Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
The implementation of evidence in the field. Optimization as a complex performance - Die praktische Realisierung von Evidenz. Optimierung als komplexe Leistung
Zeit:
Mittwoch, 18.03.2020:
10:30 - 13:00

Ort: Hörsaal XVIIb, Hauptgebäude
Hörsaal XVIIb, Gebäude 100, Hauptgebäude
Kapazität: 49 Plätze, Bestuhlung: fest
Lage des Gebäudes:https://lageplan.uni-koeln.de/#!100
Raumlage innerhalb des Gebäudes: https://verwaltung.uni-koeln.de/abteilung54/content/sachgebiet_4/ hoersaele/lageplaene_der_hoersaele/hauptgebaeude/hoersaal_xvii_b/index_ger.html
Sitzungsthemen:
6. Sonderpädagogik, 8. Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit, Sektion 8, Kommission Sozialpädagogik, qualitativ

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Präsentationen
ID: 154
Symposium
Stichworte: Evidenz; Vollzugswirklichkeit; Praxis; Interaktion

The implementation of evidence in the field. Optimization as a complex performance - Die praktische Realisierung von Evidenz. Optimierung als komplexe Leistung

Chair(s): Prof. Dr. Bernd Dollinger (Universität Siegen, Deutschland), Prof. Dr. Philipp Sandermann (Leuphana Universität Lüneburg)

The symposium considers that evidence-based practice has been broadly debated across disciplines on a conceptual level. Educational sciences and its various subdisciplines have recently followed up on these discussions. During the symposium, we aim at overcoming these conceptual debates on pros and cons of evidence-based practice approaches. Instead, the symposium’s presentations reconstruct how evidence is practically being achieved as a matter of fact when practitioners (inter-)act in the context of social pedagogy and special education. The underlying assumption of this endeavor is that pedagogical action is always expected to generate distinct consequences resp. outcomes. Hence, a broad expectation to optimize things is given per se, even if these expectations are way more diverse and multi-faceted than “classic” formats of evidence-based approaches suggest. This is precisely because it is relevant to conduct empirical investigations of these expectations and processes.

 

Beiträge des Panels

 

Evidenz Qua Urteil: Narrative Überzeugungsarbeit Als Evidenzkonstruktion Im Jugendstrafrecht

Prof. Dr. Bernd Dollinger
Universität Siegen, Deutschland

Der Beitrag analysiert die Konstruktion von Evidenz im Jugendstrafrecht vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in diesem Bereich die Erziehung von Delinquenten als primäre Orientierungsgröße fungiert. Delinquente sollen zwar auch bestraft werden, vorherrschend ist – zumindest programmatisch – aber das Ziel ihrer Erziehung zur Rückfallvermeidung. Obwohl Evidenz gleichsam qua richterlichem Urteil festgelegt wird, muss im Einzelfall genau begründet werden, weshalb eine spezifische Maßnahme bzw. Sanktion für einen Einzeltäter bzw. eine Einzeltäterin sinnvoll ist. Der Beitrag erschließt dies aus der Sicht eines Jugendlichen durch eine Fallstudie, die aus einem breiteren Projektzusammenhang heraus gewählt wird. Der Jugendliche war wegen relativ schwerwiegender Delikte angeklagt worden; seine Hauptverhandlung wurde teilnehmend begleitet und er wurde vor und nach der Verhandlung interviewt. Das Fallbeispiel wird genutzt, um die Konstitution von Evidenz aus der Sicht des Jugendlichen im Zeitverlauf zu rekonstruieren. Auf der methodischen Grundlage einer Kategorisierungsanalyse (MCA) wird beschrieben, wie er seine Taten, sich selbst, seine Biografie und seine bisherigen sozialen und institutionellen Kontakte entwirft, um sich im Kontext der Verhandlung auf besondere Art und Weise darzustellen. Dies wird mit seiner Reaktion auf das richterliche Urteil in Beziehung gesetzt.

 

Practices Of Evidence In Social Work. A Realist Ethnographical Approach

Prof. Dr. Andreas Polutta
DHBW Villingen-Schwenningen

Over the past decade, managerial and evidence-oriented concepts have been introduced to social work. These concepts and organisational frameworks (cl)aim to transform social work institutions and practices towards a broader use of evidence in case management as well as on (risk) populations and the constitution of treatments. Transformation includes processes of planning, delivery of care, protection or assistance, as well as documenting and evaluating welfare services. In Germany, „Wirkungsorientierung“ and „Wirkungsorientierte Steuerung“ are still fuzzy concepts barely according to an accurate doctrine of evidence-based practice. Hence, they need to be reconstructed in terms of “realist” program analyses (Pawson/Tilley 2009). Reconstructing the mosaic of apparently eclectic components in the practices of evidence may lead to describe these practices as “technologies of care” (Webb 2003). But such analyses tend to remain normative, theory-driven perspectives, as long as they lack qualitative empirical data on daily routines in social work practices. The latter is key to adequately analyse processes of implementation as well as those complex performances that might be described most accurately as “doing evidence.” The speaker refers to ethnographic material in the field of youth welfare, child residential care and family assistance services to highlight some of these recent practices of evidence – and what is documented within these practices.

 

Evidenz im Sozialraum: Zur (Re-)Konstruktion von Wirkungen mobiler Jugendarbeit im Spannungsfeld sozialräumlicher und kommunalpolitischer Interessensaushandlungen

Dr. Hemma Mayrhofer
Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie

Im Beitrag wird anhand einer sozialräumlichen Fallstudie zu einem Outreach-Angebot mobiler Jugendarbeit im ländlichen Raum reflektiert, wie im ethnografischen Forschungsprozess Evidenz rekonstruiert und zugleich konstruiert wird. Die Fallstudie war in eine größere Forschung zu den Wirkungen mobiler Jugendarbeit integriert. An ihr lässt sich verdeutlichen, dass die Frage nach Wirkungszielen mobiler Jugendarbeit und nach Kriterien und Indizien, an denen sich der Erfolg dieser Arbeit beobachten lässt, Gegenstand komplexer und mitunter auch konflikthafter Aushandlungsprozesse zwischen unterschiedlichen Akteur*innen (im konkreten Fall zwischen Jugendlichen, Jugendarbeiter*innen, Anrainer*innen, Kirchenbesucher*innen, Pfarrer, Gemeindepolitiker*innen etc.) auf kommunaler Ebene ist. Zugleich war den Akteur*innen bekannt, dass die Interventionen der Einrichtung auf Wirkungen hin erforscht werden. Folglich gilt es auch danach zu fragen, inwiefern sich die Wahrnehmungen und Handlungsweisen der Akteur*innen unter anderem aufgrund des Wissens, dass die Geschehnisse im Fokus der Forschung stehen, veränderten bzw. welche Rolle(n) die Forschung in der kommunalen Aushandlung einnahm. Eingebettet werden die empirischen Beobachtungen in neoinstitutionalistische Theorieangebote, da diese den Blick auf Legitimationserfordernisse in der Ausverhandlung von Evidenz schärfen, d.h. auf die potenziell spannungsreiche Wechselwirkung zwischen Evidenz und Legitimation verweisen.

 

Evidenz Im Bild? Das Bildliche In Der Adressat*innenorientierten Erforschung Von Folgen sozialer Hilfen

Dr. Hanna Weinbach
Universität Siegen, Deutschland

Der Fokus des Beitrags richtet sich auf den praktischen Vollzug von Evidenz im Medium Bild. Im Rahmen einer an die Dokumentarische Methode (DM) angelehnten Bildinterpretation wird nach den Möglichkeiten gefragt, die Bilder in der Erforschung von Folgen sozialer Hilfen bieten. Das empirische Material entstammt einer Fotobefragung. Diese vereinte die Mobilität visueller Methoden sowie die Kombination von Bild- und Interviewanalysen, um Aufschluss über Sichtweisen von Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten, die von unterschiedlichen (sonder-)pädagogischen Begleitungs-, Betreuungs- und Förderangeboten adressiert werden, zu gewinnen. Die exemplarische Rekonstruktion veranschaulicht, wie sich junge Frauen mit gesellschaftlichen Normalitäts- und Leistungserwartungen auseinandersetzen. Dabei wird die komplexe Verschränkung verschiedener Unterscheidungskategorien, denen Menschen in unterschiedlichen Kontexten zugeordnet werden, deutlich. Gezeigt wird, wie Optimierungsimperative, die sich u.a. auf geistige und körperliche Funktionen und Fähigkeiten (abilities) beziehen und soziale Ordnungen aufrechterhalten, im Medium Bild prozessiert werden. Der Beitrag diskutiert davon ausgehend das Bild als Medium der praktischen Herstellung von Evidenz und sein Erkenntnispotenzial im Bereich der adressat*innenorientierten Erforschung von Folgen sozialer Hilfen im Rahmen der Kombination mit dem qualitativen Interview und ethnografischen Beobachtungen.



 
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