. Zweitens soll vor dem Hintergrund einer zu diagnostizierenden Krise der Demokratie der Frage nachgegangen werden, welche Aufgaben kritischer politischer Bildung und kritischer Demokratiebildung zukommen und ob bzw. wo Schnittpunkte zwischen den Konzepten bestehen.

 

Frühkindliche Demokratiebildung - Zwischen Anspruch und Umsetzbarkeit

Dr. Leonhard Birnbacher, Judith Durand, Carola Frank
Deutsches Jugendinstitut

Aktuelle gesellschaftliche Wandlungsprozesse stoßen Auseinandersetzungen zum Verhältnis von Bildung und (demokratischen) Werten an und verbinden dies mit der Frage nach den genuinen Aufgaben, Zielen und Grenzen von Bildungsinstitutionen in der demokratischen Gesellschaft. Daran wird an das Bildungssystem die Forderung geknüpft, von Anfang an präventiv, sozialisatorisch und erzieherisch auf ein demokratisches Zusammenleben hinzuwirken. Der Vortrag greift diesen Befund auf und zeichnet auf der Basis erster Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojektes nach, ob und wie Demokratiebildung über bildungspolitische (policy curriculum) und konzeptionelle Dokumente (programmatic curriculum) für frühpädagogische Institutionen der Bildung, Betreuung und Erziehung verankert und definiert wird. Die Analysen von sechs ausgewählten Bildungsplänen der Bundesländer und frühpädagogischen Konzepten werden mit Erkenntnissen aus qualitativen Befragungen von pädagogischen Fachkräften und Leitungen von Kindertageseinrichtungen zur praktischen Relevanz und Umsetzbarkeit (enacted curriculum) von Demokratiebildung zusammengeführt. Spezifische Herausforderungen für das demokratische Miteinander, wie soziale Ungleichheit, Menschenfeindlichkeit oder Machtasymmetrien werden für den frühpädagogischen Kontext diskutiert. Dabei wird kritisch reflektiert, inwiefern Anspruch und Umsetzbarkeit kollidieren und wo Ansatzpunkte, aber auch Grenzen des Leistbaren für die frühpädagogische Praxis aufscheinen.

 

Politische Bildung und Demokratiebildung in Schule: Aufgaben, Herausforderungen und Ent│grenz│ungen

Patrick Mielke, Anke Koeltsch
Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung

Auf Grundlage erster empirischer Befunde einer systematischen Bestandsaufnahme schulischer Demokratiebildung in Deutschland als Gegenstand, Ziel und Praxis Politischer Bildung (Curriculum- und Schulbuchanalyse, teilnehmende Beobachtung) spürt die Projektgruppe in ihrem Beitrag folgenden Fragen nach: (i) Wie werden Verschiebungen des schulischen Bildungsauftrages, weg von einer reinen Vermittlung von Wissen über Demokratie im Fachunterricht und hin zu einem Verständnis von Demokratie als gesamtschulische Aufgabe im Sinne einer demokratischen Schulkultur und einer Erfahrbarkeit von Demokratie, in aktuellen Curricula, Schulbüchern und der schulischen Praxis gerahmt? (ii) Welche Grenzen (z.B. hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten von Schüler*innen) und Entgrenzungen (z.B. hinsichtlich des erforderlichen pädagogischen Handelns von Lehrenden) lassen sich im Zusammenhang mit dem erweiterten Bildungsauftrag identifizieren? (iii) Mittels welcher Praktiken werden die Schüler*innen im Fachunterricht als demokratische Subjekte angerufen und inwiefern wird dabei auf eine (kritische) Bejahung der repräsentativen Demokratie abgezielt? (iv) Ob und auf welche Arten und Weisen wird spezifischen gesellschaftlichen Akteur*innen ein besonderer Bedarf an Demokratiebildung zugeschrieben? (v) Welche Grenzen der Partizipation (z.B. Staatsangehörigkeit) werden (nicht) thematisiert?

 

 
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