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Sitzungsübersicht
Sitzung
Welche "Optimierung" braucht die Kinder- und Jugendhilfe?
Zeit:
Montag, 16.03.2020:
12:30 - 15:00

Sitzungsthemen:
8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ, theoretisch

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Präsentationen
ID: 346
Symposium
Stichworte: Kinder- und Jugendhilfe, SGB VIII-Reform, Hilfen zur Erziehung, Kinderschutz, Inklusion

Welche "Optimierung" braucht die Kinder- und Jugendhilfe?

Chair(s): Prof. Dr. Pascal Bastian (Universität Koblenz-Landau), Dr. Benedikt Hopmann (Universität zu Köln)

Diskutant*innen: Prof. Dr. Gertrud Oelerich (Bergische Universität Wuppertal)

Die derzeit diskutierte SGB VIII-Reform wird als „Optimierungsversuch“ der Kinder- und Jugendhilfe angesichts gesellschaftlicher Transformationsprozesse auf fachpolitischer und fachlicher Ebene kritisch diskutiert. In diesem Symposium sollen die Optimierungs- und Steuerungsnarrative der aktuellen SGB VIII-Reformdebatte dechiffriert und diskutiert werden. Gleichzeitig soll angesichts der dazu bislang wenig erfolgten Debatte ausgelotet werden, wie eine angemessene Reform der Kinder- und Jugendhilfe aus professioneller und disziplinärer Sicht aussehen könnte. Ausgehend von einer kritischen Einordnung der Reformbestrebungen wird das Kindeswohl als zentrale, aber missratene Optimierungskategorie in den Blick genommen, eine grundlegend neue Perspektive wie die einer „Bedingungslosen Jugendhilfe“ entworfen, der normative Gehalt von Inklusion als Befähigung theoretisch bestimmt und schließlich Praktiken der Kontraktualisierung vor dem Hintergrund von Hilfeplanung und Schutzplänen diskutiert.

 

Beiträge des Panels

 

Das Kindeswohl als missratene Optimierungskategorie: Die Reform der Kinder- und Jugendhilfe

Prof. Dr. Holger Ziegler
Universität Bielefeld

Das Kindeswohl, als eine juristische Kategorie die eine Grenze von Öffentlichkeit und Privatheit markiert, ist schleichend in eine missratene fachliche Zielkategorie der Kinder- und Jugendhilfe überführt worden, mit der Jugendhilfeleistungen konditionalisiert und valorisiert werden. Im Gegensatz zu sozialpädagogischen Begründungskategorien ist ‚das Kindeswohl‘ sehr gut an Steuerungs-, Effektivitäts- und Effizenzoptimierungsdebatten anschlussfähig. Vor diesem Hintergrund scheint es sinnvoll die Managerialisierung Sozialer Arbeit nicht nur mit Blick auf Möglichkeiten von Professionalisierung und Gefahren der Deprofessionalisierung in den Blick zu nehmen, sondern als ein Element jener grundlegenden Ent-Sozialpädagogisierung der Kinder- und Jugendhilfe, die auch in den Reformversuchen des SGB VIII ihren Ausdruck findet.

 

Bedingungslose Jugendhilfe

Prof. Dr. Mark Schrödter1, Prof. Dr. Pascal Bastian2
1Universität Kassel, 2Universität Koblenz-Landau

Die laufende Reformdiskussion zum SGB VIII kann genutzt werden, grundlegende Strukturprobleme des Jugendhilfesystems anzugehen, wie etwa, dass bestimmte Leistungen nur unter der Bedingung in Anspruch genommen werden können, dass Eltern sich einer entwürdigenden Bedürftigkeitsprüfung unterziehen.

Mit Blick auf die Inklusionsdebatten, soll in diesem Vortrag der Frage nachgegangen werden, wie eine fachlich angemessene Jugendhilfe sein müsste, wenn die Idee einer größtmöglichen Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien verwirklicht werden soll. Der Grundgedanke einer „Bedingungslosen Jugendhilfe“ ist: Jugendhilfe sollte dann als bedingungslos bezeichnet werden, wenn alle Familien auf ihre Leistungen zurückgreifen können, unabhängig davon, ob sie ein psychosoziales Defizit geltend machen oder nicht. Diese Notwendigkeit einer Debatte, ob dies nicht gerade auch für die erzieherischen Hilfen gelten sollte, lässt sich aus unserer Sicht auch auf der Grundlage aktueller empirischer Ergebnisse über die Auswirkungen einer zunehmenden Risikoorientierung und über scheinbar fachlich unangemessenes Handeln und Urteilen im Kinderschutz ableiten.

Es soll eine Debatte darüber angestoßen werden, welche Auswirkungen eine Bedingungslose Jugendhilfe auf die Vergabepraxis von Hilfen, die Diagnose von sozialen Problemen und vor allem auch auf die Hilfen zur Erziehung im Ganzen hätte.

 

Inklusion als Befähigung

Dr. Benedikt Hopmann
Universität zu Köln

In diesem Beitrag wird die ‚Inklusivität‘ des Reformvorhabens mit Blick auf das maßgeblich im Fokus stehende Handlungsfeld der Hilfen zur Erziehung beleuchtet, kritisiert und schließlich mithilfe eines alternativen theoretisch-konzeptionellen Vorschlags neu entworfen.


Obgleich die aktuelle Debatte über Implementationsfragen von Inklusion sowie Zugangsprobleme von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung zu Jugendhilfeangeboten längst überfällig erscheint, so weist die Inklusionsdebatte einige Blindstellen auf. Während auf der einen Seite inklusiv zu gestaltende Zugänge von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung forciert werden, sind auf der anderen Seite etwa prekäre sozioökonomische Lebenslagen der Adressat*innen in keiner anderen Hilfeform der Kinder- und Jugendhilfe verbreiteter, als es in den Hilfen zur Erziehung der Fall ist. Gleichwohl wird Inklusion maßgeblich als behinderungsspezifische Angelegenheit ausgewiesen. Zugleich gelangt der SGB VIII-Reformprozess um die Inklusive Lösung über kaum mehr als eine administrativ-juristische Debatte über die Zusammenlegung von Rechtskreisen hinaus.


Vor diesem Hintergrund wird der normativen Frage nachgegangen, was Inklusion für die Kinder- und Jugendhilfe stattdessen bedeuten kann oder sollte. Zur Klärung dieser Frage wird auf den Capabilities Approach nach Nussbaum zurückgegriffen und schließlich eine capabilities-basierte Inklusionsperspektive für die Kinder- und Jugendhilfe vorgeschlagen.

 

Logiken des Vertrags: Kontraktualismus am Beispiel von Hilfeplanung und Schutzplänen

Nina Kläsener, Birte Klingler
Universität Bielefeld

Kontraktualistische Logiken in der Kinder- und Jugendhilfe versprechen, Adressat*innen zu ermöglichen, als Subjekte an Entscheidungsprozessen teilzuhaben und zugleich Maßnahmen zielorientiert und transparent gestaltbar zu machen.


In dem Vortrag werden Praktiken der Kontraktualisierung in der als aushandlungsorientiert konzeptualisierten Hilfeplanung einerseits sowie in den bei Verdacht auf Gefährdungslagen eingesetzten „Schutzplänen“ andererseits in den Blick genommen.


Dabei soll unter anderem aufgezeigt werden, wie die Aufforderung, vertragsfähiges Subjekt zu sein, Unsouveränität und damit auch die spezifischen Lebensführungsprobleme der Adressat*innen ausblendet und welche subjektivierenden bzw. aktivierenden und disziplinierenden Konsequenzen damit verbunden sind. Die Annahme eines rational und verantwortlich agierenden Subjekts neigt, so unsere Argumentation, dazu, pädagogisch Gewolltes als linear zu erreichendes Ziel zu konzipieren und die Prozesshaftigkeit pädagogischer Praxis zu ignorieren. Im Vergleich von Hilfeplanung und Schutzplänen soll zudem die Frage gestellt werden, wie sich das Verhältnis von Aushandlung und Disziplinierung in den Praktiken zu dem rechtlich kodierten Verhältnis von Leistungsanspruch und staatlichem Wächteramt verhält und auf welche Weise – auch bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung – leistungsberechtigte Adressat*innen zu Ausführenden von an sie gestellten Aufgaben werden.



 
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